Sprachmotive

Spiegel Online titelt: »Warum dieser Biologe nichts gegen genveränderte Pflanzen hat«. Eine typische Clickbait-Headline, bei dem weder der Biologe, noch das Argument genannt werden. Sie soll neugierig machen und der nachfolgende Artikel verspricht vermeintliche Antworten zu liefern (was häufig gar nicht der Fall ist!). Besonders Online-Redakteure sehen sich gezwungen, solche Schlagzeilen zu generieren, um Reichweite, Aufmerksamkeit und Klickzahlen zu erzeugen. SEO bestimmt Inhalt und Form des Artikels. :rock:

Georg Wieselsberger bei gamestar.de schreibt: »Facebook — Kostenpflichtige Version ohne Werbung möglich«. Und dann spricht er von einer »werbefreien Bezahlversion«. Es scheint selbst bei vielen Redakteuren und Journalisten noch nicht angekommen zu sein (bzw. sie sagen es nicht öffentlich): bei Facebook bezahlt man mit seinen Daten! Insofern ist es bereits kostenpflichtig! Nur die Währung hat sich geändert. Die Legende vom kostenlosen Facebook muss endlich dekonstruiert werden! :jaja:

In der aktuellen Ausgabe der Le Monde Diplomatique (9. Mai 2018) schreibt Nikolai Kozhanov über die Motive der russischen Regierung für den Syrien-Einsatz: »Was will Russland in Syrien?« Wie jeder Journalist hat auch er fein gelernt, Synonyme (und nicht immer die gleichen Begriffe) zu verwenden. Ergebnis: Putin, Russland, Moskau und die russische Regierung sind somit ein zentraler Körper mit einem zentralen Interesse. :wtf:

Die Welt der Videospiele (3)

pixabay.com

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Heute wird es etwas nerdiger, denn ich möchte mich mit der Gamer-Sprache und mit einigen ausgewählten Spielejournalismus-Narrativen beschäftigen. Viele Begriffe und Schlagwörter machen es nicht nur Nicht-Spielern schwer, entsprechenden Diskursen zu folgen, sondern sie fungieren auch als Totschlagargumente und Killerphrasen. Damit stelle ich gleich die provokante These auf, dass viele Zocker und Games-Magazine sehr viel dogmatischer und verbohrter sind, als es oft den Anschein hat. Weiterlesen →

Wunderwaffe: »Bildung«

BILD Dir Deine Bildung.

BILD Dir Deine Bildung.

Niemand braucht eine bessere Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums, eine gerechtere Steuerpolitik, nachhaltigere Umwelt- und Verbraucherstandards, existenzsicherende Löhne, bezahlbare Wohnungen, weniger Industriegifte oder gar Frieden auf der Welt! Haha! Was für ein linksgrün versiffter Gutmenschen-Blödsinn! Alles was wir benötigen, ist eine bessere Bildungspolitik. Dann lösen sich viele Probleme von ganz allein! :jaja:

»Bildung und Ausbildung sind mehr als eine Schmiede für den Arbeitsmarkt. Hier werden die Weichen für das ganze Leben gestellt.« (spd.de)

»Für die Zukunft Deutschlands ist entscheidend, dass Bildung und Forschung im Mittelpunkt unseres Handelns bleiben.« (cdu.de)

»Deutschland braucht ein Update für bessere Bildung, mehr Wirtschaftskraft und moderne Infrastruktur.« (fdp.de)

»Wir Grüne im Bundestag kämpfen für gute Bildungschancen für alle. Egal, woher sie kommen, egal, wo sie jetzt leben.« (gruene.de)

»Zugang zu Bildung für alle, auch digital.« (linke.de)

Gesucht: Neutrale Berichterstattung!

