Presseblick (50)

»Uns geht es gut!« ist weiterhin das offizielle Credo. Armut und Massenerwerbslosigkeit werden schön‐ oder weggerechnet, für Mobbing, Burnout und Depressionen sind die Betroffenen selbt schuld und der größte Niedriglohnsektor Europas sei doch ein Segen. Denn auch wenn man von den Brotkrumen nicht leben oder an der Gesellschaft teilhaben könne: »Hauptsache Arbeit — Egal welche!«. Nun behauptet die BWL‐Professorin Evi Hartmann: »Jeder von uns hält 60 Sklaven und zwar durch ganz normalen Konsum.« Und Peggy Gallmeister fragt sich: »Warum gibt es Obdachlose in Deutschland?« Pessimisten, Miesmacher, Nörgler. Uns geht es doch gut!

Wirtschaft
»Profite vor Menschen« ist für viele eine übertriebene linksradikale Parole. So schlimm sei das alles doch gar nicht. Ein schönes Beispiel liefert jedoch die Reiserücktrittsversicherung. Eine Frau wollte von einer Frankreich‐Reise zurücktreten, weil ihr Mann plötzlich verstorben war. Das Amtsgericht in München entschied jedoch, dass sie die Storno‐Kosten trotzdem tragen müsse. Die Begründung: »Die Trauer sei keine unerwartet schwere Erkrankung im Sinn der Reiserücktrittsbedingungen.« Der Tod ist eben kein guter Grund für Umsatzeinbußen.

Medien
Über die Illusion der objektiven Berichterstattung der Massenmedien gibt es auf theintelligence.de einen aufklärenden Artikel, der die Problematik gut auf den Punkt bringt:

»Teilweise liegt es an den Besitzverhältnissen, teils an Forderungen zahlungskräftiger Werbekunden. Nachdem die Berichterstattung in Deutschland in fast allen Fällen mit der in den USA abgestimmt ist, reicht ein Blick auf die großen amerikanischen Medienkonzerne. Es sind nicht mehr als sechs, von denen zumindest 90 Prozent der Nachrichten kontrolliert werden.«

Nur wer heute über Besitzverhältnisse laut spricht, gilt ja schon als Verschwörungstheoretiker. Ein schönes aktuelles Beispiel für gekauften Journalismus ist auch: »Tagesspiegel erhält 250.000 Euro von Google — und bedankt sich mit positiver Berichterstattung.«

Junge Welt vom 25. Februar 2016

Junge Welt vom 25. Februar 2016

Arbeitsmarkt
Das Hartz 4‐ Unrechtssystem soll weiter bestehen bleiben. Und während man zukünftig wegen »sozialwidrigem Verhalten« Regressforderungen erheben will, wollen Ausbeuterfrmen Zeitarbeitsfirmen (wie Randstad Deutschland GmbH & Co. KG, persona service oder Manpower GmbH) unter allen Umständen weiterhin auf den vordersten Seiten der Jobbörsen‐Datenbank bleiben, um das billige Menschenmaterial profitträchtig unters Unternehmervolk bringen zu können. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht. Gleichzeitig planen rund ein Drittel der Betriebe, Flüchtlinge einzustellen. Ganz sicher nicht, weil sie so humanistisch oder menschenfreundlich sind. Das sieht man schlicht daran, wie sie mit schwangeren Frauen, chronisch Kranken oder mit Menschen über 50 umgehen. Die geplante Initiative, Flüchtlingen weniger als Mindestlohn zahlen zu müssen, macht sie zur begehrten Arbeitsware. Nicht mehr und nicht weniger.

Jasmin Butt, HR & Recruiting Manager bei Brandboost, betont, dass einer der häufigsten Fehler von Bewerbern sei, dass sie keine oder eine unzureichende Antwort auf die Frage: »Warum bist du der oder die Richtige für die Position und unser Unternehmen?« haben würden. Vermutlich fällt es vielen Menschen schwer, zu lügen, sich zu verkaufen und zu verbiegen sowie sich als vermeintlich perfekte (Arbeits-)Ware zu inszenieren. Viele Personaler haben auch ganz genaue Vorstellungen davon, was sie unbedingt lesen und hören wollen. Bewerber sind aber (meistens) keine Marketingautomaten für das Unternehmen, sondern Individuen, also Menschen und keine Objekte.

