»Unsere Demokratie« (8)

1.) Zu allem eine Meinung, aber von Nichts eine Ahnung haben. Ganz viel Haltung, aber zu gleich ganz wenig Wissen. Das ist der heutige Zeitgeist.

2.) Es wird regelmäßig der Überbringer der Nachricht hingerichtet und nicht Diejenigen, die für die Probleme verantwortlich sind.

3.) Wer Fakten benennt, ist übergriffig, hat »diffuse Ängste« oder nur »ein schlechtes Gefühl«.

4.) Heute ist mutig, wer genau das sagt und denkt, was alle sagen und denken.

5.) Hauptsache, wir haben einen inneren Feind (AfD) und einen äußeren Feind (Russland). Die sind schuld. An einfach allem.

6.) »Desinformation« sind Nachrichten und Fakten, die öffentlichen Erzählungen widersprechen. Was Wahrheit ist, bestimmen NATO, Regierung und Tagesschau.

7.) Wer Frieden in Gaza fordert, ist propalästinensisch. Wer Frieden in der Ukraine fordert, ist prorussisch. Wer das anders sieht, ist Putinversteher oder Antisemit.

8.) Eine lebendige, vielfältige und bunte Demokratie ist, wenn ‑in einem vorher festgelegten Rahmen- alle das Gleiche sagen und denken. Alles Andere ist Nazi, Fake und Populismus.

9.) Die Linken sollen bitte nach rechts gucken. Die Rechten sollen bitte auf die Migranten schauen. Aber Niemand darf nach oben blicken!

10.) Nichts hängt mit Irgendetwas zusammen! Alles sind ausschließlich singuläre Ereignisse, Einzelfälle, ohne Kontext, Geschichte oder Hintergrund.


»Unsere Demokratie«

2 Gedanken zu „»Unsere Demokratie« (8)“

  1. Hab gestern einen sehr schönen »Vortrag« von John Cleese aus dem Jahr 1991 zum Thema Kreativität angehört und mit der GoogleAI besprochen. Alles was oben beschrieben wurde, sind typische Eigenschaften des closed mode. Wer sich regelmäßig frägt, in welchem Zustand gerade sein Gegenüber sich befindet und ob er willens und fähig ist den Modus zu wechseln, versteht die Menschen besser. Und dann wundert man sich nicht mehr, dass im Bundestag in Debatten so wenig gelacht wird.

    Was haben Steckdosen mit Politikern gemein?
    Nun, man könnte Steckdosen einfach nur für Steckdosen halten. Man könnte sie aber auch als arme, eingemauerte Schweine bedauern ... was allerdings auf Politiker nicht so richtig zutrifft, denn um sie als arm zu bedauern dafür bekommen sie zu viel Geld.

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