Erziehung zur Menschenverachtung

elternbriefeVor einiger Zeit saß ich im Wartezimmer eines Kinderarztes und las die Elternbriefe. Eine Initiative der katholischen Kirche, die nach eigener Aussage: »dazu beitragen (wollen), dass das Leben in Ehe und Familie gelingt. [...] Erarbeitet werden die Briefe von einem Team von Fachleuten: Erziehungsberatern, Ärztinnen, Theologen, Journalisten.« Klingt auf den ersten Blick unverfänglich und nobel. Als ich jedoch im Elternbrief Nr. 35 die Experten-Vorschläge gelesen habe, wie man als Eltern auf die Frage des Kindes »Warum sitzt der Mann auf dem Bürgersteig« reagieren sollte, kam mir die Galle hoch. Weiterlesen →

Der Anschlag (22)

anschlag_teaserAb sofort dürfen Reformhäuser, Drogerien und Bioläden keine alternativen Naturprodukte mehr verkaufen. Dies gelte für bittere Aprikosenkerne, Chia-Samen und Shitake-Pilze ebenso, wie für Teebaumöl und Aloe Vera – Produkte. Kurz nach Bekanntwerden der Meldung stiegen die Aktien der Pharmakonzerne Novartis, Bayer, Merck, Sanofi und Pfizer.

Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner Neujahrsansprache bekannt gegeben, dass Deutschland ab sofort der 51. Bundesstaat der USA und damit direkt an die Anordnungen aus Washington gebunden sei.

»Armut lohnt sich!« – unter diesem Motto veranstaltet der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zusammen mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und den Arbeitgeberverbänden von Gesamtmetall, eine Vortragsreihe zur steigenden Armut in Deutschland. Sie sei besonders wegen dem Prinzip des Lohndumpings zu befürworten.

»Wer wirklich arbeiten will, der findet auch eine Arbeit!«

work_titelTypisches Realsatire-Gespräch zwischen einem Erwerbslosen (E) und einem Lohnarbeiter (L).

L: Und was machst Du so?

E: Viel Lesen, mich mit Freunden treffen, meine Gedanken aufschreiben, meinem Sohn die Welt zeigen, Fahrrad fahren, kulturelle Einrichtungen besuchen...

L: (unterbricht) Ach so, ich meinte jetzt aber wo Du arbeitest?

E: Ich bin derzeit erwerbslos.

L: (heuchelt Mitleid und fühlt sich gleichzeitig überlegen) Oh. Und wie lange schon?

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Der Anschlag (21)

anschlag_teaserLaut seriösen Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wurden ‑durch die Einführung des Mindestlohns in Deutschland seit dem 1. Januar 2015- mehr als 10 Millionen sozialversicherungspflichtige, existenzsichernde Arbeitsplätze vernichtet. Das Institut empfiehlt der Politik dringend, den gesetzlichen Mindestlohn ersatzlos abzuschaffen. Stattdessen sollen allein die Unternehmen die Löhne bestimmen.

Weltweite Psychologie-Experten empfehlen, immer glücklich, zufrieden und optimistisch zu sein. Sachverhalte zu hinterfragen, seinen Chef zu kritisieren oder sich (links-)politisch zu engagieren, würde nur unglücklich machen und berufliche Nachteile mit sich bringen.

Beim Wasserkonzern Veolia ist der Umsatz eingebrochen. Um die Aktionäre zufrieden zu stellen, wird der Dienstleister vor allem in Frankreich, Großbritannien und den USA, das Wasser tagsüber abdrehen und nur noch von 20 bis 21:00 Uhr den Bürgern zur Verfügung stellen. Die entsprechenden Regierungen haben, wegen zu erwartender Proteste, diesbezüglich 50 neue Wasserwerfer bestellt.

Markt – Deutsch

wallcoo.net

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Der Markt ist unser Gott, den wir alle anbeten müssen. Seine Tempel und Kirchen sind Banken und Einkaufszentren. Seine Hohepriester sind Manager, Ökonomen, Unternehmensberater und Aktionäre. Seine Machtsymbole und Insignien sind Anzug plus Krawatte, Geldscheine, Autos und Immobilien. Seine heiligen Schriften sind in der Werbung, in den Massenmedien sowie in Kauf– und Arbeitsverträgen zu finden. Seine Gebote sind Gewinnstreben, Konsumpflicht und Lohnarbeitszwang. Seine Normen und Werte sind Konkurrenz, Wettbewerb, Profit und Eigennutz. Seine Gesetze sind das Wettbewerbs‑, das Eigentums– und das Vertragsrecht. Seine Ketzer sind Konsumverweigerer, Sozialisten, Anti-Materialisten und Gesellschaftskritiker. Zugleich ist der Markt ein Tarnbegriff, um die Profitinteressen des räuberischen Geldadels, hinter einer abstrakten Vokabel zu verstecken. Weiterlesen →

