Zecken als Biowaffen?

»Das US-Repräsentantenhaus hat das Pentagon aufgefordert zu untersuchen, ob das Militär zwischen 1950 und 1975 mit Zecken als biologische Waffen experimentiert hat. Die interne Aufsichtsbehörde des Verteidigungsministeriums müsse klären, ob Biowaffenprogramme des Militärs Zecken und andere Insekten gezielt mit Borreliose infiziert hätten.«

Junge Welt vom 19. Juli 2019

Anmerkung: Fake News, Populismus und Verschwörungstheorien wohin man nur schaut! Es ist wirklich unfassbar! Demnächst kommen sie noch auf die Idee, dass der »Zwischenfall von Tonkin« gelogen, die NSA die gesamte Weltbevölkerung überwacht oder die CIA in der Vergangenheit weltweit Regierungen geputscht, sich durch Drogen finanziert oder mit kriminellen Organisationen zusammengearbeitet hätte. Unglaublich! :) :) :)

Pressefreiheit?

»Anzeigenkunden stellen Forderungen, der Übergang zur Prostitution ist schleichend.«
(Gabor Steingart am 10. Mai 2019 auf meedia.de)

»Um den Bruch mit den Medien zu verstehen, muss man sich klarmachen, dass für den Journalismus die Nähe zu den Mächtigen überlebensnotwendig ist, um gegenüber der Konkurrenz zu bestehen.«
(Jun Branco. »Julian Assange — erst gefeiert, dann fallen gelassen«. Le Monde Diplomatique. Mai 2019. S. 21) Weiterlesen →

Intelligent Aussehen

»Dass man Menschen nicht nach ihrem Aussehen beurteilt, darauf haben wir uns zum Glück geeinigt. [...] Die Leute sehen nicht mehr ein, dass Schönheit von außen definiert wird und dann auch noch zum persönlichen Vor- oder Nachteil genutzt werden kann. [...] Zum großen Teil sind Geschäftsführerinnen, CEOs, Managerinnen, Künstler, Wissenschaftlerinnen vor allem eines, nämlich cleverer als ihre Konkurrenz.«

»Schon ein bisschen blöd«. Eine Kolumne von Ronja von Rönne. zeit.de vom 21. Juni 2019

Anmerkung: Habe ich was verpasst? Im digitalen Narzissmus-Social-Media-Verdummungs-Zeitalter, bei dem ständig alle ihr Aussehen digital inszenieren, ist Aussehen nicht mehr so wichtig?  Intelligent sei, wer beruflich erfolgreich ist? Intelligent sei, wer das zufällige Glück hatte in einem vermögenden Elternhaus geboren zu sein? Intelligent sei, wer sich gut verkaufen (also gut blenden) kann? Soll das eine intelligente Kolumne sein oder nur die herrschenden Zustände zementieren? Ich bin überfordert! :shock:


Marktintelligenz

Die SEO-Filter-Bubble (2)

Die devote Google-Hörigkeit (SEO) sämtlicher Online-Medienportale geht mir weiterhin gehörig auf den Sack! Warum? Weil überall Nicht-Nachrichten, Gerüchte, Spekulationen, Filterblasen und Echokammern erzeugt werden, nur damit man beim Suchmaschinenranking weit vorne steht. Es wird nicht mehr geschrieben, was Redakteure für relevant halten oder was den Leser interessieren könnte, sondern das, was der Google-Algorithmus vorgibt und belohnt. Es gibt mittlerweile unendlich viele Artikel und Beiträge im Internet, die absolut keine handfesten Infos, News oder Daten mehr beinhalten, sondern nur Keyword-und-Textbaustein-Dropping im Spekulations-Mantel betreiben. Natürlich im vemeintlich attraktiven Schablonen-Rahmen für Google. Und damit es nicht sofort auffällt, dass man absolut keine neuen Informationen oder News hat, bedient man sich gerne solcher Formulierungen: Weiterlesen →

Zwei Meldungen: Eine Ideologie

Kleine, aber feine Nuancen lassen erkennen, wie die herrschenden Narrative und Meinungen gestrickt sind. In beiden Fällen geht es um Kritiker der jeweiligen Regierungen. Wortwahl, Sprache, Zitierregeln und subtile Zwischentöne lassen einiges erkennen.

