Arbeitsscheue. Drückeberger. Faulenzer.

faulenzer_titelDie Faulheit gilt in westlichen, industrialisierten Breitengraden als moderne Todsünde. Wer keine Leistung zeige, wenig motiviert und nicht fleißig sei, wer im Müßiggang oder in der Langsamkeit verharre, wer zu viel nachdenke, der sei nicht nur unmodern und unzeitgemäß, sondern eine überflüssige, ja verachtenswerte Ballastexistenz. Die kapitalistische Wachstumsdynamik braucht Menschen, die sich dem Dogma des höher, schneller, weiter – Prinzips unterwerfen. Denn für den Kapitalismus gibt es kein zurückblicken und kein stehenbleiben,  sondern nur den endlosen Zwang des »weiter so!«, der Rohstoffausbeutung und der Geldvermehrung. Nur wer hart arbeite, habe sich in seiner Freizeit einige Stunden Nichtstun verdient. Wobei auch alle Freizeitaktivitäten als belangloses Gedöns angesehen werden, die nicht ökonomisch verwertbar seien oder der Selbstoptimierung gewidmet werden.

Balu, der Bär
Während den Lohnarbeitern durch politische und mediale Kanäle eingeimpft wird, dass sie ihre gesamten körperlichen und geistigen Kräfte dem Unternehmen zur Verfügung stellen sollen (natürlich nur das, was dem Unternehmen nutzt), ist gleichzeitig die Inaktivität, Gemütlichkeit und Bequemlichkeit der Konsumenten, das absolute Verkaufsargument von Gütern und Dienstleistungen. Sei es die Digitalisierung von Dienstleistungen, Online Shopping oder Online Banking. Die Inanspruchnahme von Haushaltshilfen, Babysittern oder Umzugshelfern. Autonomes Fahren, der All‐Inclusive‐Urlaub, die Fernbedienung technischer Geräte, Rolltreppen oder auch die Suchmaschine Google: immer geht es um den persönlichen Komfort und um so wenig wie möglich eigene körperliche oder geistige Anstrengungen. Amazon gehört nicht zufällig zu den »Big Five« des Online‐Marktes. Während also die Faulheit in der Arbeitswelt verachtet wird, ist sie für den privaten Konsum ein Innovations–  und Verkaufsargument.

»Was für das Funktionieren des heutigen Wirtschaftssystems gut ist, erweist sich für den Erhalt der seelischen Gesundheit des Menschen als schädlich.«

Erich Fromm. »Die Pathologie der Normalität«. Ullstein Verlag 2012. S. 10

Außerhalb der Lohnarbeit sind viele Menschen heute an vielem desinteressiert. Sie haben wenige oder gar keine Hobbys (wenn man von Glotze absieht), scheuen, so gut es geht, jegliche persönliche Anstrengungen, und nutzen alles und jeden, was Mühe, Kraft und Energien schont. Lange und ausführliche Texte werden selten gelesen. Bei Twitter, Facebook, via sms und WhatsApp spielt sich die zwischenmenschliche Kommunikation in wenigen, meist oberflächlichen (Smalltalk-)Zeilen ab. Wer Menschen und/oder Beziehungspartner kennenlernen will, macht sich nicht mehr die Mühe selbst aktiv zu werden, sondern bedient sich der etlichen Börsen, Anzeigen, Portalen oder Singlepartys. Die Faulheit des Selbstdenkens zeigt sich beispielsweise am inflationären und naiven Glauben daran, was vermeintliche Experten und Ratgeberbücher zu alle möglichen Themen von sich geben, schreiben oder was Google ausspuckt. Wer protestieren will, schreibt einen Twitter‐Einzeiler (Shitstorm), füllt eine Online‐Petition aus, kauft Bio‐Produkte oder schreibt eine E‐Mail an einen Bundestagsabgeordneten. Wer braucht schon Generalstreiks oder eine Belagerung des Bundestages von Millionen Bürgern? Das wäre ja anstrengend.

