Alles Wirtschaft Oder Nichts

alleswirtschaft_titelWarum gibt es in der Mainstream-Presse sowie in den regionalen und überregionalen Tageszeitungen eigentlich noch die Ressorts Kultur, Sport, Regionales, Boulevard, Politik, Soziales, Gesundheit usw.? Da mittlerweile quasi alle Lebensbereiche mit neoliberalen Verwertungskriterien betrachtet, bewertet und beurteilt werden, könnte man doch nur noch ein Ressort haben: Wirtschaft.

Denn für die Vermögenden und ihre Zuträger ist doch sowieso alles Ökonomie. So wird aber nur weiterhin der Schein aufrechterhalten, als gebe es finanzfreie Themen, die schöpferischen, sozialen oder kulturellen Maßstäben und Kriterien unterliegen würden. Dabei durchdringt die Diktatur des Marktradikalismus mittlerweile jede Pore des sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Authentisch ist heute, was sich zu Geld machen lässt. Alles andere sei doch nur belanglose Zeitverschwendung.

Der pädagogische Happen (9)

_happen_Viele Jungen lieben Fußball. Sie sind in Vereinen aktiv, ihre Eltern fiebern am Spielrand mit (sorgen für ordentlich Leistungsdruck) und am Wochenende gibt es regelmäßige Turnierspiele. Insgesamt wird diese Freizeitaktivität als sehr positiv bewertet. Insbesondere auch deshalb, weil sie bei vielen Vätern so beliebt ist. Dabei eignet sich gerade diese Sportart sehr gut, um schon die Kleinen frühzeitig mit neoliberalen (Un-)Werten zu indoktrinieren und zu infizieren.

Wie oft habe ich es persönlich schon erlebt, dass selbst bei den Kindern der Leistungsgedanke, der Erfolg, der Egoismus, der Wille zum Sieg, der Ehrgeiz, das Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken sowie das rücksichtslose Vorgehen vor Spaß, Empathie (beispielsweise bei Verletzungen im Spiel) und Teamgeist stehen. Sicher, es mag diese Aspekte schon immer beim Fußball gegeben haben. Aber es gab auch mal Zeiten, bei denen man selbst bei einer Niederlage noch Spaß haben konnte. Oder wo man beim Fußball-Spielen noch gelacht hat. Oder wo Jungen, die kein Fussball mögen, nicht sofort ausgegrenzt wurden. Stattdessen gibt es heute vielfach den heiligen Leistungsernst.