Presseblick (44)

Flüchtlinge. Das Dauerthema. Seit Wochen. Mit den üblichen Methoden der Medienindustrie: Skandalisierung, Personalisierung, Emotionalisierung, Agenda Setting, Framing und Übertreibung. Es werden Erwerbslose gegen Migranten ausgespielt, infantile Emotionen statt Argumente geliefert, Horrorzahlen- und Meldungen abgedruckt und vor allem die Menschen gegeneinander aufgehetzt und: der hässliche Deutsche zeigt wieder offen seinen Rassismus. Es ist primär eine gigantische Ablenkungsstrategie, was da gerade vor unseren Augen stattfindet. Griechenland und die abgefuckte Troika sind plötzlich kein Thema mehr. TTIP auch nicht. Der BND- und NSA-Skandal interessiert niemanden mehr. Wenn die Massenmedien plötzlich wochenlang nur noch über ein Thema berichten, werde ich misstrauisch und frage mich, was eigentlich gerade in den Hinterzimmern geplant wird? Weiterlesen

Individualität ist Konformität

Wenn ich mein Profilbild auf Facebook ändere, dann, weil ich dringend Komplimente und Likes über mein Aussehen brauche. Schließlich definiere ich mich über mein Äußeres und bin sehr verunsichert, wenn mir nicht ständig jemand sagt, dass ich gut aussehen würde.

Wenn ich Fotos von meiner Familie, meinen Kindern oder meinen Haustieren (Katzen!) veröffentliche, will ich allen zeigen, dass ich ein harmoniebedürftiger Mensch bin und eine vorbildliche Familie habe.

Wenn ich die Timeline abarbeite, will ich vor allen Dingen private Fotos, interessante Bilder und lustige Videos sehen. Alles andere ist mir zu anstrengend. Besonders Postings, die mehr als drei Sätze beinhalten und Sachverhalte differenziert analysieren.

Generell will ich keine Kritik für irgendetwas von mir lesen. Nie. Niemals. Was ich will, ist Zustimmung, Bestätigung und Aufmerksamkeit in Form von gaaaaanz vielen Likes und »ist das aber toll/süß/witzig« — Kommentaren. Schließlich bin ich Individualist!

Mut zur Stille

stille_titelEs wird geplappert, gechattet und gelabert was das Zeug hält. Hunderte Millionen E‑Mails, SMS, WhatsApp- und Facebook-Nachrichten werden täglich in Deutschland verschickt. Geschreibsel ohne Ende. Ganz nach Gottfried Ben lautet heute die Devise:

»Kommt reden wir zusammen. Wer redet ist nicht tot.«

Nur was heute alles als Kommunikation bezeichnet wird, grenzt teilweise schon an Körperverletzung. Quasselstrippen, Labertaschen und Ruhe-Vernichter ergießen sich im selbstreferentiellen Marketing- und Inszenierungssprech, lechzen nach Bestätigung und Aufmerksamkeit und ergötzen sich an ihrem nervtötenden Dramaqueen- und Soap-Gesabbel. Die Kultur des Schweigens geht heute vielen Menschen völlig ab. Dabei ist die Angst vor der Stille, letztlich nur die Furcht vor sich selbst.

Aufmerksamkeit als Währung

aufmerksamkeit_titelDie meisten Menschen glauben immer noch, man würde alle Produkte und Dienstleistungen mit Euros bezahlen. Diese Naivität nutzen PR- und Marketing-Soldaten häufig aus, indem sie groß mit umsonst, gratis oder kostenlos werben. Dabei bezahlt man im digitalen Informationszeitalter zunehmend entweder mit seinen Daten, persönlichen Informationen oder auch mit der Aufmerksamkeit und Zeit, die man einer Sache widmet. Der Umtausch zu Euros erfolgt dann häufig still und leise. Hinter den Kulissen. Weiterlesen

Presseblick (41)

