Presseblick (13)

Als erstes gibt es von mir einen ausdrücklichen Lesebefehl zu »Heute CDU/SPD – morgen arbeitslos« auf dem monopoli-Blog. Hier findet ihr eine ausführliche Auflistung aller zukünftigen geplanten Stellenstreichungen von Unternehmen, Konzernen und Banken. Für alle, die noch an der Illusion festhalten, die »soziale Marktwirtschaft« würde euch »Selbstverwirklichung durch Lohnarbeit« ermöglichen. Zieht euch das rein und öffnet euch für Lebens-Alternativen.

In einem Zentrallager von Aldi-Süd wurden Azubis vom Arbeitgeber körperlich gezüchtigt, schreibt SpiegelOnline. Die physische Misshandlung wird hier breit betitelt und zeigt auf, wie rücksichtslos unser Wirtschaftssystem geworden ist. Aber ist sicher nur ein »Einzelfall«. Was ist eigentlich mit der täglichen ökonomischen Erpressung von Millionen ALG2-Empfängern, Mini-Jobbern, Leiharbeitern und Aufstockern? Ist das keine seelische Misshandlung?

Auf taz.de gibt es einen empfehlenswerten Artikel von Uli Hannemann, der nicht nur unser TV-Programm zerreißt, sondern hübsch formuliert, welchen Einfluss und welche Wirkung das Trash-TV auf uns hat: »Das Fernsehen ist unser Fenster zur Welt. Mit zunehmender Erblindung dieses Fensters erblinden auch die Zuschauer.« Sehr viel konkreter wird er dann leider nicht, denn auch die TAZ braucht schließlich Werbekunden.

Presseblick (12)

Das Hamburger Abendblatt titelt reißerisch »Währungscrash bedroht ein Viertel der Menschheit«. Wie wärs mit: »Banken bedrohen mit ihren Geschäften ein Viertel der Menschheit«? Währungskrise, Finanzkrise, EU-Krise, Schuldenkrise, Wirtschaftskrise — es ist und bleibt das Verschulden der Banken und somit: eine Bankenkrise. Die Aufspaltung in viele kleine Einzelkrisen ist eine perfide Taktik um zu verschleiern, dass unser Wirtschaftssystem kollabiert.

Auf netzwertig.com (Blog über Internet-Ökonomie) schreibt Jürgen Vielmeier über die »der Kunde ist König« — Redewendung und darüber, dass Kritik anders formuliert werden müsse: »Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit einer freundlichen Anfrage und der höflichen Verpackung einer Kritik das gleiche, wenn nicht sogar mehr erreicht.« Der typische Vorwurf, die Kritik komme nur nicht an bzw. werde nicht angenommen, weil der Sender, sie nicht richtig kodieren würde, ignoriert die bewusst gewollte Realitätsverdrängung vieler Menschen. Es ist häufig völlig unerheblich, wie blumig, euphemistisch oder gefühlvoll ich eine Kritik verpacke, manche Themen will man einfach nicht hören. Hier wird nur die Verantwortlichkeit auf den Kritiker gelenkt, der ja selbst schuld sei, dass man ihn nicht anhören wolle.

Die Wirtschaftswoche berichtet, dass Unternehmen sich angeblich immer mehr den Shitstorms der User beugen würden und bezieht eindeutig Stellung dagegen: »Doch nicht immer ist es ratsam, alles, was den Kunden nicht gefällt, sofort wieder aus dem Programm zu nehmen. Es kommt drauf an, wie die Marke positioniert ist.« Die Verbraucher schlagen zurück. Nachdem wir Jahrzehnte mit Werbe-Lügen, schlechten Produkten, Endlosschleifen-Service-Hotlines und unfreundlichen Mitarbeitern gequält wurden, werden viele Unternehmen plötzlich ganz empfindlich, wenn ein Shitstorm über sie hereinbricht. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

