»Rechte und Linke sind uns egal!«

linksrechtsegal_titelAntwort auf: »Ich bin doch kein Nazi!« und: »Doch, Du bist ein Nazi!«

Ohne es laut zu sagen, aber wir lieben es, wenn Ihr euch bekriegt und aufeinander losgeht. Wer wir sind? Die Herrschenden, die Eliten, der Finanzadel, Oligarchen, Milliardäre, Bankster, Manager sowie Verlags‐ und Industriebosse. Wir halten uns meist eher im Hintergrund. Wir wollen vor allem, dass unsere Geschäfte nicht gestört werden. Deshalb bezeichnen wir alle, die unsere Gewinne beeinträchtigen könnten, als polemische Verschwörungstheoretiker. Wie beispielsweise Links‐ und Rechtsradikale, die gegen uns hetzen und etwas an der Herrschaftsstruktur verändern wollen. Das müssen wir Liberale um jeden Preis verhindern! Teile und Herrsche (divide et impera) hat sich hier seit Jahrhunderten als ein sehr effektives Mittel bewiesen.

Wir haben keinerlei Interesse an Aufständen, Massen‐Demonstrationen oder Generalstreiks. Insofern tun wir auch alles dafür, damit sich die Menschen nicht miteinander solidarisieren. Sie sollen sich gegenseitig bekämpfen sowie Vorurteile gegenüber ihren Mitmenschen verinnerlichen: Raucher gegen Nichtraucher, Frauen gegen Männer, Junge gegen Alte, Arte gegen RTL2, Eltern gegen Erzieher, Vegetarier gegen Fleischesser, Deutsche gegen Ausländer, Antifa gegen Nazis, Autofahrer gegen Autofahrer, Erwerbstätige gegen Erwerbslose, Christen gegen Moslems, Nachbar gegen Nachbar, Blogger gegen Printmedien und umgekehrt! Um diese gesellschaftliche Spaltung zu erreichen, nutzen wir die Medien, die Politik, unsere Einflussmöglichkeiten und das Prinzip der Angst.

In der Regel wollen wir den Status Quo beibehalten. Wenn Veränderungen unbedingt erforderlich sein sollten, um dem Pöbel zu suggerieren, es gäbe so etwas wie Fortschritt, dann bevorzugen wir Reformen, die unseren Profit und unsere wirtschaftliche Macht erhöhen. Die Agenda 2010 mit Hartz 4, die Lockerung des Kündigungsschutzes und die Leiharbeit fanden wir ebenso gut, wie die Senkung des Spitzensteuersatzes oder die Rettung von systemrelevanten Banken durch die Steuerzahler. Wer (wirtschafts-)freundlich zu uns ist, dem stehen wir auch bei, wenn er in Not ist. Gerhard Schröder und Joschka Fischer beispielsweise, haben wir bekehrt geholfen.

Wir sind das Gesetz
Manche bezeichnen die Sozialisierung der Verluste als »Kommunismus für die Reichen«, während andere, beispielsweise bei den Hedge‐Fonds, vom »Raubtier‐Kapitalismus« sprechen. Wir bedienen uns aller politischen Systeme und beliefern alle Staaten mit unseren Gütern, seien es brutale Diktaturen wie Saudi‐Arabien, Kommunismus‐Autokratien wie China oder Lobbydemokratien wie die USA. Auch mit dem Hitler‐Faschismus haben wir damals gute Geschäfte gemacht. Vor allem Nordkorea, Venezuela und Bolivien sind uns heute ein Dorn im Auge. Und zwar nicht, weil sie politisch links wären, sondern weil sie nicht an die Ideologie des grenzenlosen Wirtschaftswachstums glauben und somit unseren Geschäften im Wege stehen.

Wir beschäftigen bzw. importieren ausländische Mitarbeiter und verabscheuen gleichzeitig unbestechliche Gewerkschaften und kaufen kleinbürgerliche Betriebsräte. Links und Rechts sind für uns keine wirklichen Denkkategorien. Solange unsere Erlöse und unser Einfluss sich stetig vermehren, ist es uns völlig egal, ob wir eine linke oder eine rechte Regierung bezahlen und erpressen müssen. Auch wenn die Geschichte bisher gezeigt hat, dass wir bei eher konservativen, autokratischen und faschistischen Regierungen eine meist größere Ausbeute gemacht haben.

