Selbstentlarvende Realsatire

»Politisch mag das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen aufwühlend sein. Der deutschen Wirtschaft dürfte es aber kaum schaden. Denn die fährt schon eine Weile ganz gut ohne Politik. [...] Vieles spricht dafür, dass ein paar weitere Monate politischer Stillstand der Wirtschaft zumindest kurzfristig sogar ganz gut tun. [...] Und egal ob es nun auf eine Große Koalition, eine Minderheitsregierung oder Neuwahlen hinausläuft — keines der möglichen Szenarien würde die grundsätzliche Stabilität Deutschlands infrage stellen.«

spiegel.de vom 20. November 2017

Anmerkung: Ergo, es ist völlig egal, ob und welche Regierung wir in Deutschland haben, solange sie nur im Sinne von Banken, Konzernen, der Finanzindustrie, Wirtschaftskanzleien und Millionären Politik macht oder zumindest keine Politik gegen sie macht. Auch ist die »grundsätzliche Stabilität Deutschlands« gleichzusetzen mit der Profit- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Ob die Menschen, also die Bevölkerung glücklich und zufrieden sind (Haha!), interessiert absolut gar Niemanden. Mit solchen Sätzen offenbaren Journalisten sehr deutlich und direkt, dass sie zum Sprachrohr des Establishments mutiert sind und den Anschluss an die »normale Bevölkerung« längst verloren haben. Die Selbstbeweihräucherung als »Vierte Gewalt« kann hier nur noch als schlechte Satire durchgehen.

Herrschaftsprinzipien

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Manche Kampagnen sind pure Realsatire. Im Impressum von demokratie-ist-alles.de ist Kajo Wasserhövel zu finden. Ein Spin-Doctor der SPD.

In der Medien- und Politikoligarchie Deutschland gibt es seit Jahrzehnten ein ganzes Arsenal an Methoden und Instrumenten, um die Meinungs- und Deutungshoheit aufrecht zu erhalten. Hinzu kommen weitere dutzende Werkzeuge und Maßnahmen, um Auflage, Reichweite, Quote, Aufmerksamkeit sowie Klick- und Verkaufszahlen zu erzielen. Insofern sind die öffentlich geführten Fake News- und Hate Speech-Debatten auch komplett absurd, da niemand soviel hetzt und lügt, wie die System‑, NATO‑, Kauf‑, Lügen‑, Produkt‑, Lücken- (oder wie auch immer man sie nennen mag) ‑Presse. Dabei überschneiden sich regelmäßig die Methoden und Techniken, welche beispielsweise primär nur Aufmerksamkeit und Reichweite erzielen sollen, mit den Instrumenten, die Meinungs- und Deutungshoheit erreichen ‑also Narrative installieren- wollen. Weiterlesen →

Presseblick (67)

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gamestar.de

Die Online-Medien werden immer kreativer, wenn es darum geht kostenneutral und günstig Inhalte Content und Werbeartikel zu produzieren. Da werden Leser aufgerufen Testberichte zu schreiben oder Youtube-Videos zu veröffentlichen, Gewinnspiele veranstaltet oder Werbegeschenke verteilt. Und um Adblocker zu umgehen, sind Content Marketing, Native Advertising sowie Advertorials keine Seltenheit mehr. Auch personalisierte Werbung ist heute digitaler Alltag.

Nach dem Lesertest bei gamestar.de beispielsweise, darf man das Headset im Wert von 170 Euro behalten. Wird der Lesertest auch veröffentlicht, wenn er kritisch ausfällt? Passiert das überhaupt, da man sich als Beschenkter nicht sowieso subtil bedanken will? Sollen Leser jetzt Advertorials verfassen, damit die Redaktion sich diesem Vorwurf nicht mehr aussetzen muss? Übrigens: Kommentare sind bei diesem Artikel natürlich nicht zugelassen. Oder man darf einen »User-Artikel« schreiben und anstatt angemessener Entlohnung gibt es gog.com-Gutscheine als Bezahlung, weil die Gamestar mit der Spiele-Plattform einen Werbe-Deal hat. So funktioniert heute der werbefinanzierte Online-Journalismus. Hurra! :jaja:  Weiterlesen →

