Presseblick (33)

Mo Seetubtim, Gründerin, Autorin und Kreativdirektorin bei brandmentalist.com, schreibt auf huffingtonpost.de über »Diese 20 Überzeugungen machen Menschen erfolgreich«. Jeder könne alles erreichen, wenn er nur die richtige Einstellung habe. Schließlich hat die Götze Eigenverantwortung magische Kräfte und kann, wie von Geisterhand, ökonomische Abhängigkeiten, Anpassungszwänge und Selbstentfremdungsmechanismen, spielend leicht überwinden. Konzerne und Banken treiben die Welt nicht in den Ruin, dafür ist der Einzelne mit seiner negativen Einstellung verantwortlich. Jawohl!

Medien
Conny Wagner, Executive Creative Director bei der Werbeagentur Scholz & Friends, schreibt auf wuv.de über Blogger Relations: »Eigentlich sind Blogger ideale strategische Partner für Marken« behauptet sie. Sie gibt fünf Tipps, wie man Blogger besser für Werbezwecke einbinden kann. Klar, Blogger kosten nichts und sorgen für Reichweite, also benutzen wir sie für unsere eigenen Interessen. Ich habe das an anderer Stelle schon häufiger betont: wer bloggt, um damit ausschließlich Geld zu verdienen bzw. wer sich zur Werbehure macht, der wird sich auf lange Sicht den Interessen der Finanziers anpassen, verbiegen und unterordnen. Geld korrumpiert immer.

Und wer dachte, die Scripted Reality habe ihren Höhepunkt schon längst erreicht, der hat nicht mit dem TV‐Kanal Sat 1 gerechnet. Der Sender taucht mit »Hochzeit auf den ersten Blick« in die absoluten Niederhöllen von vermeintlich verzweifelten Menschen ab, aus denen noch die letzte Quote gepresst wird. Zwei Menschen, die sich vorher noch nie gesehen haben, geben sich dem Bund der Ehe hin. Da man heutzutage für romantisch‐idealisierte (Traum-)Hochzeiten schon mal gerne 10.000 Euro und mehr hinlegen darf (Sender zahlt!) und da es immer mehr (völlig verzweifelte) Singles in Deutschland gibt, könnte das sogar authentisch und eben nicht inszeniert sein. Wann kommt endlich »Running Man« im Fernsehen?

Banken
Auf faz.net fragt sich Marcus Theurer ernsthaft: »Machen Banken ihre Mitarbeiter zu Lügnern?« Und was braucht man, um das überprüfen und beweisen zu können? Einen Blick in die Chronologie der Banken‐Skandale (Deutsche Bank, Commerzbank, HVB etc.) der letzten fünf Jahre? Ein Interview mit einem Insider? Eine Analyse der Zockermethoden des internationalen Finanzcasinos? Nein, das würde zu weit gehen. Wir machen lieber ein Forschungsexperiment mit 200 Angestellten und stellen dann eine These auf. Echte Beweise gibt es nicht in der Realität, sondern nur in der Wissenschaft.

Arbeit
Im Interview mit rp‐online sagt der Unternehmer und Metallarbeitgeberpräsident Arndt Kirchhhoff bezüglich der Tarifverhandlungen der IG Metall in NRW: »5,5 Prozent mehr Lohn sind realitätsfern.« Während also die Deutsche Bank 25 Prozent Rendite anstrebt, das Vermögen der Super‐Reichen in Deutschland 2014 um zehn Prozent gewachsen ist und gleichzeitig die Dispo‐Zinsen vieler Banken bei 14 Prozent und mehr liegen, sind 5,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten einfach nicht drin. Denn: »vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels müssen wir als Arbeitgeber attraktiv bleiben.«

Arbeitslosigkeit
In Rothenburg ob der Tauber ist ein Jobcenter‐Mitarbeiter nach einer Messerattacke eines Kunden gestorben. Und dies ist kein Einzelfall. Das Hartz 4 — Terrorsystem macht nicht nur arm und depressiv, sondern auch sehr wütend. Sanktionspraktiken, Schikanen, Demütigungen und würdelose Behandlungen sind in den Jobcentern an der Tagesordnung. Natürlich wird dies weder von der Behörde, noch vom Gesetzgeber so gesehen und auch nicht dementsprechend interveniert. Stattdessen werden Schulungen für den Umgang mit »schwierigen Kunden« (br.de) und neue Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. Schuld an allem sind immer die vermeintlich gestörten Erwerbslosen.

Angriffe, Attacken und Ermordungen in Jobcentern (spiegel.de):

3.Dezember 2014: Rothenburg ob der Tauber
21. Mai 2013: Leipzig
26. September 2012: Neuss
19. Mai 2011: Frankfurt am Main
21. April 2011: Berlin
30. August 2010: Rüsselsheim
18. März 2010: Essen
1. Oktober 2009: Herne
14. Juli 2009: Burbach
5. September 2007: Aachen

5 Gedanken zu “Presseblick (33)

  1. Anmerkung zum ersten Hinweis ... und es gibt immer noch einen Persönlichkeits‐Dealer‐Coach, der einem solche Einstellungen anprogrammiert ...

  2. Kleine Anmerkung zum Jobcenter. Frau Hannemann schrieb dazu in ihrem Kommentar zum Tod des externen Psychologen vom 3. Dezember 2014 richtigerweise:

    »[..] Allerdings verwundert es doch sehr, dass die Medien von einem Jobcenter‐Mitarbeiter sprechen, der es so jedoch nicht direkt war. Selbst die Bundesagentur für Arbeit schreibt in ihrer Pressemitteilung via Mail vom 3. Dezember an alle Mitarbeiter von einem Psychologen, der für das kommunale Jobcenter in Rothenburg ob der Tauber tätig war.

    Mit der Falschbeschreibung des sogenannten Jobcenter‐Mitarbeiters impliziert dieser Tötungsdelikt, dass erneut, durch einen eventuellen Arbeitslosengeld II‐Berechtigten die Gewalt in den Jobcentern ausufert. Somit findet eine Übertragung des Geschehens auf den Erwerbslosen statt. Die Gefahr besteht nun darin, dass die Arbeitslosengeld II‐Berechtigten generell als Täter wahrgenommen werden oder dazu gemacht werden sollen. Ist es nicht vielmehr so, dass das eigentliche System und die damit umgesetzte Agenda 2010 eine Dehumanisierung hervorgebracht hat, die die Menschen zu Verzweiflungstaten verleitet? Nein, das ist keine Entschuldigung oder Reduzierung der Tat. Es soll zum Nachdenken anregen, was die Umsetzung der Agenda 2010 für Verschärfungen mitgeliefert hat. [..]«

  3. »Yes , we can « geht eigentlich auch in die Richtung des »positiven Denkens« , vielleicht hätte Einen das stutzig machen sollen.
    Womöglich kein Zufall , daß danach vor allem heiße Luft produziert wurde.

  4. zu 1)

    das funktioniert immer nur solange — DU — funktionierst.
    wenn du mal so richtig auf die schnauze fliegst........und das passiert im leben......dann möchte ich mal sehen, wie das klappt mit dem mentalisieren.
    soviel heiße luft plappern wenns einem gut geht ist einfach!

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