Er ist für mich bereits der zweite Blogger (nach Roger Beathacker aka Kurt von »nebenbei bemerkt«), den ich regelmäßig lesen und schätzen gelernt habe und der nun verstorben ist. Ja, der gute Charlie vom »Narrenschiff« war nicht der größte Diplomat. Auch ich hatte einige Reibungspunkte mit ihm, aber hat die nicht jeder in seiner Familie? Das eher lose linkspolitische Blogger-Netzwerk definiert sich viel zu oft durch seine Unterschiede anstatt durch seine Gemeinsamkeiten. Ich fand das schon immer schade. Es scheint fast so, als müsse man sich unbedingt von den Anderen abgrenzen, um seine Individualität zu bewahren. Dabei schreibt und redet man die ganze Zeit von Solidarität, Empathie und Mitmenschlichkeit, schafft es aber selten, genau die im Blog-Netzwerk überhaupt einmal vor-zu-leben. In diesem Sinne: mir wird der gute Charlie fehlen, denn es gab viele Beiträge von ihm, die mich inspiriert haben.
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Generation Facebook

- Von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung haben.
- Kaum empfänglich für rationale Argumente oder einen analytischen Diskurs sein, aber überall mit Gefühl dabei sein wollen.
- An nichts ein ernsthaftes Interesse zeigen, außer an sich selbst.
- Infotainment statt seriöse Berichte verkonsumieren.
- Kein Mittelmaß oder grau mehr wahrnehmen, sondern alles nach einem binären Bewertungssystem beurteilen wollen.
- Infantilität, Kitsch und Banalität als Problemlösungs-Kompetenz begreifen wollen.
Zeitgemäße Romantik
Eine attraktive Frau steht an einem menschenleeren Strand. Die Sonne geht gerade unter. Der Wind umspielt ihr Haar. Der Sand streichelt ihre Haut. Aber es interessiert sie nicht. Absolut nicht. Ein smartphone glitzert in der Sonne. Mehrfaches Knipsen. Selfies werden gemacht. Auf Facebook und WhatsApp hochgeladen. Als Profilbild eingestellt. Mit dem Satz »genießt den Sonnenuntergang.« Dann geht sie.
Digitale Lotion ohne Folgen?
Frage: Hat die ständige Selbstinszenierung, Selbstoptimierung und Selbstentfremdung via Facebook, Twitter, WhatsApp, Xing, Instagram, Youtube, LinkedIn, WordPress ( ;) ) und in allen anderen sozialen Kommunikations-Netzwerken, langfristige Konsequenzen für den Charakter und das Individuum oder ist das alles nur belangloses Kommunikations-Geplänkel?
Automatisierung. Digitalisierung. Industrie 4.0
Der feuchte Traum vieler Unternehmen in der Software- und Internetwirtschaft, sind völlig autarke, selbständige sowie unabhängige Produktions- und Vertriebsketten. Personal‑, Zeit- und Ressourcen-Kosten sollen gespart sowie mehr Effektivität und Effizienz erreicht werden. Es gibt regelmäßig selbstreferentielle Ejakulate von Silicon-Valley-Akteuren und/oder von Möchtegern-Start-Up´s, die neue utopisch-dystopische Zukunftstechnologien, bahnbrechende Visionen und digitale Revolutionen beschwören (»Internet der Dinge«). Abgesehen von Aspekten, die häufig ignoriert werden (Überwachung, Datenschutz, Verlust von menschlichen Fähigkeiten, fehlende Kontrolle etc.), sind viele Technologien beileibe nicht perfekt oder funktionieren so, wie sie uns ständig in der Öffentlichkeit verkauft werden. Drei Beispiele aus dem Alltag. Weiterlesen
Selbstoptimierung
Nach dem griechischen Philosophen Epikur ist Glück die Erfüllung ureigener Bedürfnisse, eine Hingabe an die kreative Lust und das Streben nach einem Zustand innerer Seelenruhe. Dabei sei die strategische Reduktion auf die notwendigsten Bedürfnisse keine Askese, sondern die Vermeidung von schädlichem Ehrgeiz und krankmachender Gier. Der heutige sozioökonomische Anpassungsdruck, der auf die Menschen durch vielerlei Kanäle und Mechanismen ausgeübt wird, macht das Individuum zum Objekt fremder Bedürfnisse. Zu einer Nummer, zu einem Produkt und zu einer Arbeitsmarktware. Der technokratisch-bürokratische Staatsapparat sowie die neoliberale Konsum- und Arbeitswelt zwingen den Bürger, seine Individualität zu negieren, seinen Marktwert zu steigern und sich ‑im Sinne einer höheren ökonomischen Verwertbarkeit- ständig selbst zu optimieren. Weiterlesen
Replik auf: »Journalismus unter Beschuss«

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?
