Neofeudalismus

Die Regierung soll sich um neue Jobs für diejenigen kümmern, die infolge von großer Agrarinvestitionen arbeitslos werden“, so die weniger euphemistische Übersetzung eines Agrar-Investors in einer ARD-Dokumentation mit dem Thema „Landraub“, die mittlerweile leider weder in der Mediathek, noch auf Youtube zu finden ist (ich hatte sie mir vor einigen Wochen mit dem Tool „MediathekView“ angesehen). Die Dokumentation zeigte sehr gut auf, dass wir auch in Deutschland (in Afrika und Asien schon seit Jahrzehnten) wieder feudalistische Verhältnisse haben. Agrar-Familienbetriebe (beispielsweise in Brandenburg oder Mecklenburg Vorpommern) werden aufgekauft, zerschlagen und dann in den finanziellen Ruin getrieben, wenn sie nicht mehr genug Profit abwerfen.

Großinvestoren interessieren sich nicht dafür, was eine Region wirklich benötigt, ob es den Tieren oder den Arbeitskräften vor Ort gut geht und inwiefern es negative Folgen für die Umwelt gibt, sie wollen nur den größtmöglichen Gewinn herauspressen. Sucht man im Internet jedoch nach dem Thema Landraub in Deutschland, dann findet man aber fast nur Beiträge über Asien, Südamerika und Afrika. Dabei ist das auch längst in Deutschland -wieder- ein Thema.

Affären. Lügen. Skandale.

skandale_titelAuch im Jahr 2016, und in all den folgenden Jahren, werden wir -in unserer westlichen, ach so freien Welt- wieder jede Menge Skandale, Affären, Lügen und Korruptionsfälle erleben. Wieder wird so getan werden, als wären es Einzelfälle. Als wäre die alleinige Ursache stets nur das fehlerhafte Verhalten von Individuen. Ganz so, als existieren keine Gesetze, Strukturen oder Rahmenbedingungen, die Affären, Lügen und Korruption nicht nur begünstigen, sondern sogar ausdrücklich erfordern würden. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Solcherlei systematische „Zustände“ gebe es doch nur in Entwicklungsländern. Genau das soll und wird uns wieder eingetrichtert werden. Weiterlesen

Der Barbar in uns

„Damit dient der Barbaren-Topos seit der Antike dazu, Europas imperiale Außenbeziehungen zu strukturieren. […] Der erste und gewalttätigste rogue state ist derjenige, der das Völkerrecht, als dessen Vorkämpfer er sich ausgibt, missachtet und fortwährend verletzt. Nämlich die USA.“

– Oliver Eberl. „Die Barbaren sind immer die Anderen“. Blätter. Ausgabe Juli 2015. S. 65

Anmerkung: Westliche Werte. Kolonialismus und Imperialismus. Zwei Weltkriege mit Millionen Toten. Vietnam. Angriffskriege gegen Libyen, Afghanistan, Irak, Syrien und gegen das ehemalige Jugoslawien. Sweat Shops. Massenhafte Umweltverschmutzungen. Weltweite wirtschaftliche Ausbeutung. Geheimdienst-Attentate und Putsche. Und dennoch: wir sind die Guten. Die Bösen sind (unter anderem) Nordkorea, der nahe Osten und Russland.

Neokolonialismus

Auf der einen Seite werden in der sogenannten Dritten Welt für Gold, Silber, Coltan ganze Berge abgetragen, um sie in Fabriken zu transportieren […] Und auf der anderen Seite kommt ein Großteil davon mit den einlaufenden Schiffen in Bergen von Zivilisationsmüll wieder zurück.

– Jürgen Reuß und Cosima Dannoritzer. „Kaufen, wegwerfen, neu kaufen“. Blätter Ausgabe Januar 2014. S. 96

Anmerkung: Dieses Zitat bringt für mich den heutigen Neokolonialismus, der als Globalisierung bezeichnet wird, bildlich sehr gut auf den Punkt. Wir stehlen den „Dritte Welt“ Ländern die Ressourcen und berauben sie damit der Möglichkeit, wirtschaftlich eigenständig und unabhängig zu werden, und gleichzeitig beliefern wir sie mit unserem Abfall, der ihre Flüsse und Seen vergiftet, Krankheiten verbreitet und unsere Verachtung verdeutlicht.