»Uns geht es doch gut!«

Ruhe und Frieden...ist eine Redewendung, die immer wieder fällt. Besonders Kritiker bekommen das häufiger zu hören. Ohne die vorgetragenen Sachverhalte ernst zu nehmen, soll diese Phrase, die Aussagen relativieren und zum Nichtdenken motivieren. Frei nach dem Motto: erst wenn in Deutschland Dritte‐Welt‐Zustände herrschen, wenn Menschen vor Hunger sterben würden, zu Massen in Ghettos leben oder erschossen werden, die medizinische Versorgung sehr mangelhaft sei, wir eine Analphabeten‐Quote von 50 Prozent und mehr haben, die Todesstrafe vollstreckt werde, ein Diktator an der Macht sei und so weiter — erst dann dürfe man seine kritische Stimme erheben und erst dann hätte diese auch ein Gewicht. Ist es aber dann nicht längst zu spät? Weshalb muss es erst soweit kommen? Und wer ist mit »uns« eigentlich gemeint?

In allen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Fragen wird es immer Staaten und Nationen geben, die es vermeintlich besser oder schlechter als wir haben. Abgesehen davon, dass diese Bewertung immer eine Frage der Ansicht und der Perspektive ist (so beurteilen beispielsweise Arbeitgeberverbände eine »Lohnzurückhaltung« als prinzipiell besser als Gewerkschaften), so ist das Relativierungsargument »uns gehts doch gut!« ein Totschlagargument in jeder Diskussion über politische, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse in Deutschland. Solange man also nicht am Hungertuch nage, solle man sich nicht beschweren und besser die Fresse halten. Uns gehe es doch hervorragend.

Für Millionen Menschen in Deutschland hat die Lebensqualität in den letzten 20 Jahren rapide abgenommen. Da täuschen auch keine Sonntagsreden, INSM‐Studien, BILD‐ und RTL‐ Beiträge, geschönte Armutsberichte oder eine lächelnde Mutti Merkel darüber hinweg. Die Obdachlosigkeit, die Kinder‐ und Altersarmut, der Zulauf zu den Tafeln, Depressionen und Burnouts, prekäre Beschäftigungsformen, die Preise für Mieten, Lebensmittel und Strom sind rasant gestiegen, Reallöhne gesunken sowie die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland haben stark zugenommen. Ohne Gegenmodell und vermeintliche Alternative zeigt der Kapitalismus sein wahres Gesicht: Profite vor Menschen.

Im Vergleich zu früher, geht es »uns«, also der Mehrheit der Bevölkerung, deutlich schlechter. Abgesehen davon unterstreicht dass »uns« den egoistischen Habitus. Denn wir »Deutsche« sind nicht allein auf der Welt. Wenn mit »uns«, Banker, Börsianer und Spekulanten gemeint sind, dann sieht die Sache völlig anders aus. Denn die Reichen werden nur reicher, wenn die Armen ärmer werden. Wer das alles nicht wahrhaben, schönreden oder verdrängen will, ist der wahre Realitätsverleugner und Pessimist, denn er igelt sich in seinen Kristallpalast ein und hofft ängstlich, dass ihn kein Stein treffen möge.

»Ein wirklich leistungsfähiger totalitärer Staat wäre ein Staat, in dem die allmächtige Exekutive politischer Machthaber und ihre Armee von Managern eine Bevölkerung von Zwangsarbeitern beherrscht, die zu gar nichts gezwungen zu werden brauchen, weil sie ihre Sklaverei lieben«

- Aldous Huxley in seinem Vorwort zur »Schönen Neuen Welt«

Und wenn dann die Katastrophe vor der eigenen, mental zugemauerten, Haustür steht, gibt es für Millionen Menschen in Deutschland ein böses Erwachen: »Wie konnte es nur soweit kommen?« fragen sie sich und zeigen offen ihre Naivität. Die Ignoranz, das Desinteresse, die Bequemlichkeit und die Weltvergessenheit vieler Menschen lassen keinen Blick über den eigenen kleinen Dunstkreis hinaus zu. Man verbarrikadiert sich hinter Totschlagargumenten, der Spaßgesellschaft, der eigenen Familie oder hinter kleinen Alltagsproblemchen. Das eigene kleine Weltbild, und sei es noch so realitätsverweigernd, darf nicht angetastet werden. Der persönliche, geistig‐emotionale Bunker wird gepflegt, kultiviert und bis auf die Zähne verteidigt. Erst wenn Bomben in das eigene Wohnzimmer einschlagen oder man finanziell völlig vernichtet ist, werden die meisten aus ihrem Wachkoma erwachen. Doch dann ist es für Veränderungen zu spät.