Der Chef des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, schreibt in den aktuellen Blättern für deutsche und internationale Politik (Blätter, Ausgabe April 2016), einen Artikel über die Bedrohungen von Journalisten. Als Hauptgefahr sieht er Blogger, Social Media – Aktivisten sowie diejenigen, welche die Medien mit dem Lügenpresse-Vorwurf belegen. Er spricht von »Hass-Blogs, Hass-Mails, Hasskommentaren« sowie von tätlichen »hasserfüllten Angriffen« auf Journalisten bei Demonstrationen und Kundgebungen. Weder gibt es eine sachliche Analyse darüber, warum soviel Kritik (eben nicht nur »Hass«) in der Bevölkerung gegenüber den Massenmedien vorhanden ist, noch eine schonungslose und ehrliche Selbstreflektion über den aktuellen Zustand von Berufsjournalisten und Leitmedien. Weiterlesen
»Biste auch bei WhatsApp?«
X: »Nein.«
Z: »Und wieso nicht?«
X: »Ich habe kein smartphone.«
Z: »Ist Deins kaputt gegangen? Oder haste es verloren? Ich hab noch ein altes, das ich Dir geben kann, wenn Du willst?«
X: »Nein, danke. Ich will keins.«
Z: »Was? Aber wieso denn nicht?«
X: »Weil ich so ein Ding nicht brauche.«
Z: »Aber wieso denn nicht? Die Teile sind doch voll cool, ey! Damit kann man sich Nachrichten, Fotos, Bilder und Videos schicken, unterwegs surfen, spielen, telefonieren, Filme gucken, Musik hören...«
X: »...sich überwachen und ausspionieren sowie die eigene Ruhe, Stille und Konzentration rauben lassen, ständig erreich- und verfügbar sein müssen, mit belanglosem Social Media Geblubber sowie infantilen Kinderspielchen die Zeit totschlagen. Nein, ich brauche kein smartphone.«
Z: »Versteh ich nicht.«
Kommerzielle Gefühlsduselei
Mehr als 42 Millionen Views hat der EDEKA Weihnachtsclip (#heimkommen) auf youtube.com generiert. In den ersten zehn Tagen nach der Veröffentlichung wurde das Video insgesamt rund 2,5 Millionen Mal über Facebook, Google und das Web geteilt. Mehr als 13.000 Kommentare auf youtube.com menscheln jauchzend vor sich hin und sind emotional entzückt, ob der schwülstigen Achterbahnfahrt, hinter der ein kommerzieller Discounter steht. Die immense Reichweite beweist (wieder einmal), wie leicht und wie einfach die Masse mit Emotionen zu besänftigen ist. Denn die Fleischskandale von EDEKA, die Mitarbeiter-Überwachung des Unternehmens sowie der Verkauf von giftigen Textilprodukten interessieren längst nicht so viele Herzschmerz-Menschen, wie ein gefühlsduseliges und schmalziges Werbevideo. Weiterlesen
Informationskrieg
Jeder, der die offizielle Darstellung von 9⁄11 anzweifelt, die USA, Israel oder die NATO kritisiert, wird in der wissensneutralen Wikipedia als Verschwörungstheoretiker, Antisemit oder Populist diffamiert und mit rechtsradikalen Holocaustleugnern in einen Topf geworfen. Der Musiker Xavier Naidoo und die ehemalige Moderatorin Eva Herman tauchen dort beispielsweise in einer Verschwörungstheoretiker-Liste auf, zusammen mit den Holocaustleugnern Ernst Zündel und Mahmud Ahmadinedschad. Es würde mich nicht wundern, wenn hier mitunter die »Dienste« aktiv sind, um missliebige Personen zu diskreditieren.
Das die anonymen Wikipedia-Autoren häufig alles andere als wissenschaftlich-objektiv agieren, zeigt dieser Film exemplarisch anhand von Daniele Ganser:
Nebenbei: »Wikipedia-Administrator betrieb wohl mit mindestens zwei Accounts PR für Pharmakonzern Merck.«