Ausverkauf der Wahrheit

Spiegel Online vom 12. März 2016 (ohne Link)

Spiegel Online vom 12. März 2016 (ohne Link)

Die Nachdenkseiten hatten mal den Verdacht geäußert, dass die Flüchtlingskrise auch eine Imagekampagne der Bundesregierung sein könnte. Der Schaden, welche die Troika mit der Sparzwang‐ und Ausverkauf‐Politik Griechenlands im Sommer 2015, an der EU verursacht hatte, sollte damit verdeckt werden. Und während Griechenland den Investorhaien zum Fraß vorgeworfen wird, Renten und Sozialleistungen gekürzt werden, die medizinische Versorgung katastrophal ist, Massenentlassungen stattfinden -und dafür die Bundesregierung mit ihrer neoliberalen Sparzwang‐Haltung maßgeblich mit verantwortlich ist‐ soll Bundeskanzlerin Merkel wegen der Flüchtlingskrise auf einmal eine »Humanistin« sein? Sie ist und bleibt eine Sprechpuppe von Konzernen, Banken und Kapital. Deshalb ist sie für die Massenmedien und die Wirtschaft auch die perfekte Kanzlerin. Etwas anderes zu glauben, wäre naiv.

7 Gedanken zu “Ausverkauf der Wahrheit

  1. Möglich ist in diesem Rahmen alles.
    Das Szenario, was sich um diese Sache ergibt, dass sie penetrant an etwas festhält, obwohl sich um sie herum alle gegen sie wenden, und die Sache selbst dabei ist, außer Kontrolle zu geraten — es schreit geradezu danach, dass im Hintergrund eine versteckte Agenda in Kraft ist.
    Ob die nun von ihr kommt oder jemand anderes sie ihr ins Ohr geflüstert hat (auch das ist bei ihr möglich).
    Fest steht außerdem auch eines: Immer, wenn deutsche Medien eine bestimmte Position vertreten, und das mit einer solchen Hartnäckigkeit, 24 Stunden rund um die Uhr Berieselung, dann war und ist es schon immer deren Aufgabe, dir etwas glauben zu machen. Geht hin bis zu denen, die Massaker an ihren Schulen verübt haben, sollten als psychisch krank und nicht ganz dicht verkauft werden, obwohl man sich selbst mit ein bisschen Recherche davon überzeugen kann, dass die psychisch zwar nicht ganz in der Spur waren, aber sehr wohl wussten, was sie taten und was sie dachten.

    Habe mich über das Thema mit der Pro‐Flüchtlinge‐Position und deren Verfechter vor einiger Zeit selber mal ausgelassen:
    http://matrixmann.livejournal.com/187117.html
    (Keine Angst, es ist kein hatespeech.)

  2. @matrixmann

    Sehe ich auch so! Das Ganze hat so ein Geschmäckle von »wag the dog«. Vielleicht gab es auch eine Absprache mit Obama. Frei nach dem Motto: Ihr Deutschen müsst euch nur »leicht« am Syrienkrieg beteiligen, dafür nehmt ihr die Flüchtlinge auf. Oder so ähnlich. Ich denke schon, dass es Absprachen gab und/oder eine (mediale) Agenda gefahren wird. Kein Thema in den letzten 20 Jahren war länger als 3 Wochen in den Medien (mit Ausnahme von 911).

  3. @epikur
    Hatte Assange doch vor einer Weile offen verkündet: Schwedens Beteiligung am Irakkrieg war, dass sie die ganzen Flüchtlinge von dort aufnehmen. Als Teil einer strategischen Entvölkerung des Landes.
    (Sozusagen: Wir entziehen dem Land seine Bürger, damit sie nicht unter gegnerischen Einfluss stehen, keine Wehrpflichtigen da sind, die potentiell als Soldaten gegen uns kämpfen könnten, auch niemand da ist, der irgendetwas wiederaufbauen kann, und gleichzeitig bearbeiten wir sie, sodass, wenn der Krieg vorbei sein sollte, wir sie zurückschicken und anschließend unser Wunschvasall entsteht.)

