Gesammelte Gesprächsfetzen in Bus und Bahn (Berlin) vom Juni 2015:
- (weiblich, ca. 40 Jahre) Ick hab morjen frei.
- (männlich, ca. 45 Jahre) Weeste, wie scheiße dit is? Dat Schjobcenter will mich in ne Maßnahme stecken!
- (männlich, unter 20 Jahre, am Telefon) Du Hurensohn, ich ficke Deine Mutter!
- (weiblich, ca. 35) Wenn ick wat verbockt hab, dann sach isch dit ooch und mach da nich son heckmeck draus.
- (weiblich, unter 20 Jahre) Und dann meinte er so, ich sei ja voll häßlich und so, dabei wolln grad drei Typen wat von mir. Aber ich will keinen, die sind ja alle voll die Opfer (lacht).
Passiv sein. Abwarten. Sitzen. Fordern. Kaum etwas ist so energieraubend, wie Menschen, die nicht sagen können (oder wollen), was sie wirklich möchten. Die auf das Glück und ihr Leben warten, statt es anzupacken. Gleichzeitig sind sie aber sofort mit Vorwürfen zur Stelle, wenn man nicht das sagt oder macht, was sie sich von einem erhoffen. Selbst bei einer direkten (Nach-)Frage wird häufig nicht mit der Sprache rausgerückt. Dennoch wird gejammert, gemosert und genörgelt, ohne einen ehrlichen Willen dahinter, den Status Quo zu verlassen oder seinen Horizont zu erweitern.
Die meisten Menschen glauben immer noch, man würde alle Produkte und Dienstleistungen mit Euros bezahlen. Diese Naivität nutzen PR- und Marketing-Soldaten häufig aus, indem sie groß mit
Vor einiger Zeit war ich auf einer Eltern-Kind-Reise im nahegelegenen brandenburgischen Wald bei Wandlitz mit vielen anderen Kindern und Eltern unterwegs. Alles in allem war das eine durchaus nette und klassische Angelegenheit mit Lagerfeuer und Stockbrot, im See schwimmen, einen Pferdehof besuchen und so weiter. Es gab weder große Probleme, noch Konflikte (außer einer Horde Mücken :sick: ). Was mir allerdings extrem aufgefallen ist, war das oft völlig übertriebene Positiv-Gequatsche der Eltern. Offensichtliche Dinge, wie beispielsweise das wirklich schäbige Essen der Jugendherberge mit zerkochten Nudeln, Kartoffel-Püree-Pampe, halbgaren Fischstäbchen sowie einer Resteverwertung vom Vortag, wurden nicht kritisch erwähnt, sondern sogar gelobt: »Echt leckeres Essen hier, das muss man schon sagen!« 
...und zwar das ganze Jahr über! Für viele ist es das Dauer-Jammer-Pseudo-Kommunikations-Thema schlechthin. Schließlich sind wir den Launen des unberechenbaren Wetters schutzlos ausgeliefert. Und es ist etwas, dass wir (noch) nicht kontrollieren können. Und das nervt uns.
Es muss nicht immer gleich die große Revolution oder der Zusammenbruch sein. Letzterer wird sowieso irgendwann kommen, denn in einer Welt mit endlichen Ressourcen, muss der Kapitalismus, der auf unendlichem Wachstum beruht, zwangsläufig eines Tages zusammenbrechen. Auch der kleine Widerstand ist ein Anfang:
Samtweich-verschmierte Illusionen ohne Dornen der Wahrheit. Erkenntnis-Verdrängungswettbewerbe als Leistungssport. Schmerzbefreite Unterwürfigkeit als vorzeigbare Tugend. Glatt gebügelte Kleinbürger-Idole der wahrhaftigen Verlogenheit. Romantisch verklärte Gefühlsamöben zelebrieren die öffentliche Zwangsharmonie. Als aufklärungsresistentes Massenindividuum die Gemeinschaft zersetzen. Obrigkeitshörig in die Weltvergessenheit ejakulieren. Sich vorwärts im Kreis drehen und dabei still stehen. Bilder fressen. Emotionen saufen. Im Versinken ertrinken. Ist das Charakter?