Über Ostern 2024 haben wir unsere erste Deutschlandticket-Challenge absolviert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Berlin. Schwerin. Hamburg. Bremen. Freunde besucht. Städte angeschaut. Natürlich haben wir damit gerechnet, dass am Wochenende ‑und insbesondere an den Feiertagen- die Bahn voll sein wird. Aber was uns da erwartet hat, waren Verhältnisse aus einem Entwicklungsland. Brechend volle Züge. Stundenlanges Stehen. Nachvollziehbar gereizte Fahrgäste. Verspätungen. Verpasste Anschluss-Züge. Keine einzige entspannte Zugfahrt.
Strecken mit mehreren Umstiegen, die laut Fahrplan insgesamt ca. 4 Stunden dauern sollten, wurden schnell zu 6 Stunden und mehr, da mindestens immer ein Zug zu spät kam. Sicher, die Klagen über die legendäre Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn sowie über die verrottete Infrastruktur sind seit Jahrzehnten bekannt. Das Deutschlandticket ist von der Idee her eigentlich ganz nett. Aber eben nicht bei dieser maroden Personal- und Infrastruktur sowie der chronischen Weigerung hier endlich zu investieren, anstatt nur zu sparen und zu kürzen, weil man dem neoliberalen Gott nicht abschwören will.
Wie die grünen Träumer hier auf die Idee gekommen sind, so den Menschen das Auto abzugewöhnen, ist mir mehr als schleierhaft. Jeder, der einmal das stundenlange Sardinen-Rodeo mitgemacht hat, wird danach sagen: »Nie wieder Deutschlandticket! Ich fahre jetzt nur noch mit dem Auto!« Danke, liebe grüne Weltverbesserer. So nicht!



Neulich lauschte ich einem Gespräch zwischen zwei Studentinnen. Ich fuhr im selben Zugabteil. Sie unterhielten sich über: Professoren. Scheine. Karrieremöglichkeiten. Studenten-WG´s und ‑Partys. Kerle. Den Campus. Oder wie ihre Eltern ihr Studium finanzierten. Nur worüber sie gar nichts sagten, waren Inhalte aus ihren jeweiligen Studienfächern. Bücher. Autoren. Theorien. Thesen. Interessante Ideen. Nichts davon.
Moralisierende Aktivisten hassen sachliche Analysen und nüchterne Argumente. Mit Ad Hominem, Kontaktschuld, Lagerdenken und Buzzwords können sie umgehen. Das ist ihr Spielfeld. Kriterien wie Verhältnismäßigkeit, Kontext und Rechtmäßigkeit, sind ihrer emotionalen Beweisführung komplett im Weg. Es gilt, aktivistische Haltungs-Standpunkte mit aller Gewalt durchzudrücken. Ohne Rücksicht. Selbst wer sich als politisch non-binär bezeichnet, gilt als Feind. Denn wer nicht für uns ist, ist gegen uns.
Es gab viele Menschen, die im März 2020 ein mulmiges Gefühl und einen schwer zu fassenden Klumpen im Magen hatten. Irgendetwas fühlte sich seltsam an. Vieles passte nicht zusammen. Das hatte weniger mit der allgemeinen Unsicherheit und Aufregung, als vielmehr mit einer autokratischen und totalitären Haltung zu tun, die jede Widerrede und jedes gute (Gegen-)Argument sofort zum Schweigen gebracht hat.