17 Gedanken zu “»Uns geht es doch gut!«

  1. Die Armen werden/wurden nicht ärmer, im Gegenteil. Vor ein paar Jahrzehnten gab es noch flächendeckende Armut in Deutschland, heute nicht mehr. Der finanzielle Unterschied zur Normalbevölkerung ist größer geworden, was die Linken zum Anlass nehmen, die Armut in Deutschland zum Problem zu erklären, obgleich es doch so ist, das in den 60er Jahren noch eine große Anzahl von Kindern ohne Schuhe rumgelaufen sind, sprich die effektive Armut deutlich größer war.
    Nur waren damals eben große Teile der Bevölkerung »arm« so dass die unterste Schicht nicht diese Wahrnehmung hatte wie heute, wo das Durchschnittseinkommen eben im Vergleich zu den Sozialleistungen deutlich höher ist als früher. Das heute kaum noch jemand hungern muss, wird schnell vergessen, sowie der Umstand, das wir in Deutschland mit unseren Sozialleistungen viel höher liegen als die meisten anderern Länder.
    Die Ungerechtigkeit in Deutschland betrifft die Durchschnittsverdiener, die trotz steigender Wirtschaftsleistung keine Lohnerhöhungen erfahren, ganz im Gegensatz zu den Reichen.

    Ein paar Fakten zur Versachlichung:

    »Gemäß der Definition der Europäischen Union ist von Armut bedroht, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung auskommen muss«

    (http://de.statista.com/themen/120/armut-in-deutschland/)

    Somit kann die Armutsquote in Deutschland ansteigen, ohne das die effektive Armut gestiegen wäre. Die Armutsquote ist von sehr begrenztem Aussagewert.

    Ein anderes Beispiel, ein anderer Aussagewert:

    http://www.bpb.de/cache/images/8/61798–1x2-orginal.gif?CB049

    Dies ist ein Beispiel für effektive Armut. Ob jemand eine Wohnung/Unterkunft hat, ist eine Frage von effektiver Armut.
    Genauso könnte man (was vermutlich schwieriger ist) herausfiltern, wieviel Kilogramm Essen den Armen heute/früher zur Verfügung steht, wieviel Kleidung, etc. etc.
    Die Gesamtheit dieser Statistiken wäre dann aussagekräftig hinsichtlich der effektiven Armut.

  2. Wir können gerne ein paar Zahlen‐Gefechte austragen:

    »In Deutschland ist jedes fünfte Kind arm.« Das sagt der Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. »Jedes sechste Kind in Deutschland ist von Armut betroffen.« Das sagt der Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland von Unicef aus Mai 2008. »Jeder Vierte zwischen 16 und 24 Jahre alte Jungendliche lebt in materieller Not oder ist davon bedroht.« Das erklärt die Arbeitsgemeinschaft der Kinder‐ und Jungendhilfe (AGJ) Anfang Juni 2008.

    - kinder-armut.de

    Derzeit gibt es mehr als 900 Tafeln in Deutschland. Alle sind gemeinnützige Organisationen. Bundesweit unterstützen sie regelmäßig über 1,5 Millionen bedürftige Personen mit Lebensmitteln – knapp ein Drittel davon Kinder und Jugendliche.

    - tafel.de

    Auch halte ich die Behauptung, in Deutschland müsse niemand hungern für sehr gewagt. Schon mal was von 100 Prozent Sanktionen des Jobcenters gehört? Oder von den jährlichen Erfrierungen Obdachloser im Winter? Von den Preissteigerungen von Lebensmitteln, Miete, Strom, Gas, Zugtickets, Kultur, Museen, Schwimmbädern etc. bei gleichzeitig gesunkenen Reallöhnen?

