Als Mut bezeichnet man eine vermeintlich tapfere Handlung oder Entscheidung, die persönliche Gefahren oder Nachteile mit sich bringen kann. Der Mutige schreitet voran, stellt sich seinen Ängsten sowie den äußeren Widerständen und geht ein oft unberechenbares Risiko ein. Der Held durchbricht den lähmenden Ist-Zustand und will eine Verbesserung nicht nur für sich, sondern für viele Menschen erreichen. Es ist nicht primär sein Ziel berühmt zu werden, sondern vor allem eine positive Veränderung herbei zu führen. In der Menschheitsgeschichte seien hier exemplarisch Nelson Mandela, Gandhi, Martin Luther King, Che Guevara oder Edward Snowden genannt. Heute gilt jemand als wagemutig, wer sich gut inszenieren kann, wer seine Individualität und Authentizität zu den Anforderungen von Unternehmen verbiegen lässt und wer bequem auf seiner Couch einen digitalen Shitstorm startet. In meinen Augen ist das alles nicht mutig, sondern feige. Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Gedanken
Neulich Zuhause

© epikur
epikur: Hallo Herr XY, es ist 2:00 Uhr in der Nacht und ich kann wegen ihrer lauten Musik nicht schlafen! Könnten Sie sie bitte ausmachen oder zumindest leiser stellen?
Nachbar: (gereizt) Die ist doch schon total leise! Außerdem ist Wochenende! Und wenn Sie sich unbedingt beschweren wollen, dann sagen Sie mal was zu den Leuten, die nachts ihren Müll so laut wegwerfen. Das hört man im ganzen Haus!
epikur: Ich muss morgen früh um 5:00 Uhr aufstehen und arbeiten gehen, also in drei Stunden. Davon abgesehen gibt es eine gesetzliche Nachtruhe von 22:00 bis 7:00 Uhr. Auch am Wochenende. Sie können gerne tagsüber ihre Musik aufdrehen, aber bitte nicht in der Nacht. Ich höre Ihre Musik in meiner Wohnung laut und deutlich. Könnten Sie sie jetzt bitte leiser stellen oder ausmachen, damit ich schlafen kann? Weiterlesen
Für Ihre Sicherheit!

Ihr Geld ist auf der Bank sicher (Angela Merkel).
Ihre Daten sind bei uns sicher (Microsoft).
Ihre Rente ist sicher (Norbert Blüm).
Die vernachlässigte Frau
In Literatur, Popkultur sowie in der Serien- und Filmbranche gibt es eine immer wiederkehrende Erzählung, wenn es um Konflikte in der Familie oder in der Ehe geht: der karrieregeile Ehemann, der seine Arbeit mehr liebt als seine Frau und seine Kinder. Er ist kaum noch zuhause und wenn, dann redet er nur von seiner Arbeit, wirkt ständig abwesend, springt jedoch sofort an sein Telefon, wenn sein Vorgesetzter nach ihm verlangt. Frau und Kinder fühlen sich vernachlässigt, sie lässt sich irgendwann scheiden (er/sie gehen fremd) und es folgen nicht selten längere Konflikte, Sorgerechts- und Psychokriege. Schuld an allem ist –wie könnte es auch anders sein- vor allem der Mann. Weiterlesen
»Zeit für ein gutes Gespräch«
Meine Bank mag mich. Oder besser: mein Geld. Zugegeben, es ist nicht viel –also eigentlich sogar erbärmlich wenig- aber Kleinvieh macht eben auch Mist, nicht wahr? Nun habe ich im Januar und im Februar einen Brief von meiner Bank mit dem Betreff »Zeit für ein gutes Gespräch« bekommen. Eine gewisse Birgit Kornatz, Leiterin für Kundendialog, möchte mit mir über meine Finanzen sprechen und mir ein Konzept erstellen. Schließlich hätte ich ja »Ziele und Wünsche«, die natürlich nur rein materieller Natur sein können. »Kredite, Versicherungen und Altersvorsorge« sollen hierfür der beste Weg sein, laut Frau Kornatz.
Viele fragen sich vielleicht, warum ich darüber einen Gedanken oder eine Zeile verschwende? So ticken halt die Banken, das sei eben ihre Sprache und nur ein banaler Werbebrief, ab damit in den Papierkorb und fertig. Ja, Geld ist für elementare Grundbedürfnisse relevant. Aber ich will und werde mir durch solche Texte nicht subtil einreden lassen, dass Ziele, Wünsche und Bedürfnisse im Leben stets eine rein monetäre Natur haben sollen. Das würde den Banken so passen.
Vielleicht möchte ich meine Kinder gut erziehen? Vielleicht möchte ich ein ausgeglichener und in mich ruhender Mensch sein und werden? Vielleicht möchte ich neuen Dingen immer aufgeschlossen gegenüber stehen? Vielleicht möchte ich aufrichtig lieben? Vielleicht möchte ich meinen Prinzipien, Idealen und Normen stets treu bleiben? Vielleicht möchte ich stets schöpferisch aktiv sein?
