Ziegenjournalismus (1): Advertorials

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?

Die großen bürgerlichen Massenmedien bezeichnen sich gerne als »Leitmedien« (Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit, BILD). Sie seien für die Demokratie konstituierend und für den Einfluss auf die öffentliche Meinung von entscheidender Bedeutung. Seit einigen Jahren schiessen sie aus allen Rohren gegen alternative Medien. Dort sollen primär Verschwörungstheorien, Populismus und Fake News verbreitet werden. Gleichzeitig feuern diese mit pauschalen (Wert-)Urteilen zurück: »Lügenpresse«.

Was mir bei der ganzen Debatte zu kurz kommt, sind die alltäglichen Fehler, Ungereimtheiten, Verzerrungen, Halbwahrheiten, Übertreibungen, Falschzitate, Skandalisierungen sowie die gezielten Methoden von Print- und Online-Medien, die schon als völlig »normal« gelten, es aber eigentlich nicht sein sollten und nicht sein dürften. Denn genau diese Methoden haben primär mit zum Vertrauensverlust der Bevölkerung in die vermeintlich etablierten Massenmedien beigetragen. Um die soll es zukünftig in der neuen Rubrik »Ziegenjournalismus« gehen. Heute starten wir mit »Advertorials«. Weiterlesen →

»Veganer retten die Welt!«

Die dominanten Nachhaltigkeits-Diskurse wirken. Das zeigen auch die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg. Die Umwelt- und Klimakeule zwingt jeden zu mehr »Eigenverantwortung«. Es ist ein schöner Glaube und eine starke Erzählung. Weniger Plastik verwenden. Weniger (Elektro-)Müll verursachen. Ein bewussterer Umgang mit Wasser, Lebensmittel, Energie und Rohstoffen. Fair gehandelte Produkte. Eier aus Freilandhaltung. Fleisch von »glücklichen Tieren«. Holz-Spielzeug. Weniger Konsum. Waren mit Bio- und Vegan-Siegel kaufen. Nicht mehr so oft fliegen. Und so weiter und so weiter.

Natürlich kann jeder seinen kleinen Beitrag leisten. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden! Nur werden durch diese ständigen »Eigenverantwortungs-Diskurse«, die durch alle medialen Kanäle vorangetrieben werden, die eigentlichen Schmutz- und Drecksverursacher kaum in die Verantwortung genommen: Investoren, Spekulanten, Groß-Industrie, Banken, kriminelle Organisationen und Konzerne. Das Hauptproblem ist und bleibt die völlig absurde ungleichmäßige Verteilung von Einkommen, Besitz, Kapital und Vermögen sowie der kriegstreibende Imperialismus. Solange daran verbissen festgehalten wird, ist alles andere nur ein lauwarmes Lüftchen im Ozeanwind.


»Schöne Grüne Welt«
»Nazispaß und der nächste Anti-Rezo«

»Wir müssen reden!« (2)

Labern. Sitzen. Labern. Saufen. Labern. Fressen. Labern. Rauchen. Labern. Schwafeln. Quatschen. Der Glaube an das Allheilmittel Kommunikation ist bei einigen Bevölkerungsschichten (Pädagogen, Psychologen und Frauen) sehr stark verankert. Auch das Quantität nicht gleichbedeutend mit Qualität ist, wollen die endlosen Quasselstrippen, nervigen Labertaschen und narzisstischen Ich-Bin-Wichtig-Blubberinnen nicht verstehen. Ich vermute, es gab noch nie so viel Kommunikation wie heute (aka soziale Medien) und gleichzeitig wurde noch nie so wenig gesagt.

Stattdessen: Bullshit-Bingo (PR, Werbung, Marketing), inszenierte Diskurse (Polit-Talkshows), Clickbait-SEO-Nicht-Nachrichten sowie unerträglich viel Hype-Gewese um langweilige Nichtigkeiten, Familien-Gedöns, lustig-lustige YouTube-Filmchen und profane Alltagsbanalitäten. Im Jahr 2019 wird nicht zu wenig miteinander geredet, sondern eher viel zu viel. Insofern: »Es gibt kaum etwas Besseres, als mit einem guten Freund über ein interessantes Thema zu schweigen.« (Alec Guinness)


»Wir müssen reden!«