    Ja, wir haben keine afrikanischen Verhältnisse in Deutschland. Das ist auch gar nicht der Punkt. Ich zitiere hier gerne den Armutsforscher Christoph Butterwegge: »Armut in einem armen Land ist erträglich. Aber Armut in einem reichen Land nicht«. Das Problem Armut wird in Deutschland verharmlost, relativiert und verdrängt. Genau das macht ihr Kommentar leider auch.

  3. Es ist ein reines Bequemlichkeitsargument, um sich nicht genauer mit den gegenwärtigen Verhältnissen auseinandersetzen zu müssen, sondern weiter apolitisch einfach »fleißig« vor sich hinzuwurschteln (»jeder ist seines Glückes Schmied«) und zu hoffen, dass im »nächsten Leben« dann das Paradies wartet... Und um weiter schön brav CDU und SPD zu wählen. Meistens sind es auch Leute, die unter dem Realitätsverlust nicht mehr leiden, sondern ihn scheinbar regelrecht genießen. Dieser Spruch kommt nämlich auch gerne mal nach einem langen Lamento über die ganzen (meist eben politische Ursachen habenden) Dinge, die einen so plagen und das Leben zur Hölle machen; auch garniert mit fatalistischem Geschimpfe auf die »Scheißpolitiker«... aber 1+1 will man dann partout nicht zusammenzählen — aus Angst, es könnte sich was ändern (dabei ändert es sich doch gegenwärtig permanent zum Schlechteren). Dieses Ungewisse reicht schon, sich mit dem erbärmlichen Jetzt zu arrangieren. Auch deshalb lässt sich dieser vor plumpe Relativismus nur so triefende Spruch unheimlich leicht auseinandernehmen. Indem man fragt, wer eigentlich dieser »uns« ist und was mit »gut« gemeint ist... Denn gemessen an den Zuständen in der nicht allzu fernen Vergangenheit oder auch am gesamtgesellschaftlichen Reichtum oder allein die nachweislich rasch sinkenden Reallöhne und Renten betrachtet geht es »uns« eben nachweislich und deutlich schlechter. Sonst würden keine Rentner Supermarktprospekte austragen und Leute im Müll nach Pfandflaschen suchen. Aber: Es kann nicht sein, was nicht sein darf; hakt man dann nach, hat man gerne mal schnell das Etikett des pessimistischen Miesmachers an der Backe — »du darfst nicht alles nur so negativ sehen«.

    Auf Leute wie »hero« muss man auch aus diesen Gründen gar nicht erst eingehen... hat keinen Zweck.

  4. Naja, dass Ding mit der Sachlichkeit scheint das Sahnetörtchen fürs Selbstvergessen zu sein. Sachlich, — kann man Menschen zu Stückgut erklären, und die fühlen sich dann ganz toll dabei auch noch sachlich so zu argumentieren, dass sie die 60iger als Vergleich nehmen. Warum nicht gleich die Fuffziger? Man übersieht dabei geflissentlich das Erreichte der 40 Jahre danach, wobei dann der stetig steigende rapide Folgerückschritt ignoriert werden kann. Wir werden den Helden daran erinnern können, wenn der Status der 60iger aufgrund dieser unglaublich sachlichen Schulmädchenvergleiche erreicht ist.

  5. Der Mensch ist Mittelpunkt (CDU Slogan). Interpretation von D. Hildebrandt: »Den Punkt muss man halt nur an der richtigen Stelle setzen. Der Mensch ist Mittel. Punkt.«

  6. Was die »Durchschnittsverdiener« nie begreifen werden , ist , daß sie selber von der Grundsicherung am meisten profitieren .

    Ohne diese staatliche faktische Lohnuntergrenze wäre der Mittelstand längst abgesunken auf Löhne , die vermutlich noch deutlich niedriger lägen als der heutige Schnitt des Niedriglohnsektors, wir hätten dann Drittwelt‐Verhältnisse , wo zwei, drei Prozent alles — und zwar wirklich alles — haben und der Rest gar nichts oder Schulden .

