Faschismus ist Demokratie

faschismus_titelNach der Silvesternacht in Köln 201516 war nichts mehr, wie es vorher war. Pünktlich zum Start des neuen Jahres wurde der rechte, völkische und rassistische Korpsgeist der deutschen Bevölkerung wiedererweckt. Nachdem er sich jahrzehntelang nur selten, vor allem im Stammtisch‐ und Schrebergarten‐Kreis zeigte, erfreute er sich von nun an wieder großer gesellschaftlicher und medialer Beliebtheit. Es durfte endlich wieder laut gehetzt und gezündelt werden. Flüchtlinge galten von nun alle als Sexmonster, die es auf deutsche Frauen abgesehen hätten. Linke, als naive Weltverbesserer, die nichts gegen die kriminellen Ausländerhorden unternehmen wollten. Und Gegner der Todesstrafe waren Unterstützer von Kinderschändern und galten als getarnte Pädophile. Was jetzt nur noch fehlte, war ein neuer, ein moderner Führer.

Hass ist Liebe
Die Vorbereitungen für die Einführung eines modernen Faschismus, der sich selbstverständlich als Politik des kleinen Mannes tarnte, liefen auf Hochtouren. Bürgerwehren gegen die vermeintlichen Bestien aus dem Ausland bildeten sich, Flüchtlinge bekamen Schwimmbad‐Verbote und die Politik bereitete alles darauf vor, Asylanten schneller und effizienter abschieben zu können. Noch gab es keine Vernichtungslager im eigenen Land, dafür wurden Schutzwälle in der Türkei und in Südeuropa gebaut, die dafür sorgten, dass immer wieder Menschen elendig krepierten. Diejenigen, die es bis nach Europa schafften, wurden enteignet. Die Massenmedien heizten den Lynchmob an, schufen eine Pogrom‐Stimmung und berichteten immer wieder über angebliche Missstände bei Flüchtlingen. Die Abneigung, die Wut und der Hass der deutschen Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen stiegen rasant an. Das machte sich auch sprachlich bemerkbar, indem man von Scheinasylanten, Armutszuwanderern und Wirtschaftsflüchtlingen sprach. Sie galten fortan als überflüssige Ballastexistenzen und als unwertes Leben. Die Flüchtlinge waren die neuen Juden.

»Die Verbrechen der Massen sind in der Regel die Folge einer starken Suggestion, und die einzelnen, die daran teilnahmen, sind hinterher davon überzeugt, einer Pflicht gehorcht zu haben.«

Gustave Le Bon. »Pschologie der Massen.« Nikol Verlag. Hamburg 2009. S. 150


In der Zwischenzeit bereiteten rechte Kräfte ein politisches Comeback vor. Parteien, Organisationen und Bürgerwehren und –Bewegungen solidarisierten sich heimlich miteinander und warteten nur auf den richtigen Zeitpunkt, um die letzten Reste demokratischer Institutionen zu zerschlagen. Den Weg für einen neuen, modernen Faschismus bereiteten jedoch die bürgerlichen Parteien vor. Militärische Einsätze ohne UNO‐Mandat sowie völkerrechtswidrige Kriege wurden weltweit unterstützt und/oder begonnen. Bürgerrechte wurden weitgehend abgebaut. Die Justiz verkam zur Klassenjustiz zugunsten von Reichen und Vermögenden. Der Datenschutz und damit die informationelle Selbstbestimmung wurden faktisch abgeschafft. Die Überwachung des Bürgers war allumfassend. Der gesamte elektronische Datenverkehr, alle großen öffentliche Plätze sowie alle Lohnarbeiter wurden überwacht. Und am Ende sorgten etliche politische Skandale für eine Zementierung der Demokratieverdrossenheit: Luxleaks, NSA‐Überwachung, BND‐Affäre, Guttenberg‐Plagiat, NSU‐Morde, Wikileaks, CDU Spendenskandale und vieles mehr.

