Die Wahrheitspresse

»Wer will, kann in diesem schier unendlichen Raum vom Schreibtisch aus alternative Wahrheiten aller Art finden, die ihn gegen Kritik immunisieren. [...] Ein demokratischer Diskurs und der in pluralistischen Gesellschaften so wichtige Prozesse von Aushandlung und Kompromiss ist mit einer fundamentalen Frontstellung von Wahrheit und Lüge nicht vereinbar.«

- Maximilian Probst. Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema »Lügenpresse« am 6. Juni 2018

Natürlich ist die binäre Wahrnehmung und Bewertung in aller Regel infantil und wird selten einer tiefgehenden Analyse gerecht. Gleichzeitig kämpfen jedoch die bürgerlichen, etablierten Medien mit aller Macht um ihre Meinungs‐ und Deutungshoheit und schießen aus allen Rohren auf alles und jeden, der ihnen nicht zustimmt. Deshalb ist Herr Probst absurd naiv, wenn er tatsächlich glaubt, Medienschaffende, Milliardäre, Politiker, Manager oder Finanzinvestoren seien an einem »demokratischen Diskurs« ernsthaft interessiert. Die herrschenden Gedanken sind die Gedanken der Herrschenden. Und um diese duchzusetzen wird auch mal kräftig Propaganda betrieben, getrickst, getäuscht, desinformiert und ja, auch gelogen. Zur Erinnerung ein paar prägnante Beispiele.

  • »Der Hufeisenplan«. Die eindringliche Dokumentation »Es begann mit einer Lüge« sagt eigentlich alles zu der perfiden Propaganda‐Lüge, die in die Welt gesetzt wurde, um den NATO‐Angriffskrieg gegen Jugoslawien zu rechtfertigen. Angeblich sollte der »Potkova‐Plan« beweisen, dass die Serben eine ethnische Säuberung ausgearbeitet hätten. Heute steht fest: Fake News, die von allen großen etablierten Zeitungen verbreitet wurden.

  • Die investigative Journalistin Gaby Weber zeigt mit »Desinformation«, die wahren Hintergründe -und eben nicht die erwünschte Geschichte‐ zur Ergreifung von Adolf Eichmann.

  • Im Vorfeld des Golfkrieges im Jahre 1991 hat die Public Relations‐Firma Hill & Knowlton die »Brutkasten‐Lüge« verbreitet. Demnach hätten »plündernde irakische Soldaten in Kuwait Brutkästen aus Krankenhäusern gestohlen und insgesamt über 300 Frühgeborene auf den Fußboden geworfen.«

  • »Letztendlich haben die Ermittlungen nicht ergeben, dass sich der Wahlkampfstab mit der russischen Regierung bei deren Aktivitäten zur Beeinflussung der Wahl abgestimmt oder heimlich mit dieser kooperiert hat.« (Fazit vom »Mueller‐Report« zum Thema »Russiagate«. In: Aaron Mate. »Der Mueller‐Report: ein Debakel für die Demokraten«. Le Monde Diplomatique. Mai 2019. S. 4) Anmerkung: Jahrelang wurde uns das komplette Gegenteil in sämtlichen »Leitmedien« erzählt.
  • Der Fake‐News‐Reporter Claas Relotius hat nicht nur bei dutzenden Artikeln und Reportagen getrickst, getäuscht und gelogen, sondern auch noch etliche Journalistenpreise erhalten. Er hat die Narrative, Erzählungen und Legenden geliefert, die von Redaktionen, Verlagen und Jurys erwünscht waren und sind. Die Wahrheit liefert eben nicht immer nur gute und spannende Storys. Aber genau die will man haben.

  • Auch der »Zwischenfall von Tonkin« — bei dem im  August 1964 der US‐Zerstörer Maddox vor der nordvietnamesischen Stadt Haiphong, im Golf von Tonkin, angeblich von vietnamesischen Schnellbooten mit Torpedos beschossen wurde — ist bereits als Kriegslüge überführt worden.

  • Die BILD‐Zeitung gilt wohl als das Paradebeispiel für Desinformation, Lüge, Propaganda und Hetze. Das BildBlog dokumentiert bereits seit 2004 die tägliche Gülle, die da medial auf uns ausgekippt wird. Auch erhält wohl kaum ein Medienerzeugnis so viele Rügen vom Presserat wie die BILD‐Zeitung. Und berichten darüber die wahrheitsliebenden Medien wie ARD, ZDF, RTL, Spiegel, ZEIT, FAZ und TAZ? Natürlich nicht. Sie gehen lieber allesamt auf die »alternativen Medien« los.

Wir halten fest:

»Im Internet verbreitete Falschmeldungen gefährden unsere Demokratie in hohem Maße.«(Katarina Bader auf sueddeutsche.de vom 14. August 2019)

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Ein Gedanke zu “Die Wahrheitspresse

  1. Die Theorie von dem Herrn ist konzeptuell erst mal richtig — nur, wie sieht die Praxis inzwischen dazu aus? Dabei bekleckert sich nicht mal sein Arbeitgeber mit Ruhm.

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