Fressen als Fetisch
Kochsendungen mit und ohne Promis, Kochbücher auf den Bestseller-Listen, Foodblogger und Food Events wie die Berlin Food Week, Erlebnis-Restaurants (wie beispielsweise das Dunkelrestaurant) oder der Billig-Italiener um die Ecke, Dinner Shows, Restaurant-Kritiker und Bewertungsportale wie yelp.de, Ernährungstipps und Trainer, Gourmet-Köche, dogmatische Vegetarier oder fanatische Veganer, Fast Food – Jugendhype, Magersucht-Kotz-Models, Kino-Popcorn-Reinstopfer, Omas Kochkünste, Bio-Besseresser, Kochduelle, Diät-Wahnsinn oder dutzende Rezepte-Webseiten: essen und kochen ist für viele Menschen nicht einfach nur ein Grundbedürfnis des Körpers, sondern Leidenschaft, Obsession und Fetisch. Weiterlesen
Neulich im Schwimmbad
In Ruhe seine Bahnen ziehen, ist schon lange kein Vergnügen mehr, sondern eher eine Herausforderung geworden. Das Schwimmbad in meiner Nähe, welches ich in 15 Minuten per Fußweg erreiche, ist voller Treibholz und Schwimmbojen. Ältere Damen jenseits der 60 segeln fröhlich mit Stehgeschwindigkeit im Duett oder im Trio nebeneinander (!!) her, schwatzen entspannt über das Wetter, Krankheiten und vermeintliche Familienprobleme. Schimpfen jedoch sofort los, wenn man es wagen sollte, sie zu überholen oder wenn sie einen Tropfen Wasser, beispielsweise durchs Kraulschwimmen, abbekommen. Senioren üben sich im Rückenschwimmen und drängen alle Hindernisse, also andere Menschen, rücksichtslos ab: »Oh, Entschuldigung!« Na klar. Dabei bin ich derjenige, der ständig am ausweichen ist und Rücksicht nimmt. Sie alle haben aber schließlich Eintritt bezahlt und nun das Recht erworben, sämtliche Bahnen mit ihrem Egoismus zu blockieren.
Bis 15 Uhr kostet der Eintritt 3,50 Euro, danach 5,50 Euro. Das tolle: ab 15 Uhr fängt auch der Parallelbetrieb an. Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene, Aqua-Fitness und so weiter. Man darf also ab 15 Uhr mehr als 50 Prozent des Grund-Eintrittspreises draufzahlen und bekommt dafür dann weniger Schwimmfläche zur Verfügung als vor 15 Uhr. Als ich die Badeaufsicht auf diese absurde Logik hinweise, macht sie auf unschuldig: »Ich bin dafür nicht verantwortlich.« Das stimmt sogar. Verantwortlich sind die politischen Budget-Kürzungen für Bildung, Kultur und Soziales. Irgendwie müssen die Milliarden, die man den Banken geschenkt hat, ja wieder eingetrieben werden. Schwimmen wird zunehmend zu einer privilegierten Freizeitbeschäftigung.
Gott ist tot? Mitnichten!
»Nun lobt den Markt, der Wunderbares auf der Erde vollbringt, der einen Menschen erhöht vom Mutterschoß an und an ihm handelt nach seinem Gefallen. Er gebe euch Weisheit ins Herz und der Friede sei mit euch.«
- Das Buch Jesus Sirach. 50,16 – 51,13. Das Alte Testament. (Gott durch Markt ersetzt).
Anmerkung: In den Massenmedien wird behauptet, die meisten Menschen in Deutschland stehen den Religionen (besonders dem Islam) eher skeptisch gegenüber. Und seit 1970 gebe es einen Mitgliederschwund bei den christlichen Volkskirchen in Deutschland. Der Glaube an Gott und an die Religionen wurde jedoch nur ersetzt durch unsere Verehrung an den unfehlbaren Gott-Markt-Leviathan. Geld ist unser Götze. Die Werbung der Psalm. Die Shopping-Center unsere Tempel. Profitmaximierung das oberste Gebot. Die unsichtbare Hand der Heilige Geist.
»Und plötzlich war er da: der Krieg«
Wir saßen gerade beim Abendbrot, als der Horror über uns kam. Ein kurzes Donnergrollen, laute Explosionen und dann begann die Feuersbrunst. Meine Frau war sofort tot und mein achtjähriger Sohn blutüberströmt. Weiterlesen
Verdammte Kacke
Ungefähr einmal im Monat trete ich in Hundescheiße. Wie kann man nur so blöd sein, fragen sich jetzt sicher einige? Tja, wenn man viel in Parks, am Rande von Spielplätzen, im Dunkeln sowie nachts unterwegs ist und dann noch in einer Gegend wohnt, wo gefühlt mehr Hunde als Menschen leben, passiert das eben häufiger mal. Was beim ersten und zweiten Mal ein inneres »Na gut, Pech gehabt« hervorruft, fängt spätestens beim dritten Mal an, richtig ab zu stressen.
Ich werde jetzt auch nicht zum Hundehasser. Denn wenn jemand für den Dreck verantwortlich ist, dann die egoistischen Halter. Ohne Rücksicht, auf irgendwas oder irgendwen, lassen sie ihre Vierbeiner Parks, Gehwege und Spielplätze zuscheißen. Wie gerne würde ich mal einem solchen ignoranten Hundefreund vor, oder besser noch: in die Wohnung kacken. Einen schönen dicken Haufen nach einem leckeren Chicken Curry. Widerlicher als der Kotgestank selbst, ist nur dieses Verhalten der vermeintlichen Tierfreunde.
Viele Katzen meiden das Katzenklo, wenn es nicht sauber ist, da sind sie (zurecht) sehr eigen. Wir Menschen aber lassen uns unsere Infrastruktur freiwillig von den Kläffern vollkacken? Irgendetwas stimmt hier nicht. Ganz und gar nicht. Wenn ich demnächst ein Herrchen dabei beobachten sollte, wie er die Kacke seines Köters liegen lässt, werde ich ihn ganz höflich fragen: »Entschuldigen Sie, ich habe gerade gesehen, dass die Kackwurst hier ganz frisch ist. Darf ich vielleicht als erster reintreten?«