Ich. Bin. Wichtig.

  • Ich verdiene monatlich viel Geld und auf meinem Konto stapelt sich die Kohle. Ich bin wichtig.
  • Ich kaufe, trage und konsumiere Marken(k)leidung, Markennahrung und Markenkosmetik. Ich bin wichtig.
  • Ich ernähre mich vegan, treibe regelmäßig Sport, kaufe Bio und verwende eine gendernormierte Sprache. Ich bin wichtig.
  • Ich bin in mindestens 10 verschiedenen WhatsApp-Gruppen aktiv. Ich bin wichtig.
  • Ich habe eine leitende Position auf der Lohnarbeit, eine tolle Berufsbezeichnung, erhalte viel Lob und Anerkennung und/oder mache vermeintlich relevante Tätigkeiten. Ich bin wichtig.
  • Ich verbessere jeden/jede ungefragt in Rechtschreibung und Grammatik. Ich bin wichtig.
  • Ich bin verheiratet, habe Kinder, ein Haus mit Garten, ein Auto und fahre zwei mal im Jahr in den Urlaub. Ich bin wichtig.
  • Ich habe auf Facebook mehr als 50 Likes für mein Proflbild sowie mehr als 150 Freunde. Ich bin wichtig.
  • Ich blogge regelmäßig. Ich bin wichtig. ;)

Zwangsharmonie

Der Biedermeier-Zeitgeist, der sich von allem zurückzieht, was nicht unmittelbar das eigene Leben betrifft, ist wieder schwer angesagt. Häufig ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich selbst vermeintlich Alternative, Linksgrüne und Progressive in den heimeligen Spießer-Familien-Bunker verkriechen. Und dort hat Frieden zu herrschen! Bei Familenfeiern. Im Urlaub. Auf Fotos. Der krampfhafte Versuch, der sozialen Außenwirkung zu dienen, endet fast immer in bigotter Selbst-Heuchelei. Man wird so, wie man nie sein wollte.

Selbst wenn die ganze Welt unter brennender Lava verglühen sollte, solange man selbst auf einem kühlen Stein sitzt, kann und darf alles Lebendige elendig verrecken. Wer auf diesen weitverbreiteten, menschenverachtenden Habitus hinweist, gilt als unangenehm und anstrengend. Als Pessimist, Schwarzseher und Nörgler. Es herrschen verordnete Zwangsharmonie und devoter Zwangsoptimismus: »Uns geht es doch gut!«

Kinder in Deutschland; Teil 44: »Problemkinder«

Das Web ist voll mit Artikeln und (Blog-)Beiträgen von Lehrern, Eltern und Redakteuren, welche die Ursachen von Verhaltensauffälligkeiten von Kindern gerne verdrängen, verleugnen und verschweigen. Ganz im Zeitgeist der Eigenverantwortung, sollen schon 6 bis 18 Jährige vollkommen selbst dafür verantwortlich sein, wenn sie regelmäßig Grenzen überschreiten, keine Höflichkeit mehr kennen, respektlos und/oder komplett unselbstständig sind, Sprach-Schwierigkeiten haben, sozial-emotionale Defizite besitzen, ein gestörtes Nähe-Distanz-Verhalten aufweisen, Wahrnehmungsprobleme zeigen und so weiter. Der Grundtenor lautet meist: »Es sind nicht immer wir Eltern schuld!« »Doch«, sage ich! In 80 Prozent aller Problem-Fälle wird nicht erzogen, sondern verzogen. :jaja:  Weiterlesen →

Giftgas

»Während der Einsatz von Chemiewaffen in Kriegen inzwischen international geächtet ist, dürfen Polizisten Tränengasdosen am Gürtel tragen.«

- Anna Feigenbaum. »Zerstreuen und ersticken«: über die Geschichte des Tränengases. Le Monde Diplomatique. Ausgabe Mai 2018. S. 9

Anmerkung: Eine interessante Perspektive und Analyse. In dem sehr empfehlenswerten Artikel heißt es weiter, dass die Herrschenden bereits im 1. Weltkrieg aktiv nach Kampfgasen geforscht haben, um Massenunruhen einzudämmen und um »die Machthaber zu schützen«. Es ist übrigens mitnichten so, dass Tränengas ungefährlich ist. Immer wieder sterben Menschen daran oder tragen schwere Verletzungen davon. Nur wird dies in aller Regel vertuscht und verschwiegen.