amerika21 vom 4. März 2016

amerika21 vom 4. März 2016

Militarismus
Josef Joffe, Mitherausgeber der ZEIT (sowie Mitglied in zahleichen transatlantischen Netzwerken sowie Beirat der Hypovereinsbank, der Goldman Sachs Foundation, Mitglied der Trilateralen Kommission etc.) ist ganz vorn dabei, wenn es heißt, die Deutschen von der Notwendigkeit des Krieges und von dem bösen Satan Putin zu überzeugen. In seinem unsäglichen Artikel »Putins Krieg« gibt es über 900 sehr kritische Kommentare. Er schwadroniert von »Assads Killerdiktatur« und behauptet: »Nur ging es Europa überhaupt nicht gut, wenn Deutsche und Russen einander zu lieb waren.« Alles klar. Gleichzeitig verschifft die US‐Armee 5.000 Tonnen Munition nach Deutschland. Sollte es zu einem dritten Weltkrieg kommen, wird Deutschland als wichtigste US‐Basis in Europa als erstes in die Steinzeit gebombt. Will das etwa der Herr Joffe?

Im Übrigen lesen wir in den hiesigen Medien so gut wie gar nichts über nationale oder internationale Friedensbewegungen, aber ständig etwas über Kriege, Morde und Massaker. Ob das allein daran liegen mag, dass Kriege für die Leser »interessanter« seien und solche Artikel mehr Reichweite erzeugen, darf bezweifelt werden. Es gibt nicht wenige, die von Kriegen ordentlich profitieren und insofern an einer Eskalation des Denkens interessiert sind. Die AG Friedensforschung hat dem entgegen eine wohltuende Auflistung von israelischen und palästinensischen Friedensbewegungen zusammengestellt.

Lobbyismus
Konzerne rechnen mit Protesten und Demonstrationen. Sie werden einkalkuliert, bespitzelt, unterwandert und umarmt. Auf lobbycontrol.de ist eine interessante Broschüre zum Thema erschienen: »Wenn Konzerne den Protest managen«. PR‐Agenturen werden beauftragt eigene Kampagnen und Initiativen im Sinne der Unternehmen zu starten, die Medien‐Öffentlichkeit wird unterwandert und die NGO´s bespitzelt. Auch das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Alltag.

6 Gedanken zu “Presseblick (50)

  1. Das System m Lobbyismus: Manchmal weiß ich da nicht, wer wen für irgendwas bezahlt. Grüner Lobbyismus wurde auch spätestens seit dem letzten Live‐Aid kommerzialisiert.
    Energiesparbirnen wurden einem auch vor Jahrzehnten von überzeugten Ökos als Alternative aufgeschwatzt, und was weiß man heute über sie? Eine der größten Umweltsünden, die man je gesehen hat.
    Braunkohle und Atomenergie wollen sie alle nicht, aber 5 Handys, 3 Tablets, ein Laptop und ein Heimkino und am besten noch »the internet of things« sollen aber trotzdem alle laufen.
    Irgendwas widerspricht sich da.

  2. @matrixmann

    Jup. Man versucht sich im bestehenden System gemütlich »einzurichten«. Mit Bio, Öko, Fair Trade und Status Konsum. Und sofern man ein bisschen Ökostrom bezieht und Biobrot kauft, darf man ja auch smartphones, Tablets usw. haben, die aus Seltenen Erden und Coltan gebaut werden. Das dafür Kinder arbeiten und Menschen in Minen elendig verrecken, ist dann halt so. Man kann ja nicht die ganze Welt retten, braucht aber unbedingt jedemenge technisches KlimBim.

    So wie es kein »bisschen schwanger« gibt, so gibt es auch kein »bisschen Kapitalismus«. Entweder ist man für oder gegen ihn. Die Bio‐ und Öko‐Fraktion sowie die Grünen sind durch und durch bigott.

