Presseblick (57)

zeit.de vom 2. Oktober 2016

zeit.de vom 2. Oktober 2016 (mehr als 850 Kommentare)

Rechte vs linke Gewalt. Die Linkspartei vs. AfD. Neonazis vs. »Schwarzer Block«. Wagenknecht vs. Petry. Laut bürgerlichen Massenmedien (und der Extremismustheorie) alles die gleiche Extremisten‐Populisten‐Soße. Besonders die ZEIT veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Artikel, die genau diese Intention haben. Dabei ist diese Gleichsetzung eine extreme Verharmlosung der Mitte‐Merkel‐Regierung sowie von rechter Gewalt. Nazis haben in den letzten 20 Jahren mehr als 150 Menschen gezielt ermordet, in den Jahren 2015 und 2016 insgesamt mehr als 1.500 Flüchtlingsheime angegriffen und den Verfassungsschutz mehrheitlich unterwandert. Und wann haben Linke eigentlich zuletzt eine Polizeiwache direkt angegriffen? 

Web
Und weil ich mich hier letztens über SEO‐Techniken und Clickbait‐Überschriften ausgelassen hatte, gibt es gleich mal ein typisches Beispiel:

gamestar.de vom 22. November 2016

gamestar.de vom 22. November 2016

In dem extrem informativen Artikel heißt es dann weiter: »Konkrete Pläne stehen bereits« — Wir wissen nur überhaupt gar nichts und null darüber, sagen es aber einfach mal (»konkret« ist doch so ein schönes Adjektiv. Hihi!) Denn: »offiziell angekündigt ist zumindest vom internen Bethesda Game Studios bisher nichts«. Es gibt also das Gerücht, dass es eventuell, unter Umständen, mit geringer bis gar keiner Wahrscheinlichkeit bald eine Ankündigung zur Ankündigung geben wird. Wann es dazu Näheres gibt, ist noch nicht klar. Und überhaupt. Ergo: wir haben zwar nichts zu sagen und auch keine wirkliche News, aber wir machen es mal ein bisschen spannend im Titel und greifen dann euren Klick ab. Wie schön, dass es diverse Browser‐Plugins gibt, die euch den Click‐Count verwehren! Bääm! :MRGREEN:

Sexismus
Habe ich schon erwähnt, dass in unserer bürgerlichen Mainstream‐Presse, der Mann immer und überall der Täter und die Frau stets das Opfer ist? Ja? Egal, ich kann es nicht oft genug betonen. Gerade die Boulevard‐Presse -die natürlich überwiegend von Frauen gelesen wird‐ ist ganz vorn mit dabei: »Angelina Jolie will kein gemeinsames Sorgerecht.« Verlässt er sie, ist er das Arschloch, weil er sie mit so vielen Kindern sitzen lässt. Verlässt sie ihn, wird sie einen wirklich guten Grund dafür gehabt haben, warum sie dieses Arschloch verlassen hat. Ergo: er ist immer das Arschloch. Und schuld natürlich auch! So oder so. Das ist mittlerweile allgemeingültiger Konsens und die übliche Erzählung in Medien und sozialem Umfeld.

Leider keine Satire: der vermeintliche "Sexismus-Diskurs" wird immer absurder. Aber Hauptsache: er erzeugt Klicks, Resonanz und lenkt von der Reichtums-Verteilungsfrage ab. (pcgames.de vom 29. Oktober 2016 - 133 Kommentare)

Leider keine Satire: der vermeintliche »Sexismus‐Diskurs« wird immer absurder. Aber Hauptsache: er erzeugt Klicks, Resonanz und lenkt von der Reichtums‐Verteilungsfrage ab. (pcgames.de vom 29. Oktober 2016 — 133 Kommentare)

Medien
»Seit dem Jahr 2013 haben die 15 größten Medienkonzerne Deutschlands insgesamt drei Prozent an Marktanteil verloren.« Schuld ist natürlich nicht die stets einseitige, parteiliche und propagandistische Lückenpresse, Kaufpresse, dpa‐und‐Reuters‐copy‐and‐paste‐Presse, Lügenpresse, die Konzernmedien, systemrelevante Medien, bürgerliche Medien sowie die Vertrieb‐ und Produktpresse — sondern die unprofessionellen‐Filterblasen‐Echokammer‐Blogger‐und‐Verschwörungstheoretiker‐und‐Gegenöffentlichkeits‐Populisten‐Spinner sowie die Adblock‐Nutzer, die sich nicht freiwillig der kommerziellen Propaganda beugen wollen. Und weil im Privat‐Fernsehen die Profite nicht mehr stimmen, soll es schrittweise zum Pay‐TV ausgebaut werden. Die nervtötende Werbung bleibt selbstverständlich.