Der Anschlag (53)

Eine Men’s Health-Studie will herausgefunden haben, wie man Männer am besten fesseln an sich binden kann: mit Ehe, Kind und gemeinsamer Wohnung. Die Redaktion von »Emma« hält das für eine frauenverachtende Verschwörungstheorie.

Ein CDU-Sozialexperte, der anonym bleiben möchte, sei der Meinung, dass Sozialschmarotzer ALG2-Empfänger verpflichtet werden sollten, Bäume beim wachsen zu beobachten. So würden sie einen sinnvollen und produktiven Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Nachdem ein junger Mann in einer vollen U‑Bahn mehrere Fahrgäste darauf aufmerksam gemacht hatte, dass ihr lautes smartphone stören würde, wurde er wenig später von einer Meute betrunkener, digitaler Facebook-Jünger zusammen getreten.

»Du bist schuld!«

  • ) Wenn Du unter Armut leidest, dann hast Du nicht genug Eigenverantwortung gezeigt und/oder die falsche Lebenseinstellung!
  • ) Wenn Du gesundheitlich eingeschränkt oder krank bist, dann hast Du Dich falsch ernährt, zu wenig Sport getrieben und/oder zu viel Alkohol getrunken und geraucht!
  • ) Wenn Dein Partner fremd geht, dann hast Du ihm zu wenig Aufmerksamkeit und Liebe geschenkt!
  • ) Wenn Du unglücklich bist, dann hast Du Dich nicht um Deine Resilienz gekümmert!
  • ) Wenn Du unter Behördenwillkür leidest, dann warst Du nicht freundlich genug oder hast Deine Unterlagen nicht sortiert!
  • ) Wenn Du in Deiner Familie gemieden wirst oder sozial isoliert bist, dann bist Du nicht optimistisch und zwangsharmonisch genug!
  • ) Wenn Du...

Es gibt keine politischen, strukturellen, ökonomischen, sozialen, ideologischen oder umweltbedingten Ursachen oder Erklärungen! Nur den Einzelfall und die Eigenverantwortung. »Jeder ist seines Peches Schmied!« Basta! :jaja:

Der pädagogische Happen (22)

Kind: »Kann ich heute mit meinem Fahrrad fahren?«
Mutter: »Nein!« Ich muss noch so viel im Haushalt machen!«
Kind: »Aber ich kann doch auch alleine ein bisschen fahren!«
Mutter: »Nein! Das ist nicht sicher!«
Kind: »Papa, wollen wir Tischtennis spielen gehen?«
Vater: »Ach...wie wäre es mit einer Runde Fifa 18?«
Kind: »Na gut. Okay.«


» Der pädagogische Happen

»Vitamin S«

»Außerdem ließen sich die Projektleiter oft von persönlichen Sympathien leiten.«

Chris Avellone, Obsidian-Mitbegründer auf gamestar.de vom 4. Mai 2018

Anmerkung: Schön, dass das mal jemand öffentlich ausspricht! Wie oft habe ich in Büros, bei Vorstellungsgesprächen, in Praktikas, in Schule, Ausbildung, Universität, bei Neben- und Aushilfsjobs, in der Medienbranche oder auch bei Freunden und Kollegen erlebt, dass Entscheidungen, Bewertungen oder auch Kompetenzen primär nach Vitamin S, also Sympathie, getroffen wurden. Das ganze Job- und Bewerbungscoacher-Gerede von Leistung, Fachwissen und Selbstmarketing, wird nicht nur extrem überbewertet, sondern ist in den meisten Fällen auch völlig belang- und nutzlos.

Denn die ganzen Theorien, Verhaltensnormen und Selbstmarketings-Optimierungen sind komplett unerheblich, wenn Dich jemand nicht riechen oder leiden kann. Und da die Gründe für persönliche Sympathien so zahlreich, wie die NATO-Jünger in den LeiDmedien sind, gibt es hierfür eben auch kein Patentrezept, dass die Coacher-und-Selbstoptimierungs-Industrie finanziell verwerten könnte. Was sie aber natürlich trotzdem nicht davon abhält, ihre Seminare und Kurse anzubieten: »So werden Sie sympathisch!« :eyebrows: