Für Lohn arbeiten

Immer und immer und immer und immer wieder das Gleiche und das Dasselbe jeden Tag machen. Das soll Selbstentfaltung, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung sein? Ernsthaft?

Da gibt es Herren und Knechte; denn da muss Geld verdient werden, da muss die Hazienda ertragreich gemacht werden, damit sie mit tausend Prozent Gewinn verkauft werden kann.“
(B. Traven. „Die weiße Rose“. Universitas Verlag. Berlin 1962. S. 12)


Selbstoptimierung
Selbstentfremdung
Lohnarbeitswahnsinn

29 Gedanken zu “Für Lohn arbeiten

  1. Und wer´s nicht akzeptiert – wird um die Ecke gebracht beziehungsweise wie Don José im Referenzbuch (mit dem Auto)
    plattgemacht …

  2. Korrektur: Don Jacinto Yañez war der Besitzer der Hazienda La Rosa Blanca – bzw. ihr treuhänderischer Verwalter für seinen Stamm, Totonaca‐Indianer wie er selbst. Sorry für Irrtum …

  3. @ert_ertrus

    Freut mich, dass noch jemand die Klassiker von B. Traven kennt. So ein Autor fehlt heute komplett. Und er würde ganz schnell als Antisemit, Populist oder Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt werden.

  4. Leider ein Rechtskonstrukt aus der Epoche der Sklaverei. Gab es übrigens auch in der DDR.

    Selbst Marx wusste dazu (aus »Lohn, Preis, Profit«):
    »Was der Arbeiter verkauft, ist nicht direkt seine Arbeit, sondern seine Arbeitskraft, über die er dem Kapitalisten vorübergehend die Verfügung überläßt. Dies ist so sehr der Fall, daß – ich weiß nicht, ob durch englisches Gesetz, jedenfalls aber durch einige Gesetze auf dem Kontinent – die maximale Zeitdauer, wofür ein Mann seine Arbeitskraft verkaufen darf, festgestellt ist. Wäre es ihm erlaubt, das für jeden beliebigen Zeitraum zu tun, so wäre ohne weiteres die Sklaverei wiederhergestellt. Wenn solch ein Verkauf sich z.B. auf seine ganze Lebensdauer erstreckte, so würde er dadurch auf einen Schlag zum lebenslänglichen Sklaven seines Lohnherrn gemacht.«

    Acht Stunden am Tag machen die Menschen nur noch zu Teilzeitsklaven. Das Schlimme ist dabei, dass sie sich selbst versklaven müssen und den Trick gar nicht bemerken.

  5. Der Unterschied ist eben nur, dass 1) die Epoche der Sklaverei kein Rechtskonstrukt kannte außer dem des instrumetalisierten bzw. nach seinen Interessen organisierten Faustrechts des ›Stärkeren‹ und 2) Kauf und Verkauf auf dem Konstrukt der Vertragsfreiheit basieren, welches wiederum die formale Gleichheit der Beteiligten voraussetzt. :MRGREEN: :PROF:

  6. @Samson
    Lohn ist kein Kaufpreis, sondern ein Mietpreis.
    Zum anderen kannte man dieses Prinzip im alten Rom. Es gab im römischen »Recht« Lohnarbeiter nach dem Locatio conductio operarum. Dieses hatte sein Modell im Locatio conductio rei.

    Und wenn Du einmal in eine Suchmaschine Deiner Wahl »locatio conductio operarum arbeitsrecht« eingibst, wirst Du schnell entdecken woher die Idee der »modernen« Lohnarbeit stammt. Es ist ein altes Konzept.

  7. @Samson – Traven beschreibt die Globalisierung (konkret einen Akt des Landgrabbings im großen Stil), wie sie leider bis dato abläuft! Eine Gerechtere mit Teilhabe Aller haben die wenigen Gewinner der leider noch Aktuellen immer mit allen Mitteln verhindert …

  8. Locatio conductio operarum – der gute alte Werkvertrag, der Dank
    eines Rechtsgutachtens der Ludwig Maximilians‐Uni München auch auf abhängig Beschäftigte übertragbar ist (wovon der Niedriglohnsektor insofern profitiert, als Arbeitnehmer unter Werkvertrag mit 35% des Lohnes eines Festangestellten bei identischen Tätigkeiten abgespeist werden dürfen …)

  9. @Carlo
    Bezogen auf die Sache ist kein Unterschied zwischen Miete und Kauf, weil das Verfügungsrecht wechselt. Ob der König dergleichen ›festnagelt‹ oder die ›gewählte‹ Regierung, ist demgegenüber gleichgültig, weil beide die Polizei brauchen ...

