Ein neues Start-Up-PR-Unternehmen will im Auftrag des Sozialministeriums das negative Image vom Arbeitslosengeld II verändern und zu einer positiven Eigenverantwortungs-Wahrnehmungs-Botschaft umgestalten. Interessierte dürfen Ideen und Slogans einreichen. Selbstverständlich ohne die Sanktions-Praxis oder jedwede andere sozialgesetzliche Gängelung abzuschaffen. Aber schöner klingen soll es:
»Hartz macht mobil, mit Willkür, Maßnahme und Spiel.«
»Verharzt und zugenäht.«
»Ist das Jobcenter gesund, freut sich der Mensch!«
»Hartz Dir einen!«
»Arbeitslosengeld 2 weckt den Tiger in Dir!«
»Morgens halb zehn in Deutschland: Millionen Hartzis!«
»Heute ein Hartz-König.«
»Geiz ist hartz!«
»Mit hartz sieht man besser!«
»Hier bin ich Mensch: hier hartz ich ein!«
»Einmalig im Angebot: verharzen bis der Arzt kommt!«
»Zu mir oder zu Hartz?«
»Kein Hartz4? Ich bin doch nicht blöd!«
»Mitten drin, statt nur angehartzt«
Habt Ihr weitere Ideen und Vorschläge?
Warum nennt man einen Flüchtling, der in Deutschland angekommen ist, eigentlich weiterhin einen Flüchtling? Ist er jetzt nicht ein Angekommener?
Die Geschichtsvergessenheit und ‑Verklärung vieler politisch interessierter Menschen ist nicht tot zu kriegen. Insbesondere wenn es darum geht, Politiker und Parteien zu Hoffnungsträgern zu stilisieren. Was wurde da in der Vergangenheit nicht alles gejauchzt, gelobt und gejubelt (auch in linken Publikationen und in Kleinbloggersdorf!). Die Illusion, dass im parlamentarischen Betrieb ein Abgeordneter, eine Regierung und/oder eine Partei, dafür sorgen könnte, dass sich die Lebensverhältnisse für die Mehrheit der Bevölkerung verbessern könnten, hält sich hartnäckig. Und das obwohl wir, die Wähler, Zuschauer und Interessierten, immer und immer und immer und immer wieder enttäuscht bzw. eines Besseren belehrt wurden. Einige Beispiele.
Gehe ich in die örtliche Bibliothek zu den Bereichen Soziologie, Psychologie, Philosophie und/oder Politikwissenschaft, so gibt es dort heute primär Lebensratgeber-Bücher, Biografien, Pop-Kultur, emotionale Stellungnahmen, polemische Streitschriften und Trend-Literatur. Schriftliche Werke, die dabei helfen könnten, das große Ganze zu verstehen, Sachverhalte präzise, wissenschaftlich und analytisch zu hinterfragen sowie Strukturen, Verstrickungen und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, sind in öffentlichen Bibliotheken immer seltener, werden in der Schule erst gar nicht und in der Universität ‑wenn überhaupt- nur als »Bulimie-Wissen« gelehrt.
Ein großes US-Gefängnis-Unternehmen hat alle Justizvollzugsanstalten in Deutschland aufgekauft. Demnächst sollen dort alle Häftlinge für mindestens sechs Stunden am Tag für einen Euro pro Woche arbeiten und Produkte für US-Rüstungskonzerne herstellen.
In letzter Zeit begegne ich immer mehr Menschen, die sich unangreifbar machen wollen. Immer freundlich. Höflich. Lächelnd. Aalglatt. Weichgespült. Ohne Ecken und Kanten. Die mit Allerwelts-Phrasen und Small-Talk-Platitüden um sich werfen. Sie verbergen ihre ehrliche Meinung, auch bei Nachfrage. Sagen nicht, was sie wirklich denken und fühlen. Sie wollen sich alle Möglichkeiten und Optionen offen halten. Sie wissen ja nicht, wann sie jemanden mal gebrauchen, also für eigene Zwecke benutzen könnten. Sie lügen und schweigen, um Konflikten aus dem Weg zu gehen.
-Gespräch zwischen zwei Vätern. Vater A (von Elias: 7 Jahre alt.) und Vater B (von Lionel: 6 Jahre alt)-