Die Medien‐Propaganda ist teilweise nicht mehr zum Aushalten. Sätze wie: »Merkel und Obama stehen im Kanzleramt nebeneinander wie die beiden letzten Verteidiger der freien Welt« erzeugen bei mir nur noch Brechreiz. Beide stehen für Kriege, Ausbeutung, Massenarmut, Neokolonialismus, Finanzmafia, Bankenhörigkeit, NSA‐Spionage, Drohnenmorde, Waffenexporte in Steinzeit‐Diktaturen und und und. Aber wen interessieren heute noch politische Inhalte, wenn es Labels, Marken und Etiketten gibt, mit denen man die »Stars« bekleben kann? :ROCK:

Und so sieht die Meinungs‐ und Pressefreiheit im Jahr 2016 aus:

alternative und kritische Medien weg- und kaputtklagen (Junge Welt vom 12. November 2016)

...alternative und kritische Medien weg‐ und kaputtklagen! (Junge Welt vom 12. November 2016)

Armut
Gesundheitssystem zuammengebrochen, medizinische Versorgung mehr als mangelhaft, Explosion von Massenerwerbslosigkeit und Massenarmut, Löhne und Renten im freien Fall, radikaler Bildungs‐ und Sozialabbau — all das nennt unsere liebe Presse liebevoll »Sparauflagen«. Es ist keine Troika‐Diktatur gegenüber Griechenland, die ein ganzes Land ins Elend stürzt, sondern ein »Rettungsprogramm«. Neusprech in Reinform.

Arbeitsmarkt
Die Bio‐Marke Alnatura wirbt gerne mit regional, öko und Fair Trade. Nur bitte keinen Betriebsrat in den eigenen Läden! Dann müsste man seine Angestellten ja nach Tarif bezahlen. Das geht nun wirklich nicht. Wir sind doch Bio! :BULLE:

Sozialisten, Kommunisten und Linke — die waren und sind weltweit stets die größte Gefahr! Und zwar deshalb, weil sie dem Kapital, dem Finanzadel und somit den Mächtigen ans Leder wollen. Ob in Europa, den USA oder Asien — ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Regierungen oft und gerne mit rechten Para‐Militärs, Geheimdiensten oder Milizen zusammengearbeitet haben, um die »rote Gefahr« los zu werden. Auch »Union Busting« (Gewerkschafts‐Zerschlagungen) ist seit mehr als 100 Jahren ein festes Kulturgut »westlicher Werte«. Faktische Berufsverbote für Linke gibt es auch heute noch:

Junge Welt vom 26. Oktober 2016

Junge Welt vom 26. Oktober 2016

Politik
Frank‐Walter Steinmeier wird wohl neuer Bundespräsident. Frau Vates von der Berliner Zeitung findet diese Entscheidung »vernünftig« und haut dann noch folgenden Kalauer raus:

»Selbst bei der Linkspartei stellen einige milde fest, dass die Sozialreformen der Agenda 2010, die Steinmeier mitverantwortete, eine Weile her sind.«

Auch wenn die millionenfachen Folgen von Massenarmut, Obdachlosigkeit, Willkür, Zwangsarbeit und Schikane heute (!) täglich überall in Deutschland -eben durch die Agenda 2010‐ stattfinden, kümmert das eine Frau Vates nicht. Alles Schnee von gestern. Steini ist auch deshalb die perfekte Wahl zum Präsidentschaftskandidaten (die Wahl‐Simulation gibt es ja auch noch!), weil er für Riester‐Rente, BND‐Spionage für die NSA, Kriege gegen Jugoslawien, Afghanistan und IS, Ukraine‐Putsch, Wirtschaftskrieg gegen Rußland und Bankenrettung steht. Was will Neoliberalistan mehr? :BLING:

Ein Prof. Dr. Christoph Butterwegge, den die Linke als Kandidaten aufgestellt hat, wird selbstverständlich nicht Bundespräsident werden. Er ist gegen Massenverarmung, die Agenda 2010 und Sozialkürzungen. Ergo: untragbar!