    @ert_ertrus
    Traven schrieb vieles (hab irgendwo im Schrank einen Wälzer mit Kurzgeschichten), ›aktuelles‹ findet sich bspw. in (Sach)Büchern von Jean Ziegler, eins davon heißt nicht von ungefähr »Wir lassen sie verhungern«, darin werden auch globale Zusammenhänge beschrieben und mit reichlich UNO‐Datenmaterial belegt.

  10. @ert_ertrus
    Da hat sich wohl ein kleiner Schreibfehler eingeschlichen:
    Locatio conductio operis -> Werkvertrag
    https://link.springer.com/chapter/10.1007/978–3-662–03007-3_51
    Locatio conductio operarum -> Dienstvertrag
    https://link.springer.com/chapter/10.1007/978–3-662–03007-3_50

    Und klar, das moderne »Recht« beruht zu großen Teilen auf Gesetzen der römischen Sklavenhalterordnung. Das ist auch notwendig, weil nur so die Ökonomie‐Ideologie durchgesetzt werden kann. Die ist weit weg von Wissenschaft, aber nah dran an Willkürherrschaft.

  11. @Samson

    Was verkauft denn der Lohnarbeiter? Oder muss er sich als Mensch im Ganzen vermieten und zeitweilig auf seine Freiheitsrechte verzichten?

    Und ja, sich zu verkaufen oder zu vermieten (zu müssen) ist beides gleich menschenunwürdig.

  12. @Carlo
    Der Lohnarbeiter verkauft/vermietet seine Arbeitskraft, behandelt diese also wie eine ihm gehörende Ware, und das ist qualitativ ein fundamentaler Unterschied zum Sklaven, der im Gegensatz dazu als meinetwegen ›ganzer Mensch‹, ohne sein Zutun und i.d.R ungefragt verkauft wird. (Die Portugiesen beriefen sich seinerzeit mit ihrem geltenden Recht auf eine päpstliche Bulle, die sinngemäß besagte, Neger sind keine Menschen, folglich haben Weiße das Recht, sie zu versklaven, töten etc. pp.)

    Universell‹ sind ›Menschenrechte‹ ohnehin erst seit es den ›Weltmarkt‹ gibt, weil sie dort als potentielle ›Kunden‹ in Betracht kommen.

  13. Was ist Arbeitskraft? Wie misst man sie? Was Kraft ist, kann ich mir noch einigermaßen vorstellen. Ist auch mit einem Federkraftmesser messbar.

    Offenbar wird der Lohnabhängige aber nicht nach seiner Kraft bezahlt, sondern nach Zeit. Die Arbeitsverträge laufen meistens auf Zeitbasis. Arbeitszeit ist doch aber Lebenszeit. Wie misst man den Wert von Lebenszeit?

    Die Unterschiede zwischen Lohnarbeit und Sklaverei sind mir schon klar. Die Gemeinsamkeiten aber auch. Und Lohnarbeit gab es bereits im alten Rom.

    P.S.: Ich kenne nur ein Menschenrecht. Das ist das Recht auf Freiheit. Das Recht ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

  14. Freiheit gibt es jedoch weder in einem Staat, noch in einer Firma. Auch in den meisten Vereinen ist der Begriff Freiheit eher als Floskel zu betrachten.

  15. @Juri

    Das sehe ich ähnlich. Meistens ist heute bürgerliche Freiheit gemeint. Das ist etwas völlig anderes. So wie Bürgerechte nicht gleich Menschenrecht sind oder repräsentative Demokratie nicht gleich Demokratie (klassisch).
    Man verwendet einen Haufen Wohlfühlbegriffe zur Verschleierung der gesellschaftlichen Verhältnisse und zum Anästhesieren des Denkens.