Gewalt ist Frieden
Als schließlich die Pegida‐ und die PRO‐Bewegung, die AfD, die NPD, viele BILD‐Leser und RTL‐Zuschauer mit insgesamt mehr als 5 Millionen Menschen in über 15 Städten demonstrierten, explodierte der Volkszorn. Mehr als 20 Flüchtlingsheime und Asylunterkünfte brannten, Flüchtlinge wurden zu hunderten verprügelt und massakriert. Die Polizei war nicht nur machtlos, sondern sah tatenlos zu. Erst als sich einige wagemutige Gegendemonstranten, Flüchtlingshelfer, Linke und Gewerkschafter, um die Verletzten kümmern wollten, schritt die Polizei ein und schützte den Lynchmob. Und während Politiker der Einheitsparteien CDU/SPD/FDP/GRÜNE noch öffentlich Betroffenheit heuchelten, stürmten rechte V‐Leute und Rechtsextreme die Parteizentrale der Linkspartei in Berlin. Wenig später brannte das Karl‐Liebknecht‐Haus bis auf die Grundmauern ab. Die Massenmedien sprachen von einem Gasleck.

Bei der nächsten Bundestagswahl feierten rechte, völkische und nationalistische Parteien einen Erdrutschsieg. Mit ihrer absoluten Mehrheit änderten sie die Verfassung. Sie beschlossen neue Gesetze, ersetzten alle Richter und ließen alle Medienanstalten schließen, die kritisch über sie berichteten. Dann verfolgten sie oppositionelle Journalisten, Gewerkschafter, Intellektuelle, Wisenschaftler und Blogger. Sie zu finden war einfach, denn sie bedienten sich der vorhandenen Überwachungs‐Infrastruktur. Viele von ihnen verschwanden spurlos. Arbeitslager für Erwerbslose und Flüchtlinge wurden eingerichtet. Die Todesstrafe wurde wieder eingeführt. Zunächst nur für Kinderschänder (unter großer Zustimmung der Bevölkerung), dann für alle. Flüchtlinge wurden im großen Stil abgeschoben oder eingesperrt. Wer sich weigerte oder gar kriminell auffiel, wurde von den freiwilligen Bürgermilizen erschlagen. Die Bevölkerung feierte ihre neue Regierung und trat scharenweise in die neuen rechten Organisationen, Vereine, Parteien und Milizen ein. Europa zerfiel wieder in viele kleine Nationalstaaten. Es dauerte nicht lange, bis es zu einem erneuten, den dritten Weltkrieg kam.

Nachdem die halbe Welt in Schutt und Asche lag und Millionen Menschen ermordet wurden, fragten sich viele: »Wie konnte das alles nur passieren?«

16 Gedanken zu “Faschismus ist Demokratie

  1. »[...]Nachdem die halbe Welt in Schutt und Asche lag und Millionen Menschen ermordet wurden, fragten sich viele: »Wie konnte das alles nur passieren?«[...]«

    Ich denke, die Frage wird dann nicht kommen, denn wie heißt es so schön der nächste Krieg wird der letzte sein — Es wird keine Menschen mehr geben, da die Menschheit sich selbst ausgerottet hat.

    Eine neue Intelligenz wird kommen, egal woher, und wird fragen »Warum ist die Menschheit ausgestorben«.

    Wie bei den Dinos nur bei uns war es keine Naturkatastrophe, und wenn dann wir selbst als Monster, die die globale Natur und den Planeten damit zerstört haben....

    Zynische Grüße
    Bernie

    PS: Auch die obige Entwicklung deiner düsteren Vision wird nicht kommen, denn Deutschland ist Teil der westlichen Allianz, und da wird, wenn überhaupt, nur ein globaler Faschismus und kein rein dt. Faschismus kommen....sieht aber derzeit, zum Glück für uns alle, nicht danach aus. In der letzten Supermacht z.B. hat ein »linker« Kandidat der Demokraten wohl die besten Chancen der nächste Präsident der USA zu werden, Bernie Sanders und in GB sieht es auch nach einem echt »linken« Kurswechsel bei Labour aus — Fazit: Es wird wohl kein »rechter« Führer kommen sondern eine neue Zeit der »Linken« bricht an. In Deutschland, wie immer bei neuen Entwicklungen aus den USA (egal bei welchem Themenfeld), leider erst mit einiger zeitlicher Verzögerung, aber dann richtig ;)

  2. Kleine Ergänzung:

    Der III. Weltkrieg ist — im Nahen Osten und Nordafrika (Libyen z.B.) und in der Ukraine — doch schon längst im Gange.

    Und vergessen werden darf nicht, dass gegen Russland der sogenannte Neue Kalte Krieg tobt — medial und politisch.

