Presseblick (46)

Wolfgang Lieb von den Nachdenkseiten hört nach 12 Jahren auf. Er sei mit der Richtung, welche die Nachdenkseiten einschlagen würden, nicht mehr einverstanden. Sie sei zu konfrontativ, einseitig und diskursunfähig geworden. Auch würden sie die USA für zu vieles verantwortlich machen. Er halte auch den »häufigen Vorwurf der medialen Gleichschaltung« für falsch. Schon deshalb weil er historisch mit der Nazizeit verknüpft sei. Auch wenn ich Wolfgang Lieb´s Texte immer gern gelesen habe, so liest sich seine Begründung wie ein Vorwurf, die Nachdenkseiten seien zu antiamerikanisch und verschwörungsteoretisch geworden.

Dabei haben Edward Snowden, Julian Assange, die gezielten Drohnenmorde der USA, Atlantikbrücke‐Journalisten, der NSA‐Skandal sowie die einseitige Berichterstattung beim GdL‐Streik, der Ukraine, Russland/Putin, dem Syrien‐Krieg und Griechenland für jeden eindeutig offen gelegt, dass die Herrschenden schon lange nicht mehr an einem demokratischen, kritischen Diskurs interessiert sind. Indessen nutzen die »linke TAZ« und die »linke Frankfurter Rundschau« den Ausstieg von Lieb, um die unliebsame Nachdenkseiten‐Konkurrenz als Sammelbecken für Verschwörungstheoretiker, Antisemiten, NATO‐Hasser und Antiamerikaner  zu diffamieren. Wann ist diese Keule endlich abgenudelt?

Arbeitsmarkt
Paul Schneeberger behauptet in der Neuen Zürcher Zeitung (nzz.ch), dass sich »durch Home Office im öffentlichen Verkehr pro Jahr 140 Millionen Franken einsparen« lassen. Genau darum geht es beim Home Office: Kostensenkung. Und um nichts anderes! Wie oft musste ich schon in Artikeln lesen oder von Freunden und Bekannten hören, wie toll, flexibel und bequem das Arbeiten von Zuhause doch wäre. Dem Unternehmen geht es einzig und allein darum, einen Büroplatz einzusparen, die Stromkosten für den PC zu senken und nicht zu vergessen: eine mögliche Solidarität der Mitarbeiter zu unterbinden. Denn wer von Zuhause arbeitet, wird sich kaum im Betriebsrat engagieren oder gar streiken.

Was nicht alles bemüht wird, um die Ursache für den Altersrassismus zu erklären: ältere Menschen seien nicht flexibel genug, unsportlich, festgefahren, hätten zu wenig Ideen, ihnen fehle die »Frische« und sie seien nicht belastbar. Karriereberaterin Svenja Hofert behauptet gar, dass man mit 50 sich bei Konzernen erst gar nicht zu bewerben braucht. Ich glaube ja, dass ältere Lohnarbeiter vor allem deswegen ungern genommen werden, weil sie Lebens‐ und Arbeitserfahrung haben. Sie wissen wie Chefs und Unternehmen ticken, haben womöglich schon Kontakt mit einem Arbeitsgericht gehabt. Kennen sich im Arbeitsrecht besser aus, als die jungen Spunde. Und (ganz schlimm) sie sind womöglich gewerkschaftlich organisiert oder waren im Betriebsrat. Das sind, meines Erachtens, die Hauptgründe und nicht das verlogene Gequatsche von der Belastbarkeit. :NENE:

Und nebenbei: »Deutsche Bank streicht 15.000 Stellen«.

Krieg
Syrien, Irak, Afghanistan...und was ist mit dem Kongo? Mehr als drei Millionen Menschen sind im Kongo in drei großen Kriegen seit 1996 gestorben. Jeden Tag soviele Opfer wie bei 911. Viele bezeichnen das als »afrikanischen Weltkrieg«, weil viele afrikanische Staaten daran beteiligt sind. Rein zufällig wird die Rolle des Westens eher selten erwähnt, wenn es überhaupt eine Berichterstattung über diesen Krieg gibt. Denn der Westen profitiert davon, dass alle Kriegsparteien den Konflikt primär durch die Ausbeutung von Rohstoffen finanzieren: Gold, Diamanten, Kupfer, Kobalt und das zur Handy‐ und Computerherstellung benötigte Coltan. Auch am Waffenexport in den Kongo wird fleißig verdient: »So wurde in Südafrika ein belgischer Waffenhändler verhaftet, der 8.000 alte M‐16 Sturmgewehre aus amerikanischer Produktion an die kongolesische Regierung verkaufen wollte.«

