Einen Floh ins Ohr setzen

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Wenn Du glücklich sein willst, dann...

  • ...verdiene viel Geld und mache Karriere.
  • ...heirate, setze Kinder in die Welt, baue Dir ein Haus mit Garten, fahre regelmäßig in den Urlaub, kaufe Dir einen großen Fernseher sowie ein Auto.
  • ...hinterfrage nichts und konsumiere fleißig.
  • ...sei immer nett, freundlich, optimistisch und selbstsicher.
  • ...schaue nicht in den Spiegel und reflektiere nicht Dein Leben!
  • ...mache jeden Tag das Gleiche. Immer. Und immer wieder.
  • ...sei nicht kritisch, authentisch oder ehrlich!
  • ...suche Dir einen Lebenspartner mit dem Du das alles machen kannst. Ansonsten: bleib alleine.

Wer nicht nach diesen Narrativen leben will, ist wahlweise ein Querulant, Nörgler, Spinner oder Eigenbrötler.

10 Gedanken zu “Einen Floh ins Ohr setzen

  1. @epikur

    Du schreibst:

    »[...]…sei immer nett, freundlich, optimistisch und selbstsicher[...]«

    Das schützt auch nicht vor Depression

    Ausnahmsweise schreib ich mal hier nicht von mir selber, und entschuldige mich im Voraus sollte ich mich wiederholen, denn ich kenne eine wirklich nette, junge, frisch, und glücklich (?), verheiratete REWE‐Kassiererin, die immer oben beschriebenes als Maske vor sich hertrug, wie ich mittlerweile weiß.

    Ich fragte zwei Kolleginnen von ihr was mit ihr los sei, und bekam die Diagnosemitteilung Depression bzw. Burn‐Out (was ich für dasselbe wie Depression halte), denn ich versteh’s nicht, zumal ich selbst an einer Depression leide, was bei mir aber kein Wunder ist (meinen Fall will ich hier nicht aufrollen).

    Auch ich trug eine Maske davon, wie eine gute Freundin einmal meinte, denn sie hat einmal gesehen wie ich blicke wenn ich denke, dass mich niemand beobachtet, und da ist die sprichwörtliche »Maske« dann weg.

    Tja, aber bei oben beschriebenem — die REWE‐Verkäuferin ist gemeint — versteh ich’s dennoch nicht, zumal ich die Frau, glücklich verheiratet oder nicht, wirklich gern hatte, da die ganz anders drauf war als ihre Kollegen/‐innen, die nicht so »tickten wie sie«, wie es neudeutsch so schön heißt.

    Ergo:

    Du bist kein Eigenbrötler, Nörgler, oder Spinner, lieber Epikur, denn alle Punkte die du genannt hast schützen nicht davor Depressionen zu bekommen, oder seelisch krank zu werden.....

    Gruß und nicht unterkriegen lassen
    Bernie

    PS: Zuviel Optimismus, nur mal von jemandem erwähnt, der sich in die Kritik der esoterischen Psycho‐Szene eingelesen hat kann auch krank machen — ebenso wie Positives Denken als sektiererische Spinnerei....nicht zu verwechseln übrigens mit einer positiven Lebenseinstellung (die seriöse Variante davon....)

  2. Wer nicht nach diesen Narrativen leben will, ist wahlweise ein Querulant, Nörgler, Spinner oder Eigenbrötler.

    ...Oder er braucht Psychotherapie. :BULLE: (Sei es nun »Bekehren« oder »sich dieser Fassade zu entledigen«, weil sie krank macht.)

  3. @Bernie @matrixmann

    Am Schlimmsten ist es wohl, wenn man ohne Lohnarbeits‐Karriere, mit wenig Geld, ohne Häuschen, Ehe, regelmäßigen Konsumrausch und/oder ohne Zwangsoptimismus, sich als einen zufriedenen und glücklichen Menschen bezeichnet. Denn: es kann nicht sein, was nicht sein darf! ;)

  4. @Epikur

    Ja, da hast du wohl auch recht, aber irgendwo im Netz habe ich mal gelesen, dass dies unsere »Leistungsgesellschaft« eben aus macht, d.h. wie der autoritäre Kommunismus/Sozialismus einst so hat sich nun eben der neoliberale Kapitalismus von der Politik in den normalen Alltag der Mitmenschen eingenistet.

    Interessant daran ist übrigens auch der absolute Verfall von Moral, und dies schreibe ich ohne Moralist zu sein, denn wo sonst gibt es noch, dass korrupte Menschen wieder — wie in Deutschland Hoeneß — hochgelobt werden.

    Als Nietzsche‐Fan »Die Umwertung der Werte« schlägt hier voll durch, und niemand merkt es, oder noch schlimmer will es merken.

    Gruß
    Bernie

  5. Zitat: »Wer nicht nach diesen Narrativen leben will, ist wahlweise ein Querulant, Nörgler, Spinner oder Eigenbrötler.«

    Aber ggf auch glücklich! Ich bin’s jedenfalls seit ich mein eigenes Leben lebe. :JAJA:

    (... und ich werde sicher nicht als Querulant oder Nörgler betrachtet. Spinner ... vielleicht.)

  6. @ epikur
    Kann alles zunichte gemacht werden, wenn du dir eine der Krankheiten »einfängst«, die die nicht gleich töten, aber über Jahrzehnte systematisch deinen Körper zerstören ohne dass jemand dafür ein entgültiges Heilmittel hat.