Insofern demonstriert ruhig für oder gegen Moscheen, für oder gegen Ausländer, für oder gegen Gegen‐Demonstrationen. Das ist uns völlig schnuppe. Auch wenn wir in den bürgerlichen Medien den Eindruck erwecken, Pegida, Legida, Bagida und wie sie sich alle schimpfen, würden uns ernsthaft interessieren. Dem ist nicht so. Sie eignen sich nur hervorragend zur gesellschaftlichen Spaltung. Nur sobald Ihr auf die Idee kommt, euch gegen uns zu verbünden, zu Millionen die Arbeit tagelang niederlegt, die Eigentumsfrage in den Mittelpunkt rückt, unsere kriminellen Geschäftsmethoden thematisiert, den Kapitalismus anzweifelt oder den (Massen-)Konsum komplett verweigert — mischen wir uns ein. Dann werden wir böse.

21 Gedanken zu “»Rechte und Linke sind uns egal!«

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  2. Ich versuche solche Aussagen auch immer wieder zu verbreiten. Warum wollen viele Menschen das einfach nicht verstehen? Es liegt doch sichtbar vor uns? Wieso kämpfen sie gegeneinander? Ich habe einmal gepostet: Statt das wir uns nun zusammentun und gegen die Verursacher vorgehen, schlagen wir untereinander auf uns ein. Ach, wenn ich ein Herr Oettker wäre, Mitglied der Familien Springer, Quandt, Piech, Krupp und wie sie so alle heißen ... dann würde ich vor Freude im Quadrat springen! Die doofen Michel kämpfen gegen sich selbst. Das ist doch etwas. Da kann das Legidaherz dumpf pochen. Da glauben die doofen Michel doch wirklich, dass ihre Sozialsysteme von irgendeinen Roma oder Afrikaner kaputt gemacht werden könnten. Das haben die Familien — nein nicht im Stillen und Geheimen — das haben sie öffentlich schon durch ihre Veranlassung durch ihre Regierung machen lassen.

  3. @Epikur

    Zunächst dachte ich auch, dass du aus neoliberaler Perspektive schreibst, aber dann habe ich weitergelesen, und festgestellt, dass dem 1. nicht so ist, und du zweitens völlig richtig liegst — Einen Punkt möchte ich aber korrigiert haben, denn, ich glaube es war bei Terry Eagleton wo ich das gelesen habe: Angebliche Ideologielosigkeit ist selber eine Ideologie, d.h. die neoliberale Lebenslüge ist wohl, dass die denken »[...]Rechte und Linke sind uns egal[...]«, aber in der Praxis durchaus Faschisten unterstützen — Es kann nicht oft genug wiederholt werden, die ersten praktischen Gehversuche machte die neoliberale Ideologie nach dem Sturz Allendes, im faschistischen Staat des Massenmörders Pinoquet — Auch der neoliberale Rassismus hat mehr Nähe zum faschistisch‐rechten Gedankengut als zur linken Denke.....wovon man natürlich, als Neoliberaler mit dem Spruch »Kommunistannazis« (Zitat: Die Simpsons) ablenken will....

    Ansonsten völlige Übereinstimmung, so und nun muß ich zum Zahndoktor, und »geschlachtet werden«....

    Amüsierte Grüße
    Bernie

  4. @Bernie

    Auch der neoliberale Rassismus hat mehr Nähe zum faschistisch‐rechten Gedankengut als zur linken Denke

    Zustimmung. Deshalb ja: « Auch wenn die Geschichte bisher gezeigt hat, dass wir bei eher konservativen, autokratischen und faschistischen Regierungen eine meist größere Ausbeute gemacht haben. ;)

  5. »Raubtier‐Kapitalismus« ist ein schiefer Begriff; er tut den
    Raubtieren Unrecht. Die können nicht anders als Beute
    greifen, ist genetisch verankert. Menschen schon, Erkenntnissache und Moral‐ bzw. Ethikfrage. »Kannibalen‐Kapitalismus« wäre zutreffender – kein Mensch muss seinesgleichen verspeisen, um überleben zu können (extreme Notsituationen ausgenommen).