Junge Welt vom 5. Oktober 2015

Junge Welt vom 5. Oktober 2015

Geld
Die schrittweise Abschaffung des Bargeldes wird kommen. Schon jetzt gibt es beispielsweise in Frankreich eine Höchstgrenze von 1.000 Euro für Bargeldzahlungen. Offiziell natürlich nur als Maßnahme gegen das organisierte Verbrechen und gegen Terrorismus. In Wahrheit geht es -wieder einmal‐ um die nächste Bankenrettung, um Kontrolle und Überwachung der Geldflüsse. Denn das Spielcasino für die Zockerbanken ist noch immer nicht geschlossen worden. Die Bank of England fordert sogar: »Abschaffung von Bargeld zwingend erforderlich.«

Indessen versucht die Bundesbank den Bürgern Sand in die Augen zu streuen, indem sie behauptet: »Bundesbank lehnt Abschaffung von Bargeld strikt ab.« Na klar. Es könnte ja sein, dass die Bürger anfangen, massenweise ihr Geld von der Bank abzuheben. Und das darf nicht passieren. Also keine Panik. Niemand will an euer Geld! :P

Politik
Gregor Gysi nimmt seinen Abschied als Fraktionsvorsitz der Linkspartei. Die bürgerlichen Medien nehmen das zum Anlass über ihn zu lästern. Ganz vorne mit dabei ist natürlich Spiegel Online mit dem Autor Stefan Berg, der wieder einmal das Klischee von den regierungsunfähigen Linken verbreiten muss: »Gregor Gysi hat sich um den Wirtschaftsstandort Berlin verdient gemacht. Er schied freiwillig und sehr schnell aus dem Amt des Wirtschaftssenators, weshalb der Stadt in der Kürze seiner Amtszeit kein Schaden entstehen konnte.« Ich vermute eher, dass Gysi sehr schnell gemerkt hatte, dass es nichts zu gestalten, sondern nur zu kürzen gab. Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die bürgerlichen Medien dann über den Kürzungs‐Linken hergefallen wären, also ist er dem zuvor gekommen.

Abgeordnetenwatch.de veröffentlicht eine Liste von über 600 Lobbyisten, die einen Hausausweis für den Bundestag haben. Natürlich fast durchgängig »Vertreter« von Großkonzernen, Banken und Arbeitgeber‐ bzw. Unternehmerverbänden. CDU/CSU weigern sich ihre Kontakte offen zu legen: »Ob irgendwann auch die Lobbykontakte der Union öffentlich werden — darüber werden infolge der abgeordnetenwatch.de-Klage Gerichte entscheiden.« :MAD:

Wie es dieser Artikel wohl in die FAZ geschafft hat?

Wie es dieser Artikel wohl in die FAZ geschafft hat?

Rente
Realsatire liefert BDI‐Chef Ulrich Grillo ab, indem er das Renteneintrittsalter nicht an die Produktivität, an politische Vorgaben oder an die Gesundheit der Menschen knüpft, sondern an die durchschnittliche Lebenserwartung minus 15 Jahren. Somit wäre bei einem Durchschnittsalter von 100 Jahren eine Rente mit 85 für ihn durchaus denkbar. Schon heute wissen diese Menschenschinder, dass das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland bei rund 60 Jahren liegt und sie damit alle saftige Abschläge bekommen. Entweder hat man sich vorher kaputt geschuftet oder wird rausgeworfen. Und genau diese »Kostenersparnis« war auch bei der Rente mit 67 beabsichtigt.

Überwachung
Die Vorratsdatenspeicherung wurde beschlossen. Nachdem das Bundesverfassungsgericht das Gesetz im Jahre 2010 für verfassungswidrig erklärt hatte, wird es jetzt einfach nochmal verabschiedet. Die Liste an grundgesetzwidrigen Gesetzen, welche CDU und SPD beschließen, wird beständig länger. Aber das interessiert ja keinen, solange der Akku vom smartphone aufgeladen ist, whatsapp funktioniert und Facebook nicht offline geht. :SICK:

15 Gedanken zu “Presseblick (46)

  1. Uuuuh, Werbung für nen genova68‐Beitrag! Verspricht wohl wie immer höchst seriöse, vorurteilsfreie und sachliche Recherche! :d Haben die (offenbar finanziell unabhängigen) Linken‐Kritiker wie genova68 denn auch eine Idee, wie die Stadt Berlin (ohne rechtliche Möglichkeiten der Steuererhebung) damals (und heute) notwendige finanzielle Mittel hätte erzielen können, um es irgendwie nennenswert anders machen zu können...?! Was ist an »Koalition« und »Kompromissfindung« eigentlich so schwer zu verstehen...?! Was hat man von der Linken in Berlin denn erwartet? Das Ausrufen der kommunistischen Revolution...!? Wem nützt dieses Linkenbashing — außer den Etablierten...!? Und außer altklugen Besserwissern einmal mehr eine Gelegenheit zu geben, zu sagen, dass sie es ja eh immer gesagt haben!? Und selbst besser gemacht hätten...!?