  16. @Carlo
    Statt was messen (meinetwegen i.d.S. von ›Gerechtigkeit‹ resp. ›Preis‹) oder zwischen Arbeits‐ und Lebenszeit dergestalt unterscheiden zu wollen, dass die eine ein ›Abzug‹ von der anderen darstellt, stell dir lieber die Frage, was Freiheit, und zwar ohne jegliches Attribut; sein soll und warum ;)

  17. @Carlo
    Übersetze dir meinetwegen Arbeitskraft mit Arbeitsfähigkeit, dann hast du die Antwort. Deine Frage, wie sich das ›messen‹ lassen täte, ist ohnehin verkehrt, weil die Antwort darauf immer zufällig (d.h. nicht quantifizierbar) wäre in Bezug auf den Umstand, dass als Resultat des Arbeitsvertrags ganz genauso wie bei jedem anderen Kauf‐ oder Mietvertrag das Verfügungsrecht über den Vertragsgegenstand von einer Vertragspartei auf die andere übergeht.

    Das ist auch der Grund, weshalb der Arbeiter während dieser vertraglich fixierten Zeit, sei diese lang oder kurz, gefälligst die Klappe zu halten und die Befehle seines Chefs auszuführen hat.

    Im Unterschied zum Sklaven hat er das Menschenrecht, vom Vertrag zurückzutreten und ein Leben ›nach seiner Fason‹ zu führen, sofern er dazu ›materiell‹ in der Lage ist und niemandes anderen evtl. gegenteilige Interessen ›verletzt‹. Dies gilt freilich für seinen Chef ebenso.

    Allgemein gesprochen, besteht die sog. ›bürgerliche‹ Freiheit wesentlich darin, als Bürger mit anderen formal‐rechtlich gleichen Bürgern verbindliche Verträge abzuschließen und diese nach Gusto einseitig zu kündigen.

    Noch anders ausgedrückt, niemand wird durch dieses Rechtskonstrukt gezwungen, seine ›Lebenszeit‹, und sei es nur partiell; mit ›Lohnarbeit‹ zu verplempern.

  18. @Samson

    »Noch anders ausgedrückt, niemand wird durch dieses Rechtskonstrukt gezwungen, seine ›Lebenszeit‹, und sei es nur partiell; mit ›Lohnarbeit‹ zu verplempern.«

    Diese »Freiheit« war von Anfang an, eine rein bürgerliche Freiheit der Vermögenden. Für die Besitzlosen und Armen hat sich nur die Peitsche geändert. Fortan schlägt man sich via »Eigenverantwortung« komplett selbst. Den ökonomischen Zwang zur Lohnarbeit thematisieren wir lieber nicht.

  19. Ich kann deinetwegen annehmen, dass Kraft gleich Fähigkeit ist? Das liest sich nicht besonders plausibel.
    Der Wert von Fähigkeiten lässt sich also nicht empirisch bestimmen oder verifizieren? Das würde bedeuten, dass der Wert keiner Ware oder Dienstleistung empirisch bestimmbar wäre. Auf welchen empirischen Werten beruht dann eine sogenannte Wissenschaft wie die Ökonomie? Etwa auf subjektiven Annahmen oder Willkür?

    Aber okay, nehme ich Dich beim Wort. Der Lohnarbeiter vermietet/verkauft seine Fähigkeiten gegen einen willkürlich festgesetzten Lohn. Was macht er dann den ganzen Tag? Liegt er irgendwo in der Sonne oder auf der Couch? Oder ist es nicht so, dass er als ganzer Mensch bei seinem Chef antreten muss? Das würde erklären, warum er »während d[ies]er vertraglich fixierten Zeit, sei diese lang oder kurz, gefälligst die Klappe zu halten und die Befehle seines Chefs auszuführen hat.« Dann hätte er aber mehr verkauft/vermietet als seine Fähigkeiten. Nämlich sich selbst; seine Lebenszeit, Gesundheit, Freiheit ... Die lassen sich nicht vom Menschen trennen. Das ist doch schon sehr sklavenähnlich.

    Aber es ist wirklich großzügig von der bürgerlichen Gesellschaft, dass den Bürgern die Freiheit eingeräumt wird, sich auszusuchen an wen man seine Fähigkeiten und noch mehr vermietet/verkauft. Auch wenn Menschen zum Fristen ihres Lebens auf (Geld)einkommen angewiesen sind, kann man doch beruhigt sagen, dass es sich nicht um Sklaverei handelt. Jeder hat die Freiheit, zu verhungern und zu erfrieren oder sich zu vermieten/verkaufen. Zur Not muss sich jeder selbst nur mehr motivieren und auch mal die Zähne zusammenbeißen, wenn er noch welche hat.
    Bürgerliche Freiheit kann Freiheit nicht ersetzen.