  3. @epikur
    Größtes Problem dabei nur ist: Diese Kategorie von »Menschen« stellen gefühlt mindestens drei Viertel des gesamten Aktivismus, der sich dann auch noch »links« schimpft. Mit solchen Idioten braucht man sich nicht zu wundern, dass alle anderen denken, Linke sind nur beknackt, und sie wollen sie besser möglichst weit weg von ihnen halten.
    Mal abgesehen davon, dass dies die lautesten Schreihälse sind, die auch noch die größte Aufmerksamkeit bekommen.
    Wie es auch schon einmal in einem Gespräch aufkam: Der Westen hat den Kommunismus nicht durch Propaganda besiegt, sondern dadurch, dass er ihn mit solchen Bewegungen aufgeweicht hat. Bewegungen, die sich »links« schimpfen, und am Ende doch mehr dem Langeweile‐Drogen‐Projekt von ein paar Mittelstandskindern ähnelt, die ein paar Semester an der Universität studiert haben. Und daher meinen, sie wüssten etwas über die Welt. Dabei kennen sie nur die sichere Brieftasche ihrer Eltern.

  4. Ich könnte noch eines hinzufügen nämlich Unverständnis für die Situation pflegender Angehöriger und daraus resultierender Geschäftsaufgabe. Gestern habe ich einer Dauercamperin angerufen weil wir unseren Campingplatz nun doch endgültig schließen müssen, weil die Demenz‐Erkrankung der Geschäftsführerin, meiner Mutter, dieser das Geschäft zu führen unmöglich macht. Reaktion der Dauercamperin, die immerhin selbst beruflich im Pflegebereich tätig ist, angeblich Geld zurück da schon bezahlt (kein Problem schaue ich am Montag nach und erhält die zurück), und zweitens angeblich Vertrag abgeschlossen (nur mündlich soviel ich weiß mit meinem längst verstorbenen Vater und Jahre lang ungeregelt weiterlaufen lassen, da Gäste ja eigentlich immer nett) und, nun kommt der Hammer, als ich ihr mitteilte warum wir das Geschäft nun doch plötzlich schließen müssen: »Ich habe selbst kranke Angehörige, und weiß wie das ist bzw. überhaupt wir hätten im letzten Herbst (da wußte ich noch nichts über die eskalierenden Streitigkeiten in unserer Erbengemeinschaft und der sich im Frühjahr doch verschlechternden Gesundheit meiner Mutter) kündigen sollen. Sie will den »Vertrag« weiter erfüllt sehen — Kann Sie haben, aber ohne fließendes Wasser und ohne Strom und Waschgelegenheiten, denn ich habe zum 09.03.15 mein »Arbeitsverhältnis« hier gekündigt aufgrund ärztlichem Attest.

    Merke:

    Auch eine Demenzerkrankung ist kein Grund ein Unternehmen für immer zu schließen — für manche Dauercamper, die im sozialen Bereich tätig sind.

    Apropo, man soll ja nicht generalisieren aber mir ist aufgefallen, da auch meine Geschwister im Sozialbereich tätig sind, denen geht es nicht um die Kundschaft (der man eigentlich ohne Gewinnabsicht entgegentreten sollte, und zwar gerade in diesem Bereich) sondern nur um den Zaster....da ist mir ein echter BWLer oder Geizhals tausendmal lieber, denn dem geht es tatsächlich nur ums Geld und der ist wenigstens ehrlicher als solche Menschen wie die oben beschriebenen Dauercamper, und alle meine Geschwister zusammen — für die passt der alte biblische Spruch »Hütet euch vor den Pharisäern....« bzw. »Heuchler vor dem Herrn«! Eine arbeitet übrigens als Pfaffensekretärin, und ist am schlimmsten, die würde mich am Liebsten aus dem eigenen Elternhaus mobben — Kann die haben, aber nicht ohne vorherigen Gerichtstermin.

  5. Als Ergänzung noch, da bricht sich — nicht im Internet sondern im persönlichsten Umfeld bei mir hier — eine Mentalität bei Geschwistern, und manchen Dauercampern Bahn die man getrost als SS‐Mentalität bezeichnen könnte.

    Kein Wunder, dass Rechtsextreme und -populisten meinen Oberwasser zu haben bei solcher Denke im ganz normalen dt. Alltag meine ich.

    Gruß
    Bernie

    PS: Gäbe es nicht ab und zu auch noch nette Menschen, wie hier im Netz oder im realen Leben, ich wäre längst ausgewandert — und hätte .de für immer den Rücken zugekehrt — Wohin? Nach Mittel‐ oder Südamerika bzw. Kanada evtl.

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