    Ein Kalter Krieg gegen eine Atommacht wohlgemerkt, die nur dank Putin noch vernünftig ist, was nach Putin kommt ist fraglich — daher bleibe ich dabei, der kommende Weltkrieg No. IV ist der letzte Weltkrieg der Menschheit (wegen der Chemie‐; Bio‐ und Atomwaffen im Arsenal der USA und Russlands — »Zurück in die Zukunft« eben, »Dr. Seltsam« läßt grüßen....

    Gar nicht amüsierte Grüße
    Bernie

  3. Na ganz so ist es ja nicht. Faschismus hat DE schon einmal erlebt. Das ging einher mit Völkermord, KZ’s, Juden, Romas, Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Kirchenmänner wurden ermordet. Der Faschismus in den anderen europäischen Ländern zu dieser Zeit gebärdete sich ebenso. Wir sind sehr weit davon entfernt. Im Faschismus dürften Sie z.B. Ihren Blog nicht führen. Nach der nächsten BT‐Wahl wird es nicht so kommen. Schon bemerkt, dass AfD nicht die Mehrheit im BT haben wird? Soviel kann sie nicht an Stimmen auf sich vereinen. Ich finde es absolut daneben, solche Horrorszenarien für 2017 an die Wand zu malen ohne Sinn und Verstand, nur weil andere kühle Rechner sind und sich nicht in einen Freudentaumel über eine bunte Welt anstecken lassen. Nun gut, ich bin bloß eine alte Frau, und sehr auf meine Gleichberechtigung bedacht. Blenden wir also die Erniedrigung von Frauen in den No‐go‐Areas nicht aus, auch nicht die Shariagerichte. Die Menschen können nicht alle integriert werden, weil wir a) nicht das Geld dafür haben und b) manche es nicht wollen. Wir werden weitere Zuzüge in den No‐go‐Areas haben, hundertprozentig. Man muss kein Wahrsager dafür sein. Sicherlich wird es auch welche geben, die sich gut in DE einfinden werden, aber die Masse wird es nicht sein, sonst hätten wir nicht heute noch Probleme mit den schon jahrelang hier lebenden. Ich bin entschieden gegen brennende Asylunterkünfte, da dort unser Geld verbrannt wurde, aber die waren noch nicht bezogen. Bleiben wir also auf den Teppich der Tatsachen. Eine Unsitte greift hier um sich, besorgte Bürger in die Nazi‐Ecke zu stellen. Ich bin alt, mich tangiert das alles nur noch am Rande. Ich freue mich nur darauf — ich weiß, dass das gemein ist — wenn die Kosten der Flüchtlingswelle nach der Bundestagswahl auch auf die euphorischen Willkommensbürger zurollt. Wahrscheinlich ist Ihnen nicht ganz klar, dass Millionen von Bundesbürgern sich am Rande des Existenzminimums bewegen. Ein paar Euro mehr ausgeben, dann fällt deren Welt noch mehr auseinander. Wenn sie natürlich von KK‐Beiträgen u.ä. befreit sind, dann lässt sich gut darüber schwadronieren. Für die Millionen von Bundesbürgern, ist der Monat immer zu lang. Wer wird für die Lehrer, Wohnungen, Kindergartenplätze, Polizisten, KK‐Beiträge aufkommen müssen? Wer wird den Sozialhaushalt mit steigenden H4‐Geldern erarbeiten müssen? Die Superreichen werden es nicht sein. Der Steuerrahmen wird für diese Personengruppe nicht geändert werden. Wer wird um die Sozialwohnungen und die Niedriglohnjobs streiten müssen? Es werden durch laufende Modernisierung und steigende Arbeitsproduktivität immer mehr Jobs im Niedriglohnbereich wegfallen. Durch die Flüchtlingswelle werden dann immer mehr um diese Jobs streiten. DAS sehen viele Menschen. Sicherlich gibt es in Deutschland Rassisten und Ultrarechte, aber alle in diesen Topf zu werfen — das treibt diese Menschen gerade zu Pegida und Co. In unserer Gesellschaft findet keine Diskussion mehr statt, weil es ähnlich wie in der DDR ist. Dort hat man jegliche Diskussion damit abgeschnitten, dass man fragte: Bist du nun für den Frieden oder nicht. Heute ist es ähnlich. Ich habe derzeit ein déjà vu, nur dass der, der keiner Willkommenkultur frönt auf der Stelle Nazi ist. Das ist furchtbar, weil dadurch auch der Begriff Nazi verniedlicht wird. Um zu wissen, wovon da gesprochen wird, sollte jeder, der diese Begriffe in den Mund nimmt, Yad Vashem besuchen und sich hüten, besorgte Menschen als Rassisten zu bezeichnen. Übrigens, apropos Flüchling: Es sind viele z.B. wieder in den Irak zurückgegangen, weil sie hier nicht sofort einen gewinnträchtigen Arbeitsplatz erhalten haben, wie sie erwartet hatten. Soviel zu den vielen Traumatisierten. Es sind nicht alles Flüchtlinge aus Kriegsgebieten. Der größte Anteil kommen aus sicheren Flüchtlingslagern. DIE müssen wir unterstützen. Dort kann man für das gleiche Geld sehr viel mehr leisten. Das geschieht nicht. Schon mal bedacht, dass durch die Migranten ein zusätzliches großes Heer an Arbeitssklaven ins Land geholt wurde? Leider werden diese Menschen, die darauf aufmerksam machen wiederum in die Nazi‐Ecke gestellt. Nun, mir soll’s egal sein, die Jüngeren wollen es so, da sie der bunten Welt auf den Leim gegangen sind, sie sollen es so haben.