    Und schlechte PR hilft vielleicht wenn überhaupt bei Sachen, die man verkaufen will. Aber nicht bei der Einordnung politischer Blogs wie den NDS. Das sollten doch auch grade jene wissen, denen regelm. ein wenig aufgeschnappte Gerüchte-»PR« reicht, um den Daumen bzgl. einzelner Personen zu heben oder zu senken...!

    @epikur: Gewohnt gut kommentierte Zusammenstellung eines kleinen Teils des Wahnsinns, der uns tagtäglich um die Ohren weht! Was den W. Lieb betrifft — ich kann’s weiterhin nicht nachvollziehen. In meinen Augen ist er der bürgerlichen Anziehungskraft der Mitte erlegen. Wenn die Zeiten (also auch die Personen in der Mitte) immer extremer werden — wirkt eben auch die Kritik logischerweise immer extremer. In einer absolut inhumanen Welt ist simpler Humanismus der extremste Gegensatz. Deshalb ist er aber nicht falsch. Dass die »Wahrheit immer irgendwo in der Mitte läge« ist ganz einfach falsch — und leider ein nicht ausrottbares Mantra bzw. eine von früh auf eingepflanzte Gedankenleitplanke...!

  2. »Was hat man von der Linken in Berlin denn erwartet?«

    Dass die Mieten um 100 Prozent steigen, vermute ich.

    Dieser Dennis ist so blöd, dass es weh tut.

  3. @genova

    Schön, das Sie den Weg auf den ZG Blog gefunden haben. Wenn Sie schon einmal hier sind, dann lesen Sie sich doch bitte einmal in Ruhe die Kommentarrichtlinien durch. Persönliche Beleidigungen sind hier nicht erwünscht. Sie brauchen sich jetzt auch nicht rechtfertigen oder erklären. Persönliche Angriffe sind zu unterlassen. Punkt!

  4. Naja, eigentlich war mir schwer danach, dennis82 bezüglich seines ersten Absatzes aus ganz praktischen Überlegungen diesmal zu widersprechen, aber anscheinend herrschen zur Zeit nur noch Animositäten, die wahrlich niemandem mehr nützen. Schade.
    Klasse Zusammenstellung @epikur.

  5. Achwas! Man kann sich doch regelrecht geehrt fühlen, von jemandem wie diesem genova beleidigt zu werden. Es hätte zwar gerne eine etwas niveauvollere Beleidigung sein dürfen — aber man soll die Leute ja nicht überfordern. Zur Sache hatte er inhaltlich jedenfalls ja auch nicht mehr beizutragen — ist man ja gewohnt. ;) Nö — ernsthaft — ein Problem sind sehr wohl die teils abstrusen Erwartungen, die manche hegen... schon vorab im Wissen, dass jene auch gar nicht erfüllt werden können. Umso mehr freut man sich, hinterher bei jeder Gelegenheit »Verrat« und »hab ich’s nicht gesagt?« zu schreien! Zumal ich die Herleitung, die Linke sei (allein) für (nennenswert) steigende Mieten in Berlin verantwortlich für absurd halte. Ob die Linke in einem Senat oder einem Landtag sitzt, ist vollkommen unerheblich, weil die Länder ihr Geld (mit dem sie haushalten müssen) eben mehrheitlich vom Bund (nicht) bekommen! Auch dort tricklet immer weniger down. Aber ja — die pöhsen Linken sind ja am Ende auch nur solche Verräter wie die Sozen! Ich mach mir die Welt, widdewiddewie...!

    Und so drehten sie sich endlos im Kreis, bis ans Ende aller Tage...!