    Da es hier aber nicht um Argumente geht , sondern darum , noch irgendwen unter sich zu haben , ist es relativ sinnlos , das zu debattieren.
    Die Armen bei uns verhungern nicht , zumindest die meisten , aber zu welchem Preis ?
    Die Drangsalierung von Hartz 4 — Empfängern verschlechtert nicht nur die Bedingungen für die Arbeitslosen selber , sondern über den Druck des Marktes auch die der gesamten Arbeitnehmerschaft , weil selbige immer erpressbar ist mit der Hintergrund‐Drohung , notfalls eben aufs Amt geschickt zu werden und weil der Druck , fast alle Jobs annehmen zu müssen , die Arbeitsbedingungen insgesamt massiv nach unten zieht.

    In gewissem Sinne ist das der positive Aspekt des Neoliberalismus , er spiegelt dem kriecherischen Teil des Mittelstandes seine erbärmliche Grundhaltung , aber er belohnt sie nicht auf die längere Sicht.
    Vielmehr wird diese Haltung auf Dauer mit Status‐ und Einkommensverlust bestraft , es ist wie immer — wer nicht irgendwann begreift , daß nur solidarisches Handeln weiterführt , wird über kurz oder lang untergehen.
    Um den buckeligen Teil der Mittelschichten ist es dabei nicht schade , um andere Teile der Gesellschaft schon.

  7. Die Heilsversprecher und Alchemisten der Neuzeit haben längst die Hirne und Herzen der Massen verdrahtet.
    Impulsgesteuert und unreflektiert wiederkäuen diese unisono die ökonomischen Heilsbotschaften.
    Und wer partout kein König Midas wird, dem fehlt es schlicht an Geistes‐ bzw. Schöpferkraft oder Willen.

  8. @epikur:

    »In Deutschland ist jedes fünfte Kind arm.« Das sagt der Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. »Jedes sechste Kind in Deutschland ist von Armut betroffen.« Das sagt der Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland von Unicef aus Mai 2008. »Jeder Vierte zwischen 16 und 24 Jahre alte Jungendliche lebt in materieller Not oder ist davon bedroht.« Das erklärt die Arbeitsgemeinschaft der Kinder– und Jungendhilfe (AGJ) Anfang Juni 2008.

    Nie bestritten.

    »Derzeit gibt es mehr als 900 Tafeln in Deutschland.«

    Und wieviele Tafeln gab es 1960?

    »Auch halte ich die Behauptung, in Deutschland müsse niemand hungern für sehr gewagt« Un dann: »Ich zitiere hier gerne den Armutsforscher Christoph Butterwegge: »Armut in einem armen Land ist erträglich. Aber Armut in einem reichen Land nicht.

    Erkennen Sie, dass Sie sich inhaltlich selbst widersprechen? Das erste Zitat kann man als deiner grundsätzlichen These (dass Armut zunimmt), der ich widerspreche, zuordnen. Sie zweifeln daran, das es heutzutage weniger Realarmut gibt als vor einigen Jahrzehnten.

    Dann zitieren Sie Christoph Butterwege, der inhaltlich bei dem ist, was ich bereits ausgeführt habe. Es kommt auf die Einkommensdifferenzen eines Landes an, in der persönlichen Bewertung, ob man arm ist oder nicht.

    In einem Dorf in Afrika, in dem eine Familie eine Kuh und mehrere Hühner hat, und dadurch nur 2 Tage im Monat hungern muss, im Vergleich zu den anderen Dorfbewohnern, die keine Kuh haben, hält sich eben diese Familie nicht für arm, eher im Gegenteil. Real bleibt aber, das sie 2 Tage im Monat hungern müssen.

    Eine deutsche Familie, die von Hartz4 lebt, muss jeden Monat genau schauen, wofür sie ihr Geld im Supermarkt ausgibt, und nimmt die anderen Menschen natürlich war, die da nicht so genau drauf achten müssen und sich schöne Dinge leisten können. Diese Familie betrachtet sich selber als arm. Entscheidend ist der Vergleich mit anderen.