Trump Hitler

»Stern«-Titelbild: »Sein Kampf« (August 2017). Quelle: Stern

Gibt es überhaupt noch den Versuch einer neutral-sachlichen Berichterstattung über Trump, Putin oder Erdogan? Von links, rechts über konservativ oder neoliberal: Kampagnenjournalismus wohin man nur schaut. Die vermeintliche Trias des Bösen gibt uns die Feindbilder vor. Lenkt und steuert unsere Aufmerksamkeit. Zwingt uns ‑mal wieder- binär zu denken und zu werten: dafür oder dagegen? Eine differenzierte Berichterstattung ist kaum noch zu finden. Selbst in den alternativen Medien nicht. Wahrnehmung sowie Wertung werden auf gut und böse reduziert. Das selbständige Denken wird somit komplett ausgeschaltet. Infantile Polarisierungen befördern eben nicht die Aufklärung, Empathie, Solidarität und den Weltfrieden, sondern torpedieren diese nur.

Presseblick (72)

»USA beenden Angriffe auf Chemiewaffenziele
Die USA, Großbritannien und Frankreich haben drei Ziele in Syrien angegriffen. Nach dem gezielten Militäreinsatz in der Nacht kündigte Russland Konsequenzen an.«

- zeit.de vom 14. April 2018

Allein an dieser Headline erkennt man, dass wir eine NATO-Presse haben. Es sind keine »Angriffe«, sondern es sind völkerrechtswidrige Angriffe. Ob es Chemiewaffen bzw. einen Chemiewaffenangriff von Syrien überhaupt gegeben hat, ist bis heute nicht bewiesen. Von Zerstörungen, Toten oder Verletzten ist auch keine Rede, nur von »Zielen«. Und der einzige Akteur, der in diesem Dreizeiler droht, ist natürlich Russland: »Konsequenzen«.

Der copy/paste-Artikel von AFP, dpa, rtr und spo generiert dann auch gleich mehr als 1.000 Kommentare. Jeder kritische wird zensiert. Es seien ja eh alles nur Putintrolle und Putinversteher. Das bei der ZEIT viele Transatlantiker und NATO-Journalisten arbeiten, spielt indessen keine Rolle. :nene:  Weiterlesen →

Neulich im Club

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Let’s rock!

Auch mit rund 40 Jahren gehe ich noch regelmäßig tanzen. Man ist schließlich so alt, wie man sich fühlt und gibt. Nur scheint meine Umgebung ebenfalls älter bzw. spießiger zu werden. Als ich vor kurzem zum ersten Mal in der »Kalkscheune« im Keller in der Abteilung »Metal/Rock« war, fing der DJ gegen 3:10 Uhr auf einmal an, unmögliche Lieder zu spielen. Ich hielt das zunächst für einen schlechten Scherz. Als jedoch die Menschen scharenweise den Floor verließen, machten sie auf einmal die Tür hinter sich zu. Von den insgesamt 4 Floors wurden gleich drei um ca. 3:20 Uhr komplett geschlossen. Bei 12 Euro Eintritt machen sie um halb vier Uhr morgens schon schlapp? :nene:

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da wurde bis morgens um 6 Uhr und länger Musik aufgelegt. Da war der Kunde, in diesem Fall das tanzende und trinkende Publikum, König. Da waren die Türsteher primär dafür da, Ärger fern zu halten und nicht, um die Taschen nach Getränken zu durchwühlen, damit das Partyvolk schön das teure Zeug drinnen kaufen muss. Von dem versteiften, verkrampften Publikum, die mehr rauchen, saufen und rumstehen, als sich zu amüsieren, wollen wir erst gar nicht anfangen. Zeitgeist, wohin man schaut.


» »Neulich...«

Unser täglich Brot!

