Der böse Russe

Claire Danes als CIA Agentin Carrie Anne Mathison

Claire Danes als CIA Agentin Carrie Anne Mathison

In den 80er Jahren sorgte der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion auch dafür, dass Hollywood‐Produktionen für ideologisch motivierte Filmmotive genutzt wurden. Dutzende Filme und Serien zeigten den Russen als Untermenschen und die Sowjetunion als barbarisches Feindesland. Heute hat dieses Klischee längst wieder die Popkultur und den Film erreicht. In der aktuellen fünften Staffel von Homeland und in der vierten Staffel von House of Cards beispielsweise, sind es vor allem (wieder einmal) die vermeintlich hinterhältigen Russen, die für Ärger sorgen. Also selbst innovative TV‐Serien, die Golden Globe und Emmy Awards einheimsen, werden nicht von politischer Propaganda verschont. Man sollte den politischen Subtext solcher Produktionen nicht ignorieren oder gar unterschätzen.

5 Gedanken zu “Der böse Russe

  1. @epikur

    Da ist sogar die ukrainische Filmindustrie weiter, denn mit »Red Sniper« hat die einen Film geliefert der mit Russen zusammen, so im »Making Of« zum Film, eine große Heldin der Sowjetunion namens Ljudmila Pawlitschenko, und eine Ex‐Präsidentin der USA namens Roosevelt, feiert

    Ich weiß jetzt nicht genau ob der Film älter als der Maidan‐Protest ist, denn er erscheint erst jetzt im dt. DVD‐Handel, aber der Film ist wirklich bemerkenswert, da können die Amis noch was von lernen was Neutralität angeht — Übrigens, wir Deutsche kommen als »Nazis« natürlich schlecht weg, aber bei den Verbrechen an der sowjetischen Bevölkerung von 1941 an ist das wohl kein Wunder, und überaus real.....wie bereits erwähnt, ein bemerkenswerter Film aus der Ukraine, in dem es nicht nur um Militär‐Propaganda geht sondern auch darum wie aus einer Frau eine der besten Scharfschützinnen der UDSSR wurde, und wie diese Frau wieder zu einer Frau mutiert, ist dank einer einfühlsamen US‐Präsidentin einer längst vergessenen Generation....aus vor‐neolb. Zeiten...

    Es sei noch erwähnt, dass der Film in einer Zeit spielt als es darum ging, die USA um eine Zweite Front zur Entlastung der Sowjetunion zu bitten....die stand damals nicht....es war eben die sogeannten Hochzeit des Einmarsches der Wehrmacht in die UDSSR....und der Zenit der Macht Hitlers und seiner Nazis.....so im Film....und nur die mutigen Russen und Ukrainer hielten stand....bis zum Fall von Sewastopol.....und darüber hinaus....

    Gruß
    Bernie

    PS: Im »Making Of« zum Film wird übrigens auch erwähnt, dass die ganze Geschichte aus einem Buch stammt, und man durchaus nicht alles verfilmen konnte, da die Autorin und Scharfschützin, in ihrem Buch, viel schrecklicheres schildert als im Film vorkommt....eine andere Zeit eben, und fair vom Regisseur, da es ihm ja darum ging zu zeigen was der Krieg aus Frauen, und Männern, macht....nicht nur in der UDSSR und in Deutschland.....und in längst vergangenen Zeiten....

    PS2: So eben gelesen, der Film ist aus dem Jahr 2015....

  2. Interessant fand ich in dem Zusammenhang auch das recht kurze Leben der Serie »Last Resort«, die eine interessante Grundidee hatte. War dann aber doch wohl zu »unpatriotisch«...

    An Hollywood kann man in der Tat anhand der Bösewichte gut verfolgen, mit wem Ozeanien dann grade mal im Krieg (und mit wem verbündet war) ausmachen. ;) Auch Serien bleiben davon natürlich nicht verschont. Man braucht sich da ja nicht die Illusion machen, Skandale wie bei uns der vom INSM infiltrierte »Marienhof« seien die generelle Ausnahme...

    Wobei es für eine konformistische Agit‐Prop‐Gesellschaft wie der US‐Amerikanischen aber im Vergleich zu Deutschland trotz allem aber deutlich mehr selbstkritische Grautöne gibt. Man erkennt da wirklich noch so etwas wie eine generelle künstlerische Freiheit und auch mehr oder weniger subtile, teils »subversive« Gesellschaftskritik (die auch oft in unverdächtigen Formaten wie »Spongebob« versteckt sein kann). An das gegenwärtige System kritisierender Dystopien mangelt es ja grade auch überhaupt gar nicht — nur stellt der größte Teil der Konsumenten halt leider auch keine Zusammenhänge her... Die eigentliche Botschaft wird eher dann wieder so interpretiert, dass »es uns« im Vergleich damit ja »eigentlich doch ganz gut gehe«. Dass man nach Verlassen des Kinos weiter genau in diese Richtung marschiert, merkt keiner...

