Klassenbewusstsein?

Es herrscht Klassenkampf und meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht.“
Warren Buffet, Milliardär

Eine der primären Aufgaben des Neoliberalismus war und ist die Zerstörung der Arbeiter‐Identität. »Teile und Herrsche« — Machtmechanismen hetzen die Menschen medial regelmäßig gegeneinander auf. Die Solidarität der Entrechteten wird schon im Keim erstickt. Gruppen werden gespalten und dort, wo es keine gemeinsamen Ziele, Interessen oder Ideologien gibt, wird die Mann/Frau‐Sexismus‐Karte gezückt. Die funktioniert fast immer, weil sich jeder durch das biologische Geschlecht, hier als Experte sieht und etwas dazu sagen darf, kann, soll, muss.

Es ist insofern absolut nicht verwunderlich, dass es keine großen Protest‐Aktionen, Streiks oder Widerstände in der Bevölkerung gegen kriminelle Banken, Konzerne, Milliardäre und die Politik gibt. Viele sind sich der schreienden Ungerechtigkeit durchaus bewusst -oft spüren sie es sogar am eigenen Leib‐ aber dennoch sehen sie sich als Einzelkämpfer. Die Nachbarn als Störenfriede. Die Kollegen als Konkurrenten. Und die Mitmenschen als Objekte für die eigenen Interessen. Ohne ein ausgeprägtes Klassenbewusstsein kann es keinen erfolgreichen Protest gegen die Herrschenden geben.


»Rechte und Linke sind uns egal!«
»Anleitung zur Ausbeutung«
»Herrschaftsprinzipien«

13 Gedanken zu “Klassenbewusstsein?

  1. Ich war in den letzten Wochen einige Male rund um den Hambacher Wald unterwegs. Da ist seit 6 Jahren eine Bewegung aktiv, die auf mich vielversprechend wirkt: Antikapitalististisch, anarchistisch. Sollte man/frau im Auge behalten und im Rahmen seiner/ihrer Möglichkeiten wo und wie immer es geht kräftig unterstützen.
    Die Initiative gegen Stuttgart21 ist ein ähnliches Projekt, das m. W. aber die Systemfrage (noch) nicht zur Diskussion stellt.
    In Büchel und Ramstein ist auch regelmässig Aktion. Was m. E. fehlt sind verbindende Strukturen und breite Mobilisierung u. a. durch die geneigte Bloggerszene, NDS, #aufstehen und wie sie alle heißen.

  2. @Pjotr56

    »Was m. E. fehlt sind verbindende Strukturen und breite Mobilisierung u. a. durch die geneigte Bloggerszene, NDS, #aufstehen und wie sie alle heißen.«

    Volle Zustimmung! Die meisten Blogger, mich eingeschlossen, wurschteln so vor sich hin. Viele Versuche, Netzwerke zu gründen scheitern leider auch an Eitelkeiten und Befindlichkeiten. Hier spreche ich auch aus eigener Erfahrung.

  3. @epi
    Danke. Grotesk wird es, wenn das alte und nach wie vor funktionstüchtige Konzept der Arbeiterklasse »Nur gemeinsam sind wir stark« durch »Eitelkeiten und Befindlichkeiten« unterminiert wird.
    An dieser Stelle tickt das Kapital wesentlich zielführender, wie wir sehen.

  4. das m. W. aber die Systemfrage (noch) nicht zur Diskussion stellt.

    Das ist ja was, was mir einfach nicht in den Kopf will und mich über die Jahre am meisten frustriert hat: Ihr seht ja, dass es sowieso nur sehr wenige Menschen sind, die überhaupt und wenigstens partiell Widerstand gegen die übelsten Auswüchse des »Systems« leisten. Aber dann fällt euch wieder nix besseres ein, als darüber zu jammern, dass jene nicht »die Systemfrage™« stellen...!? Lasst doch überhaupt erst einmal zu, dass wenigstens eine halbwegs nennenswerte Zahl von Leuten Zweifel entwickeln...!?

    Was bringt euch diese »Systemfrage« überhaupt? Also außer dem wohligen Gefühl, zu den einzig wahrhaft Erleuchteten zu gehören...!? Bis heute verweigert man genau jenen kritisierten Leuten eine halbwegs schlüssige Alternative zu dem gegenwärtigen System, welches man »überwinden« möchte — und wundert sich, dass die Leute einem nicht die Bude einrennen.

  5. Hier glaubt man wirklich, die Reichen seien privilegierter als die deutschen Beamte, süss, Reiche können unten landen!

  6. @Dennis
    Nee, erleuchtet bin ich nicht. Ich befürchte nur, dass ohne Berücksichtigung der systemischen Bedingungen (Gewinnmaximierung) der Widerstand nicht ausreichend fundiert ist und im Ergebnis keine Wirkung zeigt. Die Argumente gegen Stuffgart21 sind total fundiert, interessieren die Kapitalinteressenvertreter/innen dennoch nicht die Bohne.

  7. Ich weiß aus dem eigenen Bekanntenkreis, eine Behörden‐FH kann man auch erfolgreich abschließen!Hass auf Reiche kann man auch therapieren!

