Glück bremst Wachstum

»Die Anhebung des materiellen Lebensniveaus geht in den Vereinigten Staaten mit einer unglaublichen Absenkung des tatsächlichen Glücks der Mehrheit der Amerikaner einher. Diese Verringerung sei wesentlich der reellen Herabstufung der companionship, also der fundamentalen menschlichen Beziehungen, geschuldet.«

Serge Latouche. »Vom Glück zum BIP«. Blätter Ausgabe Dezember 2015. S. 89

Anmerkung: Glückfreie Profitwirtschaft. Gerade Linksgrüne und Spezialdemokraten wollen bis heute nicht verstehen und wahrhaben, dass die kapitalistische Wachstumsdynamik, unglückliche, unzufriedene, ungesunde und unausgeglichene Menschen unbedingt braucht. Als Kunden und Konsumenten, die Produkte, Dienstleistungen und Ideen erwerben, die eine Lösung der häufig gezielt konstruierten Probleme (Schönheitswahn, Minderwertigkeitskomplexe, Ängste etc.)  versprechen. Glückliche, ausgeglichene, gesunde und zufriedene Menschen sind einfach schlecht für das Wirtschaftswachstum. Insofern ist es ein unabdingbares Ziel des Kapitalismus, die Menschen zuerst unglücklich und krank zu machen, um dann das Produkt zur Heilung verkaufen zu können.

3 Gedanken zu “Glück bremst Wachstum

  1. Bei den Amerikanern würde ich dies für richtig erachten. So weit wie man es von den stärker begüteteren Kreisen mitbekommt. Hängt, denke ich, aber auch von deren Mentalität ab. Was denen von klein an in ihrer Kultur gepredigt wurde.

  2. Kann ich nur unterstreichen. Unglücklich macht, wenn man sich selbst in einen Wettbewerb mit anderen drängt. Es gibt nämlich immer einen, der besser ist als man selbst. Das ewig miteinander vergleichen, sich selbst optimieren und ähnlicher Müll, was immer auch mit Konsum einhergeht, hinterlässt leere Seelenhüllen. Wozu gibt es denn Antiagingprodukte z.B.? Ein glücklicher Mensch steht zu seinen Falten. Ein Mensch, der sich andauernd mit irgendwelchen Photoshop‐Schönheiten vergleicht, kann sie nicht akzeptieren, kauft Creme und wird wiederum unglücklich, weil diese ja den Alterungsprozess nicht aufhalten können — nur als kleines Beispiel am Rande. Ausgeglichenheit und Glück — ich glaube, dass das Konsumbremsen sind. Man muss nicht andauernd sein Ego mit irgendwelchem Müll aufhübschen, wenn man in sich ruht.

  3. @PeWi

    Dieses ewige Vergleichen und der Wettbewerb sind schon tief in die Alltagsporen der Menschen gekrochen (Welches Kind kann schon was wann genau? Wer hat was, von welcher Marke zu welchem Preis gekauft? Wer hat sich wann bei wem in welchen Zeitabständen gemeldet? Wer bekommt für sein Profilbild/seine Beiträge mehr Likes auf Facebook? Wer verdient mehr bei seiner Lohnarbeit? Wer hat das tollere Auto/Haus/Garten/Kleidung/Wohnung? etc. etc.)

    Die ständigen Konkurrenzkämpfe sind das Gegenteil von Genügsamkeit und Gelassenheit. Erzeugen Hektik und tiefe Ängste, machen unsicher. Und das ist alles gewollt. Denn ängstliche Menschen, sind einfach die besseren Konsumenten. Den Ehrgeiz besänftigen bedeutet heutzutage eben nicht Ausgeglichenheit, innere Ruhe und Bescheidenheit, sondern Stillstand. Und den hasst der Neoliberalismus, bei dem es stets um das unendliche Wachstum geht, wie der Teufel das Weihwasser.

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