Schlaraffenland ist abgebrannt
Was genau dieser innere Widerspruch –aktiv bei der Lohnarbeit, passiv in der Freizeit‐ im Menschen bewirken kann, haben Erich Fromm, Karl Marx sowie die Denker der Frankfurter Schule schon vor Jahrzehnten festgehalten: die Selbstentfremdung des Menschen. Man spürt, dass etwas nicht stimmt, fühlt eine innere Leere, ist unausgeglichen. Heute spricht aber niemand mehr von der Selbstentfremdung des Menschen, davon, dass äußere Zwänge, unsere Wahrnehmung trüben, unsere Selbstentfaltung einschränken, unsere ureigenen Bedürfnisse abtöten und wir zu Lohndronen‐Robotern geworden sind, die primär nur funktionieren sollen. Heute nennt man das Depression, Burnout‐Syndrom oder mangelnde Belastbarkeit.

»Es gibt kein Recht auf Faulheit.«

Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Hauptverantwortlicher für die Agenda 2010 – Reformen,  im Jahre 2001.

Indessen ist die Vokabel Faulheit ein arbeitsmarktpolitischer Kampfbegriff, der psychologischen Druck auf alle Erwerbstätigen und Erwerbslosen ausüben soll. Ein gesellschaftliches und soziales Stigma, dass nicht nur mit der Schuldumkehr arbeitet (Stichwort: Eigenverantwortung), sondern längst ein politisches Klima etabliert hat, um die vermeintlich Schwächsten in der Gesellschaft zu gängeln, zu schikanieren und zu drangsalieren. Gleichzeitig wird suggeriert, dass wer sich nur ordentlich anstrengen würde und fleißig sei, alles erreichen könne. Strukturelle, ja neofeudale Ungleichheiten werden komplett negiert. Mit der weitverbreiteten und weiter zunehmenden Automatisierung vieler Arbeitsprozesse wäre ein Leben ohne schwere Arbeit heute schon deutlich vorstellbarer als noch vor 50 Jahren. Und dennoch klammern sich weiterhin sehr viele Menschen an den Arbeitsfetischismus und an den Glauben von der Selbstverwirklichung durch Lohnarbeit.

20 Gedanken zu “Arbeitsscheue. Drückeberger. Faulenzer.

  1. Die Industrialisierung 4.0 wurde ausgerufen. Wer also noch nicht sein kostbares Arbeitsplätzchen an einen Automaten verloren hat, der wird in naher Zeit wohl Bekanntschaft mit Automation machen. Und dann? Soll all diesen überflüssigen Menschen mangelnde Arbeitsbereitschaft oder gar exzessive Faulheit unterstellt werden? Sollen alle in dümmliche Massnahmen gesteckt werden, um sie dann besser als Konkurrenz zur Maschine zu qualifizieren? Sollen alle auf Maschinenbau, in weitestem Sinne, umschulen?

    Selbst das Management/die Unternehmensführung ist von Automation betroffen, da auch operative sowohl, als auch strategische Entscheidungen an Ablaufalgorithmen geknüpft werden können. Geeignete Dienstleister derartiger Konzepte graben bereits Startlöcher. Davon träumt der gemeine Profiteur nämlich, von vollständig automatisierten Unternehmungen. Tatsache wird jedoch sein, dass letztlich alle Erwerbstätigkeiten auf Automationsmöglichkeiten abgeklopft werden.

    Wir haben alle mehr Zeit. Geil oder? Mit knapp 13,50 € Tagessatz (abzüglich Stromanteil) HartzIV geniessen, inklusive der damit verbundenen Teilhabe an diesem edlen Gemeinwesen, mit samt seinem gemeinen Wesen. Demnächst auch neuer und noch besser, in der 9. Änderung hierzu.

    Wäre ich irgendwie spirituell geprägt, so wäre nun ein gut gelegener Zeitpunkt gekommen, die Sintflut‐Protokolle auszuführen: Vielleicht hilft uns dies hierzu ja weiter: http://www.heute.de/erstmals-resistenten-super-erreger-in-den-usa-gefunden-43684390.html

    Auszug: »Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte bereits vor einiger Zeit vor einer »Rückkehr in Vor‐Antibiotika‐Zeiten« gewarnt, in denen sich schon geringfügige Infektionen oder Schnittverletzungen als tödlich erweisen könnten.«

  2. @Die Katze aus dem Sack

    aber ja:
    ...auch die Hälfte der Bettel‐ Kuffnucken könnte sich diesen Amis anschliessen...
    ...erhöht jemand?