    Menschenrecht ist für mich, nicht auf menschenunwürdige Verträge eingehen zu müssen. Menschenleben darf kein Wirtschaftsgut sein, weder im Ganzen, noch in Teilen.

    Aber: »Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.« (Marie von Ebner‐Eschenbach)

  20. »Der Wert von Fähigkeiten lässt sich also nicht empirisch bestimmen oder verifizieren? Das würde bedeuten, dass der Wert keiner Ware oder Dienstleistung empirisch bestimmbar wäre.«
    Du kanst auch keine moralischen Kategorien wie etwa »Menschenwürde« empirisch bestimmen, und trotzdem hackst du darauf rum, wenn dir irgendwas an der gegenwärtigen ökonomischen Konstellation nicht in den Kram passt.

    Das ist in etwa so, als wenn ein Bauer seinen Gott verflucht (oder die Regierung um ›Unterstützung‹ anbettelt), weil der Regen trotz täglichem Gebet ausbleibt, er aber gleichzeitig Bewässerung aus ›Kostengründen‹ ablehnt.

  21. @Samson
    Ich hacke auf gar nichts rum. Und was ist Moral anderes als eine Ideologie der Herrschenden. Menschen die anderen Menschen nicht erklären können woher sie kommen und warum sie auf dieser Erde existieren, aber glauben bestimmen zu können, was die anderen Menschen mit ihrer Lebenszeit anzufangen haben. Das ist nicht logisch.
    Wenn mir jemand erklärt, dass Menschen ihre »Arbeitskraft« verkaufen müssen, um in dieser Welt zu überleben, frage ich natürlich warum das so sein muss und was »Arbeitskraft« ist und wie man sie misst. Theoretisch muss man sie ja irgendwie messen können, weil es sonst keinen Vergleich zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten gibt. Was ist dann also der Wertmaßstab?

    Zum anderen komme ich als Humanist gar nicht auf die Idee den Wert von Menschenrecht, Menschenleben, Menschenwürde, Gesundheit, Talenten und Fähigkeiten bestimmen zu wollen. Das macht aber die Ökonomie, deren Kernstück ein Gesetzeskonstrukt ist, die Lohnarbeit. Ohne Lohnarbeit gäbe es keine Ökonomie. So einfach ist das.

    »Ja, aber das geht doch nicht. Wie soll man dann die Wirtschaft organisieren?« Doch das geht, man muss nur anfangen von Grund auf neu zu denken. Menschlich denken und nicht ökonomisch.

  22. @Carlos
    Die Herrschenden brauchen keine Moral, aber du offensichtlich, denn du empörst dich über deren Gebaren. Warum willst du um alles in der Welt denn zwischen Tätigkeiten unterscheiden? Genau das ist doch der Inhalt von Herrschaft.

    Die Herrschenden rechtfertigen sich damit, dass bspw. Herrschen als Tätigkeit mehr wert sei als meinetwegen Straße kehren. Und für derlei Fremdbestimmung willst du auch noch einen ›Maßstab‹ haben.

    Wenn du meinst, ›die Wirtschaft‹ irgendwie anders organisieren zu können, dann mach es.

    Historisch ist freilich nachweisbar, dass derelei Unternehmungen nicht glückten, weil die jeweilige Herrschaft ein ›Einsehen‹ gehabt hätte, sondern partiell und temporär dann, wenn ›Gleichgesinnte‹ sich zusammengerauft und zunächst selber die politische Herrschaft ›übernommen‹ hatten. Genau das gilt dann mit schöner Regelmäßigkeit Menschenrechtsverfechtern aller Coleur als totalitär o.s.ä. :MRGREEN:

  23. Nun @Samson was willst Du mir denn nun erzählen? Ich empörte mich nicht, sondern bezeichnete es als unlogisch. Und moralische Regeln werden und wurden nicht von Arbeitern und Bauern vorgegeben. Für die Entwicklung der Arbeitsmoral habe ich hier ein schönes Beispiel: http://www.krisis.org/1999/wer-nicht-arbeitet-soll-auch-nicht-essen/

    Zum anderen will ich nicht zwischen Tätigkeiten unterscheiden, denn allein aus der Beobachtung ergibt sich, dass das Pflügen, Reparieren, Pflegen, Konstruieren, Verwalten, Lehren, Fischen, Bauen ... unterschiedlich sind. Es spricht nichts gegen Arbeitsteilung.