    @eb: Sachliche Widerrede ist jederzeit willkommen! ;)

  6. @dennis82
    Wenn ich von Menschen rede kann ich nicht von Sachlichkeit reden, denn Menschen sind keine Sachen. Mir gefällt das Wort Nüchternheit besser. Damit versuche ich zu verbinden, — nicht zu trennen. Ich will mich jetzt auf keinen Fall an diesen Animositäten beteiligen oder auf eine dieser merkwürdigen Einzelkämpferseiten schlagen, aber aus reiner Fairness muss ich einfach erwähnen, dass auch dein Kommentar ein klein wenig weniger abfällig und auch vorurteilsfreier über genova68 hätte ausfallen können. Irgendeinen nennenswerten Unterschied bezüglich der Inhaltlichkeit, kann ich, ehrlich gesagt, jetzt auch nicht zwingend sichten. Mich stört weder deine Kritik, die vom Altautonomen noch die von genova, Kritik und Diskussion ist niemals schlecht, aber diese ständigen Abfälligkeiten, Beleidigungen bis andernorts gar Aggressionen sind das Gift. Doch zu deinem ersten Absatz und damit meine ich den Satz;

    Was ist an »Koalition« und »Kompromissfindung« eigentlich so schwer zu verstehen

    Wovor der altautonome, genova, — und ich auch, einfach Angst haben ist, dass mit der Linken das gleiche passiert wie den Grünen. Dass sie ihren Charakter verlieren. Hier steh ich ganz klar auf Seiten derer, die Koalitionen mit der SPD erst dann begrüßen, wenn diese wieder eine überschaubare Eigensozialisierung erfahren hat. Im momentanen Zustand kann nur das passieren, was du als Kompromiss ansiehst, ich aber als Verlust ihrer Identität betrachte, wodurch niemandem außer den Machtlüsternen unter den Linken ein Nutzen erwachsen kann. Mein eigener Einsatz für die Linke beruht auf dem ursprünglichen Sinn, entweder mehr Wählerrückhalt zu haben wie die SPD oder aus der Opposition heraus die SPD wieder zu sozialisieren. Daher resultiert meiner Ansicht nach der Frust, vieler Linker die offenen Auges zusehen müssen, wie anhand vom Berliner Beispiel ihre Ängste wahr werden. Das einfach so vom Tisch zu nudeln, als hätte es keine Bedeutung, finde ich genauso wenig richtig, wie natürlich erst recht nicht überspitzte Gegenreaktionen bis zu menschlichen Feindschaften. An der »Nüchternheit« indes, werden wir wohl alle arbeiten müssen.

  7. Mir wird immer gern von unkritischen Fans unterstellt, ich sei der oberste LINKEN‐Basher, obwohl ich durchaus zu differenzieren weiß zwischen Mandatsträgern wie Ulla Jelpke und Bodo Ramelow oder zwischen der oppositionellen ausparlamantrischen Parteilinken und den regierungsmitverantwortungbefleißigten Bundestagsmandatierten, sprich Koalitionswilligen mit SPD und Grünen. Letzteres nenne ich so wie es ist: Verrat an den Wählern. Macht korrumpiert, was an der Person des Ministerpräsidenten Ramelow (»Versöhnen statt spalten!« — seine von Bruder Johannes Rau geklaute Parole) sehr gut verifizierbar wäre.

  8. @eb — da geb ich dir durchaus Recht. Bzgl. Vertretern der »reinen Lehre«, die regelm. andere persönlich angreifen und in den Dreck ziehen, brandmarken — wie genova68 es mit den Nachdenkseiten bzw. ein anderer aus diesem Dunstkreis mit quasi allen linken »Premium‐Bloggern« (von Lapuente über flatter bis hin zum Berger) macht — vertrete ich ja die Ansicht, dass man diese einfach ignorieren — aber zumindest (in Momenten der »Schwäche«, denen auch ich immer noch ab u. an unterliege) selbst an ihren eigenen Ansprüchen (und Taten) messen sollte. Und auch mal den persönlichen »Umgang« gegen sie zu verwenden, den sie pflegen (u. a. mit dem berüchtigten »Herrn Karl«)... Aber ja — im Grunde ist jede Anmerkung überflüssig. In dem Falle hat es mich eben gestört, dass mal wieder ohne wirklichen Bezug zum Beitrag Werbung in Sachen Linkenbashing gemacht wurde...

    Was deine »Angst« betrifft: »Angst essen Seele auf«. ;) Die Pegidioten und »besorgten Bürger« entschuldigt man ja auch damit, man müsse ihre »Ängste ernst nehmen«. Seh da qualitativ keinen Unterschied — beide Lager malen nen Teufel an die Wand und arbeiten inbrünstig an sich‐selbst‐erfüllenden Prophezeiungen.

