Nebenkriegsschauplätze

Liegt ein Punkt auf einer Geraden?

Die mediale Etablierung und Fokussierung auf gesellschaftspolitische Nebenkriegsschauplätze steht absolut im Zeitgeist. Hauptsache, es werden keine Eigentumsverhältnisse, keine geostrategischen Machtinteressen oder die neoliberale Wirtschaftsordnung thematisiert. Darüber spricht man nicht gern und wer das in irgendeiner Form öffentlich -und vor allem kritisch beleuchtet‐ ist wahlweise Populist, Verschwörungstheoretiker oder gar ein (verkappter) Antisemit. Fast jeder infantil‐banal‐idiotische Medienzirkus um jeden noch so nichtigen Schwachsinn, ist zur Ablenkung erlaubt und erwünscht. Nebenbei bringen vermeintliche Skandale, ganz im SEO‐Sinne, die so dringend benötigte Reichweite und Aufmerksamkeit, nach der die bürgerlichen Massenmedien so lechzen.

Da wird sich beispielsweise allerorten an der AfD abgearbeitet, aber kaum jemand thematisiert die jahrelangen politischen Verbrechen von CDU/CSU/SPD/FDP/GRUENE. Verfassungswidrige Gesetze, Unterstützung von Angriffskriegen, Waffenlieferungen in Steinzeit‐Diktaturen, Armut per Gesetz, Bankenhörigkeit und so weiter und so fort, bekommen keine so große Aufmerksamkeit wie das ständige AfD‐Bashing. Nebenbei können sich hier gutsituierte Kleinbürger als moralisch‐integere Personen produzieren: »Deine Stimme gegen die AfD!«

Da wird sich ständig über echten und/oder vermeintlichen Sexismus empört (wobei die öffentliche Anschuldigung allein schon bereits als Beweis gelten soll), sowie uns die Gender‐ und SJW‐Ideologie als weltverbessernde Friedensmaßnahme verkauft. Das alles ändert aber rein gar nichts an den weltweiten krass‐ungleichen Lebensverhältnissen, Massenarmut, Angriffskriegen, Abbau von Bürgerrechten, Korruption oder Finanzmafia. Sollen doch Frauen, Männer und alle anderen Geschlechter über biologische und sexuelle Identitätsformen diskutieren, streiten und labern, bis sie grau werden — solange sie keine Macht‐ und Eigentumsverhältnisse in den Fokus nehmen.

»Denken intelligente Maschinen wie Männer? Nur 16 Prozent aller KI‐Fachkräfte in Deutschland sind Frauen«

(Manuela Lenzen auf zeit.de vom 26. Januar 2019)

Da wird sich täglich über Putintrolle, Fake News, Verschwörungstheorien, Hate‐Speech und Populismus aufgeregt, aber über die täglichen Lügen und Falschmeldungen von RTL, BILD und der PR‐Marketing‐und‐Werbe‐Industrie (kommerzielle Propaganda) herrscht meist eisiges Schweigen. Gerade auch von journalistischer Seite.

Da werden (ganz im Sinne der Eigenverantwortung) Nicht‐Veganer, Fleischesser und Discounter‐Konsumenten in Sippenhaft für die ausbeuterischen Methoden der Textil‐ und Lebensmittelindustrie genommen. Die gelebte, menschenverachtende und ökonomische Praxis von Konzernen und Großindustrie werden jedoch selten thematisiert. Der naive Glaube, man könne mit dem Einkaufswagen die Welt retten (»bewusster Konsum«), ist eben eine schöne und vor allem sehr bequeme Erzählung. Katrin Hartmann hat dieses Narrativ mit der »Grünen Lüge« sehr schön dekonstruiert.

Da wird sich via Reddit, Twitter, Facebook, Blogs (ja, ich meine auch mich!^^) und Petitionen unendlich aufgeregt und empört. Da gibt es Social‐Media‐Lynchmobs und Shitstorms. Wenn es aber darum geht, eine Marke oder ein Unternehmen wirklich zu boykottieren, auf die Straße zu gehen oder seinen Vorgesetzten im entscheidenden Moment doch einmal zu widersprechen, ziehen die Meisten den Schwanz ein. Heiße Luft wird in und durch die Massen produziert, dass in aller Regel wirkungslos verpufft.

Welche Nebenkriegsschauplätze kennt Ihr noch?

Fazit
Die diversen Nebenkriegsschauplätze geben allen oliv‐linksgrünen‐Komfortzonen‐Biedermeier‐Spießern Raum und Möglichkeit, sich vermeintlich individuell‐politisch zu exponieren und zu engagieren, ohne an der ökonomischen Grundordnung zu rütteln. Die neoliberalen Machteliten, Bankster und Milliardäre bleiben in aller Regel beim Veganer, Tierschützer oder Gender‐Jünger, außen vor. Schließlich steht die eigenverantwortliche Selbstverwirklichung, das Selbstvermarktungs‐Franchise‐Image immer an erster Stelle. Neoliberale Strukturen und Machtprinzipien interessieren nicht, sie würden nur die eigene Lebenswelt unnötig in Frage stellen. Und das wäre unbequem.


Herrschaftsprinzipien

10 Gedanken zu “Nebenkriegsschauplätze

  1. »Religion« ist auch noch einer.