    »Die Herrschenden rechtfertigen sich damit, dass bspw. Herrschen als Tätigkeit mehr wert sei als meinetwegen Straße kehren.«
    Ja, und ist das so? Hat diese Unterscheidung nicht auch seinen Ursprung in der antiken Sklavenhalterordnung: artes liberalis und artes mechanicae?

    »Wenn du meinst, ›die Wirtschaft‹ irgendwie anders organisieren zu können, dann mach es.«
    Auf Unsachlichkeit können wir beide wohl verzichten.

    Was historisch nachweisbar ist oder nicht ist eine Sache. Die andere ist, was getan wird. Historisch wurde zum Beispiel eine Tauschwirtschaft innerhalb einer Gemeinschaft, aus der sich die Notwendigkeit von Geld ergab, nie nachgewiesen. Trotzdem baut sich die Ökonomie auf diesen Mythos von Adam Smith auf.
    Außerdem, was haben meine Vorstellungen und Ideen mit der Historie zu tun? Du meinst zu wissen, was ich denke?

  24. @Carlos

    « Ich empörte mich nicht, sondern bezeichnete es als unlogisch«
    Das stimmt beides nicht, es sei denn, Empirie hätte was mit Logik zu tun. Zudem trägst du das, was du vielleicht unter Kritik verstehst, laufend mit der Attitüde des Moralisten / ›Humanisten‹ vor, der ein ›selbstbestimmtes Leben‹ will, ohne auch nur ansatzweise auszuführen, was das sein soll, wenn aller materielle Kram, der zum Leben notwendig ist, gesellschaftlicher Produktion entstammt.

    Bei deiner Aufzählung von Tätigkeiten kommt es dir primär auf Unterscheidung an, nur um daraus herleiten zu können, dass »nichts gegen Arbeitsteilung« einzuwenden wäre. Dabei übersiehst du freilich, dass du was Ganzes wenigstens hypothetisch unterstellen musst, wenn du von Teilung redest.

    Unterstellt, die Gesellschaft produziere kapitalistisch, dann stellt sich das Ganze, entsprechend der Logik dieser historisch spezifischen Produktionsweise eben als jener ›Warenberg‹ dar, von dem Marx im allerersten Satz des Kapitals schreibt.

    »Außerdem, was haben meine Vorstellungen und Ideen mit der Historie zu tun?«
    Nichts, allerdings hast du auf sie verwiesen, um Lohnarbeit mit Sklaverei gleichzusetzen, und das ist halt selbst dann Humbug, wenn dieser Vergleich in einer Propagandaschrift von Marx selber rhetorisch bemüht wurde. Der ging freilich davon aus, dass ›die Wirtschaft‹ widersprüchlich organisiert sei, es eine ökonomisch ausgebeutete Klasse gibt, die sich die Ausbeutung auf Dauer nicht gefallen lassen und die Verhältnisse revolutionär verändern täte. Vor allem aber ging er davon aus, dass in einer dann eben kommunistisch organisierten Gesellschaft die notwendige Arbeit nach gemeinsamen Plan geteilt, die Resultate dieser meinetwegen Teilarbeiten aber gerade nicht getauscht würden.

    Ob das mit deinen Vorstellungen und Ideen kompatibel ist, kann ich nicht sagen, bezweifle es aber ;)

  25. @Samson

    Du solltest schon den gesamten Gesprächsverlauf bewerten und kein Cherrypicking betreiben. Mir kam es von Beginn auf eine empirische Wertmessung an. Die hat nun rein gar nichts mit Moral zu tun, sondern mit Wissenschaftlichkeit. Der moralische Aspekt kam allein von Dir.

    Die Teilung von Arbeit muss nicht zwangsläufig eine Bewertung nach sich ziehen, so wie es unter heutigen ökonomischen Bedingungen des Individualtauschs geschieht. Arbeitsteilung kann, konnte und wird ebenso in einer kooperativen Wirtschaft von Nutzen sein. Das schreibst Du ja auch. Und dazu habe ich keine andere Meinung. Ansonsten verstehe ich Deine Aussage nicht.

    »Nichts, allerdings hast du auf sie verwiesen, um Lohnarbeit mit Sklaverei gleichzusetzen,...«
    Das tat ich nicht. Sie sind ebenso wenig gleich wie das Kolonat und die Leibeigenschaft. Ich schrieb zu welcher Zeit das Konzept der Lohnarbeit entwickelt wurde. Das war in der Periode der römischen Sklaverei. Dazu brauchte es nicht erst den »Kapitalismus«. Dabei verwies ich auf das locatio conductio operarum, welches sein Modell im locatio conductio rei hatte. Lohnarbeit als Ableitung von Sklavenvermietung. »Sklavenähnlich« hatte ich es weiter oben bezeichnet.

