Blogmüdigkeit

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Seit einigen Wochen hat sich bei mir tatsächlich eine Art Blogmüdigkeit eingestellt. Das liegt weniger an mangelnden Ideen, als vielmehr an der kafkaesken Realsatire genannt Medienwirklichkeit, die jegliche ernsthafte Analyse konterkariert. Ich komme nicht nur nicht mehr hinterher, den täglichen Irrsinn zu protokollieren und zu bewerten, es ist auch ein Kampf gegen durchgeknallte Windmühlen. Es wird sich stets im Kreis bewegt und das auch noch als Fortschritt verkauft. Vielleicht sollte ich mal 14 Stunden am Stück schlafen?

Aktuell: Schul-Amoklauf in den USA. Ich habe bereits in der Vergangenheit einiges dazu geschrieben (hier und hier). Heute konzentriert sich die Presse auf die Waffengesetze in den USA (damals: »Killerspiele«). Und was ist mit dem gesellschaftlichen Leistungsdruck, mit Mobbing und den psychischen Problemen, denen Jugendliche heute ausgesetzt sind? Das gesamte neoliberale Schulsystem, ja der krankmachende Kapitalismus mit seinen weltweiten Kriegen gehört auf den Prüfstand. Aber soweit will -mal wieder- niemand gehen. Gesellschaftliche Kontexte werden regelmäßig ignoriert. Stattdessen greift man immer wieder zur Einzelfall-Theorie. Und natürlich nutzt die Journaille den Amoklauf, um weiter Trump-Bashing betreiben zu können. Ein Trauerspiel.

9 Gedanken zu “Blogmüdigkeit

  1. Moin Epi, halt bitte durch, auch wenn es scheint als wenn man wie Waldorf & Stadler aufm Balkon sitzt.
    Ich bin jeden Tag hier.

  2. Oder auch »Die Sinnlosigkeit« . Alles schon gesagt, mehrfach, inzwischen auch von fast jedem .
    Man kann alte Kommentare 1:1 aus dem Netz fischen und zu »aktuellen« Themen erneut einstellen..

    Wir sollten fischen gehen ...was ich größtenteils auch mache ?

    Cheers

  3. Nicht im Blog zu schreiben, ist sicherlich auch keine Lösung. Für meinen Frustabbau hilft dieser Blog sehr (sagt ein inaktiv fett auf dem Sofa Sitzender).

    Zur Sache: Mir ist aufgefallen, dass der Amoklauf in Florida sich in zwei wesentlichen Punkten von anderen Schulamokläufen unterscheidet. Unterschiede die hinter der (wohl unsinnigen) Waffendebatte verschwinden.
    1. In Florida war der Täter politisch aktiv in einer rassistischen Gruppierung (viele der Opfer entsprechen übrigens nicht dem »Arier« Ideal).
    2. Der Täter zeigte keine Neigung sich selbst zu töten, es handelte sich also nicht um einen erweiterten Selbstmord.
    Während es noch halbwegs Sinn macht, Lebensmüden den Zugang zu Waffen zu erschweren, ist diese Maßnahme bei politisch motivierten Anschlägen eher wirkungslos
    Bleibt die Tatsache, dass rassistische Gewalt ebenso wie steigende Selbstmordraten Produkte unseres Gesellschaftssystem sind, welches weiterhin nicht kritisiert werden darf.

  4. Ja und ich würde gerne auch weiterhin Texte zur Diskussion stellen und kann es leider nicht mehr.

    Aktuell würde ich gerne etwas über Altags-Rassismus schreiben:

    http://www.rp-online.de/nrw/panorama/anmeldestopp-fuer-auslaender-bei-essener-tafel-kritik-aus-duesseldorf-aid-1.7413717

    Essener Tafel versorgt keine Menschen mehr, die keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.

    H & M (Hitler und Mengele?)
    https://twitter.com/theweeknd/status/950447182829699072/photo/1

    Hier muss aber auch etwas dazu geschrieben werden, wie denn dieser Kapuzenpulli entstanden ist.

    Epi: Aufhören wird von mir nicht genehmigt.

  5. Es läuft nicht so, daß man Kritik übt und nach einer gewissen Zeit Ja und Amen dazu gesagt wird. Alte Strukturen bleiben genauso lange erhalten wie sie es können, es geht im Establishment mehrheitlich um Machterhalt, nicht um Wertvorstellungen.

    Alternative Sichtweisen kann man aus meiner Sicht nur für sich selber versuchen, und für diejenigen, die es interessiert. Die große Weltverbesserung hingegen wird ausbleiben.
    Sinnlos ist es dennoch nicht, denn es geht durchaus darum, wer das Alte ablöst, wenn es seinen letzten Schnaufer getan hat, denn dann wird der Pöbel flehentlich um etwas Neues betteln.

    Speziell, was Amokläufe angeht, ist dieser Blog mit das Beste, was mir bekannt ist. Wegen des Versuchs, echte Ursachen zu ergründen, ganz anders als viele mainstream-Medien, die lieber das Lied von der Nicht-Vorhersehbarkeit auflegen.
    Vielleicht ja eine der Optionen für die Zukunft eines solchen Blogs, die Konzentration auf solche speziellen Themen.
    Warum täglich den Irrsinn protokollieren, wenn man keine Lust dazu hat und nicht dafür verantwortlich ist? Es gibt auch keine Pflicht für eine gewisse Frequenz von Artikeln, zwischen Aufgeben und bisheriger Frequenz gibt es jede Menge anderer Möglichkeiten.

  6. @Epikur
    Vielleicht ist es ja auch einfach nur Themenmüdigkeit. Das muss nicht das Gleiche wie blogmüdigkeit sein. Nichts ist schlimmer, wie blogs, die dem/der blogger/in keinen Spaß mehr machen und dann nur noch aus einem gewohntem Zwangsgefühl für gewohnte Erwartungshaltungen weiter (ge/be)trieben werden. Das kommt dann irgendwann genauso unauthentisch rüber, wie bei den Qualitätspostillen. Gönn dir doch hier einfach mal wieder Themen, die auch dein Herz erfreuen. Wo du richtig Spaß dran hast. Mir hat das jedenfalls immer riesig gefallen, dass das hier ja nicht nur ein Politfass ist. So was ist sowieso nicht gut für die Seele, macht krank, schlapp und überhaupt depressiv. Und was die Frequenz angeht, es gibt keine Verpflichtung für so was. Hör auf Art Vanderley. Der Mann ist weise.

  7. Noch ein paar Worte von einem Dauer-Leser aber Wenig-kommentierer. Die Müdigkeit kann ich sehr gut nachempfinden. Elmars Gedanken finde ich gut. An anderer Stelle schrieb er dazu einen längeren Text aus dem ich zitieren möchte:

    « macht blogs auf, aber da will ich Klamotten sehen, die euch einfach nur Spaß machen, anstatt sich im Dunstkreis dieses Starzirkus eine goldene Nase schleimen zu wollen. Der Witz hinter allem ist nämlich genauso brachial wie einfach. Politisch, wird sich erst etwas bewegen, wenn die ökonomische Schraubzwinge im Kopf, die sich da etabliert hat, auch mal wieder gelockert wird. Ich bitte euch, — haucht der Geschichte wieder Leben ein.«

    In diesem Sinne »SpaBoGs aller Länder vereinigt Euch!« SpaBoGs = Spaß Blogger*innen ohne Gewinnerzielungsabsicht.

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