»USA beantragen offiziell die Auslieferung von Julian Assange«
(zeit.de vom 12. Juni 2019)

In dem Artikel geht es vor allem darum, was die USA und Schweden ihm vorwerfen: »Insgesamt liegen 18 Anklagepunkte gegen Assange vor.« Assange wird als »Aktivist«  (und eben nicht als Whistleblower oder gar Investigativjournalist) bezeichnet, außerdem sei er »geflüchtet« und habe sich »verschanzt«. Mutig klingt anders:

»Kremlkritiker Nawalny bei Kundgebung in Moskau festgenommen«
(zeit.de vom 12. Juni 2019)

Er ist: »Russlands führender Oppositioneller«, »ein Wortführer der Massenproteste« und ein »Investigativjournalist«. Zitiert werden hier das Bürgerrechtsportal OWD-Info sowie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), aber eben nicht die offizielle Regierung, wie im Falle Assange. Statdessen: »wegen angeblichen Drogenhandels festgenommen.«

Auch ich weiß nicht, was stimmt und was nicht. Aber ich möchte gerne eine absolut neutrale und sachliche Berichterstattung in beiden Fällen lesen. Stattdessen: Parteilichkeit, tendenziöse Berichterstattung, Meinungsmache. Solche Details finden in den NATO-Medien beispielsweise gar nicht mehr statt: »Amerikanische Lehrer fordern Freilassung von Julian Assange und Chelsea Manning.«

Die binäre Bewertung

Die SEO-Algorithmen von Google, Amazon, Facebook und vielen anderen digitalen Portalen produzieren und fördern ein moralisch totalitäres Denken. Denn um Big Data besser verwerten zu können, gibt es häufig nur 0 oder 1. Sämtliche Grauzonen, Differenzierungen und tiefergehende Analysen, verschwinden in der öffentlichen Bewertung und Wahrnehmung von Ereignissen. Bist Du dafür oder dagegen? Brexit? Impfen? EU? Abtreibung? Uploadfilter? Weiterlesen →

Qualitätspresse

Warum die meisten Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, mittlerweile PR- und Presseberater haben und tunlichst darauf bedacht sind, was sie wann und wo der Presse sagen, zeigt das Beispiel von Thomas Gottschalk. Er hat sich nach 46 Jahren Ehe scheiden lassen, jedoch öffentlich keinen Grund dafür genannt (Warum auch?). Nachdem die Boulevard- und Klatschpresse ihn im April 2019 tagelang bedrängt hatte, war es ihm zuviel:

»Die Leser irgendwelcher Weiberzeitungen, die gehen mir wirklich am Arsch vorbei.«

Nun hatten die Qualitätsmedien zwar immer noch keine Begründung für die Scheidung, aber endlich endlich endlich (!!) eine zitierfähige Aussage, die polarisiert, provoziert, Aufmerksamkeit und Reichweite erzeugt. Denn nur darum geht es. Google spuckt fast 35.000 Ergebnisse dazu aus. Außerdem kann man daraus wiederum tolle, irreführende Clickbait-Überschriften generieren:

Thomas Gottschalk nach Ehe-Aus: Wer ihm »am Arsch vorbei geht«
»Am Arsch vorbei«: Gottschalk im ersten Interview nach Ehe-Aus
Thomas Gottschalk zieht vom Leder

Das ist nur ein Beispiel von sehr vielen Methoden (zitierfähige Aussagen herauspressen, aus dem Zusammenhang reißen und damit Clickbait-Überschriften produzieren), die unsere Konzern‑, Lücken‑, Produkt‑, Wahrheits‑, Qualitäts- und Systempresse verwenden, um Aufmerksamkeit und Reichweite zu generieren. Um Wahrheitsfindung oder Informationsvermittlung geht es schon lange nicht mehr.