    Auch mir wäre es (taktisch gesehen) viel lieber, die Linke würde sich (bis zur absoluten Mehrheit im Bund... *rofl*) aus allem raushalten und sich nicht die Hände schmutzig machen. Vorwiegend aus dem Grund, den gaaaaanz linken Linken keine Angriffsfläche für ihr simples, polulistisches »Verrat‐Geschrei« im Stile »SPD=Grüne=Linke« zu liefern. Und den »einfachen« Menschen, die darauf sofort anspringen und nach jahrzehntelangem Wechselwählen zw. SPD und CDU dann zum Schluss kommen, die »sind ja eh alle gleich«. Ich sehe da im Ergebnis (cui bono) nur eine Systemstabilisierung. Jede Chance auf Änderung wird von vornherein nihiliert!

    Zumal hier mit den Grünen regelm. schiefe Vergleiche gezogen werden. Die Grünen enstanden zu allererst aus umwelt‐ und nicht sozialpolitischen Fragen. Bürgerkinder, die Angst hatten, ihr später zu erbendes Einfamilienhaus werde atomar verstrahlt! Und waren schon bei der Gründung (auch aus der universitären Szene) bürgerlich, mittig — und wenig sozialpolitisch interessiert. »Grüner Strom« ist und war schon immer wichtiger als die soziale Lage im Land. Die Linke entstand im Gegensatz dazu als Folge der Hartz‐Gesetze; aus dem (toten) Fleisch einer eh schon nachweislich immer ihre (stupide Klientel) verratende SPD! Dass du da überhaupt noch eine Hoffnung hegst, innerhalb jener würde überhaupt je wieder Sozialpolitik eine Rolle spielen — ist angesichts deiner »Ängste« dann doch relativ widersprüchlich. Die SPD wird sich NIE der Linken zuwenden — weil die SPD eine durchweg rechte, reaktionäre, marktkonforme Partei ist! Was sie mit ihrer Wählerschaft auch eint. Erstaunt mich immer wieder — dass man die SPD trotzdem noch irgendwie ins »linke Lager« einsortieren kann...

    Und welche »Macht« bitte? Was bedeutet denn »Macht«? Einen politischen Posten innezuhaben, als Regierungsmitglied oder Abgeordneter vom Steuerzahler finanziert zu werden...? Oder bedeutet »Macht« im eigentlichen Sinne nicht die Möglichkeit, seine eigenen(!) politischen Ziele durchsetzen zu können? In dem Sinne hat jeder Jobcenterscherge mit dem Folterwerkzeugkasten namens SGB im Rücken nüchtern betrachtet eigentlich mehr direkte »Macht« über das Leben der anderen — als ein linker Ministerpräsident in Berlin oder Thüringen! Die den Mangel nur verwalten können — weil die »Kassen leer sind« — wie es so schön heißt. Dafür halten sie den Kopf hin. Dort sind dann (dreckige) Kompromisse unvermeidlich. Wie bei jedem von uns — die sich z. B. bei der Berufswahl dazu entschieden haben, ihr Leben lang dem bösen »Staat« (der ja mit dem »Kapitalismus« in einen Brei verrührt wird) zu dienen. Niemand von uns wird sein Leben vollkommen widerspruchsfrei und kompromisslos leben können! Aus dem Schatten zu kritisieren ist natürlich auch immer viel einfacher — wenn die eigenen Hintergründe nicht bekannt sind. Auch weil man da schön die ganze Abscheu und der Selbsthass über die eigene Schwäche, die eigenen gemachten »Kompromisse« mit dem verhassten »System« auf andere projizieren kann! Es ist ja auch nicht so, dass die Linke in Berlin zu 100% auf die neoliberale Linie eingeschert wäre — auch da ist mir dann die selektive Wahrnehmung zu extrem.

  9. @Dennis82
    Hmmm. Schwer nachvollziehbar in vielen Punkten. Sieh das folgende mal als meine eigenen subjektiven Beweggründe.
    Einem Hang zur übertriebenen Reinheit muss man genauso wenig mit dem Gegenteil davon begegnen, wie man politische Überlegungen bei welcher das Wort Angst fällt, mit den skurrilen Angstäußerungen von Pegidäsen vergleichen muss. Sorry, nicht persönlich nehmen, aber das ist mir ein wenig arg daneben. Ich seh da qualitativ sogar sehr große Unterschiede. Zum pegidösen Besucher von Afd‐Veranstaltungen, der zu den rechten Sprüchen von Höcke klatscht und beim ZDF‐Interview sagt, dass er nicht wegen der Afd da ist, aber igendwie gegen den Islam ist, während eine andere sich auf einer »eindeutig« rechten Kundgebung über die linken beklagt, weil die nix tun, — hab ich zumindest noch eine Orientierung und absolut ein Recht darauf, darum Angst zu haben. ;)