Reale Welten vs. Fiktive Welten

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Immer wieder lese ich die akademische Grundannahme, es gebe hier die positiven, selbsterfahrenden, mit Sinneswahrnehmung ausgestalteten, realen Alltagswelten und dort die negativen, zerstörerischen und suchterzeugenden, fiktiven Medienwelten. Diese binär-dual-polarisierende Wahrnehmung empfinde ich als unwissenschaftlich, weil sie wenig Differenzierung, also Grautöne erlaubt. Ich würde sogar behaupten, dass es heute überhaupt keine trennscharfe Linie ‑zwischen vermeintlich realen und vermeintlich fiktiven Welten- mehr gibt. Es existiert hier längst kein entweder oder mehr, sondern nur ein sowohl als auch. Weiterlesen →

Presseblick (66)

rubikon.news vom 20. September 2017

rubikon.news vom 20. September 2017

Und nun ist sie da: die AfD-Hysterie. Wie prognostiziert, werden wir nun in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten die übliche Böser Bulle/Guter Bulle- sowie die »Haltet den Dieb!« — Medienkampagne erleben. Es ist weltweit stets die gleiche Strategie: wegen Trump wird der Drohnenkönig Obama zum Pazifisten, wegen Le Pen wird der marktradikale Macron zum Menschenfreund und wegen der AfD, werden Angela Merkel, CDU/CSU/SPD/FDP/GRUENE zu Demokratierettern verklärt. Wer sich jedoch die Fakten und Gesetzeslagen genau anschaut, kommt zu ganz anderen Ergebnissen. Die aber, interessieren heute niemand mehr. Alles wird in binäre und duale Wertungssysteme eingebettet. Weiterlesen →

Fake News: Arbeitslosenzahlen

Oh mein Gott! Der olle epikur verlinkt einen Videobeitrag von KenFM! Damit ist er ab sofort ein Antisemit, Neurechter und Querfrontler!  :jaja: Und nun zum Inhalt des fast zweistündigen, aber sehr empfehlenswerten Gesprächs. Der Ökonom Heinz-Josef Bontrup entlarvt die monatlichen Arbeitslosenzahlen als offizielle Fake News. Er erklärt und erläutert wirtschaftliche Zusammenhänge und empfiehlt eine Reihe von Methoden, um die Massenerwerbslosigkeit zu reduzieren. Er betont, dass primär Macht und Interessen, soziale und ökonomische Rahmenbedingungen bestimmen und eben nicht, die vermeintlich besten Lösungen.

»Objektive Berichterstattung«

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Ausgaben im August 2017

Mir liegt es fern, einen Donald Trump zu verteidigen, seine vermeintliche Menschenverachtung zu relativieren oder seine Dampfplauderei zu verharmlosen. Nur, was die Massenmedien hier weltweit veranstalten, hat mit sachlicher, objektiver oder unparteiischer Berichterstattung absolut gar nichts mehr zu tun. Hier wird mit übelsten Methoden, Kampagnenjournalismus, Propaganda und US-Präsidenten-Bashing betrieben. Wie immer, wird hier die Macht von US-Präsidenten künstlich hochgeschrieben, um anschließend alle Probleme zu personalisieren und auf Trump zu schieben. Ob mit oder ohne Trump, der militärisch-industrielle Komplex, das US-Gefängnis-System, die US-Geheimdienste, Hedge Fonds, Ratingagenturen, Großbanken, große Wirtschaftskanzleien, kriminelle Mafia-Vereinigungen-und-Kartelle, Konzerne sowie Milliardäre sind und bleiben das eigentliche Problem.

