Notizen einer Eidechse

Gesammelte Gesprächsfetzen in Bus und Bahn (Berlin) vom Juni 2015:

  1. (weiblich, ca. 40 Jahre) Ick hab morjen frei.
  2. (männlich, ca. 45 Jahre) Weeste, wie scheiße dit is? Dat Schjobcenter will mich in ne Maßnahme stecken!
  3. (männlich, unter 20 Jahre, am Telefon) Du Hurensohn, ich ficke Deine Mutter!
  4. (weiblich, ca. 35) Wenn ick wat verbockt hab, dann sach isch dit ooch und mach da nich son heckmeck draus.
  5. (weiblich, unter 20 Jahre) Und dann meinte er so, ich sei ja voll häßlich und so, dabei wolln grad drei Typen wat von mir. Aber ich will keinen, die sind ja alle voll die Opfer (lacht).

Erwartungshaltung

ErwartungPassiv sein. Abwarten. Sitzen. Fordern. Kaum etwas ist so energieraubend, wie Menschen, die nicht sagen können (oder wollen), was sie wirklich möchten. Die auf das Glück und ihr Leben warten, statt es anzupacken. Gleichzeitig sind sie aber sofort mit Vorwürfen zur Stelle, wenn man nicht das sagt oder macht, was sie sich von einem erhoffen. Selbst bei einer direkten (Nach-)Frage wird häufig nicht mit der Sprache rausgerückt. Dennoch wird gejammert, gemosert und genörgelt, ohne einen ehrlichen Willen dahinter, den Status Quo zu verlassen oder seinen Horizont zu erweitern. Weiterlesen →

Aufmerksamkeit als Währung

aufmerksamkeit_titelDie meisten Menschen glauben immer noch, man würde alle Produkte und Dienstleistungen mit Euros bezahlen. Diese Naivität nutzen PR- und Marketing-Soldaten häufig aus, indem sie groß mit umsonst, gratis oder kostenlos werben. Dabei bezahlt man im digitalen Informationszeitalter zunehmend entweder mit seinen Daten, persönlichen Informationen oder auch mit der Aufmerksamkeit und Zeit, die man einer Sache widmet. Der Umtausch zu Euros erfolgt dann häufig still und leise. Hinter den Kulissen. Weiterlesen →

Der rosarote Duckblick

rosa_titelVor einiger Zeit war ich auf einer Eltern-Kind-Reise im nahegelegenen brandenburgischen Wald bei Wandlitz mit vielen anderen Kindern und Eltern unterwegs. Alles in allem war das eine durchaus nette und klassische Angelegenheit mit Lagerfeuer und Stockbrot, im See schwimmen, einen Pferdehof besuchen und so weiter. Es gab weder große Probleme, noch Konflikte (außer einer Horde Mücken :sick: ). Was mir allerdings extrem aufgefallen ist, war das oft völlig übertriebene Positiv-Gequatsche der Eltern. Offensichtliche Dinge, wie beispielsweise das wirklich schäbige Essen der Jugendherberge mit zerkochten Nudeln, Kartoffel-Püree-Pampe, halbgaren Fischstäbchen sowie einer Resteverwertung vom Vortag, wurden nicht kritisch erwähnt, sondern sogar gelobt: »Echt leckeres Essen hier, das muss man schon sagen!« Weiterlesen →

Draußen ist Wetter

Wetter_titel...und zwar das ganze Jahr über! Für viele ist es das Dauer-Jammer-Pseudo-Kommunikations-Thema schlechthin. Schließlich sind wir den Launen des unberechenbaren Wetters schutzlos ausgeliefert. Und es ist etwas, dass wir (noch) nicht kontrollieren können. Und das nervt uns.

  1. Schon wieder ist es so verdammt hundekalt. Man, ich frier mir hier echt alles ab. Und dann ist es auch noch so glatt auf den Straßen. Und ständig muss ich den Frost von meinem Autofenster abkratzen. Zum Kotzen!
  2. Boah, seit Tagen ist es nur am Regnen. Egal wo man hintritt, nur Riesenpfützen und meine Socken sind dauernd durchnässt. Was soll ich da nur anziehen?
  3. Dieser starke Wind zerstört ständig meine Frisur. Und der Straßenstaub bläst mir so stark ins Gesicht. Ätzend!
  4. Uff. Diese Bullenhitze. Ich schwitze wie ein Tier. Und dann noch diese schwüle Luft. Ist ja echt unerträglich.
  5. Jetzt schmilzt der Schnee schon wieder und die Straßen sind voller Matsch. Da muss man ja echt aufpassen, wo man hintritt. Verdammtes Scheiss-Wetter!

Und es gibt Alternativen!

AlternativeEs muss nicht immer gleich die große Revolution oder der Zusammenbruch sein. Letzterer wird sowieso irgendwann kommen, denn in einer Welt mit endlichen Ressourcen, muss der Kapitalismus, der auf unendlichem Wachstum beruht, zwangsläufig eines Tages zusammenbrechen. Auch der kleine Widerstand ist ein Anfang:

Konsumverweigerung. Nur das kaufen, was man wirklich braucht (Essen, Kleidung, Möbel, Gebrauchsgüter etc.). Kaputte Dinge reparieren. Wenn möglich: eigenen Strom produzieren, eigenes Gemüse anbauen. Auf Status-Konsum weitestgehend verzichten. Weiterlesen →

Ohne Profil

charakter_teaserSamtweich-verschmierte Illusionen ohne Dornen der Wahrheit. Erkenntnis-Verdrängungswettbewerbe als Leistungssport. Schmerzbefreite Unterwürfigkeit als vorzeigbare Tugend. Glatt gebügelte Kleinbürger-Idole der wahrhaftigen Verlogenheit. Romantisch verklärte Gefühlsamöben zelebrieren die öffentliche Zwangsharmonie. Als aufklärungsresistentes Massenindividuum die Gemeinschaft zersetzen. Obrigkeitshörig in die Weltvergessenheit ejakulieren.  Sich vorwärts im Kreis drehen und dabei still stehen. Bilder fressen. Emotionen saufen. Im Versinken ertrinken. Ist das Charakter?

Das Schweigen der Lämmer

schweigen

  • Als man meinen Lohn und meine Rente gekürzt hat, habe ich geschwiegen.
  • Als man mich zur Ein-Euro-Zwangsarbeit verdonnert hat, habe ich geschwiegen.
  • Als man die Miet‑, Strom- und Lebensmittelpreise erhöht hat, habe ich geschwiegen.
  • Als man die Bevölkerung wegen den Zocker-Banken enteignet hat, habe ich geschwiegen.
  • Als man mich abgeholt hat, habe ich geschwiegen.

Reden ist Silber. Schweigen ist Gold.