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  1. ) Den Reichen helfen, noch reicher zu werden.
  2. ) Von Demokratie reden. Den Feudalismus leben.
  3. ) Neoliberale Herrschaftssprache verinnerlichen.
  4. ) Nach Bauchgefühl, Sympathie und Emotionen entscheiden und werten. Argumente und Analysen eher ablehnen.
  5. ) Rahmenbedingungen sowie strukturelle Gewalten negieren und nur den Einzelfall sehen wollen.
  6. ) Kritik als Pessimismus und Schwarzmalerei abwerten. Zwangsoptimismus leben.
  7. ) Den digitalen Göttern dienen.
  8. ) ...

» »Der rosarote Duckblick«
» »Das musst Du positiv sehen!«
» »Kritik ist positives Denken«

Sowohl als Auch

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In der siebten Episode von »the Orville« wird in satirischer Form aufgezeigt, wohin eine Gesellschaft führen kann, die alles und jeden bewerten muss und welche Folgen die binäre Wahrnehmung hat. Dann gibt es kein grau, keine Differenzierung und vor allem auch keine Nicht-Wahl/Enthaltung mehr. Man darf, soll und muss sich zwischen gut und schlecht, zwischen down- und upvotes entscheiden. Ist man für oder gegen Flüchtlinge? Opfer oder Täter? Für Russland oder die NATO? Die Spannung aushalten, sich nicht entscheiden wollen sollen müssen oder auch ‑bei manchen Themen- beide Ansichten verstehen und nachvollziehen können, ohne sich auf eine Seite schlagen zu wollen, scheint immer weniger möglich zu sein. Oder um es mit George W. Bush zu sagen: »Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!«

Monokausale Vereinfachungen und Polarisierungen haben offenbar nicht nur den Vorteil, weniger selbst denken zu müssen, sondern auch schneller (be- und ab)werten zu können. Es ist selten eine Erklärung von »entweder oder«, als viel öfter eine Frage von »sowohl als auch«. Ambiguitätstoleranz scheint im digitalen Zeitalter kaum noch möglich zu sein.

Der Anschlag (52)

anschlag_teaserDie AfD möchte die Todesstrafe in Deutschland wieder einführen. Zunächst soll sie vor allem Kinderschänder betreffen. Statt einem Gerichtsverfahren, sollen Nutzer via TV, App und/oder Online entscheiden dürfen, ob und wie der vermeintliche Täter hingerichtet werden soll. Erst danach soll juristisch geprüft werden, ob ein tatsächliches Verbrechen stattgefunden habe.

Ein prominenter Wisenschaftler, der einen direkten Zusammenhang zwischen gesteigerter Krebsrate und Smartphone-Nutzung beweisen wollte, wurde letzte Nacht tot aufgefunden. Alles deutet auf Selbstmord hin.

Die familenfreundliche Bundeswehr rückt in greifbare Nähe. Ab Oktober 2018 können Bundeswehr-Soldaten, zusammen mit ihren minderjährigen Kindern, in den Kasernen nicht nur Schießübungen mit scharfen Waffen durchführen, sondern sie auch bei Auslandseinsätzen mitnehmen.

DSGVO?

Am 25. Mai 2018 wird die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft treten. Es ist ein einheitliches Datenschutzrecht für die gesamte Europäische Union. Betroffen hiervon ist quasi jeder, der personenbezogene Daten verarbeitet. Demnach ist man verpflichtet einige Regularien einzuhalten, will man nicht zum Ziel von abmahnwütigen Anwälten und Kanzleien werden.

Wie ist die neue DSGVO zu bewerten? Will man ‑nachdem man sich Facebook (Netzwerkdurchsuchungsgesetz) und Youtube (Rundfunklizenz) vorgenommen hat- nun die Blogger (DSGVO) ins Visier nehmen? Oder ist das alles übertriebene Panikmache und im Grunde ändert sich nicht wirklich etwas? Kollege Stefan Rose ist jedenfalls schon ganz aus dem Häuschen ( :mrgreen: ). Ich weiß noch nicht, was ich davon halten und ob ich nun das ganze Blog nach DSGVO-Richtlinien umgestalten soll. Was denkt Ihr?


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