Game of Thrones

Ja, ich schaue die Serie auch. Und ja, sie hat deutlich nachgelassen. Nun ist sie endgültig im Hollywood-Mainstream-Popcorn-Kino angekommen. Die Serie ist aber auch ein guter Beweis dafür, wie unsere bürgerlichen Massenmedien gleichgeschaltet sind, jeden Hype mit machen bzw. befeuern und primär vom SEO gesteuert werden. Hinzu kommt das systematische Abschreiben von reuters, dpa und anderen Agenturen. Hauptsache, es werden entsprechende Keywords in der Adresszeile, im Titel und im Artikel platziert. Ob sie inhaltlich irgendetwas interessantes beizusteuern haben oder ob nicht auch weniger populäre Serien eine Erwähnung wert wären, spielt indessen weniger eine Rolle. Der Klick zählt. Deshalb ohne Link:

  • taz.de: »Ende siebte Staffel Game of Thrones: Zottelige All-Star-Combo in Flokati«
  • zeit.de: »Game of Thrones: Zum Leben verdammt«
  • spiegel.de/bento.de: »Was im großen Finale der 7. Staffel passiert«
  • nzz.ch: »Sieben Fakten zur siebten Staffel«
  • sueddeutsche.de/jetzt.de: »Das GoT-Staffelfinale ist wie die Trennung von einem geliebten Menschen«
  • n‑tv.de: »Letzte Staffel verzögert sich: Game of Thrones-Fans müssen stark sein«
  • tagesschau.de: »Game of Thrones-Drehbuch gestohlen«
  • morgenpost.de: »Müssen Game of Thrones-Fans bis 2019 aufs Finale warten?«
  • stern.de: »Game of Thrones-Finale: Das Ende einer Ära«
  • bild.de: »Die letzten Geheimnisse von Game of Thrones«
  • tagesspiegel.de: »Staffelfinale von Game of Thrones: Schnelle Flotte für Cersei Lennister«

Identitätsproduktion

change_titelIch habe das nie verstanden. Da geht Mann oder Frau zum Frisör, kauft sich neue Klamotten und/oder macht eine erfolgreiche Diät und sofort reden alle davon, dass er oder sie sich verändert habe. Eine riesige Medien- und Schönheitsindustrie produziert und profitiert von diesem Narrativ. Natürlich ist das Aussehen Teil der individuellen Identität. Aber eben nur ein Teil. Wer sich seiner selbst bewusst sein, also selbstbewusst werden will, erreicht das eben nicht mit dem Konsum von gleichgeschalteter Marken-Identitätsproduktion. Persönlichkeit und Charakter verkommen hier zu kollektiven Konsum-Worthülsen, da sie jeder überall kaufen kann.

Selbstinszenierung, Selbstoptimierung und Selbstentfremdung sind die modernen Werte der digitalen Unfreiheit. Authentische Veränderung hingegen, kommt aus sich selbst heraus. Sie ist Sein und nicht Haben. Sie ist das Ergebnis von persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen. Sie kann nur entstehen, wenn man mit Neugier, Empathie und Selbstreflektion durch das Leben geht. Eigenschaften, die vielen Facebook-Selbstinszenierer-Narzissten völlig fremd sind.

Presseblick (65)

dernewsticker.de vom 15. Juli 2017

dernewsticker.de vom 15. Juli 2017

Junge Welt vom 10. August 2017

Junge Welt vom 10. August 2017

Nach der G20-Kampagne, dem Erstarken der AfD sowie einen weit um sich greifenden Flüchtlingshass, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, rund 180 Todesopfer seit 1990 durch rechte Gewalt, den »national befreiten Zonen« in den neuen Bundesländern, der Pegida-Bewegung, mehr als 1.000 Angriffe auf Flüchtlingsheime im Jahr 2016 sowie den (immer noch nicht aufgeklärten!) NSU-Morden und den sechs »zufälligen« toten Zeugen — kommt die eigentliche Gefahr von links! Und zwar nur von links! :bulle:  Weiterlesen →