Übrigens werden mittlerweile selbst Kindersendungen, wie die Kindernachrichtensendung »kakadu« im Deutschlandradio benutzt, um gegen Putin zu hetzen:


10 Gedanken zu “Presseblick (57)

  1. Zum Thema Sexismus eine Twitterperle: »Bei den Lombardis wurde wegen häuslicher Gewalt in Beziehungen vor wenigen Tagen die Polizei gerufen. Sie hatten sich gegenseitig ihre Musiktitel vorgespielt!«

    Zum Thema Berufsverbote eine Anmerkung:
    Ich finde ja alles (bis auf Deine Einstellung zum Sexismus ...aber lassen wir das) richtig. Nur bei den Berufsverboten bin ich etwas irritiert, denn ich erinnere mich, dass Du Dich vor kurzem stolz mit einem elementaren Befürworter des Berufsverbotes in trauter Zweisamkeit ablichten ließest. Sein Name »La Puente!«.

    Dazu mußt Du nichts sagen, denn ich kenne Blogger, die mit ihren Kontakten selbst zu »besorgniserregenden Bürgern« ihre angebliche Offenheit (ich nenne es Toleranz gegenüber Intoleranten) beweisen möchten.

    Daher, nix für ungut.

  2. @altautonomer

    Natürlich will ich etwas dazu sagen. Kannst doch nicht sowas raushauen und dann sagen: »och alles tutti« ;)

    Zunächst einmal erinnert mich diese Argumentation an die linke Diffamierungs‐Kampagne an Herrn Jebsen. Da wird auch ständig gesagt (z.B. in der Wikipedia):»Ist Interview‐Gast bei KenFM«. Ja und? Ist das jetzt ein Makel? Was ist denn mit den Leuten, die sich von Maischberger, Anne Will oder anderen interviewen lassen? Warum wird das nirgendwo erwähnt? Gerade dort sind die Fragen/Themen/subversiven Äußerungen nicht weniger bedenklich und diskussionswürdig als bei KenFM.

    Jeder hat seine Meinungen, Ansichten und Perspektiven. Gerade unter Linken sollte der gegenseitige Respekt und die gemeinsame Solidarität -erst Recht bei unterschiedlichen Ansichten‐ gelebt und geachtet werden.

  3. Ehm,
    Betriebsrat und Tarif sind erstmal 2 paar Stiefel. Außerdem geht Betriebsrat in solchen Schuppen so daß irgendein Kumpan_*x der Geschäftsleitung das wird und alles abnickt. Alnatura hat nur noch nicht die Vorteile des Systems verstanden ;)

  4. Zum »Sexismus«! Und das von einem linken Blogger, dem ich eine theoret. Auseinandersetzung mit »Haupt‐ und Nebenwiderspruch« und der »Triple‐Opression‐Theorie« unterstellen darf (es geht eben nicht immer nur um das große Ganze), heute am Internationalen Tag gegen die Gewalt an Frauen.

    Na ja, in Kleinbloggersdorf haben Frauen ja sowieso nichts zu melden, es sei denn, sie verzichten auf die Thematisierung des Geschlechtereverhältnisses (Beisp. WAT und Amike bei flatter).

  5. Gerade unter Linken sollte der gegenseitige Respekt und die gemeinsame Solidarität -erst Recht bei unterschiedlichen Ansichten‐ gelebt und geachtet werden.

    Schöne Worte. Leider ist es eine zynische Form von Ironie, dass unter »Linken« grade »Solidarität« überhaupt keinen Stellenwert besitzt. Da können die Meinungen zu 90 % übereinstimmen — wegen der 10 % lässt man keine Gelegenheit aus, dem anderen ans Bein zu pissen.