  3. Zustimmung zum Artikel. Das System hat aber eine Achillesferse , sie werden es über kurz oder lang liberalisieren müssen , sonst frißt es sich selber auf.
    Vielleicht sind viele auch deshalb untätig , weil sie das spüren und nur noch auf die kapitalistische Treuhand warten , die system‐eigene Selbstabwicklung.

  4. Ich nehme an, ich werde wieder zum Partysprenger werden...
    Keine Hinwegnegierung des Inhaltes des Artikels — mir kommt nur eine Assoziation in den Sinn: Der Kapitalismus hat diese Einstellung »Müßiggang ist Zeitverschwendung« zu seinem Credo gemacht, erfunden hat er es aber nicht. Gerade, wenn man mit älteren Leuten zu tun hat oder hatte, zeigen sie eine nicht ganz unähnliche Einstellung — lediglich merkt man, das hat nichts mit kapitalistischen Mantren und Gehirnwäsche zu tun, sondern das ist, weil diese Leute in einer Zeit sozialisiert wurden, in der man »nicht den Arsch hinterhergetragen bekommen hat«. Wo man viel selbst machen musste, Dingen selbst hinterherrennen musste, und wo schlichtweg jeden Tag gewisse Aufgaben ausgeführt werden müssen, damit das Leben überhaupt läuft. Ganz aus dem Praktischen heraus, ohne diese Frage von Geld oder Zweckobsession.
    Okay, wenn man fair bleibt, wurde diese Einstellung das erste Mal auf größerem Raum verbreitet, als die Reformation stattgefunden hat, und solche Gruppierungen wie die Puritaner und die Calvinsten entstanden sind — bei denen Vergnügung und Faulenzen das erste Mal richtig ausgeprägt als Todsünden angesehen wurden.
    Das ist schon einige hundert Jahre her, seit dem wird man es nicht mehr los (und erfunden haben werden sie es auch noch nicht).

  5. rainer: Amerikaner? Also auch Kubaner, Chilenen, Mexikaner, Kanadier?

    Titanic möchte die Leiche von Kennedy exhumieren, weil er einst sagte »Ich bin ein Berliner«! Er soll jetzt mit Marmelade gefüllt werden.

    Spreche ist manchmal zweideutig.

  6. @matrixmann: Ja, »die Alten« sind es in der Regel auch, die z. B. behaupten, es gäbe in diesem Land schlicht keine Armut. Weil sie ja selbst »echte« Armut erlebt hätten; »da sollen die jungen Leute mal nicht so rumjammern«...! Dass diese Alten damals willig in einen Krieg marschiert sind bzw. einfach in der großen Mehrheit passiv (wie heute auch) dabei zugesehen haben — wird geflissentlich unterschlagen. Und hinterher jammern, dass man die Suppe auslöffeln — bzw. das zusammengebombte Land wieder aufbauen musste. Und sich da heute auch noch was drauf einbildet...!

    Was mich zum Beispiel verwundert — die Volkswirtschaftslehre hat für alles Kennzahlen und fast alles ist statistisch erfasst. Nur eine bedeutende Zahl fehlt: Wie viel an menschlicher Arbeit wird durch Maschinen, Produktivitätsfortschritt und Automatisierung eingespart / »vernichtet«? In umgerechneten Lebensarbeitsjahren — als auch Euro! Wie werden so Güter und Dienstleistungen »verteilt«? Und wo landet eben der Gewinn daraus...? Es ist in diesem Rahmen heute nur noch absurd, für die große Masse einzig und allein nur die Lohnarbeit als mögliche Quelle für den Lebensunterhalt einzurichten — wo doch schon ein gewaltiger, stetig wachsender Teil der Arbeit von Maschinen automatisch produziert — oder ersetzt wird. Was ist die Reaktion heute, wenn ein ehemals personalintensiver Bereich (man denke z. B. mal an die Bahn...) durch Automatisierung ausstirbt...!? »Tja, selber Schuld. Pech gehabt; hätteste halt was anderes gelernt...!«

    Aber sonst — ja, es geht nicht monokausal auf das zurück, was man heute gerne unter »Kapitalismus« zusammenfasst. Das wird dort natürlich gefördert — aber auch unter »Sozialisten« gibt es einige, die die »Arbeit« als Solche glorifizieren.