Die SEO-Filter-Bubble
Replik auf: »Journalismus unter Beschuss«

Die Schmutzverteidiger

»Im übrigen gilt ja derjenige, der auf den Schmutz hinweist, als viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.«

Kurt Tucholsky

Die Kriminalisierung und Diffamierung aller (in der Öffentlichkeit stehenden) Industrie‑, Banken‑, Konzern- und Regierungskritiker ist ein antidemokratisches, aber leider übliches Herrschaftsinstrument. Auch und gerade in Deutschland: Putinversteher, Verschwörungstheoretiker, Populist, Antisemit, Extremist, Geheimnisverräter oder Aluhut, sind nur einige der Bezeichnungen, die Kritiker mundtot machen sollen, bevor man sie (strafrechtlich) verfolgt oder gegebenenfalls anderweitig ausschaltet. Ein paar prägnante Beispiele: Weiterlesen →

Abschlussbericht: Claas Relotius

Jury des Deutschen Reporterpreises 2018 über Claas Relotius: “Von beispielloser Leichtigkeit, Dichte und Relevanz, der nie offenlässt, auf welchen Quellen er basiert.”

Der SPIEGEL hat am 24. Mai 2019 einen 17-seitigen Abschlussbericht ihrer dreiköpfigen Aufklärungskommission veröffentlicht. Die Kommission besteht aus: Clemens Höges (kommissarischer Blattmacher), Stefan Weigel (Nachrichtenchef des SPIEGEL) und Brigitte Fehrle  (frühere Chefredakteurin der »Berliner Zeitung«). Der Bericht kann hier in PDF-Form heruntergeladen werden. Schauen wir uns die interne Aufklärung einmal genauer an. Weiterlesen →

Game of Thrones

Alle Welt redet, spricht und empört sich ‑völlig zurecht- über die 8. Staffel von »Game of Thrones« (GoT). Ich möchte an dieser Stelle gar nicht groß in die Diskussion über mieses Writing, schlechte Drehbücher, Kitsch und unglaubwürdige Charaktere einsteigen, das haben andere schon sehr gut und ausführlich beispielsweise hier (serienjunkies.de, mehr als 150 Kommentare) und hier (gamestar.de, mehr als 400 Kommentare) getan. Für mich bringt allein ein kurzer Satz im Serienfinale von Tyrion Lannister das ganze Dilemma hervorragend auf den Punkt (ca. 23. Minute):

»Mein Vater war ein böser Mann. Meine Schwester war eine böse Frau.«

Das ist Marvel‑, Disney- und Kinderbuch-Niveau. Sechs Jahre lang wurden in GoT Geschichten, Handlungen und Charaktere aufgebaut, die nie nur böse oder nur gut waren. Jeder Charakter hat gute und auch böse Taten vollbracht. Handlungen und Entscheidungen hatten vielmehr (auch und vor allem komplett überraschende) Konsequenzen, die sich schwer in moralisch totalitäre Kategorien wie gut und böse einordnen ließen. Genau diese Betrachtung unterscheidet eine infantil-banale Weltsicht, von einer reifen und erwachsenen Analyse.

Die intelligente Perspektive, dass die Welt mit all ihren Ereignissen und Charakteren grau und differenziert betrachtet werden sollte (Oder besser gesagt: »Jeder hat eine Leiche im Keller!«), haben Serien wie »Breaking Bad«, »die Sopranos« und auch »Game of Thrones« so erfolgreich gemacht. Es gibt eben Interessen, Bedürfnisse und Ziele, die entsprechende Handlungen und Entscheidungen erfordern und damit Konsequenzen hervorrufen. Allein der Begriff »böse« tauchte niemals in GoT in irgendeinem Dialog auf. Und das aus gutem Grund.