  4. Eine Imagekampage zum Aufputzen. Etwas hat es damit wohl auf sich. Das Gewissen schafft sich Geltung gewissermaßen. Die Situation besteht anscheinend so, dass aus unterschiedlichsten Gründen das Gewissen beißt. Es muß auch gar nicht direkt beißen, so dass man schwitzt oder schlecht träumt. Sagen wir mal, eine Offenheit hat sich eingestellt, ein Nährboden für eine moralische Aufwallung. Betrachtet man die Lage aus ferner Distanz, was sieht man da in Europa? In groben Zügen sieht man seit 2008 ein politisches Narrativ, das an der Südflanke Europas hauptsächlich, aber generell in ganz Europa das Sparen bei der Grundversorgung einfordert. Die Banken haben sich verzockt, der Staat hat ihre Schulden übernommen und das Wirtschaftsetablissement will nun, dass die Schulden durch Sparen bei der Grundversorgung abgebaut werden. Und schon die Jahre zuvor hieß es ja auf ähnliche Weise, alle öffentlichen Einrichtungen verprassten das Geld und brächten nichts zu Stande, es sei aus Effizienzgründen, d.h. Spargründen, zu privatisieren oder ansonsten nach betriebswirtschaftlichen Methoden umzuorganiseren. Und aus ähnlichen Spargründen seien auch Regularien der Lohnarbeit abzutragen, damit mehr heraus springt, d.h mehr gespart wird. Insgesamt sei dies ja auch alles nötig, damit internationale Investoren im Lande sich nieder lassen, man herzeigbar wird, ansonsten kämen sie nicht herein oder wanderten überaupt aus. Nun operierten die Abtragschaufeln während dieser Phase vom unteren Rand der Gesellschaft her. Dort wurden sie angesetzt. Sie begannen von unten her nach oben zu hin abzutragen. Momentan befinden sie sich wohl ungefähr in der Mitte. Hier ist das Material besonders dicht und ergiebig. Man hätte ja auch sagen können: wir müssen Sparen, also streichen wir den Luxus. Unsere Gesellschaft setzt die Sparschaufeln oben an und läßt sie mal abtragen, so viel wie nötig ist an dem, was nicht notwendig ist. Nein, der umgekehrte Weg wurde gewählt. Der Unmut hat in Europa derart in den letzten Jahren wohl zugenommen. Verarmung, Angst, Verstressung des Lebens, Vernebelung der Zukunft, ja Hunger sogar, wandernde Lohnarbeiter und was es noch so alles an Verwerfungen geben mag. Eine besondere Stellung kommt in einer Gesellschaft wie der unsrigen dem öffentlichen Diskurs zu: was gibt es dort für Meinungen, welche Tatsachen werden genannt, welche Erklärungen geliefert. Und da haperte es gewaltig. Dort wurde ein Art rosa Welt etabliert. Vom Sachzwang zum Lifestyle und wieder zuück, gut gelaunte Weltvorstellung rauf und runter. Höchstens in der Ferne allfällige Unglücke und Kriege. Wer schon von den Schaufelrädern der Abtragwalze gezwickt wurde, der wurde noch eher verspottet als tatsachennah dargestellt. Wie Roberto de Lapuente heute so trefflich ausdrückte, die geile Daseinsfreude der Gewinner, die blieb die Grundstimmung und Stoßrichtung der öffentlichen Rede und natürlich auch jener, die sie kolportierten und für die sie zutreffend erschien. Dass sich da im Untergrund das Gewissen regt, dass kann tiefenpsychologisch betrachtet, nicht verwundern. Und in der Tat findet man genug Bobos, Yuppies und sonstige als finanziell gehoben markierte Positionen, die man in diesen Tagen verwundert anschaut, wenn sie lauthals schreien: Refugees welcome! Weder bei einem der vielen Kriege der letzten Jahre, die Millionen Heimaten nahmen, noch bei sonstigen Flüchtlingen, die seit Jahren auf irgendwelchen Inseln im Mittelmeer ausharren oder auf Plantagen sich bis zur Krankheit abarbeiten hat man irgendeine Unmutsäußerung gehört. Und natürlich kanzelte man selbstsicher und lächelnd jede Anmaßung der Griechen, der Italiener, der Spanier, der Portugiesen und der Iren ab, wenn sie nicht ordentlich dem Sachzwang genüge tun wollten. Und den Franzosen hätte man es am liebsten auch einmal ins Gesicht gesagt. Süffisant genoss man auf seinen fetten Finanzpolstern die Verarmung von halb Europa (den deutschen Niedriglohnsektor und Hart IV Sumpf inklusive). Da war der rosarote Finanzbürger moralisch nie empört. Da war er nicht nur ruhig, nein, er war dafür. Aber jetzt, als hätte man ihm gratis Moralfarbe hingestellt, hört er nicht mehr auf, seine ganze Innenwelt damit auszumalen: er spendet Biokarotten, Markenklamotten seiner Kinder, kocht Churryeintopf und bringt ihn zum Bahnhof oder überweist ein paar 100 Euro auf eine Hilfsorganisation. Und die Gunst hat er auch auf seiner Seite, lassen sich doch die Gegängelten der letzten Jahre dazu hin, quer durch Europa für die rechte Seite zu votieren (ein nennenswertes linkes Angebot besteht leider nicht. Offenbar gereicht ein 8%-Parlamentarismus den Beteiligten zu einem bequemen Leben am Dachgeschoss). Da kann er sich nun gleich nocheinmal in die Moralscheinwerfer stellen: ich wähle immer politisch korrekt. Ich esse Bio aus der Region, ich trage nur Fairtrade‐Kleidung, ich fahre ein Elektro‐Auto. Heute stempeln sich die Edelexemplare, die Vorzeigekonsumenten, die Vorzeigeberufstätigen des verderblichen Neoliberalismus das moralische TÜV selbst auf ihre Stirn.