  4. Die Gefahr dieses Szenarios ist sehr real.

    @Bernie und PeWi

    Auch in D ist ein erneuter Gang in eine faschistische Diktatur sogar auf nationalem Weg nicht unmöglich. Hannah Arendt sagte sinngemäß zum industrialisierten Morden als finalem Höhepunkt dieser Zeit: Ist ein solches Tabu erst einmal gebrochen, kann es jederzeit wieder geschehen!«

    Wieder geschehen sind bereits die Angriffe auf Flüchtlinge und deren Heime und Helfer, Presse usw. In Polen wird gerade gleichgeschaltet. Angesichts solcher Bewegungen wie Pegida, Bürgerwehren und anderem in diesem Kontext ist die Zeit bis zu einem möglichen ersten organisierten Menschenjagen vielleicht nicht mehr so weit...

    ...und für das verblödete Deppenvolk auf dem Niveau von Dschungelcamp wird das wie bei Schwarzeneggers Film ›Running Man‹ noch live als Show übertragen. Mir graust es...

  5. @Siewurdengelesen

    Ich bleib dabei, ich glaube es nicht, aber ich widerspreche nicht, dass es einige Entwicklungen in .de gibt, die fatal an faschistische Zeiten erinnern — so sollen Flüchtlinge in BW und in Bayern ihren ganzen Schmuck und das Bargeld abgeben, bei Ankunft — Ich dachte mir da, oh Graus, und wann kommt das Zahngold?

    Die Geschichte wiederholt sich nicht, und wenn, dann nur als Farce....soviel zum Thema befürchtetes Viertes Reich....

    Es wird nicht kommen, da bin ich sicher....der Grund könnte auch sein, dass kein recht(sextremer) »Führer« mehr im Anmarsch ist, unser politisches Personal aus der konservativ‐rechten Ecke erinnert doch eher an eine Kasperle‐Bude als an Dikatoren....nein, ich bleib dabei uns, oder wohl eher noch unseren Nachfahren, blüht eine tolle Zeit der »Linken«....nicht der »Rechten« wie medial vorgelogen wird....Übrigens, cui bono? Wem nützt die Hysterie des Vierten Reiches? Die Frage schon mal gestellt? In Zeiten wo die Verbrechern der Neoliberalen in Griechenland dank »Flüchtlingskrise« völlig in Vergessenheit zu geraten drohen?

    Gruß
    Bernie

  6. Der Titel ist leider falsch gesetzt. Er adelt den Faschismus als Demokratie. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wir leben in einer präfaschistischen Epoche, die jedoch noch längst nicht so weit entwickelt ist, das Widerstand, Verhinderung oder radikale Veränderung objektiv unmöglich wären. Institutionell (Gewerkschaften, Parteien, NGOs, Sozialverbände) fehlt allerdings der Wille. Das revolutionäre Subjekt macht sein Kreuz bei den LINKEN und füllt anschließend den Lottoschein aus.