»Tiere sind besser als Menschen«

Fundamentalisten gibt es in jeder Ideologie. Eher stiefmütterlich behandelt werden die Anhänger von PETA, der Tierschutzorganisation. Auf einem Facebook-Beitrag fragen sie die User: »Ich setze mich für Tiere ein, weil _____________ .« Über 800 Kommentare wurden bisher hierzu abgegeben. Anstatt nun aber unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu kritisieren, die auf Raubbau, Umweltzerstörung, Profitgier und Konsum basieren und letztlich das Fundament für jegliche Tiermisshandlungen darstellen, zeigt sich der kleingeistige Menschenhass der User: »Weil der Mensch die größte Plage und die schlimmste Seuche auf dieser Welt ist«, »sie die besseren Menschen sind«, »Menschen sind zu allem fähig. Tiere sind gerecht«, »keine andere Liebe so bedingungslos ist, wie die von einem Tier«, »Weil Tiere unschuldig sind und nichts böses tun« und so weiter. Hier wird eine überhöhte Moral von Tieren sozial konstruiert, Menschenhass kultiviert und Intoleranz gegenüber all jenen gepredigt, die keine Vegetarier oder Veganer sein wollen. Gibt es etwa eine bessere Welt, wenn wir alle Veganer werden? Ist das die Lösung?

Presseblick (11)

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über gekaufte Facebook-Fans. Auch hier sitzen Menschen in Bangladesh und dürfen für 150 Dollar im Jahr Unternehmen liken: »Wer oft geliket, abonniert oder verfolgt wird, sei es auf Facebook, Youtube oder Twitter, erreicht mehr Kunden. So lautet das Mantra«. Tja, wieder ein Argument mehr, Social Media mit eher skeptischen Augen zu betrachten.

Auf swr.de wird geschrieben, dass die Prager U‑Bahn Obdachlose entfernen will. Polizisten sollen auf »Geruchsstreife« gehen. Nicht die Armut wird bekämpft, sondern die Armen. Ein Vorbild für ganz Europa.
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Copy & Paste Journalismus

Es ist immer wieder »erfrischend« zu sehen, welch hochwertigen »Qualitätsjournalismus« wir in Deutschland haben. Ein Freund sprach vom »kostenneutralen Journalismus«. Redaktionen werden gnadenlos zusammen gestrichen und Redakteure müssen wie am Fließband Artikel raushauen. Was bietet sich da besser an, als von Pressemitteilungen, DPA-Meldungen und von Unternehmen verfassten PR-Artikeln ab- und umzuschreiben? Durch die kaum vorhandene Pluralität können PR-Meldungen besser platziert und gestreut werden. Das ganze Gerede von »vierter Gewalt« ist eine Parodie. Die Bilder sprechen für sich (click to enlarge):

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Bitte abschalten: »Die strengsten Eltern der Welt«

Respekt, Disziplin und Arbeitsgehorsam. Das sind die Werte, welche den Jugendlichen in der Pseudo-Doku-Sozial-Soap auf Sat 1 beigebracht werden sollen. Die Kinder werden zu Gasteltern geschickt, damit sie endlich lernen, gegenüber ihren Eltern und der Familie Respekt zu zeigen, ihren Drogenkonsum zu reduzieren und weniger herum zu hängen. Das vermeintlich faule Jugend-Pack soll ordentlich gedrillt werden. Folglich übergeben die Eltern ihre Kinder für einige Zeit dem TV-Sender Sat 1, der hier als Therapeut und Pädagoge fungiert und die Kinder in eine Art Umerziehungs-Camp verfrachtet. Sie sollen ihre vermeintlich unsoziale Art ablegen und sich allen Anweisungen fügen. Weiterlesen →

Gustl Mollath

Mollath wurde nach sieben Jahren unfreiwilliger Psychiatrie nun entlassen. Seine Behauptung von Schwarzgeld-Geschäften der Hypovereinsbank, haben sich inzwischen als wahr erwiesen. Die Massenmedien, die damals fast alle mit an der »Verschwörungstheorie« gebastelt haben, wollen das nun als großen Gewinn für den Rechtsstaat verkaufen: »Doch jetzt zeigt das Oberlandesgericht Nürnberg mit seiner Entscheidung, dass genau diese Justiz zur Selbstkorrektur in der Lage ist«, schreibt Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung.

Die gleiche verkommene und gekaufte Justiz, die ihn dort hinein gebracht hat, soll sich nun »gereinigt« haben? Die Bundestagswahlen sowie der zunehmende öffentliche Druck sind wohl eher die Gründe für seine Freilassung. Und ob die korrupten und gekauften Richter, Anwälte, Ärzte, Banker und Politiker, die diesen Mann »vernichten« wollten, weil er es gewagt hatte, gegen eine Bank zu opponieren, nun ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, darf ebenfalls bezweifelt werden. Wer aufklären will und es wagen sollte, gegen Banken und Konzerne vor zu gehen, der wird kaltgestellt (Mollath, Snowden, Assange, Steuerfahnder-Affäre in Hessen etc.).