  5. »[...]Sie ist und bleibt eine Sprechpuppe von Konzernen, Banken und Kapital. Deshalb ist sie für die Massenmedien und die Wirtschaft auch die perfekte Kanzlerin. Etwas anderes zu glauben, wäre naiv[...]«

    Seh ich ganz genauso, und dazu paßt auch die zunehmende »SS‐Mentalität« vieler Deutscher im Alltag — frei nach dem Motto »...und wenn 100 Tote vor euch liegen, dass macht euch nur härter....« so einst Heinrich Himmler, und so viele Deutsche aus Neoliberalistan dieser Tage auch....

    Menschenfeindlichkeit ist dank der Marionette Merkel »in«, nicht nur in der banalen Politik sondern im ganz normalen Alltag.....und dazu braucht man nicht einmal die Medien sondern einfach nur mal den Umgang untereinander beobachten.....die Saat der Konzerne ist voll aufgegangen....die diese psychopathische Strategie schon lange vorleben...nur eben diesmal sogar, man kann es nicht oft genug erwähnen, im ganz normalen Alltag Deutschlands....

    Zynische Grüße
    Bernie

  6. Tja... Aber alles (auch viele kritische Denker) reibt sich weiter dankbar wie ein notgeiler Köter am »Dritten Bein der Union«, dem Holzwurmverseuchten Stumpf namens »AfD«, den man bewusst und gezielt als »bad cop« im politischen Narrativ etabliert hat. Seit alles auf diese besonders über die Strenge schlagenden Doofbratzen kuckt, freut sich einmal mehr die Mitte. Denn die ist aus dem Focus und erstrahlt doch im Vergleich zum an die Wand gemalten Teufel gar plötzlich wieder »humanistisch«...!?

    Ich wohne in RLP. Die Wahlergebnisse gestern gaben mir einmal mehr den Rest... :( Wieder hat es deutlich nicht für den Einzug der Linken in den Landtag gereicht; dafür hat die AfD einen gewaltigen Teil der eh schon reaktionären Mitte zu den Urnen und dabei auch die Wahlbeteiligung hochgetrieben. Die Mächtigen wissen halt, wie man die Schafherde in dieser Demokratiesimulation erfolgreich lenkt... Und die einzige Partei abseits des neoliberal‐marktfaschistischen Blocks wird vollkommen marginalisiert.

    Aber weiter hoffen viele »besonders linke Linke« mit so einer durchweg bekloppten Bevölkerung irgendwann dann doch mal »Revolution« zu machen — und »den Kapitalismus zu überwinden«... Man könnte fast drüber lachen, wenn’s nicht so absurd wäre.

  7. Ich freue mich schon, wenn ab August der Negativzins für Endverbraucher fällig wird. Vorher wir natürlich noch schnell das Bargeld künstlich kastriert. Dann ist aber Stimmung in der Reihenhauskolonie, da zeitgleich auch die nächste Immoblase platzen wird. Da hilft dann auch nicht mehr das Schießen auf Flüchtlinge. Das Ding ist durch und damit auch das Deutsche Ding! Ich habe kein Mitleid!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.