Presseblick (76)

»Es gibt nur einen Ausdruck für die Wahrheit: den Gedanken, der das Unrecht verneint.“
(Theodor W. Adorno. Minima Moralia. Suhrkamp Verlag. 8. Auflage 2012.)

Außenminister Heiko Maas rät uns: »Mal vom Sofa hochkommen, um den Rassismus zu bekämpfen!« Gilt das auch, wenn ich gegen NATO‐Angriffskriege, Massenarmut per Gesetz, verfassungswidrige Gesetze, den Tiefen Staat, Landraub, Polizeigewalt, Politiker‐Lügen, Neo‐Kolonialismus, Waffenexporte, Immobilien‐Heuschrecken und gegen das Finanzcasino demonstriere? Oder bin ich dann ein linksextremer Chaot, der zum schwarzen Block gehört? :PFEIF:

Reichtum
Telepolis titelt: »Obszöner Reichtum: Die oberen 1000 haben jetzt über eine Billion Euro.« Wen interessierts? Hier gibt es nichts zu sehen! Bitte gehen Sie weiter! Facebook, WhatsApp, Twitter, Instagram, Youtube und RTL funktionieren doch! :JAJA:

Armut
Das Arbeitslosengeld II, also Hartz IV, ist und bleibt pure Menschenverachtung reine Nächstenliebe:

  • »Jobcenter lehnt Gebärdendolmetscher ab
  • »Oft rechtswidrige Datenerhebungen von Jobcentern.«
  • »Das Jobcenter Bremerhaven plant anscheinend die erneute Einführung der Sklaverei. Zusammen mit dem Chef der Bundesagentur für Arbeit will es Langzeitarbeitslose dazu zwingen, arbeiten zu gehen und zwar ohne dafür einen Cent zur erhalten.«
  • »Es gab schon Todesfälle. Deswegen darf man nicht von Sanktionen sprechen, sondern muss sagen: Es sind mittelalterliche Leib‐ und Hungerstrafen.«

Medien
Ich habe schon häufiger im Presseblick erwähnt, dass wir am Spiele‐Journalismus die extremen Auswüchse unserer Kaufpresse hervorragend analysieren können. Sie steht weniger unter Beobachtung und ist weitestgehend in die Spiele‐Industrie eingebettet. Aktuelles Beispiel: »Fallout 76: Krebskranker Junge durfte schon spielen.« Für PR‐, Werbe‐ und Marketing‐Zwecke wird hier ein schwerkrankes Kind instrumentalisiert. Hinzu kommt: »Zwar ist der 12‐jährige Wes aus Newport News in Virginia, USA eigentlich noch ein wenig zu jung, um die Fallout‐Spiele spielen zu dürfen.« Egal, Hauptsache wir zeigen euch was für ein großes Herz Bethesda hat. :JAJA:

Aus der Perspektive der Industrie haben als Artikel oder Reportagen verkappte Werbebotschaften den Vorteil, dass diese von Adblockern nicht erkannt und weggefiltert werden können.“
(Sophie Eustache und Jessica Trochet. „Journalisten in der Klickfalle“. Le Monde Diplomatique. September 2017. S. 21)

Politik
Spiegel Online zeigt ein Foto mit einem fies‐dreist schauenden Wladimir Putin und titelt: »Er steckt hinter allem«. Ich möchte jetzt, hier und an dieser Stelle gerne mal ein paar liberale, demokratiehörige und medienwissenschaftliche Kommentare hören, die mich überzeugen, dass wir es hier nicht mit einer lupenreinen NATO‐Propaganda‐Presse zu tun haben! Her mit euren Argumenten! Ich warte...

Auf welchem Niveau in Deutschland über politische Themen gesprochen wird, kann man an einer aktuellen Spiegel‐Online‐Kolumne sehen: »Weint Angela Merkel heimlich?« Was zum Teufel...haben wir wirklich keine anderen Probleme?

Sicherheit
Die Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten e.V. kommentiert: »Auch bei normalen Streifeneinsätzen der Polizeireviere oder den KriminalbeamtInnen bei ihren Ermittlungstätigkeiten werden immer häufiger unbescholtene BürgerInnen beschwert.« Es sind schon lange keine Einzelfälle mehr, sondern ganze schwarze‐Schaf‐Herden.