    Jedenfalls ist es in der Tat absurd, dass wir doch eigentlich in einer Epoche der totalen Faulheit leben! Der Faulheit des Denkens! Mit der ganz alltäglichen Faulheit werden inzwischen Milliarden verdient... Nur wird das eben nicht so bezeichnet. »Faul« sind in dieser Gesellschaft ja nur jene, die entweder gar nicht lohnarbeiten. Oder nicht so hart wie man selbst (Malocher in der Werkhalle vs. Bürokräfte vs. Beamte usw.). Wobei diese Gesellschaft ja den wirklich Reichen auch widerum ihre offen zur Schau gestellte »Faulheit« ja gönnt, denn die hat derjenige sich ja dann auch irgendwie »verdient« — und wenn er nur andere für sich schuften lässt. Da hat der Michel ›nen mords Respekt vor...!

    Aber was solls? Ich bin ja schließlich »smart«, mit so nem Phone... Mir fallen bei dem Begriff immer die alten Comics von »Clever & Smart« ein! Die beiden Protagonisten waren ja weder noch... :d

  7. @matrixmann

    Du hast Recht , das ist keine kapitalistische Erfindung , eher noch wäre gerade unser System in der Lage , die Arbeit erheblich zu reduzieren.
    Dennoch dürfte die Verherrlichung der Arbeit ein Produkt der letzten zwei Jahrhunderte sein , eben weil sie eigentlich leichter geworden ist , vorher wäre das nicht möglich gewesen.
    Wer hart arbeitet und gerade so damit überleben kann , kommt nicht auf die Idee , die Arbeit zu glorifizieren , das können erst diejenigen , die von ihr weitgehend freigestellt sind.

    @Dennis 82

    »aber auch unter »Sozialisten« gibt es einige, die die »Arbeit« als Solche glorifizieren.«

    Ganz wichtiger Punkt , gerade Kollektivisten verherrlichen die Arbeit in einer Weise , bei der sogar Neoliberale noch rote Ohren kriegen .

  8. @ Dennis
    Mal das Assoziationspamphlet beiseite — ein Punkt, der mir doch auch in der Angelegenheit aufstößt: Auf der einen Seite wird Arbeit für Geld als Seelenheil gepriesen, auf der anderen Seite ist die Menschheit nur damit beschäftigt, neue Maschinen und KIs zu entwickeln, bei denen sich ein Hacker und ein Terminator freuen würden, um möglichst unkompliziert die Weltherrschaft zu erlangen.
    Irgendwo hatte ich auch mal was dazu geschrieben (ich glaube, es ging ums Postwesen — wegen der Konkurrzenz durch Drohnen) — um die Löhne noch weiter herunterzudrücken, macht die Sache eigentlich wenig Sinn, wenn es sowieso schon von vorn herein fest steht, sobald die Arbeiter durch selbstdenkende Maschinen ersetzt werden können, dass sie es auch machen. — Es sei denn, das Gerede von neuen automatischen Systemen und Robotern ist nur heiße Luft, aber man nutzt es trotzdem, um die Arbeiter unter Druck zu setzen, weil so viel Ahnung haben die wenig interessierten Menschen dann doch nicht. Die hören nur »drohender Arbeitsplatzverlust« und laufen eine Runde schneller.
    Widersprüchlich ist es in dem Sinne: Erstens, wenn man mit der Moral kommen will »nur wer arbeitet, der ist ein guter Mensch«. Und zweitens, potentielle Kunden müssen auch Geld in der Tasche haben, um Produkte zu kaufen. Wenn so viele aus der Arbeit ausgebootet werden, und es kein Sozialsystem gibt, woher sollen die armen Schlucker sich die schönen Produkte der Großkonzerne denn kaufen? Kreditkarten sind auf die Dauer auch nutzlos, denn die Bank will auch ihre Sicherheiten, bevor sie jemandem Geld leiht.
    Eigentlich ist an dieser Stelle das System in einer Sackgasse, wo es sich selbst ins eigene Fleisch schneidet. An dem Ast sägt, von dem es selbst lebt.
    Und das ist etwas, was mir nicht den Kopf hinein will.
    Das geht aber über mehr hinaus als nur »Opium für das Volk«... Irgendwo muss selbst ein Kapitalist mal realistisch werden und bedenken, wie seine eigene Wirtschaft, die ihm den Reichtum beschert, funktioniert.