  7. Ich bin mal ganz »fies«: Ich persönlich sehe »Depressionen« (zumindest die, die nicht mit individuellen Schicksalsschlägen »natürlichen« Ursprungs — Unfälle, Krankheit, Tod etc. — zu tun haben) gar nicht mehr als Zeichen einer Krankheit; im Gegenteil sind sie eher ein Indikator dafür, dass sich ein gesunder(!) Geist versucht, gegen eine ihn vollkommen umgebende kranke(!) Umwelt / Gesellschaft zu wehren. Auch, weil er genau NICHT wie die meisten Menschen bei jeder Gelegenheit den Weg der Selbstentfremdung geht. Da aber auch jene »Un‐Gesellschaft« die Defintionsmacht darüber hat, was »krank« und »gesund« — kurz »normal« ist, steht der gesunde Geist da auf ziemlich verlorenem Posten... Es sei denn, er wird sich eben bewusst, dass nicht er das Problem ist...!

    Der allgegenwärtige Zwang zum »Optimismus« (»Pessimisten sind Optimisten mit Erfahrung«...) ;) und »Positivismus«; zur guten Laune machen dies ja besonders deutlich.

    @Markus: Und wie genau lautet dein glücklichmachendes »Erfolgsgeheimnis«...!? ;) Ist mir ein Rätsel, wie man im Rahmen unterdrückender, faschistischer Repressionsapparate wie dem ALG II selbst mit wenig Ansprüchen »glücklich« leben können soll...!

  8. @ Dennis

    Da aber auch jene „Un‐Gesellschaft“ die Defintionsmacht darüber hat, was „krank“ und „gesund“ – kurz „normal“ ist, steht der gesunde Geist da auf ziemlich verlorenem Posten… Es sei denn, er wird sich eben bewusst, dass nicht er das Problem ist…!

    Da bist du aber schnell bei den bösen, bösen »Gefährdern« und »potentiellen Tätern«... ;)

  9. @Dennis82: kleiner Tipp: niemand wird in den »Repressionsapparat ALGII« gezwungen. Freiheit und Glück bedeut aber auch mehr als »money for nothing and chicks for free«. ;)

    Ich muss schon für mich sorgen. Lasse mich dabei aber eben nicht »versklaven«. In den letzten 5 Jahren hatte ich 2 Arbeitsstellen, war selbstständig und habe 1,5 Jahre überhaupt nicht gearbeitet (war also quasi »Privatier«). Ich war immer glücklich in meinen Jobs (beim DRK und der Lebenshilfe). Sonst hätte ich sie nicht gemacht (und meine Ex‐Arbeitgeber würden mich gerne wieder einstellen). Gekündigt habe ich immer von mir aus um Neues aus zu probieren. Hatte (und habe) mit vielen verschiedenen Menschen zu tun und reise gerne und viel durch die Gegend (man kann auch unterwegs mal die Reisekasse aufbessern). Auto brauch ich keins, ebenso wenig ein smartphone und meine Wohnung ist eine winzige Ein‐Zimmer Bude die mir aber gefällt mit Blick ins Grüne.
    Sollte das alles nicht mehr funktionieren wäre als allerletzte Notbremse immer noch ALG I bzw. II möglich auch wenn es weis Gott nicht erstrebenswert ist. Aber hier an der Schweizer Grenze gibt es immer Jobs, vor allem im sozialen Bereich was mir entgegen kommt.

    Ich habe für mich jedenfalls fest gestellt das es keinen Sinn macht sich an Dingen ab zu arbeiten die ohnehin nicht zu ändern sind. Vielmehr sollten sich jeder Einzelne ändern. Das Sklaven‐System funktioniert nur wenn sich die Menschen versklaven lassen (Stichworte: Konsum, Bequemlichkeit, Denkfaulheit). WIR sind das System!

    PS: ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass ich ein glücklicher Einzelfall bin. Insbesondere Familien oder Alleinerziehende, schlechter gebildete oder Kranke und Behinderte sind dem »kapitalistischen System« ziemlich hilflos ausgeliefert wie ich das sehe. (auch so eine Verlogenheit der System‐Parteien aus »Christen« und »Sozialen«).

  10. money for nothing and chicks for free“

    Ach, daher weht der Wind...

    @Markus: Nein, das Sklavensystem funktioniert, weil die Mehrheit der Sklaven mit der Peitsche des Herren auf die anderen Sklaven eindrischt! WIR sind NICHT das System — »uns« wird es von den anderen Sklaven tagtäglich übergestülpt! Ich lege großen Wert darauf, kein Teil dieses »wir»s zu sein!

    Und aha; der Hartz‐IV‐Repressionsapparat ist also etwas, was sich viele nur »freiwillig« antun; klar, jeder hat die »Freiheit«, unter der Brücke zu schlafen... Meine persönlichen Erfahrungen (seit über 5 Jahren ohne »Arbeit«) sind jedenfalls die, dass auch abseits von Lohnarbeit im Niedriglohnsektor und dem ALG‐II‐Antrag keineswegs das »Glück« lauert. Weil im Grunde alle »Auswege« nur in diese Richtungen führen, es keine Hoffnung auf irgendeine Fluchtmöglichkeit gibt. Außer der Obdachlosigkeit natürlich. Es ist auch nix Tolles, jahrelang nicht weiter als bis zum nächsten Tag denken zu können...!

    Viel reisen kostet übrigens auch viel Geld; grade auch ohne Auto! Auch interessant, dass es hier in D offenbar noch Gegenden gibt, in denen es grade im »sozialen Bereich« »immer (gutbezahlte) Jobs« (sogar auch für »Ungelernte«) geben soll... Wie du schreibst — du bist ein »Einzelfall«. Dann weiter viel »Glück«...!

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