Die Themen in den Fernsehnachrichten werden primär durch Bilder vermittelt. Sie verleihen eine scheinbare Authentizität und machen den Zuschauer so zum vermeintlichen Augenzeugen. Da man sich gegen Bilder argumentativ schwer wehren kann und sie sich selbst rechtfertigen sollen, wird häufig ein kritischer Bezug zu dem berichteten Thema schwer gemacht. Denn ein Bild hat eine höhere Glaubwürdigkeit bei den Zuschauern als die gesprochene Sprache. Weiterlesen
Archiv des Monats: April 2009
Neues Grundgesetz?
Am 28. März schrieb ich einen ironischen Artikel mit dem Inhalt, es gäbe nach der Bundestagswahl 2009 ein neues Grundgesetz. Christian Klotz schrieb einen treffenden Kommentar, dass meine Ironie schon längst von der Realität eingeholt wurde. Nun prescht unser gute Müntefering vor und möchte gern ein neues Grundgesetz. Seine Argumentation: »Das Ganze leidet darunter, dass wir 1989⁄90 nicht wirklich die Wiedervereinigung organisiert haben, sondern die DDR der Bundesrepublik zugeschlagen haben«. Logisch, es ist nur Wahlkampf-Gebrabbel. Trotzdem sollten die Menschen eher Angst davor haben, was ein Müntefering für ein Grundgesetz mit verfassen würde. Haben wir dann die Rente mit 75, noch mehr Agenda 2010 und Essen nur noch für diejenigen die arbeiten grundgesetzlich verankert?
Symptom einer kranken Gesellschaftsordnung
Innerhalb eines Monats hat es mehrere sog. »Amokläufe« gegeben. Zuerst der Amoklauf in Winnenden am 11. März, bei dem der 17jährige Schüler in seiner ehemaligen Realschule 15 Menschen erschossen hat. Ein Massaker mit 14 Toten in einem Sozialzentrum in Birmingham, ein Blutbad mit acht Toten in einem Altenheim in der US-Stadt Carthage sowie ein Amoklauf im Landshuter Landgericht. Während bei der Tat in Winnenden noch große Betroffenheitsfloskeln sowie eine dummdreiste konstruierte Kausalität von sog. »Killerspielen« zu hören war, sind die öffentlichen Statements zu den weiteren Ereignissen nun leiser geworden. Der Amoklauf als Normalzustand. Weiterlesen
Teile und Herrsche
Der Tagesspiegel hat vor einiger Zeit darüber berichtet, wie in Berlins Jobcentern 2008 härter »durchgegriffen«, sprich von mehr Sanktionen gegen ALG2 — Empfängern gebrauch gemacht wurde. Vor allem Jugendliche unter 25 Jahren, die es nicht einsahen zu Ein-Euro-Jobs gezwungen zu werden, wurden massiv die Leistungen gekürzt. Das wirklich Erschreckende sind die Kommentare zu dem besagten Artikel. Teile und Herrsche in Reinform. Zwangsarbeit als Segen der Menschheit. Eine Auswahl. Weiterlesen
Neusprech: Staatsverschuldung
»In verbindlichen Absprachen müssen auf allen Ebenen, Bund, Ländern und Kommunen, ausgeglichene Haushalte erreicht werden, damit die Staatsverschuldung über die Jahre dauerhaft und deutlich gesenkt werden kann«.
- Andre Stolz, stellvertretender Vorsitzender der jungen Union am 29. März 2006 in einer Pressemitteilung
Der gute Roger vom Blog »nebenbei bemerkt« hat schon öfters auf das diskursive Spiel mit der »Staatsverschuldung« hingewiesen. Bei wem der Staat wirklich verschuldet ist (zurzeit ca. 1500 Mrd. Euro) und wie viel die Gläubiger daran verdienen (Im Jahre 2007 ganze 613 Millionen Euro Zinsen), wird öffentlich gern verschwiegen. Was genau ist also Staatsverschuldung und wie wird diese öffentlich instrumentalisiert? Weiterlesen
Der weise Ackermann
»Gewinnstreben wird erst dann fragwürdig, wenn es zulasten Dritter geht und das Prinzip verletzt, andere so zu behandeln, wie man selbst auch behandelt werden will«.
- Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank im Interview mit der BILD vom 6. April 2009
Anmerkung: Herr Ackermann tut so als würde er den Kapitalismus nicht verstehen. Welches Gewinnstreben führt auf lange Sicht bitte NICHT zu Skrupellosigkeit, Egoismus und Ellenbogen-Mentalität?
Links I
Ein paar interessante Links zum Wochenstart:
- lawblog
Ein Blog von RA Udo Vetter der einen erfrischenden Einblick in die Welt von Recht und Gesetz gibt. Sozusagen aus erster Hand. - Plakatwelten
Ein Blog von einer Mediendesignerin/Filmfan über Filmplakate. Beeinflussen sie uns mehr als man denkt? - Twitterumfrage
Wer mit Twitter noch genauso wenig anfangen kann wie ich, kann hier mal sehen, warum die Leute das so machen.
Psychologie der Resignation
»Als ihm die Sache mit der Taube widerfuhr, die seine Existenz von einem Tag auf den andern aus den Angeln hob, war Jonathan Noel schon über fünfzig Jahre alt, blickte auf eine wohl zwanzigjährige Zeitspanne von vollkommener Ereignislosigkeit zurück und hätte niemals mehr damit gerechnet, daß ihm überhaupt noch irgend etwas anderes Wesentliches würde widerfahren können als dereinst der Tod. Und das war ihm durchaus recht«.
- Patrick Süskind. Aus dem Roman: Die Taube. Seite 5.
Anmerkung: Sieht so die Psychologie der Masse aus? Eine millionfache Resignation? Wenn ja, was kann man dagegen tun? Sollte man etwas dagegen tun? Scheinbar steht das Bedürfnis nach monotoner Sicherheit, sei sie noch so illusorisch, über dem urmenschlichen Drang nach authentischem Leben.
Ob Stromberg die G20 beraten hat?
Hofberichterstattung
Endlich ist es soweit. Wir werden gerettet! Die 20 skrupellosesten Industriestaaten der Welt treffen sich zurzeit in London und legen sich einen Masterplan zurecht, wie man dem kapitalistischen Irrsinn endlich wieder freien Lauf lassen kann. Just in diesem Augenblick als der Autor dieses Textes, das Wörtchen »Masterplan« im ironischen Sinne gebrauchen wollte, fand er bei seiner Recherche den Begriff im Tagesspiegel — leider ohne jede Ironie. Sprechen wir also stattdessen vom Schlachtplan. Weiterlesen