Trigger‐Themen

Mit dem Einkaufswagen die Welt retten!

Der neoliberale Habitus (Ich‐Zentrierung, Eigenverantwortung, Wettbewerb etc.) hat es nicht nur geschafft, die wirklich existenziellen Themen im öffentlichen (und privaten) Diskurs zum Verschwinden zu bringen, sondern hat auch zahlreiche Nebelkerzen gezündet und Nebenkriegsschauplätze aufgemacht. Dort darf sich jeder -wie auf einem Spielplatz der Möglichkeiten‐ beliebig austoben und auskotzen. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Trigger‐Themen, bei denen man nur eine Aussage oder These in den Raum werfen muss, um den Bolzplatz zu eröffnen: Trump, Sexismus, Ossi‐Wessi, AfD, Veganismus, Feminismus, Flüchtlinge, Putin, (Trans-)Gender, Nachhaltigkeit und so weiter.

Da rede ich beispielsweise (im beruflichen oder auch privaten Kontext) von der Makroebene und viele kommen aus ihrer Mikroebene nicht heraus. Nur die eigene kleine Ich‐, Familien‐ und Lohnarbeits‐Blase wird als Bewertungs‐ und Analysemuster heran gezogen: »Also bei mir ist das so...«, Ich kenne da einen Fall, wo es so und so ist« Mit immer mehr Menschen ist es schlicht unmöglich, über Strukturen, Gesetze, Rahmenbedingungen und Sachzwänge zu reden. »Eigenverantwortung« beherrscht die Köpfe. »Was kann ich gegen den Klimawandel und gegen Plastikmüll tun?« Dabei sind und bleiben die Industrie und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen das eigentliche Problem. Den überwiegenden Anteil der Treibhausgas‐Emissionen, des weltweiten Mülls sowie der Umweltgifte (»Diesel‐Skandal«) produziert immer noch die Industrie! Darüber will man aber nicht reden.


Neusprech: Bedauerlicher Einzelfall
Hauptsache Ich!

14 Gedanken zu “Trigger‐Themen

  1. Ohne jetzt den Nebenschauplatz von dem Ossi‐Wessi‐Dinge woanders weiter aufmachen zu wollen:

    In den Makroebene zu sehen treffe ich als das häufigste Problem für die Sache an. Wenn du nicht auf der anderen Seite vom eisernen Vorhang aufgewachsen bist, mangelt es den meisten schlicht allein schon an Bildung darüber wie es auf der anderen Seite ablief und wie eigentlich das eigene System auf der anderen Seite funktioniert.
    Es werden mehrheitlich persönliche Erfahrungen rezitiert und Propaganda, die in der Zeit verbreitet wurde, und das dient dann als Totschlargargument für alle Diskussionen. Meistens von Seiten derer, die mit dem Siegersystem und seiner Propaganda ihr Leben lang beschallt wurden. Der Begriff »Besser‐Wessi« kommt daher nicht ganz von ungefähr... Dumm über was sein, aber andere belehren wollen — ganz wie hinterm großen Teich.
    Bei Politik geht es nicht um moralische Überlegenheit, es geht um Strategie. Und genau diese sollte man sich bei diesem Thema angucken — Präsenz als auch Vergangenheit. In dem Dreck wühlen, den die eigene so hoch moralische eigene Seite begangen hat und begeht, und es vor sich selbst zugeben, was das alles für Giftspritzen waren/sind.
    Westler sind darin seltsamerweise nahezu unfähig, weil sie ihre positiven Emotionen und Erlebnisse nicht von der strategischen Realität hinter ihrer persönlich als »gut« erlebten Zeit trennen können.
    Mittlerweile genügend Ossis auch nicht mehr, mitunter aber auch als Trotzreaktion darauf, dass die Westler zu großen Zahlen meinen, sich ihre Version der Geschichte und ihre Sicht auf westliche Dinge nicht anhören zu müssen, respektive automatisch meinen, die westliche Sicht sei die richtigere.
    Man trfft darunter aber praktisch weniger Leute, die nicht zu dieser Art Selbstkritik fähig sind. Ist scheinbar der Entwicklungsweg, wenn einem das eigene System eines Tages um die Ohren fliegt und nichts mehr gilt, was gestern noch als unabdinglich galt. Wenn man Staat und Gesellschaft noch mal neu kennelernen musste.