  3. »Wobei es für eine konformistische Agit‐Prop‐Gesellschaft wie der US‐Amerikanischen aber im Vergleich zu Deutschland trotz allem aber deutlich mehr selbstkritische Grautöne gibt.«

    Das auf jeden Fall! Gerade das macht US‐Serien auch deutlich interessanter als deutsche Serien, auch wenn es hier Ausnahmen gibt (Der Tatortreiniger, Stromberg). Ich denke, das hat viel mit der »liberalen Film‐Tradition« in den USA zu tun.

    EDIT: In der ersten Staffel von »Homeland« haben sie auch (fast) versucht gehabt, Erklärungen und Gründe zu liefern, warum es so viele Selbstmordattentäter gibt. Die Terroristen wurden da nicht primär als Monster dargestellt, sondern als Menschen, die viel Leid erlitten haben. Ich vermute, das war wohl einigen (Produzenten, Filmkritikern etc.) zuviel des Guten, weshalb es ab der zweiten Staffel dann wieder sehr stereotypisch wurde.

  4. In der Tat. Ich find’s ja immer lustig, wenn aus D heraus kritisiert wird, dass ein lateinamerikanisches Land angeblich mal wieder einen oppositionellen Sender geschlossen habe. Als wenn es in D überhaupt einen gebe...!? Und wenn, — wie RT — wird der dann als »Feindpropaganda« abgetan...

    In Deutschland erkennt man — wenn man genauer hinschaut — dass Kultur‐ und Kunstszene wesentlich stärker am medial‐politischen Komplex hängen. Wer hier zu unangenehm auffällt, ist ruckzuck weg vom Fenster...

    »Homeland« hat das Problem, dass die eigentliche Geschichte (»isser nun ein umgedrehter »Schläfer« — oder nicht?«) ja nach der wirklich guten 1. Staffel im Grunde halt fertig erzählt war. ;) Dass es hinterher dann ins übliche Schema absinken würde, war zu erwarten.

  5. Denke ich, hat auch viel damit zu tun, dass Leute aus dem englisch‐sprachigen Raum, wenn es um die Russen geht, chronisch gegen sie eingestellt sind.
    Beobachte so etwas immer wieder. Obwohl diese, mit denen ich mich unterhalte, sonst in politischen Dingen teilweise auch gescheit sind und nicht mit Kritik am eigenen Land geizen, wenn die eigenen Politiker wieder Unsinn machen.
    Sobald das Thema mit den Russen aufkommt oder ein Standpunkt, den die Russen vertreten, Gesprächsthema wird, hat man den Eindruck als wenn sie unhinterfragt auf die Seite des Westens wechseln, obwohl es keine Gründe dafür gibt. Plötzlich ist es so, dass sie unfähig werden, die sonstige Kritik am eigenen Land und am Westen auch auf diese Situation zu übertragen.
    Nebenbei, dass tendenziell auf viele Mythen auch bei denjenigen, die sich für Politik weniger interessieren, verbreitet sind über z. B. »was die Russen machen« und »was sie planen«. (Kann mich erinnern, über die angeblichen Trollfabriken des Kreml, über die auch hier auf Tagesschau.de geredet wurde, durfte ich dort auch schon einmal etwas lesen, aber nicht in meiner Erstsprache.)
    Man kommt sich dabei vor, als wenn die Truman‐Doktrin noch sehr lebendig ist und als wenn solche Präsidenten wie George W. Bush nie gewesen wären, die das Volk von vorn bis hinten belogen haben.
    Kann mir daran nicht viel erklären, außer — man hat es nie anders gehört. Und ein Teil von »man hat es nie anders gehört« ist definitiv die Traumfabrik, mit denen die Leute seit sie klein sind umgeben und bearbeitet werden.
    Teilweise war ja sogar die Propaganda‐Maschinerie in den 80ern sogar — nicht nur zum Himmel schreiend offensichtlich, sondern auch zu guten Teilen auf solch einem simplizistischen kindlichen Niveau gehalten, es spricht wirklich nur die primitivsten Instinkte an. Und ist leicht zu merken.
    Wenn man dagegen nie eine Gegendarstellung kennenlernt und nur von solchem Unsinn umgeben ist, dann kann das mit einer differenzierten Meinung über ein Thema nie was werden.

    Edit: Entdecke, ich hatte mich darüber mal ausgelassen:

    http://matrixmann.livejournal.com/99669.html
    (Ging zwar dabei um das C‐Wort, aber schneidet das Thema in anderer Art und Weise doch an.)

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