    Marx ging davon aus, wie alle bürgerlichen Ökonomen, dass der Wert der Arbeit bestimmbar sei und beruft sich dabei auf Hobbes.
    »Einer der ältesten Ökonomen und originellsten Philosophen Englands –Thomas Hobbes – hat in seinem »Leviathan« schon vorahnend auf diesen von allen seinen Nachfolgern übersehenen Punkt hingewiesen. Er sagt:
    »Der Wert eines Menschen ist wie der aller anderen Dinge sein Preis: das heißt soviel, als für die Benutzung seiner Kraft gegeben würde.«
    Von dieser Basis ausgehend, werden wir imstande sein, den Wert der Arbeit wie den aller andern Waren zu bestimmen.«

    Das sagt, dass es keine wissenschaftliche Methode gibt, um menschliche Tätigkeit zu bewerten. Was jemand zu geben bereit ist, ist rein subjektiv. Auch Du nanntest mir keine empirische Messmethode. Damit wären wir wieder am Ausgangspunkt. Lohn ist ein willkürlich festgelegter Mietpreis. Und es ist nicht der einzige willkürliche Preis.

  26. @Carlos
    »Mir kam es von Beginn auf eine empirische Wertmessung an.«
    Eben, und was hast du davon resp. wozu soll das taugen?

    Das ist halt dein Denkfehler und auch deine Fehlinterpretation bei Marx. Dessen Intention war eben gerade nicht, ein Wertmaß zu bestimmen, vielmehr hat er erklärt, wie kapitalistische Produktion funktioniert, d.h. wenn als Voraussetzung gilt, dass alle Produktion in WAREN resultiert. Anders gesagt, die Gesellschaft produziert allgemein Waren. Waren sind nur sekundär irgendwelche brauchbaren Sachen, primär enthalten sie potentiell Wert, der aber eben erst auf dem Markt realisiert wird. Der Markt ist damit der ganzen Angelegenheit ebenso vorausgesetzt. Unter solchen Bedingungen ist eben der Arbeiter Verkäufer seiner Arbeitskraft.

    Das aber interessiert dich überhaupt nicht, vielmehr siehst du nur eine Analogie zu antiken Formen dessen, was du unter dem Begriff Lohnarbeit verstehen willst, warum auch immer. Ob, wer und wann ein ›Konzept‹ davon ›entwickelt‹ hat, spielt aber für die Bestimmung von Lohnarbeit unter kapitalistischen Bedingungen nicht die geringste Rolle.

    »Das sagt, dass es keine wissenschaftliche Methode gibt, um menschliche Tätigkeit zu bewerten.«
    Das hat auch vor dir noch niemand für notwendig gehalten, wozu auch, ökonomisch ging es immer nur um notwendige Arbeit, die aber verweist auf ihren Zweck. Wenn alle Waren produzieren, dann ist der Tauschwert deren hypothetische Voraussetzung und konstituiert damit ein bestimmtes gesellschaftliches Verhältnis der Produzenten.

    Wenn’s dich interessiert: Karl Marx „Das Kapital“ – Einführung von Peter Decker, wenn nicht, dann denk dir halt was anderes aus. Aber wie gesagt, Ökonomie drehte sich noch nie darum, ›menschliche Tätigkeit zu bewerten‹ o.s.ä., sondern immer nur um deren Zweck ;)

  27. @ Samson

    Der Beitrag von epikur handelt von Lohnarbeit. Dieser Lohn ist ein Preis für die Selbstvermietung eines Menschen an einen anderen Menschen, den Lohnzahler. Ich schrieb aus gutem Grund, dass das Konzept der Lohnarbeit der Zeit der römischen Sklaverei entsprang und dass die Idee dahinter der Sklavenvermietung entsprang. Kennzeichnend für die Zeit des alten Roms ist, dass es dort ein Sachen‐ und Schuldrecht gab, aber kein Menschenrecht. Leider steht das sogenannte »Arbeitsrecht« genau in dieser Tradition. Es ist, wenigstens in westlichen Nationen, aufgehübscht durch Urlaubsansprüche, Bezahlungen im Krankheitsfall, Begrenzung der Arbeitszeit ... Dies ändert nichts daran, dass es sich um die Selbstvermietung eines Menschen handelt. Es zeigt, wie wenig sich die menschliche Gesellschaft über rund 2000 Jahre entwickelt hat.

