Die perfekte Fassade

fassade_titelDer Schein trügt. Millionenfach. Da bleiben Paare zusammen, obwohl die Liebe längst erloschen ist. Wegen der Gewohnheit. Den Kindern. Der finanziellen Abhängigkeit. Oder einfach, weil die Leute sonst reden würden. Das neue Biedermeier, oft getarnt als Hipster, Linksgrüner oder Progressiver, ist wieder konservativ und spießig bis ins Mark. Karriere und Familienglück seien alles was zählt. Familie und Kinder sind nur weitere Status Symbole, wie eine gesellschaftlich wertgeschätzte Lohnarbeit. Sie sind Besitz und Eigentum. Sie steigern das soziale Kapital. Aber eben nicht zwingend das persönliche Glück.

Wie es hinter der öffentlichen Inszenierung einer lupenreinen Beziehungs‐ und Familienharmonie aussieht, ist eine ganz andere, eine authentische und ehrliche Frage. Die stellt heute aber keiner mehr. Wie generell kaum noch Fragen, dafür aber viel zu viele Antworten geliefert werden. Heuchelei, Zwangsharmonie und Bigotterie sind die neuen Stützpfeiler zwischenmenschlicher Interaktionen. Authentisch ist heute, wer so ist, wie andere es erwarten.

12 Gedanken zu “Die perfekte Fassade

  1. Die jugendlichen Mädchen gehen heutzutage ja schon selbst am Frauentag mit Badeklamotten in die Sauna wo sonst nur FKK Bereich war.
    Das zum Thema »Das neue Biedermeier«!

  2. @Publicviewer — Das weißt du woher...!? :d Naja, dafür hocken sie inzwischen regelm. halbnackt im Büro — oder in der Schule... ;) In Sachen »nackter Haut« wären wir dann sehr schnell wieder bei den absurden Widersprüchen des Gender‐, »Sexismus‐« und Feminismuswahnsinns...

    @Epikur: Statussymbol schreibt man zusammen — oder wenigstens mit Bindestrich. ;) »Zwangsharmonie« wird einem ja aber auch in kritischen Kreisen im persönlicheren Gespräch gerne rasch verordnet, wenn man dann doch zu sehr damit »nervt«, die ganz konkreten Auswirkungen des Systemischen auf das Private anzusprechen... Da ist ein Blick hinter die Fassade: dann auch nicht wirklich erwünscht...!

    Kleinkinder / Babys sind primär nur begehrte kleine Knuddelobjekte für Egoisten, die oft vergessen, dass das Ding auch mal erwachsen wird... Und werden später auch nur dann zu Statussymbolen, wenn die »Investitionen« Früchte tragen, sich das Kind angepasst und »erfolgreich« zeigt. Wenn man mit ihnen angeben kann. Wenn die Brut ihren eigenen Kopf hat (insb. hinsichtlich »Karriere« oder dem Leben allgemein) — wird sie auch schnell verleugnet bzw. jede »Verantwortung« dafür abgestritten.

    Neu ist das Biedermeier jedenfalls nicht. Es war doch im Grunde nie anders... Die große Masse schwimmt immer mit im Strom — und redet sich ihr Dasein schön, ist der einfachste Weg. Und selbst das ärmste Schwein kann sich immer noch einreden, es könne ihm ja noch schlechter gehen. Es ist erschreckend, nach welch einfachen Prinzipien sich die Herde führen lässt.

    OT: Kennst du übrigens den aktuellen Knoppers‐Werbespot? Da kannste mal sehen, was die Kiddies heute so alles leisten müssen, sollen, dürfen... Immerhin dürfen sie kurz Pause machen und ein Knoppers verdrücken! ;) Wo ist der Kinderschutzbund, wenn man ihn mal braucht...!?

    https://www.youtube.com/watch?v=CfpC4ldtLbc

  3. @ Dennis
    Eben, medial gesehen könnte man meinen, das die sexuelle Freiheit sich durchgesetzt hat.
    Aber das Gegenteil ist schlicht der Fall, auch wenn man eine gewisse Polarisierung verspürt, die Masse wird immer prüder.

  4. @Publicviewer: Zwar etwas OT; aber: Würde ich so generell nicht unterstreichen; das ist individuell sehr unterschiedlich. Dieser In‐Sich‐Widerspruch macht die objektive Wahrnehmung halt auch so schwierig. Auf der einen Seite finde ich schon, dass das Sexuelle im Alltag deutlich offener und freizügiger »gelebt« / thematisiert wird. Da reicht ein Blick in die Medien — oder eben im Sommer raus auf die Straße. Auf der anderen Seite haben wir inzw. aber halt auch das allgegenwärtige Damoklesschwert namens »Sexismus« (welches vorwiegend über Männerköpfen schwebt)...

