Tatort: Grundschule in Berlin. Im Jahr 2022.
Seit rund 6 Monaten stehen an der Außenseite der Turnhalle zwei Baugerüste. Die Decke der Turnhalle sowie die Wasserleitungen sind wohl beschädigt. Manchmal kommen Bauarbeiter und arbeiten ein paar Stunden und gehen dann wieder. Vor einer Woche haben sie ein weiteres Baugerüst in die Turnhalle gestellt. Weder das Sekretariat, noch die Schulleitung wissen, wann die Bauarbeiten fertig sind. Auch die Handwerker nicht.
Die Schule, und insbesondere auch die Turnhalle, sind jedoch ein sozialer Lebensort für die Kinder. Durch die Bauarbeiten ist die Turnhalle seit über 6 Monaten immer wieder tage- und auch wochenweise gesperrt. Der Sport-Unterricht, Nachmittagsangebote vom Hort sowie Vereinssport, fallen dadurch für die Kinder immer wieder aus. Dabei leiden ‑durch Corona-Bullshit, Lockdowns und digitaler Verblödung- immer mehr Kinder an akutem Bewegungsmangel. Interessiert leider kaum Jemanden in der Politik.
Warum es nicht möglich ist, die Bauarbeiten abends oder an einem Wochenende und dann in einem Rutsch zu erledigen, damit die Turnhalle nur so kurz wie möglich gesperrt ist, konnte ich nicht verstehen. Bis ich ein ausführliches Gespräch mit einem der Handwerker führte.
Dieser erklärte mir, dass das Land Berlin kaum noch Handwerksfirmen findet, weil die Bezirke und der Senat ihre Rechnungen erst 6–12 Monate später bezahlen. Wenn überhaupt. Die Firmen haben jedoch laufende Kosten. Und so liefern sich die wenigen Handwerks- und Baufirmen, die noch für die Kommunen arbeiten wollen, ein regelrechtes Katz- und Maus-Spiel mit den Berliner Behörden. Sie ziehen die Arbeiten in die Länge. Schrauben an den Rechnungen und den Fahrzeiten. Machen sich unabkömmlich und unersetzbar. Und so weiter.
Gleichzeitig werden, über Nacht, Hunderte von Milliarden Euro für Banken und die Rüstungsindustrie bereit gestellt. Bildungsstandort Deutschland.




Deutschland zeigt ‑wieder einmal- seine fest verankerte Kinderfeindlichkeit. Hätte ich hier nicht meinen privaten Lebensmittelpunkt, wäre das schon länger ein Grund für mich, nach Skandinavien auszuwandern. Denn pädagogische, empathische und entwicklungsfördernde Analysen und Perspektiven für Kinder und Jugendliche, können weder Journalisten, Politiker noch viele Erwachsene in Deutschland einnehmen. Sie behandeln Kinder nicht als selbstbestimmte Mitmenschen, die Rechte haben und mit Würde zu behandeln sind, sondern vielfach als Objekte, die man, je nach eigenen Interessen und Bedürfnissen, formen, biegen und benutzen kann.