    Zwischen unrealem Separatismus an allen Menschen vorbei, und auf der anderen Seite Komplett‐Chaos mit eben auch Separatismus bis sogar Rassismus, gibt es schon die Möglichkeit von Differenzierung. Als ehemaligen Wahlkämpfer für die Linke, der auch noch Bauarbeiter Werner mit seinen ultrarechten Sprüchen versucht hat zu überzeugen, dass Langzeitarbeitslose keine Sozialschmarotzer sind, und nach Erfolg dann wieder alles von vollkommen Vergeistigten zerstört bekomme, die mich denunzieren, weil ich mit Rechten sprechen tue, weiß ich mehr als genug, dass es vielen Linken nicht wirklich um die Menschen, als vielmehr um die korrekten Vorstellungen ihrer Ideale oder Theorien geht. Trotzdem sind diese Ideale nicht schlecht. Ohne sie, wäre ich entweder rechts, orientierungslos oder eben einer dieser Sozen, die in ihrem Realpragmatismus jeden Faden verloren haben, wobei mir unbedingt hilft, dass ich erst mal eine humane Grundethik zur Hilfe nehme und dann erst politisch denke. Die schützt mich einerseits davor, zum Ideologen zu werden, weil sie einfach ein größeres menschliches Realverständnis vermittelt, als sich viele so ihren politischen Schuhkarton pflegen wollen, andererseits aber auch davor, die Orientierung zu verlieren. Du siehst, es gibt also Möglichkeiten, auch mit schmutzigen Fingern noch auf Kurs zu bleiben. Und ich denke, dass ist der Punkt, wo wir uns einig sind und durchaus auch ein paar der besonderen Anhänger rhetorisch‐hygenischer Reinigungsmittel ein wenig lockerer werden dürfen. Das sollte aber keinen dazu verleiten, daraus eine Endlosschleife gegenseitiger Animositäten mit Personalkult aufzubauen. Sowas hat meiner Ansicht nach immer den Effekt, dass sich nacher nur alles im Kreise dreht, und keiner mehr frei von dem ist, was er eigentlich anderen vorwirft. Darum geht es mir hauptsächlich, und ist auch überhaupt nicht mit irgendwelchen Asympathien gegen irgendjemanden verbunden. Bezüglich des meinerseitigen Pochens auf linke Unabhängigkeit von der SPD, bekomme ich übrigens gerade schwer seelische Unterstützung von Leuten, welche von der SPD einfach die Nase voll haben. Ich werde wohl versuchen sie von der Linken zu überzeugen und mir auch dabei evtl. durchaus auch die Finger schmutzig machen. Nobody, — is perfect.

  10. 1. Seit Bekanntwerden des Abgasskandals bei VW sind die Verkaufszahlen in die Höhe geschossen. Soviel nur zur negativen PR.

    2. Ein Beleg für die Unmöglichkeit, rassistischen Einstellungen mit guten Argumenten zu begegnen, zeigen die Kommentare beim SF zum Tema Flüchtlinge:

    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/132111/fluechtlinge-ihr-habt-gefaelligst-arm-zu-sein

    Diesen Bedenkenträgern, Asylkritikern, Warnern vor derm Untergang der Republik und Mitläufern ist selbst mit den härtesten Fakten nicht beizukommen.

    Die sich intensiv mit den Pegidioten auseinadersetzenden Kommentatoren Marie und R@iner haben sich resigniert bzw. wurden vom Blogbetreiber verabschiedet.

  11. Weisheit aus den 80gern: Es gibt keine negative PR.

    http://meedia.de/2014/05/21/shitstorms-haben-kaum-nachhaltige-wirtschaftliche-folgen-fuer-unternehmen/

    Mit 2 Dingen hatte Orwell zumindest ins schwarze getroffen:
    »Ignorance is strength« — das gilt auch für das Leben unterm Tellerrand.
    »[...]imagine a boot stamping on a human face — everytime, forever.« Und nun fehlt nur noch der Applaus... Aber der kommt ganz sicher noch oder hört man ihn schon?
    https://www.youtube.com/watch?v=qbjaVTKEdG0
    Hauptsache, es gibt noch Luxus.

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