    Und trotzdem steht es außer Frage, welche der beiden Familien real ärmer ist.
    Denn im afrikanischen Dorf gibt es keinen Supermarkt, und selbst wenn es ihn gebe, hätten die Menschen kein Geld, um darin einzukaufen. Von Tafeln ganz zu schweigen.

    Was ich festgestellt habe, und dies bleibt unwiderlegt, ist, das die Realarmut in Deutschland immer weiter sinkt, und nicht, wie es die Linken suggerieren, steigt.

  9. Nachtrag: »Oder von den jährlichen Erfrierungen Obdachloser im Winter?«

    Wenn der hartz4‐ Empfänger, der immerhin noch eine hinreichend große Gruppe darstellt, nicht mehr ausreicht, um die Thesen untermauert, suchen Sie sich das allerunterste Ende, die schlimmstmöglichen Schicksale raus und führen sie als Beispiel an. Das dies statistisch keine Bedeutung spielt, ist ihnen anscheinend völlig egal, denn Sie haben ja immerhin recht mit der Aussage: Es gibt sehr harte Schicksale in Deutschland. In Deutschland erfrieren Menschen. Super Aussage, echt.

    »Von den Preissteigerungen von Lebensmitteln, Miete, Strom, Gas, Zugtickets, Kultur, Museen, Schwimmbädern etc. bei gleichzeitig gesunkenen Reallöhnen?«

    Lebensmittel sind historisch gesehen in Deutschland auf einem absoluten Tiefstand, kleine jahresspezifische Abweichungen fallen da kaum ins Gewicht. In keinem anderen Land in Europa ernähren sich die Menschen derart billig, die Dichte der Discounter ist extrem hoch. Z.B. Die Franzosen geben freiwillig einen deutlich höheren Prozentsatz ihres Einkommens für hochwetige Lebensmittel aus.

    Andere Dinge des täglichen Lebens werden noch viel dramatisch billiger. Ein gutes Beispiel hierfür sind Klamotten. Das man heute in den H&M geht und für 5 Euro ein T‐Shirt kauft, war früher nicht so. Und H&M ist noch lange nicht der billigste Laden in dem Segment. Das liegt natürlich an der Ausbeutung von Dritte‐Welt‐Ländern, aber für diese Diskussion führe ich es dennoch an, da es real Deutschen zugute kommt, auch wenn die Gründe unmoralisch sind.

    Energiepreise steigen, da haben Sie Recht, ebenso wie inflationäre Entwicklungen bei gleichzeitiger Stagnation/ Rückgang des Reallohnes über einen längeren Zeitraum tatsächlich zu einem Absinken des Reallebensstandards führen kann‐ die Zeitspanne hierfür ist allerdings noch zu kurz um das als gängige Entwicklung des 21.Jahrhunderts in Deutschland zu zementieren, denn es ist normal, das die Wirtschaft verschiedene Zyklen durchläuft, ebenso wie mal die linken, mal die rechten Strömungen in der Politik stärker sind. Momentan kann ich da noch keine eindeutige Tendenz erkennen, die diesen Teil ihrer These untermauern würde.

  10. Vor allem der letzte Absatz trifft die Deutschen wie den Nagel auf den Kopf, besser kann man es kaum formulieren. Eingemauert in ihrer Kleingeistigkeit und unterwürfigen Haltung kompensieren sie mit dem typisch deutschen nach oben buckeln, nach unten treten und wenn es dann wieder mal passiert ist — so wie »damals« — haben sie von nichts gewusst, schauen sich alle betröppelt an, haben aber wieder keinerlei Einsicht.
    Auch das mit dem Relativieren ist korrekt, wollen doch die, die relativieren, meistens etwas durch die Hintertür mit relativieren.