    Systemische Ebene würde ich hier ziemlich gut finden, wenn die statt finden würde. Aber — und das stelle ich sogar als Außenstehender fest -, es fehlt schlichtweg auf der westlichen Seite an grundlegender Systemkenntnis und emotionaler Bereitschaft, die Schandtaten des eigenen Systems in Bezug auf die deutsche Zweistaatlichkeit als eine bestehende Realität zu akzeptieren. Mit anderen Worten: Wenn es einem selbst gut ging im System, lässt man nichts auf es kommen, entgegen jeglicher Behauptungen anderer wie scheiße es auch war und viel Leid es parallel zum eigenen Wohlstand bei anderen verursacht hat.
    Auf der Diskussionsebene könnte man sich mal annähern und diese Ossi‐Wessi‐Sache langfristig vom Tisch bekommen...

  2. @matrixmann

    »Ohne jetzt den Nebenschauplatz von dem Ossi‐Wessi‐Dinge woanders weiter aufmachen zu wollen...«

    Leider machst Du mit Deinem Kommentar genau das! Deswegen werde ich inhaltlich darauf an dieser Stelle nicht weiter eingehen. Nur soviel: es gibt eine ganze Reihe an »westlichen Kritikern« (dazu zähle ich mich auch), die den Treuhand‐Raubzug auch als Solches sehen und gesehen haben. Bitte beim Beitrag bleiben! Danke.

  3. @epikur

    »Ohne jetzt den Nebenschauplatz von dem Ossi?Wessi?Dinge woanders weiter aufmachen zu wollen...
    Leider machst Du mit Deinem Kommentar genau das! «
    So habe ich das auch empfunden!

    Ich habe mir sogar die Freude erlaubt, mal beim Ossiblock vorbeizuschauen, den ich vorher noch nicht kannte. Und was lese ich eigentlich dort? Immerhin hat er mir auf seiner Seite einen bescheidenen Platz zugestanden.

  4. Die Folgen des Zusammenbruchs des real existierenden Sozialismus für Osteuropa, z.B. die Deindustrialisierung, die Folgen der extremen Armut, die Arbeitsmigranten, das Lohndumping, die NATO Osterweiterung, der Raubtierkapitalismus etc. halte ich schon für ein existenzielles Thema. Das Ossi‐Wessi Gedöns in Deutschland ist da ein oberflächlicher Abklatsch.

  5. Wenn ich über etwas Grundlegendes rede und schreibe, dann ist es, dass der Planet und seine Bewohner von Natur keine Wirtschaftsgüter/Handelswaren sind und, dass weder die Erde noch das Leben einen Geldwert haben und haben können. Das betrifft die Menschen auf Mikro‐ und Makroebenen. Das ist für mich der »Hauptkriegsschauplatz«.
    Löst man dieses Problem (es ist älter als der sogenannte Neoliberalismus oder Kapitalismus, Sozialismus oder Feudalismus ...), und es ist lösbar, lösen sich die meisten anderen Probleme der Neuzeit nahezu einfach in Luft auf. Auch Massentierhaltung, Butter‐ und Müllberge, Obdachlosigkeit, Hunger und Armut.
    Der Weg aus dem Hamsterrad kann immer nur der Weg in die Freiheit sein.

    Die Trigger‐Themen sind dazu da, Menschen im »Jetzt« zu beschäftigen, in der Matrix gefangen zu halten. Sie bieten keine Zukunftsvisionen für den Einzelnen und die Gesellschaft und gleichzeitig keine Problemlösungen. Sie zielen immer ausschließlich auf den Erhalt des Status quo mit maximaler »Systemoptimierung« für maximale Gewinne für wenige Menschen.

  6. @Carlo

    »Die Trigger‐Themen sind dazu da, Menschen im »Jetzt« zu beschäftigen, in der Matrix gefangen zu halten. Sie bieten keine Zukunftsvisionen für den Einzelnen und die Gesellschaft und gleichzeitig keine Problemlösungen. Sie zielen immer ausschließlich auf den Erhalt des Status quo mit maximaler »Systemoptimierung« für maximale Gewinne für wenige Menschen.«

    Und es klappt hervorragend! Jeden Tag sehe ich diese Nebenkriegsschauplätze, Ablenkungsthemen und Nebelkerzen, die da massenhaft geworfen werden. Neuester Bullshit: »Klima‐Streik«.

    »Seit Wochen gehen Schüler bei den »Fridays for Future« gegen den Klimawandel auf die Straße. [...] Sogar Wirtschaftsminister Peter Altmaier ließ sich bei den Demonstrationen schon blicken.«

    Ob sich das Klima oder gar die Industrie in irgendeiner Weise davon beeindrucken lassen? Wäre Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auch dabei, wenn die Schüler gegen VW und den Diesel‐Skandal demonstrieren würden?

  7. Zum Triggern brauchst Du keine Themen. Nur Schlagworte. Wer nicht durch das Smartphone entsprechend konditioniert wurde, wurde es durch die Fa., in der er arbeitet.

