Ich bn wirklich kein Fan von »Young Adult« — bzw. »Coming of Age« — Medienformaten. Es gibt mittlerweile Hunderte Filme, Bücher, Serien, Hörspiele oder Theaterstücke, die das Erwachsenwerden von Jugendlichen thematisieren. Viel zu oft, sind diese leider überaus sentimental, kitschig oder überdramatisiert inszeniert.
Es gibt für mich jedoch eine Ausnahme: die Serie »Willkommen im Leben« (»My So-Called Life«) aus dem Jahr 1994 mit Claire Danes in der Hauptrolle. Die Serie ist glaubwürdig, authentisch und bodenständig. Sie schafft es auch heute noch, mich zu berühren.


Warum gibt es in der Mainstream-Presse sowie in den regionalen und überregionalen Tageszeitungen eigentlich noch die Ressorts Kultur, Sport, Regionales, Boulevard, Politik, Soziales, Gesundheit usw.? Da mittlerweile quasi alle Lebensbereiche mit neoliberalen Verwertungskriterien betrachtet, bewertet und beurteilt werden, könnte man doch nur noch ein Ressort haben: Wirtschaft.
Ob in der Familie, auf dem Arbeitsplatz, auf Facebook oder bei Bekannten: den meisten Leuten ist es unheimlich wichtig, was andere über einen denken. Wie sie einen bewerten und beurteilen. Bestimmte Worte und Wahrheiten werden daher gemieden oder blumig verschnörkelt, und ja, es wird auch bewusst gelogen. Schmeicheleien sowie Komplimente werden gezielt eingesetzt und es wird sich mit small talk, Allgemeinplätzen und unverdächtigen Themen aufgehalten. Authentizität, Glaubwürdigkeit und persönliche Integrität ordnen sich in aller Regel der Sucht nach Bestätigung und Anerkennung unter.
Das hat letztens eine Frau zu mir gesagt, die das völlig ernst meinte. Sie sah absolut keinen Widerspruch zwischen den eigenen Bedürfnissen, Interessen und individuellen Charaktereigenschaften und dem, was andere, primär Unternehmen, Politik und die Familie von einem wollen, fordern und verlangen. Authentisch sei heute demnach, so zu sein, wie andere einen haben wollen und nicht, so zu sein, wie man wirklich ist. Oder noch besser: nur derjenige ist wirklich authentisch, der sich ohne Widerstand formen und biegen lässt. Selbstentfremdung sei Selbstverwirklichung. Ja, sind denn alle verrückt geworden? :wtf:
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