  8. @anton: Halt endlich die Fresse, du strunzdummes Stück Sch...!

    Ich behalte mir eine Anzeige wegen Stalkings vor. Der Blogbetreiber wird mir sicherlich behilflich sein.

  9. Mach Dich nicht lächerlich, aber die Sache ist für mich eh gestorben, jedem sein Denken!Noch darf ich in der BRD davon sprechen, dass Beamte, die meisten machen eine einwandfreie Arbeit, privilegiert sind!ich habe einen Abschluss, danke!

  10. @anton

    Ist gut jetzt! Wenn Du irgendein »Problem« mit »Dennis82« hast, trag das bitte woanders aus! Mein Blog ist weder ein Mülleimer, noch eine Kotztüte! Und ja, jeder weitere Offtopic‐Kommentar von Dir wird gelöscht!

  11. Ich würde den Text nahezu unterschreiben. Aber vielleicht wäre es eine Überlegung wert, Klassenbewusstsein durch Menschenbewusstsein zu ersetzen. Das Problem von einer anderen Ebene aus anzugehen. Mit dem Gemeinsamen das Trennende überwinden. Ja sicher, dann gehören die 1% auch dazu.
    Dann schauen Menschen zusammen darauf, was sie überhaupt nicht wollen. Aus eigener Erfahrung weiß ich: keinen Krieg, keinen Hunger und Durst, keine Obdachlosigkeit und keine Krankheit. Ich nehme an, das es anderen ähnlich geht. (Man kann ja mal fragen.)
    Da hätte man außer dem Menschsein also noch mehr Übereinstimmungen.

    Wenn man sich darüber einig ist, können sich Menschen die Frage stellen, warum es denn diese Probleme noch gibt. Technisch ist die Menschheit heute in der Lage, alle diese Bedürfnisse mehrfach zu decken. Was hindert Menschen ganz konkret daran, diese Ziele in Realität zu verwandeln? Und: Wie macht man das?

    Der eine oder andere mag nun sagen, das geht doch nicht. Vielleicht hat er recht. Auf die Frage »Warum« kommt erfahrungsgemäß meistens nur eine Antwort. Die lasse ich jetzt offen.

    Übrigens:
    Seine Würde verliert, wer andere Menschen sanktioniert, nicht wer sanktioniert wird.

  12. Wen Du nicht die Systemfrage stellst, stellt sie die Natur. Neben Luxus sind halt auch Staaten, Staatsformen und Völker nur Verhandlungsmasse, wie die Atlanten der letzten 500 Jahre prima aufzeigen. Daher auch Peters Verweis auf den Hambi.

    Es kann ja sein, dass Du Dir den Kapitalismus noch leisten kannst. Eure Kinder können das schon nicht mehr.

    Hast Du auch so ein tollen Sommer gehabt? Ja, prima, nech! Von April bis Oktober baden gehen, während die Welt zerfällt. Das macht Spaß! Zur Not einfach mit den Arschlochbweisvehikel (SUV) und dem Klugscheißfon in die entlegenste Ecke fahren, Joggen und dabei FB kommentieren und den https://www.transfermarkt.de/ aufmischen? Ja, das ist Freiheit und Glück in stetiger Eintracht pur, nicht?

    Nur währenddessen tickt die Uhr: »Tick, Tack, Tick, Tack!«

    Das auch Du Dir den Kapitalismus nicht leisten kannst, merkst Du erst, wenn Deine Nachzucht mit Deinem SUV mit 180 vor die Wand brettert, weil alle anderen Todesarten noch qualvoller wären.

    Du brauchst keine Mietpreisbremse und kein Statussymbol, aber eine Welt, die Dich und Deine Kumpel auch aushalten kann.

    https://www.youtube.com/watch?v=c9EK9X597KM

    »Tick, Tack!«

  13. Die Probleme liegen tiefer. Nicht, dass dem nicht zuzustimmen wäre, was du schreibst. Nur stellt sich mir schon lange die Frage, was mit diesem Klassenbewusstsein so benannt ist. Die Heerscharen an nicht der lohnarbeitenden Klasse zugehörigen Intellektuellen, welche über Jahrzehnte hin das Klassenbewusstsein regelrecht besser zu kennen vorgaben, als jene, welche es in ihrem Leib beherbergten, entpuppten sich durch die Fragmentierung verbindender Themen im erfolgreichen Neoliberalismus als sonderbare Gestalten. Die Automatik der Geschichte fand zu aller Tragik auch nicht statt. Fast möchte man sagen, zu allem Ärger. Heute nun, als sich die sozioökonomische Position vormaliger Klassenanalysten auch im Neoliberalismus überraschend gut stabilisiert hat, ja man auch gut in den neuen Ernst sachzwangnaher Lebensgestaltung passt, analysiert man weiter: warum das vormalige revolutionäre Subjekt nun im Status des fragmentiert‐vereinzelten Bewusstseins solchen Hang zum Rassismus hat, warum es rechtspopulistisch wähle? Ja, so ändern sich die Zeiten.

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