Alibipolitik

Für die Krise des Marktes gibt es die Heilung des Marktes.“
(Serge Halimi. »Hollande auf dem falschen Pferd«. Le Monde Diplomatique. Ausgabe März 2016. S. 4)

Statt die sozioökonomischen Rahmenbedingungen positiver zu gestalten, verfrachten wir die Leute in die Psychotherapie, damit sie sich besser selbst optimieren können.

Statt die Arbeitsbedingungen von Lohnarbeitern dauerhaft zu verbessern, schicken wir einen Coacher oder Supervisor, damit die Kollegen sich mal auskotzen können.

Statt effektiven Klima‐ und Umweltschutz zu betreiben, führt man einen marktkonformen Emmissionshandel ein.

Statt in Schulen und Kindergärten zu investieren und soziale Berufe attraktiver zu machen, werden die Anforderungen an das Fachpersonal und die Qualität herunter geschraubt, um Geld zu sparen.

Statt.....

3 Gedanken zu “Alibipolitik

  1. Na ja, die Psychotherapie im institutionalisierten Rahmen, ergo Psychiatrie – oder gleich die forensische Psychiatrie (kann man schneller hinein geraten als man glaubt; und wieder heraus zu kommen ist unglaublich schwierig …)

    Um Psychotherapie als KV‐Leistung muss man als Mensch
    mit normalen oder gar prekären sozioökonomischen Rahmenbedingungen hart und zäh kämpfen bis zur Bewilligung, wie ich aus eigener (leidvoller) Erfahrung weiß …

  2. Es ist unmöglich mit Ökonomie Probleme zu lösen, welche durch Ökonomie entstanden sind. Das ist etwa so, wie anzunehmen, dass sich ein Feuer selbst löscht. Politik, die sich auf Ökonomie beruft, kann immer nur Alibipolitik sein.

    In einer Gesellschaft, die einem wirtschaftlichen Nullsummenspiel folgt kann nur jemand mehr haben, wenn er dem anderen etwas wegnimmt. Mein Gewinn ist Dein Verlust. Selbst wenn der Ausweg sein sollte, dass der »Staat« (in Wirklichkeit die Gemeinschaft) nach ökonomischen Regeln investieren wollte, müsste er sich zunächst bei privaten Gläubigern verzinst verschulden und danach die Gläubiger noch wohlhabender machen, die dazu selbst keine Leistung erbringen. Es ist ein alter Irrglaube, dass Armut mit mehr Geld bekämpft werden kann.

    Wer über Reformen nachdenkt, auch sozioökonomisch, sollte sich über die ökonomischen »Sachzwänge« im Klaren sein. Diese werden durch die Bilanzen realwirtschaftlicher und finanzwirtschaftlicher Konzerne und bestehende Gesetze, die deren Existenz ermöglichen, bestimmt.

  3. Carlo, jedes andere Land auf der Welt hat die Souveränität über die eigene Währung. Nur die EU Verträge sind die Ausnahme, sodass Eu Staaten nicht durch ihre eigene Notenbank direkt finanziert werden können. Der Sachzwang ist also keiner, sondern ein offenes politisches Konstrukt und zwar durchgehend der neoliberalen Ansicht geschuldet. Das war ja das große Kunststück in Europa, endlich muss der Staat, ja ein ganzer Kontinent mit ansonsten hoher Produktivität und Entwicklung„ bei Privatbanken um Kredit anfragen (afrikanische Staaten sind auch in einer Schuldknechtschaft, aber anders). Das ist in gewisser Weise der Kern der staatspolitischen Ideologie des Neoliberalismus. Ein von seinem wichtigsten Instrument getrennter Staat. Er kann alles machen, aber das Geld kommt von der Bank. Daher ist das ganz und gar nicht thema, nirgends und nie. Es ist der typische neoliberale liberale Autoritarismus: du kannst alles machen, aber die materiellen Ressourcen geben wir dir, nachdem du sie uns freiwillig gegeben hast, nun zu unseren Bedingungen. Du kannst alles machen, aber folgst du nicht den diskussionslos geltenden Regeln, wirst du zu Grunde gehen.

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