Der rosarote Duckblick

rosa_titelVor einiger Zeit war ich auf einer Eltern-Kind-Reise im nahegelegenen brandenburgischen Wald bei Wandlitz mit vielen anderen Kindern und Eltern unterwegs. Alles in allem war das eine durchaus nette und klassische Angelegenheit mit Lagerfeuer und Stockbrot, im See schwimmen, einen Pferdehof besuchen und so weiter. Es gab weder große Probleme, noch Konflikte (außer einer Horde Mücken :sick: ). Was mir allerdings extrem aufgefallen ist, war das oft völlig übertriebene Positiv-Gequatsche der Eltern. Offensichtliche Dinge, wie beispielsweise das wirklich schäbige Essen der Jugendherberge mit zerkochten Nudeln, Kartoffel-Püree-Pampe, halbgaren Fischstäbchen sowie einer Resteverwertung vom Vortag, wurden nicht kritisch erwähnt, sondern sogar gelobt: »Echt leckeres Essen hier, das muss man schon sagen!« Weiterlesen →

Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (Teil 6)

[Im Cafe]

Herr Meyer: (freundlich lächelnd) Hallo Susi, schön Dich hier zu sehen!

Frau Schulz: (leicht angetrunken. Subtil vorwurfsvoll) Ach, Hallo Ralf, Dich gibt’s ja auch noch. Hast Du schon eine neue Arbeit gefunden oder bist Du immer noch arbeitslos?

Herr Meyer: Ich bin derzeit erwerbslos ja.

Frau Schulz: Muss ja voll langweilig sein. Den ganzen Tag nur Zuhause rum zu sitzen, oder?

Herr Meyer: (fühlt sich genötigt, sich zu rechtfertigen) Ich mache viel Sport, fahre Fahrrad, besuche kulturelle Einrichtungen, gehe spazieren, treffe mich mit Freunden, unternehme viel mit meinem Sohn, engagiere mich in einem sozialen Projekt, lese und schreibe viel. Ich habe genug zu tun. Und ganz ehrlich, Ihr seid doch diejenigen, die im Büro den ganzen Tag vor dem Computer sitzen, oder etwa nicht? Weiterlesen →

Der stille Schrei

»Wenn man ein Gefühl für soziale Gerechtigkeit und Respekt für den anderen hat, kündigt man jeden Job in den ersten fünf Minuten. Also kämpfe ich gegen mich selbst und akzeptiere die Herrschaftsbeziehungen.«

- Mustapha Belhocine. »Mein erster Job im Jobcenter«. Le Monde Diplomatique. Mai 2015. S. 21

Anmerkung: Wenn mich jemand danach fragt, was die ständige Redewendung von Selbstentfremdung durch Lohnarbeit eigentlich konkret bedeuten soll, dann trifft es das obige Zitat in knappen Worten ziemlich genau.

Presseblick (40)

Harald Schumann, investigativer Journalist beim Tagesspiegel und Regisseur der durchaus empfehlenswerten Video-Dokumentation: »Die Troika — Macht ohne Kontrolle« behauptet auf Telepolis: »Wenn man den Mächtigen nach dem Maul schreibt, bekommt man die besseren Honorare.« Völlig richtig. Leider verharmlost auch er die Eigentum- und Machtverhältnisse der Massenmedien, indem er die einseitige Propaganda bei der Russland- und Griechenland-Berichterstattung so kommentiert: »Die Kollegen haben es getan, weil es einfach war. Man konnte sich der Aufmerksamkeit des Lesers und des Zuschauer sicher sein. Es war eine Story.« Von redaktionellen Vorgaben, Selbstzensur, vorauseilendem Gehorsam, Kopfscheren und Atlantik-Brücke-Journalisten ist keine Rede. Denn wer die Eigentumsverhältnisse sowie die zunehmende Gleichschaltung der Massenmedien thematisiert, gehört heute schon zu den Verschwörungstheoretikern. Weiterlesen →

Devote Irrlichter

wirtschaftsnah_titelOder auch: wir impfen euch die Ideologie von reichen Unternehmern, Bankstern und Finanzräubern ein. Wir lehren euch kein unnützes Wissen (Philosophie, Kunst, Literatur, Geschichte), dass euch dazu befähigen würde, selbständig zu denken, Sachverhalte zu hinterfragen oder gar den Kapitalismus zu kritisieren. Nein, wir machen euch zu funktionierenden Lohnarbeitsdrohnen und hämmern euch marktrelevantes (also für Unternehmen nützliches) Fachidiotentum ein. Für Jobs, die es nicht gibt und von denen ihr nicht leben könnt. Noch heute anmelden!

Markt. Wissen. Freiheit. Wirtschaft. Eigenverantwortung. Gerechtigkeit. Wettbewerb. Bildung. Grün. Leistung. Frisch. Chancen. Käsefüße. Eiterpickel. Klabusterbeeren.