
Spiegel Online vom 12. März 2016 (ohne Link)
Die Nachdenkseiten hatten mal den Verdacht geäußert, dass die Flüchtlingskrise auch eine Imagekampagne der Bundesregierung sein könnte. Der Schaden, welche die Troika mit der Sparzwang- und Ausverkauf-Politik Griechenlands im Sommer 2015, an der EU verursacht hatte, sollte damit verdeckt werden. Und während Griechenland den Investorhaien zum Fraß vorgeworfen wird, Renten und Sozialleistungen gekürzt werden, die medizinische Versorgung katastrophal ist, Massenentlassungen stattfinden ‑und dafür die Bundesregierung mit ihrer neoliberalen Sparzwang-Haltung maßgeblich mit verantwortlich ist- soll Bundeskanzlerin Merkel wegen der Flüchtlingskrise auf einmal eine »Humanistin« sein? Sie ist und bleibt eine Sprechpuppe von Konzernen, Banken und Kapital. Deshalb ist sie für die Massenmedien und die Wirtschaft auch die perfekte Kanzlerin. Etwas anderes zu glauben, wäre naiv.
Auch im Jahr 2016, und in all den folgenden Jahren, werden wir ‑in unserer westlichen, ach so freien Welt- wieder jede Menge Skandale, Affären, Lügen und Korruptionsfälle erleben. Wieder wird so getan werden, als wären es
Nach der Silvesternacht in Köln 2015⁄16 war nichts mehr, wie es vorher war. Pünktlich zum Start des neuen Jahres wurde der rechte, völkische und rassistische Korpsgeist der deutschen Bevölkerung wiedererweckt. Nachdem er sich jahrzehntelang nur selten, vor allem im Stammtisch- und Schrebergarten-Kreis zeigte, erfreute er sich von nun an wieder großer gesellschaftlicher und medialer Beliebtheit. Es durfte endlich wieder laut gehetzt und gezündelt werden. Flüchtlinge galten von nun alle als Sexmonster, die es auf deutsche Frauen abgesehen hätten. Linke, als naive Weltverbesserer, die nichts gegen die kriminellen Ausländerhorden unternehmen wollten. Und Gegner der Todesstrafe waren Unterstützer von Kinderschändern und galten als getarnte Pädophile. Was jetzt nur noch fehlte, war ein neuer, ein moderner Führer.
Auf dem Kölner Hauptbahnhof soll es in der Silvesternacht 2015/2016 in großer Zahl sexuelle Übergriffe auf Frauen und Diebstähle gegeben haben. Die Täter seien zu Hunderten unterwegs gewesen und würden aus dem nordafrikanischen und/oder arabischen Raum stammen, wie unter anderem Spiegel Online, Focus, Süddeutsche und Zeit berichten. Die Polizei habe rund 90 Anzeigen vorliegen, wovon ein Drittel wegen Sexualdelikten sei. Auch wenn noch nicht bewiesen ist, dass es Flüchtlinge waren und ob es nicht viel mehr um Diebstähle als um Sexverbrechen ging, so fühlen sich sofort alle »besorgten Bürger«, rund um Pegida, den typischen Mittelschichts-Spießer-Rassisten (»ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...«) und alle verkappten sowie öffentlichen Nazis in ihrer Weltsicht bestätigt: Multikulti sei gescheitert und linke Gutmenschen seien schon immer realitätsfremde Spinner gewesen.