    Was »Toleranz« — und grade die eigene, permanent zur Schau gestellte Intoleranz ggüb. allem, was nicht zu 100 % dem eigenen Weltbild entspricht — betrifft, sollten sich einige auf ihren besonders hohen Rössern vielleicht mal ein paar Gedanken hinsichtlich etwaiger Widersprüche machen... :P

    Selbst bei der Linkspartei stellen einige milde fest, dass die Sozialreformen der Agenda 2010, die Steinmeier mitverantwortete, eine Weile her sind.“

    Kann die Dame da auch konkrete Zitate liefern...!? Dass die Linke Prof. Butterwegge zu dieser Pseudo‐Wahl aufstellt, ist doch einmal mehr eine deutliche Ohrfeige in Richtung der neoliberalen Etablierten, die sich »demokratisch« auf diesen Andidemokraten als Bundespräser geeinigt haben...

  6. @epikur

    Ich warte jetzt nur noch auf deinen Nachruf zum Tod von Fidel Castro, und der unsäglichen Hetzerei eines designierten US‐Präsidenten Namens Donald Trump (wahrscheinlich wegen der exilkubanischen Lobby) gegen einen Toten — Obama (den ich auch sehr kritisch sehe) hat Fidel Castro hingegen im Nachruf fair behandelt.

    Was sagt uns dies? Wen Menschen über Tote, kurz nach deren Ableben, nur Schlechtes nachsagen über die Nachsager?

    Trump zeigt wohl hier sein wahres, menschenverachtendes, Gesicht — und auf eine Insel namens Kuba kommen spannende Zeiten zu — mit so einem US‐Präsidenten direkt vor der eigenen Haustür....

    Was Sahra Wagenknecht (Die Linke) angeht — Die Vorwürfe sind doch gar nicht so neu, dass die WASG und die PDS ein Haufen von angeblichen Rechtsextremisten bzw. -populisten sind?

    Ist bereits in Vergessenheit geraten, dass diese unsägliche Strategie bereits den Mann von Sahra Wagenknecht Oskar Lafontaine (im Jahre 2005), treffen sollte, ebenso wie die damalige WASG/PDS. — Meine Frage bleibt daher: Zielt die erneute, dümmliche Hetze gar gegen ihren Mann, Herrn Lafontaine? Zumal dieser diese Tage ein aktualisiertes Buch mit dem Titel »Die Wut wächst« neu auflegen ließ, und im Saarland zur Wahl antritt — ....

    Gruß
    Bernie

  7. Zum Thema »Lechts und Rinks«: Leute wie Frau Petry haben das ja drauf. Sobald sie jemand auf die Gewaltbereitschaft im Dunstkreis ihrer Partei anspricht, verweist sie auf »linke Gewalttäter«, die natürlich eine viel größere Gefahr für das Gemeinwesen darstellten, dessen Taten aber von einer (»einseitigen«) Medienöffentlichkeit verharmlost würden. Im Grunde verstärkt sich der eh schon von vielen Leuten geglaubte Narrativ dann nur noch, wenn die »politische Mitte«, (haha!) dann mit der »Einheitssoße« daherkommt.

    Das alles ist in puncto (wahrer) linker und rechter Positionen an Nebelwerferei nicht mehr zu überbieten. Und das zog ja, wie wir wissen, schon in der Weimarer Republik. Die damaligen Faschisten hatten ja nicht umsonst das Wort »sozialistisch« in ihren Parteinamen »integriert«. (Eine Wirkung dieser Strategie war, dass selbst ehemalige KPD‐Wähler zur NSDAP »übergelaufen« sind ... )

  8. @dlog

    Völlig richtig! Heute bekommen auch Kriegs‐Präsidenten, die mehr als 5.000 Menschen willkürlich mit Drohnen ermorden, den Friedensnobelpreis und werden als »demokratisch« bezeichnet.

    Links und rechts sind wieder Labels, Marken, Stempel, Franchises und Etiketten geworden. Dabei gibt es ganz einfache Methoden zu überprüfen, ob da wirklich linkes oder rechtes Gedankengut dahinter steckt: ist man für die Menschen, für Solidarität, Menschenwürde, Empathie, Gerechtigkeit, Fairness, Nächstenliebe, Verständnis, Rücksichtnahme, Teilhabe, das Leben oder für das ganze Gegenteil.

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