  8. @epikur

    Ja, das meinte ich. Politik besteht nur aus Trigger‐Themen. Wer sich grundsätzlichen Problemen und Sachfragen widmet, braucht keine Politik und keine Ideologien. Er lässt sich von niemandem vertreten und verzichtet nicht auf seine Souveränität und sein Recht, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten.

    »Politik ist die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie angeht.«
    Paul Valery

  9. .....von der Makroebene und viele kommen aus ihrer Mikroebene nicht heraus.

    Das kann nicht sein @Epikur. Laut meiner systemischen Astrologin, führt systemisches Denken zu einem größerem‐ und weitreichenderem Denken. Die systemische Pädagogin, sowie die Marktwirtschaft, wie nun so gut wie jedes Management, vertritt laut bundesdeutscher Richtlinie, aufbauend auf der Systemtheorie von Niklas Luhmann, die gleiche Ansicht. (Selbst eine psychologisch geschulte Bekannte, die wonnewogend von ihrer systemischen Familienaufstellung erzählte, erwähnte dies ebenfalls.) Es kann also nicht sein, — sondern die fahren alle Schlittschuh auf der Makroebene. (Nachtrag: Die systemische Heilpraktikerin, — nickt auch mit’m Kopf)

    Noch ein Nachtrag: Nach einer Rundfrage, was denn jeder so als das prioritätsmäßig wichtigste Problem der Welt definieren würde, bekam ich exakt so viele verschiedene Antworten, wie befragte Personen. Alle von der Makroebene, — wohl gemerkt.

  10. Muss ja nicht noch ein Nachtrag‐ kann aber vielleicht ein »Übrigens« sein...
    Die systemische Astrologin, nennt mich auch einen Egozentriker, weil ich das mit der Astrologie für gaga, — und das mit dem systemisch für noch mehr gaga, — oder moderater, für Systemesoterik halte. Der einzige tatsächliche Unterschied zwischen ihr und mir ist aber, dass im Unterschied zu ihr, — ich weiß, dass ich ein Egozentriker bin und deshalb auch weiß, wie viele Gesichter das haben kann. Was hältst du von dieser Makroebene?

  11. @eb

    Makroebene muss ja nicht immer gleich die systemische Perspektive sein. Es reicht mir schon, wenn man endlich mal von diesem Eigenverantwortungs‐Bullshit wegkommen würde, dass über Jahre in die Köpfe der Leute gehämmert wurde. ;)

  12. Hihi, — vollkommen d’accor. Du warst auch gar nicht gemeint. Im Grunde, könnte man das selbst noch in der Teminologie dieser Systemeier zusammenfassen, — z.B. dass systemische Egozentrik auch nichts anderes ist, wie die eigene Mikroebene für die Makroebene zu halten. Sinnigerweise, ist unsereiner ein bisschen überbelastet, durch das spezielle Genre der Bertelsmann‐Opfer im Feld der selbsternannten und eben nicht minder eigenverantwortlichen Welterklärer, für die dieser Systemtick irgendwie zur Religion geworden ist. Quantitativ aber nun mal auch sehr hoch im sozialen und pädagogischem Umfeld genauso vertreten sind, wie mit ultimativ gleitendem Übergang in die Vollblutesoterik hinein, die es darüber tatsächlich geschafft hat, hier überhaupt nicht ohne Einfluss zu sein. (Deshalb das mit der »systemischen« Astrologin) Es ist zwar ersichtlich, dass der einstige vollkommen überzogene Gebrauch der Syswörter, besonders bei den Sozialpädagogen, — beträchtlich abnimmt, (einfach deshalb, weil der werbewirksame Nimbus davon nicht mehr zu ehrfürchtigem Staunen, sondern mittlerweile selbst bei den einstigen NLP‐Opfern zum Grinsen führt) — trotzdem sind die jetzt nicht vom Feld, — sondern suchen nach neuen Narrativen und besonders bei den (besonders den selbstständigen) Lebensberatern (Man will nicht glauben, wie sehr dieses Metier damit verzahnt ist), sieht das alles andere als weniger techno‐esoterisch aus. Jetzt ist natürlich die Frage. Wäre das einfach nur ein Trigger‐Thema, ein von mir überbewertetes Genre, — oder macht es Sinn, sich damit auseinanderzusetzen?

  13. @eb

    Doch. Wäre für mich auch ein Trigger‐Thema. Geht auch in Richtung »Schlagwörter« und Fach‐Vokabeln, die allesmögliche und gleichzeitig gar nichts bedeuten. Statt »systemisch« sind Pädagogen zu »ganzheitlich« übergegangen. »Techno‐Esoterisch« trifft es ganz gut.

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