    Die schlimmsten Heuchler sind die missionarischen Genossen der Partei die LINKE, der es immer noch gelingt, sich ihren Sympathisanten und Wählen als Hoffnungsträger zu verkaufen. Das Motto: Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir an die Schalthebel der Macht. Und sind sie endlich dort angelangt, um den Kapitalismus zu verwalten helfen, erklären sie denselben Leuten, die inzwischen ihre Kritiker geworden sind, dass sie doch nichts machen können, weil es entweder Sachzwänge in Gestalt von Gesetzen gibt, der Bund zuständig ist oder die Koalition nicht gefährdet werden darf.

    Im Faschismus gäbe es keinen Pispers, keine »Anstalt«, kein Indymedia, keine Junge Welt oder konkret, kein »Monitor« und auch keine Hintergrundreportagen über Schweinereien der Eliten. Das alles könnte man ja noch unter repressiver Toleranz als geduldetes demokratisches Feigenblättchen abhandeln. Bedrohlich würde es für die Herrschenden erst, wenn sie selber das Ziel von Angriffen werden und um ihre Sicherheit fürchten müssen.

    Gewaltfrei wird sich diese Tranformation in ein totalitäres System nicht stoppen lassen.

  7. @Bernie @PeWi

    Wieso gehen ständig immer alle davon aus, dass Faschismus zwingend Hitler, Vernichtungslager und Nazis sein müssen? Faschismus ist vor allem pure Menschenverachtung, Gleichschaltung des Denkens, Vernichtung der Opposition. Und natürlich wird das »so wie damals« heute nicht wieder passieren. Auch die Herrschenden haben dazu gelernt.

    @altautonomer

    »Der Titel ist leider falsch gesetzt. Er adelt den Faschismus als Demokratie. Umgekehrt wird ein Schuh draus.«

    Völlig richtig! Wenn Du die Zwischenüberschriften liest, wird Dir auffallen, dass das Absicht ist. Euphemistisches Neusprech. ;)

  8. Eine Sache, die ich mal anmerken muss, und die ist nur als Resonanz gedacht: Ich weiß nicht, ist das die Monotonie, die Menschen nur zu bieten haben, dass man ein rechter Spinner ist, wenn man gegen die Aufnahme der Flüchtlingswelle ist, und dass links sein in diesem Kontext nur bedeuten kann, dass man bodenlos dafür ist?
    Dieses Schwarz‐Weiß‐Denken geht mir von allen Seiten auf die Nerven. Ich hätte Menschen für klüger gehalten, als diese ideologischen Gräben zu eröffnen und sich dann strikt daran zu halten. Seine Meinung dem unterzuordnen, welches Etikett man davon haben möchte.

  9. @epikur

    Danke für die Klarstellung — fremdschäm, es scheint wirklich so zu sein, dass man beim Thema Faschismus in .de eben automatisch an Hitler, die Vernichtungslager und die Nazis denkt (Hitler ist eben der dt. Geist — ein Untoter, der uns immer noch plagt) — auch so eine Art Sozialisation in Deutschland, der sogar ich erlegen bin, und dies obwohl ich die globale Dimension des Faschismus als Geschichtsbelesener schon in der echten Epoche des Faschismus sah — Hitler war nur eine, besonders massenmörderische, Version des Faschismus, andere haben bis vor kurzem überlebt, z.B. der Faschismus in Südamerika von dem sich erst jetzt, im Laufe der Jahrzehnte nach Francos Tod in Spanien, losgesagt wurde bzw. wird. Es sei daran erinnert, dass die neoliberale Diktatorenfreundlichkeit zuerst beim Faschismus in Pinoquets Chile anfing, und dann den Siegeszug um den Globus, auch bei völlig unterschiedlichen ideologischen Diktaturen begann, z.B. China, Russland usw. usf....die Geburtsstunde des Neoliberalismus ist aber reinster (neoliberal‐kapitalilstischer) Sozialismus gewesen....