  11. Hey @Hero
    Sorry, — aber kannst du mal auf den Punkt kommen? Ich meine einen der von Menschen und nicht von Zahlen und Vergleichen spricht. Merkst du eigentlich nicht, dass du dich wie ein Gott benimmst, der von außen mit Zahlenwerken hantiert die sowieso keiner mehr ernst nimmt, aber spätestens dann ihr Höchstmaß an »Effektivität« erreichen, wenn sie dich selber betreffen? Eventuell sogar als schlimmst‐mögliches Schicksal? Du kommst von armen Kindern übers Institut für Weltforschung über 900 Tafel heute nach 1960 und realen Vergleichen was nun ärmer ist oder nicht über Hühner, Kühe und Dorfbewohnern, Kommerzläden wie H?M, 5 Euro T‐Shirts, unmoralischen Gründen die du auch noch zu gibts, aber trotzdem für legitim hälst zu Tendenzen die Thesen unterstützten sollten. Sach mal im Ernst. Bist du Banane, oder hast du überhaupt noch so was wie Orientierung?

    Sag mal, in welcher Welt lebst du eigentlich?

  12. @ Hero

    Sie wirken wie ein jovialer Sonnenkönig, der oberflächlich zahlenbasiert argumentiert (vage Überprüfbarkeit) und andererseits mit evasivem Blendwerk verzaubert; dabei jedoch selbst im Kern nicht oder allenfalls peripher tangiert wird.
    Wir leben im »Hier und Jetzt« und jede Retrospektive, die auf eine rückwärtsgewandte Vergleichbarkeit abzielt, verfälscht notwendigerweise.
    Sie erinnern mich in ihrer Haltung fatal an den Philosophen Sloterdjik, der den philosophisch‐ideologischen Überbau für jene, alles Soziale verachtende, »ökonomischen Agenten« der Gegenwart formulierte:
    »So kann es in der ökonomischen Moderne dahin kommen, dass die Unproduktiven mittelbar auf Kosten der Produktiven leben‐und dies zudem auf missverständliche Weise, nämlich so, dass sie gesagt bekommen und glauben, man tue ihnen unrecht und man schulde ihnen mehr.«
    Verstehen Sie meinen Einwurf als Anregung — unterschiedliche Perspektiven entziehen sich bisweilen dem Konsens.

  13. Sloterdijk würde sich wundern , wer in einem konsequent sozialdarwinistischen System als Allererstes ins Lager wandern würde...

  14. @hero
    Es ist eine These. Deine These. Wenn du das sogar schon zu gibst. Kennst du den Unterschied zwischen Theorie und Praxis? Deine Thesen, — spielen da überhaupt keine Rolle.

  15. Lasst uns alle auf das wissenschaftlich bestätigte Ansteigen der »RealArmut« warten. Lasst uns »versachlicht« auf leere Mägen, nackte Sohlen, auf Krankheiten, auf Kindersterblichkeit, die -echte Verzweiflung™ und — die wirkliche Armut©- lasst uns abwarten bis sich auch hier eine nachweisbare »Tendenz« ergibt ......bis die Hölle ihren Schlund aufreißt. Der Brandgeruch könnte auch von den ständigen Grillfesten unserer wohlgenährten Armen in spätrömischer Dekadenz kommen. Erst wenn Ihr Flammen seht, erst dann und nur dann sollten wir nachdenken, ob die »Linken« diesen Flächenbrand nur suggerierten....

    Wir hier in den Zentren des kapitalisischen Monsters sind nur der Puffer, ruhiggehalten und mit Konsumgütern abgespeist, während an der Peripherie munter gestorben und verelendet wird. Wenn wir diese Zustände abwarten, wird es, nein dann wird alles zu spät sein!
    Nein, lieber Hero, Du bist wahrlich kein Held der Menschlichkeit.

  16. @hero:
    das was sie mit realer armut bezeichnen, heißt eigentlich absolute armut.
    however, sie können natürlich für sich nur diesen begriff als relevant einstufen. nur sind sie dann hier in der falschen diskussion.
    relative armut definiert sich nicht nur statistisch über 60% vom durchschnittseinkommen. das ist vielmehr nur ein empirisch gewählter wert, um die zu betrachtende gruppe zu definieren. empirisch gesehen wurde von armutsforschern nämlich festgestellt,
    das dinge wie soziale teilhabe etc. ab diesem wert nur noch unzureichend gegeben sind.

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