    Ach ja, auch: Ost‐West.
    Und das in der Variante wie er von den Leitmedien inszeniert wird. DDR = alles schlecht; gute, tugendhafte BRD und »der Kapitalismus ist der einzige Weg zum Wohlstand, alle anderen Systeme sind zu dumm dazu«. (Nebenbei, dass auch alle »Ossis« in den Medien immer aus Sachsen stammen müssen...)
    Ein bisschen find ich’s schandhaft, dass ich mich selber dabei sehe, den Konflikt auch etwas aufmachen zu müssen, für meine Begriffe kommt’s aber von ›ner ganz anderen Seite: Mir fällt’s einfach auf wie sehr der Westen (und seine Bewohner) denkt, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen, dabei schmort er regelmäßig in der eigenen Suppe, macht keine Fortschritte, und die »Fortschritte« der Vergangenheit basieren oftmals auf Lügen, Selbstsuggestion, Ausbeutung von anderen und schierem Mangel an Bildung über die Welt und wie Dinge funktionieren.
    Und das fällt mir auf in der Position als jemand, der lediglich die Strukturen in dem Zustand nach der Wende kennt... (bin also nur ein Beobachter von Außen)

    Ist, von meiner Seite aus, also nicht gemeint als »die Ossis sind besser/klüger/etc.«, sondern als »Leute, kommt endlich mal aus eurer amerikanischen Nachkriegs‐Filterblase heraus und macht die Augen auf«. Es gibt genauso auch Dinge, die mich an der »Ossi«-Denkweise und ihren Eigentümlichkeiten stören. Mit Ostalgie und Snobismus darüber wird man bei mir z. B. keine Bonuspunkte sammeln können. Ist nicht meine Kultur und sie wird es auch nicht.

  2. Manch einer arbeitet sich an der AfD ab. Ein schöner Selbstbetrug.
    Die Realität ist böse — also flüchten viele in Scheinwelten.

    So ist das alles.

  3. Mich persönlich wirft es ja immer wieder um, wenn noch innerhalb eines absurden Traumes, die noch absurdere Reaktion erfolgt.
    Haben die Trantüten, die ernsthaft glauben, der Verzicht auf Plastiktüten könne die Welt retten, gehofft, die Kunststoffindustrie nimmt das ohne Gegenwehr hin?
    Kapitalismus ist Wachstum, und wenn mir der Gesetzgeber einen Teil meines Umsatzes »stiehlt«, muss ich mir was einfallen lassen.
    Tatataaa: Waschmittel‐Pods.
    Tanzende, singende Menschen, frisch erlöst von der großen Tüte, werfen in der Werbung kleine Tüten in die Waschmaschine.
    »Nicht in der Nähe von Kindern aufbewahren.« Geht’s noch?

  4. @ BerndH60
    Schon gefunden (?): Einkaufswagen aus Plastik.
    Ja, man denkt, es geht nicht absurder...
    Bei denen ist nur noch der Unterbau von den Rädern aus Metall. Der ganze Korb zum ablegen, inklusive der Sitz, wo ein Kind reinpasst, alles aus Plastik.
    Einziger Vorteil wohl: Damit können nachts wohl keine Halbstarken mehr Blödsinn anstellen, weil die Dinger zu schnell davon kaputt gehen.

  5. Das ewige Urteilen und Moralisieren sind hervoragend geeignet, um Denken und Sprechen über Inhalte zu verhindern.

    Eigentumsverhältnisse, Kriege, Krisen, Vermögen, Obdachlosigkeit, Hunger, Massentierhaltung, Umweltzerstörung, Einkommenslosigkeit, Hartz4, im Müll suchende Menschen ... fallen nicht einfach vom Himmel und sind kein Ergebnis von Natur»gesetzen«. Sie sind Ergebnis langfristigen menschlichen Handelns und menschlicher Gesetze, die nicht etwa durch Volksabstimmungen zu Stande kamen. Nein, diese Missstände wurden durch die »Vertreter« der anderen Menschen in den Parteien, Parlamenten und Regierungen erst möglich. Durch deren Gesetzgebung oder Unterlassung.

    Genau darüber will man nicht reden.

  6. Wieso? Geredet wird doch drüber. Allerdings anders. »Guck mal da! Die blöde Sau! Ich werf´ ihm mal meine angebissene Banane annen Kopp!«

  7. Smile. Ja so läuft das heute. Das wäre das typische Beispiel, dass man über Menschen redet, aber nicht mit dem Menschen und nicht über Inhalte.

  8. Glatt ein Plädoyer dafür, sich das Menscheln abzugewöhnen.
    Dann gibt’s nämlich nur noch Inhalte und nicht das sinnfreie Gelaber, dass jemand einen zu frech angegrinst hat oder mit seinen zu schiefen Zähnen zu ungepflegt wirkt, um ernst genommen zu werden.

  9. @Carlo

    »Das ewige Urteilen und Moralisieren sind hervoragend geeignet, um Denken und Sprechen über Inhalte zu verhindern.«

    Das bringt es sehr gut auf den Punkt! Ich habe auch den Eindruck, im Social‐Media‐Zeitalter sind Analysen und Argumente total überholt. Hauptsache zu allem eine Meinung haben, ganz besonders zu den Dingen worüber man keine Ahnung hat. Und immer und überall mit dem »Gefühl« dabei sein.

    So haben Marketing‐ und PR‐Profis heute leichtes Spiel.

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