  6. »kein Mensch muss seinesgleichen verspeisen, um überleben zu können (extreme Notsituationen ausgenommen).«

    Tut ja auch niemand (von den »Starken«) — einen anderen Menschen verspeisen. Würde das tatsächlich geschehen, wäre doch die gesamte Elite ihrer salbungsvollen als zu verteidigende gemeinsame Werte verkleideten Worthülsen wie Wachstum, Wohlstand, Freiheit, Demokratie, Menschenrechte beraubt, stände nackt da und wäre damit angreifbar. Da wird ja auch nicht gesagt: ›Wir wollen euer Öl‹, sondern z.B.: ›Wir verteidigen eure Menschenrechte‹.
    Das ist ja das Perfide an der ganzen Sache, dass die Elite sich hinter weit interpretierbaren postiv konnotierten Begriffen versteckt. »Unsere Werte« sind gegenüber dem/einem aufgebauten Feind zu verteidigen (alternativlos) — wer nicht dafür ist, schließt sich selbst aus der »Wertegemeinschaft« aus. Das Ergebnis liegt doch auf der Hand: »unwertes« Leben entweder im Sinne der gemeinsamen Werte zu wertvollem Leben umzuerziehen oder auszumerzen. Wenn das nicht faschistoid ist, was dann?
    Selbstverständlich wird keiner der sogenannten Machtelite offen mit Vernichtung drohen, aber es werden Exempel statuiert an zum Feind erklärten Menschen (oder Staaten). Da braucht es keine direkten Drohungen, keine Konzentrationslager — da reicht es jedem zu suggerieren, er könne völlig frei entscheiden und es läge an jedem selbst im Sinne der einzig richtigen und »guten« Sache sein Leben in die Hand zu nehmen. Egal, obs wem nicht gelingt oder er nicht gewillt ist, das Urteil ist dasselbe: Du bist selber Schuld an deinem Unglück und/oder Untergang. Ein Ergebnis: freiwilliger vorauseilender Gehorsam und Selbstoptimierung. Wen soll man denn auch für Misserfolg verantwortlich machen, gegen wen sich auflehnen? Selbstverständlich wird dabei auch unterschlagen, dass nicht alle die gleichen Startbedingungen haben.

    Zum Verrücktwerden das Ganze!

  7. @Frau Lehmann

    Es wird noch perverser, die »Eliten« machen aus der normalen Tätigkeit eines jeden Menschen eine bezahlte Arbeit, und diese wird — wie damals der Kommunismus/Nationalsozialismus — als weltliche Religion angesehen.

    Es gibt aber auch schon Ketzer, die genau diesen Punkt angreifen, leider noch zu wenige, aber der Ansatz ist da.

    Merk(l)e: Man mache in .de aus Arbeit (die normal ist) einen Beruf(ung) und schon hat man eine neue Religion, und jeder, der egal aus welchen Gründen, nicht mitziehen kann, oder noch schlimmer will, ist ein Faulenzer, Sünder bzw. ein Ketzer.....

    Ich mein dazu sogar mal einen hochaktuellen Doku‐Film gesehen zu haben, der die globale Religionsverherrlichung »der Arbeit« angreift, weiß aber den Titel nicht mehr..... :(

    Gruß
    Bernie

  8. Dass es nicht um rechts oder links geht, sondern (in diesem Fall) um Erhalt bzw. Aufbau von Feindbildern, zeigt doch auch die Stimmenthaltung Deutschlands bei der von Russland in der UN‐Vollversammlung eingebrachten »Resolution zur Bekämpfung der Glorifizierung des Nazismus und anderer Praktiken« im Dezember letzten Jahres und die Begründung der Bundesregierung für diese Entscheidung:
    »Bundesregierung will nicht pauschal Gedenkfeiern für Nazi‐Kollaborateure verurteilen«

    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43939/1.html

    @Bernie
    Danke für die völlig richtige Ergänzung, auch wen ich deinen Optimismus nicht so ganz teilen kann.