    Wollte ich einen Menschen kaufen oder verkaufen, würden mir alle sagen, dass dies nicht möglich ist. Das verstößt gegen Menschenrecht und Menschenwürde. Menschen sind keine Handelsware und daher unverkäuflich. Unverkäuflich bedeutet, dass man keinen Wert und keinen Preis bestimmen kann. Wie kann man etwas, was im Ganzen einen unschätzbaren Wert und keinen Preis besitzt, für acht Stunden am Tag gegen einen Lohn mieten? Lohn, so sagt man, sei ein Äquivalent. Nun frage ich mich wer bestimmt, das Äquivalent und: Wie ermittelt man einen Wert oder bestimmt einen Preis der acht Stunden Lebenszeit inkl. Gesundheit, Energie, Talent, Fähigkeiten, Freiheit ... entspricht? Was ist beispielsweise der Wert/Preis für einen Burnout, einen kaputten Rücken oder andere lohnarbeitsbedingte Erkrankungen? Das verstößt nicht gegen Menschenrecht und Menschenwürde, wenn sich Menschen zum Überleben vermieten müssen?

    Natürlich stellen Ökonomen diese Fragen nicht. Die leben mit ihren Theorien, egal ob Arbeitswerttheorie (Mensch als Träger von Arbeitszeit) oder Grenznutzentheorie (Mensch als Kostenfaktor), welche den Tausch knapper Güter zur Grundlage haben.
    Und wenn mir jetzt jemand erzählt, der Mensch produziert doch das und das und das Produkt hat neben seinem Gebrauchswert auch einen »hypothetischen« Tauschwert als Ware, dann ist das nett. Das sagt aber rein gar nichts darüber aus, was der Wert eines Menschen und seiner Lebenszeit ist. Menschlich gesehen ist es am Thema vorbei, wie alle ökonomischen Lehren.
    Nebenbei: Interessant ist in diesem Fall auch die Wert/Preis‐Ermittlung bei abhängig beschäftigen Lehrern, Ärzten, hauptamtlichen Politikern und Gewerkschaftern, Sängern, Schauspielern, Profisportlern, Juristen, Werbefachleuten, Reinigungskräften, Polizisten, Soldaten, Mitarbeitern von Verwaltungen und anderen Dienstleistern. Was produziert ein Fahrkartenkontrolleur Wertvolles, das er tauschen könnte?

    Wenn bis jetzt niemand Fragen dieser Art gestellt haben sollte, was ich nicht glaube, dann wäre es für Menschen längst an der Zeit, darauf schlüssige Antworten zu verlangen und sich nicht mit ökonomischen Theorien abspeisen zu lassen.
    Ich bleibe dabei: Ein Menschenleben kann und darf kein Wirtschaftsgut sein, weder im Ganzen noch in Teilen. Menschenleben ist unbezahlbar. Um das zu erkennen, muss niemand Marx oder andere Ökonomen lesen.

    OT: Du schlägst mir die Lektüre von Marx vor, damit ich Lohnarbeit und Kapitalismus »richtig« verstehe. Das ist etwa so als wenn mir ein Priester empfiehlt die Bibel zu lesen, um Gott zu verstehen. Du meinst, dann hätte ich eine Chance so zu denken wie Du. Ich nehme Dir das nicht übel. Ist Dir dabei nie in den Sinn gekommen, dass Dein Gegenüber jemand ist, der sich von Marx entfernt hat? Fast 35 Jahre habe ich mich mehr oder weniger intensiv mit Marx, Engels, Lenin, Hegel und Feuerbach und vielen anderen beschäftigt. Ich war ungefähr auf Deiner Linie (entsprechend dieser Unterhaltung). Vor etwa zehn Jahren habe ich diese Linie verlassen. Deshalb habe ich rein gar nichts gegen Menschen, die auf Marx schwören. Aber ich empfinde es unheimlich anmaßend, seine Gesprächspartner auf irgendwelche Lektüre verweisen zu wollen, weil da angeblich die »Wahrheit« steht. Das kann sie und tut sie nämlich nicht. Du bist mir hoffentlich nicht böse, wenn ich Deine Buchempfehlung freundlich und dankend ignoriere.

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