    Dass die Herrschenden dazugelernt haben bezweifle ich nicht, ich schrieb ja mal in einem anderen Blog, ich meine es war bei Ad Sinistram, zu einem Thread, folgenden Kommentar, die heutigen Nazis — oder auch nur eine Wiedergeburt Mussolinis oder Hitlers — würden nicht mehr so auftreten wie damals, in aller Öffentlichkeit mit Uniformen. Nein, die würden Zivil tragen, aber in ihrer jew. Menschenverachtung dennoch faschistische, menschenverachtende Züge tragen — Wer denkt dabei nicht automatisch an PEGIDA und die AFD? Meine Worte waren wohl damals schon prophetisch zu nennen?

    Gruß
    Bernie

    PS: Die Überschrift »Faschismus ist Demokratie« ließ mich übrigens kurz an orwellsches Newspeech frei nach dem Motto »Krieg ist Frieden« aus dem Roman »1984« denken. Absicht von Dir? Gut gemacht.

  10. Nur mal so nebenbei:

    »Am Flughafen Genf verloren gut 30 Männer ihre Jobs. Bis auf zwei Personen haben sie alle etwas gemeinsam: einen französischen Pass und einen arabischen Namen. Fast alle sind Muslime.«

    Quelle

  11. @epikur

    Die 30 Männer haben den Job verloren?

    Wie haben die den ihren Job überhaupt bekommen? Haben die geschlafen bei der Personalleitung des Genfer Flughafens?

    Sowas wäre in Deutschland nicht möglich, da blockt man ja gleich bei dem Bewerbungsschreiben ab wenn der Name nur türkisch, und nicht nur arabisch, klingt — von Moslem gar nicht erst anzufangen....

    Blöde Schweizer eben, die stellen Leute ein ohne deren Nationalität und Religion auf Terrorverdächtigkeit zu prüfen....

    Janz zynische Grüße
    Bernie

  12. @ Bernie

    Ich stelle mal jetzt die Theorie auf, dass bei jedem, der einen fremdländisch klingenden Namen hat, bei dem man nachfragen muss, wie man ihn schreibt, keiner denjenigen nach einem Bewerbungsgespräch zurückruft. Ob der nun arabisch, thälandisch oder finnisch ist.

  13. @matrixmann

    Hesse/Schraders »Bewerbungshandbuch« mal gelesen?

    Nein, sollten Sie mal nachholen, lieber Matrixmann....

    Zynische Grüße
    Bernie

  14. @epikur: Wieso gehen ständig immer alle davon aus, dass Faschismus zwingend Hitler, Vernichtungslager und Nazis sein müssen? Faschismus ist vor allem pure Menschenverachtung, Gleichschaltung des Denkens, Vernichtung der Opposition. Und natürlich wird das »so wie damals« heute nicht wieder passieren. Auch die Herrschenden haben dazu gelernt.

    Eben! Leider hat sich dieses Stereotyp tief in die Hirne der Menschen eingebrannt. Und dies auch in meinen Augen ziemlich bewusst — denn wer immer nur auf das »Extrem« wartet wird die Anzeichen vorher nicht erkennen...! Der Blick wurde in Sachen »historischer Aufarbeitung« eben auch nur auf das »Ergebnis« verengt. Die Nazis tauchten schließlich aber auch nicht von heute auf morgen auf. Es war eine langsame, stetige Entwicklung, die am Ende auch von der Mehrheit der Bevölkerung mit getragen wurde.

    Wer meint, Faschismus würde heute noch so grobschlächtig, folkloristisch und primitiv auftreten wie damals — irrt sich. Moderner Faschismus geht weitaus subtiler vor; er erreicht seine Ziele auf anderen, dunkleren Wegen. Früher hätte man z. B. eine Armee nach Griechenland schicken müssen, um Tsipras zur Kapitulation zu bringen. Heute reichen ein paar Schlipsträger mit Koffer. Die »unwerten« Menschen verrecken nicht nur in Griechenland heimlich still und leise. Der moderne Faschist weiß nämlich auch, was eine Kugel kostet. Das kriegt man systemisch alles viel billiger und sauberer hin. »Selbst Schuld« ist dann die Reaktion der Michels, wenn wieder ein Obdachloser erfriert. Was ist Hartz IV denn bitte sonst — als menschenverachtender Faschismus...? Was ist mit uns los — dass wir sowas eben inzwischen als »Normalität« betrachten — und uns davor scheuen, dies auch so zu benennen...!?

    Ich mag auch an Brecht und seine »viele Arten zu töten« erinnern...

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