Neukaledonien

Es ist immer wieder erstaunlich, wie euphemistisch Wikipedia‐Einträge sind, wenn es um westlichen (Neo-)Kolonialismus und Imperialismus geht. Neukaledonien ist eine zu Frankreich gehörende Inselgruppe im südlichen Pazifik. Sie wurde vom französischen Militär erobert, weil dort zehn Prozent der weltweiten Nickel‐Vorkommen existieren. Wikipedia schreibt beschönigend:

Die Urbevölkerung der Melanesier oder Kanak bildet mit einem Anteil von ungefähr 44 Prozent der Bevölkerung eine Minderheit. Eine große Bevölkerungsgruppe stellen die Nachfahren der ersten „Siedler“ aus Frankreich, die Caldoches, zusammen mit den Métropolitains, den französischen Neueinwanderern. Insgesamt machen Weiße, also Europäischstämmige, 34,1 % der Bevölkerung aus.«

Wie jetzt? 44 Prozent sind die Minderheit und 34 Prozent die Mehrheit? Und warum ist »Siedler« in Anführungszeichen gesetzt? Warum schreibt man nicht gleich westliche Eroberer, Kolonialisten, Besatzer oder Imperialisten? Weiter gehts mit:

»...zu Frankreich gehörige Überseegemeinschaft mit besonderem Status.«

So nennt man heute ein gewaltsam besetztes Gebiet, bei dem die Ureinwohner brutal unterdrückt werden.

»Die Eingriffe in die Ökosysteme der Insel sind teils erheblich

Welche Folgen der radikale Nickel‐Abbau für Natur, Umwelt und Landbevölkerung ganz konkret hat, verrät uns Wikipedia aber nicht, wie beispielsweise vergiftete Flüsse und Bäche, tote Fische und verdorrte Wälder.

Wie ich darauf komme? Durch den hervorragenden Spielfilm »Rebellion«, der einen Aufstand der Ureinwohner in Neukaledonien gegen die französischen Besatzer zum Thema hat.

Afrika

Quelle: pixabay.com

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Wenn man von Afrika spricht, so tauchen in aller Regel folgende Assoziationen auf: Flüchtlinge, Krieg, Hunger, Armut, Korruption und Aids. Vielleicht noch die große Hitze und die exotischen, wilden Tiere (Safari‐Urlaub!). Die vielfältige kulturelle Vielfalt, aber auch die große herzliche Mentalität und Lebensfreude der Afrikaner werden eher selten thematisiert. Im öffentlichen, aber auch im privaten Diskurs wird zudem über Neokolonialismus kaum gesprochen. Es sei ja schon wieder so eine Schulddebatte. Das passt vielen nicht in das selbstverliebte Narrativ des »Wir sind die Guten«. Außerdem möchte man doch sowieso endlich einen Schlußstrich ziehen. Und am besten für gar nichts mehr Verantwortung übernehmen. Weiterlesen