    Gruß

  9. »Raucher gegen Nichtraucher, Frauen gegen Männer, Junge gegen Alte, Arte gegen RTL2, Eltern gegen Erzieher, Vegetarier gegen Fleischesser, Deutsche gegen Ausländer, Antifa gegen Nazis, Autofahrer gegen Autofahrer, Erwerbstätige gegen Erwerbslose, Christen gegen Moslems, Nachbar gegen Nachbar, Blogger gegen Printmedien und umgekehrt!« Mit solchen Binsen sei es in satirischer oder ironischer Form willst Du das Spaltungs‐Interesse der Herrschenden und deren Ängste vor »Aufständen, Generalstreiks etc.« beschreiben? Das heißt doch im Umkehrschluss, dass sich die Gruppen unter Ausblendung ihrer teilweise sehr fortschrittlichen Positionen trotz ihrer Gegensätze zusammenschließen, solidarisieren und den gemeinsamen Kampf gegen den gesamtideelen Gegner aufnehmen sollen. Im Klartext ist das der Ruf nach der Volksgemeinschaft des WIR, die alles nivelliert und nur noch (unterdrückte) Deutsche kennt. »Ein Volk«! »Deutsche wehrt Euch!«

    Wer dagegen die Widersprüche und Differenzen innerhalb bestimmter Ineressensgruppen aufzeigt und analysiert (Vegetarier/Carnivoren, Frauen/Männer, Raucher/Nichtraucher, Blogger/Printmedien — Eltern sind übrigens auch Erzieher), ist ein Spalter.

    Bestimmt klärst Du mich jetzt auf.

    Gruss von linksradikalen Spalter.

  10. Letztlich werden sogar die ehrlich gläubigen Neoliberalen benutzt und vor den Karren gespannt , weil sie so doof sind , den interessengesteuerten Müll für bare Münze zu nehmen , in der Sozialdemokratie finden die sich besonders häufig.

    @Frau Lehmann

    In der Tat , sie verspeisen sich nicht gegenseitig , der Punkt wird viel zu häufig übersehen.
    Untereinander halten die gut zusammen , suggerieren dem Volk aber gleichzeitig , überstarke Ergebnisse eines knallharten Auslesungsprozesses zu sein , obwohl es in Wahrheit vor allem um Herkunft und Beziehungen geht.

  11. @Art Vanderley

    Widerspruch: Die »ehrlich gläubigen Neoliberalen« spannen sich ganz freiwillig vor den Karren. Ehrlich sind die nicht unbedingt, gläubig auf jeden Fall und, Zustimmung, gerne in der SPD zu finden. Wer nur seinem Glauben folgt, kann und muss ja nicht wissen, aber soll man die Gläubigen in dem Fall etwa bedauern?

  12. Pingback: Dann werden wir böse |

  13. «Tut ja auch niemand (von den »Starken«) — einen anderen Menschen verspeisen.»

    Nicht unmittelbar, aber er wirft sie Bestien wie Hunger, Armut und
    Krankheit zum Fraß vor, inzwischen auch hierzulande. Was unterscheidet ihn eigentlich von dem reichen Römer, der seine Muränen zum Fressen so gerne hatte, dass er sie mit Sklaven
    fütterte. Für mich ist das Kannibalismus 2. Ordnung.

  14. @Frau Lehmann

    Auf Bedauern wollte ich auch nicht hinaus , eher auf die Sorte Blödheit , die sie nicht erkennen läßt , daß sie trotz aller Anbiederung selber nur Instrumente sind , gibts auch häufig bei einem bestimmten Typus des Mittelständlers.
    Die sind schon selber schuld und zählen zum Schlimmsten , was so durch die Gegend läuft , schließlich erhoffen sie sich Vorteile durch ihren vorauseilenden Gehorsam.

  15. »Die sind schon selber schuld und zählen zum Schlimmsten , was so durch die Gegend läuft , schließlich erhoffen sie sich Vorteile durch ihren vorauseilenden Gehorsam.«

    Tja, die Sorte, die glaubt, durch oben gefallen nach oben fallen zu
    können. Haben wohl Physik in ihrer Schulzeit verpennt oder abgewählt …

  16. @kevin sondermüller

    Funktioniert leider oft genug , mit Physik aber kanns auch mal bis ganz nach oben reichen...

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