Die NATO und die USA bereiten sich auf einen Krieg mit Russland vor. Große US-Truppenverbände werden nach Osteuropa verlegt und in Polen werden Großmanöver geflogen: »Diese Woche hat US-Verteidigungsminister Ashton Carter bekannt gegeben, dass die USA dauerhaft Panzer, Militärfahrzeuge und anderes Kriegsmaterial in Ländern stationieren werden, die an Russland grenzen.« Gleichzeitig arbeitet man fleißig daran den Parlamentsvorbehalt bei Bundeswehreinsätzen abzuschaffen. Uns Konsumzombies interessiert das alles nicht. Wir verteilen lieber Facebook-Likes bei Katzen-Videos und schauen Germanys Next Kotzmodel. Weiterlesen

Der Anschlag (17)

anschlag_teaserEin anonymer Whistleblower behauptet, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Bundesregierung von Banken, Großindustrie und Geheimdiensten erpresst und bedroht werden, damit sie in ihrem Sinne Politik machen und die entsprechenden Gesetze beschließen. Die bürgerlichen Medien bezeichneten das als pure Verschwörungstheorie.

Laut einer repräsentativen Umfrage von Emnid wollen 95 Prozent aller Mütter in erster Linie für ihr Kind sorgen und mit Körper, Geist und Seele ganz »Mutter sein«. Sie würden zudem nicht nachvollziehen können, warum in diesem Zusammenhang sich viele Väter wie eine »zweite Geige« fühlen würden.

Das Bundesinnenministerium will eine Taskforce gründen, die sich auf den Kampf gegen Cyberkriminelle konzentrieren soll. Besonders verdächtig seien hierbei Menschen ohne smartphone und ohne einen eigenen Facebook‑, Twitter‑, Skype- oder Xing-Account.

Presseblick (37)

Das bargeldlose Bezahlen ist auf dem Vormarsch: »Kunden begleichen im stationären Handel bereits 42,6 Prozent des Umsatzes bargeldlos mit Karte.« Da lassen Banken, Politiker und Konzerne aber die Sektkorken knallen. Man kann schön sehen, wann und für was Geld ausgegeben wurde, die Werbung noch weiter personalisieren und im Notfall per Mausklick Konten sperren oder bei der nächsten Bankenkrise eine kleine Steuer erheben und sich an dem Geld bedienen. Und umso weniger Bares abgehoben wird, umso besser können die Finanzinstitute damit »arbeiten«, es also verzocken. Ein Grund mehr, meine Bank nur für die wichtigsten Rechnungen zu benutzen, und ansonsten überall nur mit Bargeld zu bezahlen. Natürlich ohne die subversiven Datensammler, wie Payback und die diversen Kundenkarten. Weiterlesen

Digitale Premiumexistenzen

social_titelNachdem ich mich bereits ausführlich über die sogenannte »Shitstorm-Bewegung« ausgelassen, sowie die These aufgestellt habe, das Social Web bedeute eben nicht zwingend ein mehr an qualitativer Kommunikation und Vernetzung, sondern sei vor allem eine Plattform zur Selbstinszenierung und Selbstbestätigung (gebt mir Likes!) – so möchte ich mich heute mit den Inhalten auseinandersetzen. Also  damit, was die Facebook-Jünger so gerne tausendfach teilen. Und was sie komplett ignorieren. Weiterlesen

Presseblick (30)

Auf bernerzeitung.ch gibt es einen interessanten, philosophisch-soziologischen Artikel über »die Vergottung des Selbst«. Der vermeintliche Individualismus sei »Selbstdesign und spätmoderner Seelenersatz«. Der Ich-Kult, Egoismus und die Selbstliebe seien Ersatzbefriedigung für authentisches Glück geworden. Im Grunde wird hier nichts fundamental neues für fleißige ZG-Leser erzählt (z.B. Massenindividualität), aber dennoch ist der Beitrag gut geschrieben und zusammengefasst: »Der Mensch scheint irreversibel abhängig von den digitalen Selbstverlängerungen und Hilfsorganen seiner Techniken und Medien, seiner medialen Verortung und Selbstdarstellung.«
Weiterlesen

Vergiss mein nicht

vergiss_titelEs gefällt mir, wenn Du mir gefällst und ich Dir ein gefällt mir geben kann. Dann gefällt es mir umso mehr, wenn Du mir einen Gefallen erweist, und mir auch ein gefällt mir gibst, auch wenn es Dir nicht gefällt. Denn ich bin dem gefällt mir verfallen, nicht dem aufrichtigen Interesse.