  9. @matrixmann

    Niemand hat behauptet der Kapitalismus wäre ein System, dass von rationalen und vernunftgeleiteten Argumenten und Mechanismen geleitet wird. ;) Er ist letztlich zu einem Glauben mutiert. Und mit ihr der Lohnarbeit‐Fetisch. Es gehört wohl zum Kreislauf (wie beim regelmäßigen Neustart der Matrix^^), dass es alle paar Jahrhunderte eine Weltwirtschaftskrise und/oder Weltkriege gibt, damit der Kapitalismus wieder »von vorne« anfangen kann. Solange bis er sich wieder selbst frisst. Dann gibt es wieder einen Weltkrieg und so weiter.

  10. @ epikur
    Weiß ich. Kann sein, dass ich da auch wieder zu hoch denke. Oder zu weitsichtig.
    Wenn schon schmarotzen, dann mit Strategie — das wäre jedenfalls meine Methode.
    Ich muss schon darauf achten, wenn ich mich von anderen ernähre, dass noch so viel für die anderen übrig bleiben, damit sie mir nicht untreu werden oder aufs Dach steigen. Jedenfalls sähe ich das als ein Naturgesetz an. Wenn ich den anderen unten nichts mehr lasse, wo kommt dann gefälligst mein Wohlstand her, von dem ich leben will? Nicht nur Geld, sondern auch — auch mein Essen muss ein Bauer auf dem Feld anbauen. Wenn sich dazu keiner mehr bereit erklärt, dann nützt mir das viele Geld gar nichts. Aus Geld wachsen keine Kartoffeln.
    Das ist so eine Sache, wo sich selbst der Kapitalismus seinen erklärten Credos untreu wird. Bzw. wo er selbst vergisst, trotz allem Reichtum und Bestehlen der Welt und sich erhaben fühlen, am Ende müssen die Manager das aus dem gleichen Boden essen wie die Armen — gebratene Tauben fliegen leider nicht herum, bei denen man nur den Mund aufmachen muss.
    Alles kocht nur mit Wasser. Selbst die, die denken, ihre Nummern auf dem Konto machen sie zu wertvolleren Menschen als »die da unten«.

  11. @epikur, matrixman
    »Kapitalismus« ist ein zu undifferenzierter Begriff -da gibt es historische Entwicklung (kein nietzscheanisches Kreismodell) und diverse Ansätze. Der Ur‐Kap Manchester‐Typ ist überwunden durch massive Nutzung nichtmenschlicher Energie (plus Digitaltech). Ist nicht mehr nötig, ist nur noch bestialische Gewalt (in Ex‐Kolonien Kinderarbeit etc). Soziale Marktwirtschaft + Keynes sind die gute Variante, aber das war den Geldeliten zu (nein nicht, wie sie behaupten, teuer) demokratisch: Hätte ihre Macht langsam angefressen. Darum installierten sie den NEOLIBERALISMUS (kritisch auch Finanzfaschismus genannt) mit aller Macht beim Finanzkapital, das sich unsichtbar zu machen versucht. Was hier beschrieben wird sind Auswirkungen der neoliberalen Ideologie -wie sie übrigens ausführlich bei Patrick Schreiner beschrieben werden: »Unterwerfung als Freiheit: Leben im Neoliberalismus« (PapyRossa 2015). Epi vergisst hier den Zwang zu Selbstoptimierung und Selbstdarstellung, da wird der neoliberale Zeitgenosse dann doch ganz rege (Fitness, Aktivurlaub, davon Protzfotos auf Facebook usw), so träge er im Kopf doch gemacht wurde. Survival of the Fitest ist die gemeinsame Basis mit Faschismus, nur dass der ideologisch die Natur als Maßstab vorschob (den Kampf, wo Militärmächtige herrschen), der Finanzfaschismus aber den Markt (wo Finanzstarke herrschen).

  12. ….gut geschrieben,….!…..