Bildung
Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kommentiert die absurde Bildungspolitik: »Für jede Einstellungsrunde legt die Senatsbildungsverwaltung Mangelfächer fest. [...] Mit dem tatsächlichen Lehrkräftemangel an den Schulen hat diese Festlegung nur wenig zu tun.« Beim Themenkomplex Lehrermangel/Quereinstieg gibt es ein absolutes Behörden‐Chaos. Der Berliner Senat beispielsweise, reagiert wie ein Haufen aufgescheuchter Hühner ohne Plan, gegenseitige Absprachen oder vorhandene Strukturen. Das kommt davon, wenn man immer nur bis zur nächsten Legislaturperiode denken und handeln kann. :JAJA:


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7 Gedanken zu “Presseblick (76)

  1. »Vom Sofa hoch kommen, um den Rassismus zu bekämpfen!«
    Das sollte er mal Plasberg und Konsorten empfehlen, die es nicht lassen können, AfD‐Granden in ihre Labershows einzuladen. Das trägt mittlerweile dazu bei, die AfD als gesellschaftlich akzeptierte normale demokratische Partei wahrzunehmen. Insbesondere, wenn der nach außen vor einer Kamera sehr seriös und moderat auftretende Jörg Meuthen seine Statements absondern darf.

    So wurde ihm von Plasberg in der letzten Hart‐aber‐fair‐Sendung eine Steilvorlage geboten, als er das Rentenkonzept der AfD referieren durfte:

    https://www.youtube.com/watch?v=mMWH2kDpOnU

    Da mußte ihm selbst Sarah Wagenknecht zustimmen. Diese schleichende Werbung durch die öffentl‐Rechtl. TV‐Anstalten für eine rassistische Normalität halte ich für gefährlicher, als die Nazis aufder Straße, von denen man sich ja trotz Zustimmung zur AfD so leicht distanzieren kann.

    Auch die wegen ihres Engagements gegen Rassismus mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Journalistin Dunja Hayali hat eine starke Affiniät zu AfD‐Eliten, wobei Sie sich nicht zu schade ist, links und rechts gleichzusetzen :

    https://www.youtube.com/watch?v=zv5Le2HdY6Q

    Bei dieser Art von falsch verstandener Plurailtät, Meinungsfreiheit und demokratischr Gleichberechtigung stößt zumindest mein Kampf gegen Rassismus an seine Grenzen. Von der Omnipräsent des aktuell größten rassistischen New‐Comer‐Comedians Chris Tall (-Nacht!!) will ich erst gar nicht reden.

    https://www.youtube.com/watch?v=xAcnDD5mVNs

  2. Das geforderte Argument (aus dem SPIEGEL Artikel):
    »Der Weg in die Unfreiheit« erzählt eine mit 291 Fußnoten belegte Geschichte der jüngeren Vergangenheit.«
    Also wer 291 (!) Fußnoten hervorweisen kann, betreibt doch keine Propaganda, der betreibt Wissenschaft, der verkündet die Wahrheit. In diesem von Putin betriebenen Blog, gibt es gar keine Fußnoten, das zeigt doch wohl alles.

  3. »Sicherheit«
    Geh mal nen »falschen« Schleichweg, schon wirst du auf links gedreht, in den letzten Monaten gleich zwei mal erlebt.
    Ich war lange Zeit der Meinung, wir bräuchten mehr Polizei, tatsächlich aber scheinen die eher zu wenig als zuviel zu tun zu haben. Oder sie tun das Falsche.
    »Putin«
    Der Professor im verlinkten Artikel hat eine richtige These, es gebe »zwei Narrative«- das eine will den status quo weiter in eine Art Paradies führen, das andere träumt von einer guten Vergangenheit, die es tatsächlich nie gegeben hat.
    Ein durchaus intelligenter Mensch, der plötzlich Schwachsinn verzapft, nicht bei irgendwelchen Themen, sondern bei der Figur Putin, bei dem er dann noch eine besondere Betonung der »Männlichkeit« und der Homphobie vornimmt.
    Einfach nur ein ganz typischer Vertreter unserer »Eliten«, insbesondere der universitären.
    Immer die gleiche Verbindung: Paranoides Putin‐Gequatsche, kein Wort über soziale Ursachen, Mißbrauch des Populismusbegriffs, Fixierung auf (vorhandene) archaische Männlichkeit als einfache Ursache für komplexe Probleme, idenditätspolitische Korrektheit als progressives Feigenblatt.

  4. Linke rufen immer häufiger nach mehr Polizei, ein Pardoxon, wie ich finde. Denn Polizisten sind genug da, sie werden nur massenhaft an den falschen Orten eigesetzt. G20 Hamburg oder Hambacher Forst. Da gibt es keinen Mangel an Einsatzkräften aller Art.

    »Bundespolizei, Hunde‐ und Pferdestaffeln, Helikopter, KollegInnen aus Schleswig‐Holstein, Landesbereitschaftspolizei, Alarm‐Einheiten, szenekundige BeamtInnen, eine hohe Zahl an Zivilpolizisten und mobile Videoteams.« So sieht z. B. die Vorbereitung auf das kommende Fussballspiel Hamburger SV gegen FC St. Pauli aus.

  5. Pingback: Aufgelesen und kommentiert 2018-09-30 – "Aufgelesen und kommentiert"

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