Presseblick (10)

Auf pressenet.info wird über die »grenzenlose Sexualisierung im täglichen Leben« geschrieben. Wie so oft wird sich moralisch über die »Generation Handyschmuddel« aufgeregt: »Kinder, die Sexualität ähnlich begreifen, wie kurz einen Imbiss nehmen und im reichhaltigen Angebot wühlen, lassen die Empathie für den anderen weit hinter sich zurück«. Treffender Satz, wenn auch ohne tiefergehende Analyse. Die Sexualisierung der Gesellschaft ist untrennbar mit der Kommerzialisierung des öffentlichen und privaten Lebens verknüpft. In Deutschland macht die Sexindustrie ca. 14 Milliarden Umsatz jährlich. Den verantwortlichen Profiteuren ist es dabei völlig wurscht, welche Folgen die grenzenlose Sexualisierung bei unseren Kindern haben könnte. Hauptsache die Kasse klingelt.

Die Wolfsburger Allgemeine berichtet, dass 35.000 Tonnen Schimmel-Mais, welches zuerst deutsche Höfe aus Serbien bekommen haben, nun in die USA weiter verschifft wird: »nun ist das verseuchte Futtermittel auf dem Weg in die USA. Dort darf der Mais an Tiere verfüttert werden, weil andere Grenzwerte gelten als hierzulande [...] Damit endet das monatelange Gerangel um die Entsorgung des mit dem krebserregenden Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 belasteten Futtermittels«. Das nennt man dann wohl »freie Marktwirtschaft«. Irgendjemand wird sich immer finden, dem wir unseren Dreck verkaufen können. Weiterlesen →

Presseblick (9)

Nun werde ich doch tatsächlich gezwungen, den »Künstler« Bushido zu verteidigen. Danke, liebe Politik! Die Frankfurter Rundschau, und mit ihr etliche andere Medien, berichten darüber, dass der »Poet« mit »hasserfüllten Hasstiraden« (Hass, Hass, Hass) den Tod von Politikern besungen hätte. Die Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), Elke Monssen-Engberding, prüfe nun ein Verbotsverfahren der CD. Bushido macht das, was er kann: provozieren und damit Aufmerksamkeit erregen, um seine Verkäufe anzukurbeln. Nur die heuchlerische Doppelmoral von Politik und BPjM ist schwer zu ertragen. Wo war der Aufschrei bei Thilo Sarrazin’s Menschenhetze?

Das bringt mich gleich zum nächsten Thema. Auf taz.de gibt es ein Interview mit Franz Allert, der zuständig für die Unterbringung von Flüchtlingen in Berlin ist: »Ich muss mich tagtäglich rechtfertigen, dass ich eine gesetzliche Aufgabe wahrnehme«. Er wundere sich über die zunehmende Verachtung der Bevölkerung gegenüber Ausländern und Asylsuchenden. Thilo Sarrazin, zunehmende Armut, eine größere soziale Schieflage und den offensichtlichen Abbau der Restdemokratie in Deutschland, bringen wohl eher selten ausgeglichene und friedliebende Menschen hervor. Wer die Zusammenhänge hier sehen will, sieht sie auch. Weiterlesen →

„Was in Nordkorea die Kims, sind in Südkorea die Lees“...

...schreibt Martine Bulard in der aktuellen Le Monde Diplomatique im Artikel »Alles von Samsung«. Der hervorragende Beitrag beschreibt ausführlich die Machenschaften, Strukturen und Arbeitsverhältnisse beim südkoreanischen Großkonzern Samsung. Während sich viele Deutsche in einem religiös-banalen Glaubenskrieg, zwischen der vermeintlichen Qualität von Apple- oder Samsung-smartphones ergießen, weiß kaum jemand, welchen Einfluss der Konzern in Südkorea hat und mit welch eisiger Hand er das Land regiert. Und: was man eigentlich mit dem Kauf von Samsung-smartphones unterstützt und fördert. Weiterlesen →