    …Demokratie…….?…..Hmmmm….Aristoteles,……schrieb vor langer Zeit,mal,….. das er der Demokratie gegenüber,sehr abgeneigt sei,…..er ging davon aus,……das der Mensch von Natur aus,….faul ist…..!
    …er behauptete,….das in einer Demokratie,……der Faule,Taugenichts und Habenichts,….über den Habenden und Schaffenden,…….Herrschen und auf dessen Kosten leben wird……..

    Gesundheitszustand Deutschland 2016,…..nach 70 jahren Demokratie in symbiose mit einem ungedecktem Zinseszinz Geldsystem

    über die hälfte der Deutschen Bevölkerung,ist Wohlstandskrank und leistungslos lebend(Quelle,Statistische Bundesamt),……..und representieren damit, die wahlberechtiigte meinungsbildende Masse,…..die zur demokratischen wahl geht,um Politiker zu wählen,die ihnen versprechen,die Lebenszeit zukünftiger Generationen zu verkaufen und eine minderheit von Gesunden, Bewegungsreichen und Fortpflanzugsfähigen Menschen ‚mit möglichst viel Dienerarbeit zu bedrohen….!…….

    ……….ein Schelm der Böses denkt

    Mal schauen,....ob zukünftig, heutige Eltern und Grosseltern,ihren Kindern,noch in die Augenschauen können,....ohne eine Kasperklatsche zu bekommen............

  13. ich finde, es gibt durchaus ein recht auf faulheit. jedoch was genau ist faulheit eigentlich? ist es faul, wenn ich anstatt zu arbeiten lieber meine eigenen interessen verfolge?

  14. Der Artikel ist zwar schon etwas aelter, aber ich habe ihn gerade gefunden, mit Interesse gelesen, und habe dazu eine vielleicht etwas bloede Frage. Das ist nicht provokativ, sondern aus meiner ggf. etwas naiven Sicht einfach nur interessiert gemeint.

    Ich stimme dem Artikel in vielerlei Hinsicht zu, zusammengefasst darin, dass auch ich der Ansicht bin, dass Lohnarbeit nicht meine Existenz validieren soll. Mir persoenlich ist eine nicht‐zielorientierte, freie, spielerische, ggf. schoepferische Entfaltung abseits vom »Geld verdienen« auch sehr wichtig. Aber nun: Wie soll denn eine Gesellschaft im ganzen funktionieren, ohne das Konzept der Lohnarbeit und Jobs, »die nun mal gemacht werden muessen«, ob man nun Spass daran hat oder nicht (und selbst »schoene Dinge« wie z.B. Musik machen kann ich ja nur, wenn ich Geld verdiene, wovon ich mir dann ein Instrument kaufen kann etc.)? Was waere eine praktikable, realistische Alternative? Ich finde den Artikel etwas zu negativ bzw. wenig loesungsorientiert. In dem Zusammenhang wuerde ich mich gern belehren lassen, da ich auch eine andere Form des Arbeitsmarkts sehr begruessen wuerde — leider faellt mir auch nach laengerem Nachdenken keine ein (beschaeftige mich aber generell auch nicht soo tiefgreifend mit gesellschaftlichen/politischen/wirtschaftlichen Themen, als Naturwissenschaftlerin liegt mein instrinsisches Interesse eher im Nicht‐Menschengemachten).

  15. @Kaya

    »Was waere eine praktikable, realistische Alternative? Ich finde den Artikel etwas zu negativ bzw. wenig loesungsorientiert. In dem Zusammenhang wuerde ich mich gern belehren lassen, da ich auch eine andere Form des Arbeitsmarkts sehr begruessen wuerde.«

    Hallo Kaya, willkommen auf dem ZG Blog!

    Es gibt keinen Mangel an Alternativen (echte direkte Demokratie, bedingungsloses Grundeinkommen, Genossenschaften, echte Umverteilung von Besitz, Vermögen, Eigentum, harte Strafen für jede Form von Wirtschafts‐ und Umweltverbrechen etc. etc.) , sondern kaum Möglichkeiten diese auch durchzusetzen. Der öffentliche Raum, der Meinungsdiskurs und die Politik sind durch Banken‐ und Konzerninteressen komplett vermachtet.

    Im Übrigen bin ich weder »negativ«, noch will ich »belehren«. Ich bin nur ein Zeuge unserer Zeit. ;)

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