Presseblick (68)

zeit.de vom 5. Dezember 2017

zeit.de vom 5. Dezember 2017

Marx, Orwell und Huxley sollten verboten oder besser: als irrelevant gelehrt werden. Humanistische Werte wie Empathie, Solidarität und Nächstenliebe sollten durch Wettbewerbs‐ und Konkurrenzdenken sowie durch einen gesunden Egoismus in der Pädagogik ersetzt werden. Wir brauchen weniger Menschen, die womöglich noch eigenständig denken (Hilfe!), dafür aber umso mehr funktionierende Lohnarbeits‐Roboter, die genau das tun und genau das denken, was das Kapital will. :BULLE:  

Sprache
Zeit.de schreibt: »Keine Deutschen unter den Todesopfern« und bekommt in der Kommentarspalte heftigen Gegenwind für diesen dpa‐copy‐and‐paste‐Text. Die alte Medienweisheit, dass ein nationaler Bezug mehr Betroffenheit bei den Lesern auslösen würde, erzeugt immer wieder absurde, ja menschenverachtende Formulierungen. Denn das suggeriert, dass ein »Deutscher« mehr wert sei, als beispielsweise ein »Afrikaner«. Immerhin fällt das immer mehr Menschen auf.

Politik
Spiegel Online hat wohl vermeintlich neue Erkenntnisse über Kohls Spendenaffären und lockt im Teaser mit: »Wer waren die anonymen Spender, die Helmut Kohl in den Neunzigerjahren sechsstellige Summen aushändigten? Jüngste Recherchen lassen wenig Zweifel: Es gab sie wohl nicht.« Wer den ganzen Artikel lesen will, muss zahlen.

Und weil CDU und Spendenaffären zusammen gehören, wie Wind und Wasser, so gibt es in der Frankfurter CDU mal wieder eine Spendenaffäre. Korrupt sind nur die Anderen!

Telepolis vom 16. November 2017

Lohnarbeit
Fast alles was zum Thema Lohnarbeit und Massenarbeitslosigkeit in der bürgerlichen Kauf‐ und Konzernpresse steht, kann man getrost als Narrativ‐Installierung bezeichnen. So schreibt beispielsweise Christoph Schäfer von der FAZ mit herablassenden Tenor über Langzeitarbeitslose:

»Selten war es so leicht, in Deutschland eine Stelle zu finden. Trotzdem gibt es Menschen, die niemals auf dem Arbeitsmarkt bestehen werden. Warum nicht und wer sind sie?«

Das Fazit -wie könnte es anders sein‐ ist wie immer: selbstverschuldet, zu wenig Eigenverantwortung, zu wenig Bildung, die falsche Lebenseinstellung, zu hohe Ansprüche und so weiter und so fort. Auch hier gilt: es gibt keine neofeudalen Strukturen, Sachzwänge oder eine politisch gezielt gewollte Massenverarmung. Alle selbst schuld, diese überflüssigen Schmarotzer!

Svenja Glaser vom OXI‐Blog thematisiert den jährlichen DGB‐Index, die »Bullshit‐Jobs« und das die Meisten innerlich schon längst gekündigt haben. Interessiert heute auch kaum jemanden, denn: »Hauptsache Arbeit — egal welche!« Nach dieser Logik haben wir dann irgendwann auch italienische Zustände: »Jugendliche in Italien — Zur Mafia statt zum Arbeitsamt.« Immerhin haben sie Arbeit. :JAJA:

Rechtsextremismus
Oury Jalloh, Flüchtling aus Sierra Leone, soll sich im Jahre 2005 in Dessau selbst verbrannt haben. Diese offizielle Darstellung der Polizei hat bis heute zahlreiche Ungereimtheiten, Lücken und Fehler. Längst ist dieser Fall zum Politikum geworden, der nicht nur staatliche Polizeigewalt, sondern auch die typischen Vertuschungsversuche  von Polizei, Anwaltschaft und Behörden aufzeigt.

Armut

meedia.de vom 15. November 2017

meedia.de vom 15. November 2017

Die finanziell Armen sind eben nicht nur Globalisierungsverlierer, Schmarotzer, Parasiten (Wolfgang Clement), Sozial Schwache, Bildungsferne, Modernisierungsverlierer, Arbeitsscheue, Minderqualifizierte und Abgehängte, sondern schauen auch Unterschichten‐TV, sind ein bisschen faul und fettleibig. Und sie sollen nur essen, wenn sie arbeiten (Franz Müntefering). Wer arm ist, sei selbst schuld und eine überflüssige Ballastexistenz. Die offene Menschenverachtung ist nicht mehr zu übersehen. Für Linksliberale ist das aber kein (Sozial-)Faschismus, sondern nur eine individuelle Entgleisung. :NENE:

Und weil Menschen bis zur Obdachlosigkeit sanktioniert werden, Bettler ihre Einnahmen aufschlüsseln müssen und das Jobcenter Daten an den Verfassungsschutz weiter gibt, leben wir in der besten Oligarchie Plutokratie Demokratie der Welt und: »uns geht es gut«. :JAJA:


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4 Gedanken zu “Presseblick (68)

  1. Zum Thema Schule passt diese jüngste Meldung: »Politische Bildung wird zugunsten ökonomischer Bildung geopfert. Schüler sollen nur noch lernen, was einen konkreten Nutzen für ihre spätere Berufstätigkeit hat.« (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/politische-bildung-im-unterricht-wirtschaft-verdraengt-politik-aus-schulen-a-1182795.html). Bereits 2012 gab es Berichte über große Bildungslücken zur NS‐Zeit. Fack ju Göhte, ich lern‹ jetzt Vertragsrecht.

  2. @epikur
    Das Wort Verfassungsschutz ist auch so ein entlarvendes, wenn man versteht wie es gemeint ist, nämlich so wie Rostschutz oder Frostschutz. Da wo der (bräunliche) Verfassungsschutz Anstrich drüber ist, ist das was drunter ist vor Verfassung geschützt.

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