  5. @Dennis82

    »Kleinkinder / Babys sind primär nur begehrte kleine Knuddelobjekte für Egoisten, die oft vergessen, dass das Ding auch mal erwachsen wird.«

    Jup. Das sieht man auch schön daran, wie wildfremde, ältere Menschen, oft und gerne das eigene Baby/Kleinkind angrabbeln -sich also Liebe abholen‐ wollen. Sobald die Kinder in der (Vor-)Pubertät sind, wandelt sich das ins komplette Gegenteil. Da werden Kinder nur noch als anstrengend empfunden.

    https://www.youtube.com/watch?v=CfpC4ldtLbc

    Kannte ich noch nicht. Selbst wenn die Werbung ironisch gemeint sein sollte: es fehlt die Alternative des Freiraums für Kinder, der eben nicht gezeigt wird. Also selbst wenn die Werbung ironisch ist, verfehlt sie ihren Zweck und wird kaum von der Zielgruppe verstanden werden.

    @Publicviewer

    Jemand sagte mal: wir seien oversexed und underfucked. Das trifft es, in meinen Augen sehr gut. Augenscheinlich eine über‐sexualisierte Gesellschaft, die aber gleichzeitig, so prüde und bieder wie noch war.

  6. Stat. Bundesamt: Etwa 35 % aller in einem Jahr geschlossenen Ehen werden im laufen der kommenden 25 Jahre wieder geschieden. Die Zahl der Singlehaushalte in Deutschland liegt bei nahezu 40 %. Die perfekte Fassade ist daher statistisch und soziologisch gesehen ein Mythos.

  7. @altautonomer

    »Die perfekte Fassade ist daher statistisch und soziologisch gesehen ein Mythos.«

    Zwei bedenkliche Zahlen in die Runde werfen und dann daraus ein Totschlag‐Fazit basteln? Nice Try. Aber gut, gehen wir mal auf die Zahlen ein.

    Es bleiben da immer noch 65 Prozent übrig, die sich nicht scheiden lassen. »Im Laufe von 25 Jahren« ist ein seeehr langer Zeitraum. Die Liebe/Beziehung kann schon nach einigen Jahren (und/oder nach der Geburt des Kindes, was nicht so selten ist) »kaputt« sein und man wurschtelt noch weiter so vor sich hin, aus Gewohnheit. Wann und ob sich geschieden wird, ist nicht zwingend ein Indikator für die Qualität einer Beziehung. Ich habe auch gehört, dass es Paare gibt, die gar nicht erst heiraten. Die werden dann von der Statistik gar nicht erst erfasst. Das mit den Singlehaushalten stimmt. Aber auch hier bleiben 60 Prozent übrig, die keine »Singles« sind.

    65 Prozent hier und 60 prozent dort. Klingt für mich nicht nach »ist ein Mythos«, sondern nach Mehrheit der Bevölkerung.

    Zahlenspielereien hin oder her: ich wette, jeder kennt Verwandte und/oder Bekannte, wo die Liebe nur Inszenierung und/oder Gewohnheit ist.

  8. In meinem soz. Umfeld gib es nur Geschiedene, Interessanterweise sind es mehr Frauen als Männer, die aus der Scheinwelt ausbrechen und die Scheidung einreichen.

    Nach außen intakte Beziehungen gaben mir nach meiner bisherigen Wahrnehmung keinen Anlass, im Innern die Hölle zu vermuten.

    Ich stimme Dir insoweit zu, dass man mit Statistiken vieles fehlinterpretieren kann. Aber aus dem Verhalten im persönlichen Umfeld allgemeinverbindliche Schlüsse zu ziehen, halt ich für bedenklich. In meinem Umfeld gibt es viele Raucher über 70 Jahre, darunter Kettenraucher. Sie sind aber kein Beweis, dass Rauchen nicht gesundheitsschädlich ist. Da traue ich lieber der Information eines Siegener Onkologen im TV (gestern), der auf seiner Lungenkrebsstation 90 % Raucher behandelt.

  9. Ja genau, woraus ist der Schluss zu ziehen, dass 65% aller Ehen, die sich nicht scheiden lassen, nur als Fassade aufrechterhalten werden?
    Da könnte man doch eher den Schluss ziehen, dass wenn die Hemmschwelle sich scheiden zu lassen relativ viel niedriger ist als je zuvor, diejenigen Ehen, die nicht geschieden werden, zu einem Großteil doch recht glücklich sein müssen.

    Mir scheint der Text eine oberflächliche Betrachtung der Wirklichkeit zu sein, die nur darauf abzielt, eigene negative Vorurteile über den mutmaßlichen Zeitgeist zu bestätigen. Ich lese hier Klischees, die es vor dreißig, vierzig, fünfzig, hundert, tausend Jahren ... auch schon genau so gab. Klischees sind per se nicht falsch, aber halt unscharf und ... langweilig.

  10. Was man auch bei der Sache mit der Scheidung einkalkulieren sollte, ist das Recht wie es in der BRD seit Jahr und Tag üblich ist: Trennungsjahr und danach erst kann geschieden werden.
    Andere Länder oder der annektierte Oststaat ging man einfach hin und ließ sich scheiden, wenn man sich scheiden lassen wollte.
    Inklusive die altbekannene Sache mit dem »Trennungsunterhalt«.
    Wenn man danach finanziell geschröpft wird und sich noch nicht einmal von der Alten / dem Alten scheiden lassen kann, wann man will, dann kann man ihn / sie auch behalten. Für das eigene Leben bleibt die Belastung dann dieselbe — wenn nicht gerade Dinge wie häusliche Gewalt, Schulden aufnehmen auf des Ehepartners Namen oder andere grundlegende Dinge hinzukommen.

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