Der pädagogische Happen (11)

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Mutter A: „Oh Man, Theodor hat heute schon wieder Hausaufgaben in Deutsch und Mathe auf. Die bekommt er fast jeden Tag! Wir sitzen dann immer über eine Stunde da dran.“

Mutter B: „Sei doch froh! Meine Elsa bekommt gar keine Hausaufgaben auf. Alternative Reformpädagogik oder so ähnlich nennen die das. Gefällt mir aber gar nicht! Wie soll sie denn ohne Hausaufgaben eigenständig werden und was lernen?“

Mutter A: „Sie geht doch täglich für den halben Tag in die Schule! Ich denke, da büffeln die Kinder schon genug. Hausaufgaben dienen doch primär dazu, die Kinder frühzeitig mit Sachzwängen vertraut zu machen und um sie zu disziplinieren. Ich übe und lerne spielerisch mit Theodor auch so zwischendurch. Ganz ohne Hausaufgaben. Das macht er dann aber gerne und ohne Zwang!“

Mutter B: „Ja, aber ich finde es eben wichtig, dass meine Elsa nachmittags nicht immer nur spielt, sondern eben auch begreift, dass das Leben kein Ponyhof ist!“

Mutter A: „Aber spielen ist doch Lernen!“

(Bisherige Folgen)

5 Gedanken zu “Der pädagogische Happen (11)

  1. Tja, die schwarze Pädagogik feiert eben wieder einmal fröhliche Urständ´ – auch wenn die Neurowissenschaften sie längst ad absurdum geführt haben. Aber was kümmern neurotische Eltern und Lehrer schon Neurowissenschaften … ;)

  2. Oh, Mann! Es heißt „Oh, Mann!“ – und nicht „Oh Man“! Mannomann…! Bei dieser keinen Sinn ergebenden (aber im Netz unheimlich verbreiteten…) Schreibweise („man“ – was man…? Man nehme Dr. Oetker…!?) krieg ich auch regelm. Schnappatmung – und wünsche mir spontan deutlich mehr Deutsch-Hausaufgaben für Kinder! :P ;)

    Im weit verbreiteten „argumentativen“ Ausweg „das Leben ist kein Ponyhof“ wird der ganze Selbsthass durch Entfremdung deutlich, den man hier grade in diesem Rahmen schon von kleinauf aufoktroyiert bekommt. „Hausaufgaben“ sind ja auch eine bequeme Disziplinierungsmethode; wenn man sie bei manchen Lehrern drei Mal nicht gemacht hat, gibt’s ne 6! Man kann bequem Lerninhalte nach „außen“ verlagern; betrifft dann die „Eigenverantwortung“ jedes Einzelnen, ob er es dann bewältigt oder nicht. Im Studium wird es dann ganz extrem; man packt da dann gerne Inhalte rein, die deutlich mehr Zeit beanspruchen, die einen 8-Stunden-Arbeitstag bei weitem übertreffen. Ganz davon abgesehen, dass hier ein Maß an Konzentration über einen extrem langen Zeitraum gefordert wird, der in meinen Augen unmenschlich ist. Ich war in meinem (stark verschulten) „ÖD-Studium“ schon nach 6 x 45 Minuten so genannter „Vorlesung“ so fertig, dass ich mittags regelm. ins „Schlafkoma“ fiel. Konzentration für zuhause zu erlernenden Stoff war da keine mehr übrig…

  3. @Dennis82

    Ich erinnere mich vor allem auch daran, dass die Dozenten immer und immer wieder den Studenten gesagt haben, sie sollen ihre Referate nicht länger als 20 Minuten machen, damit genug Zeit bleibt für die Diskussion danach. Kaum ein Student hat sich daran gehalten. Sie hielten es alle für einen Kavaliersdelikt die Zuhörer in den Schlaf zu labern (45 Minuten war keine Seltenheit), weil sie doch soooo viiieel wussten und alles, einfach alles noch unbedingt gesagt werden musste.

    Mich hat dieser studentische Egoismus regelmäßig aufgeregt. Sie wollten einfach nicht verstehen, dass langes Quasseln keine Kunst ist, sondern die Herausforderung eben darin besteht, das Wesentliche in rund 20 Minuten rüber zu bringen. Vermutlich war es aber auch Taktik, damit man sich weniger den Fragen der Studierenden aussetzen musste, weil dafür dann kaum noch Zeit blieb.

    P:S: Das“man“ lasse ich jetzt mal extra so stehen. Nur für Dich! :d

  4. Doch – man legt ja grade in dieser oberflächlichen Welt einen enormen Wert auf (langes) Quasseln oder die Fähigkeit, sich zu präsentieren. Und den Leuten gerne auch den abstrusesten Quark glaubwürdig und selbstbewusst zu „verkaufen“…!

    Hach, du Glücklicher! ;) Es waren immerhin (inhaltliche) Diskussionen vorgesehen; auch wenn manch einer sie halt geschickt zu umgehen weiß. Denn grade an den Fragen wird ja deutlich, ob sich jemand wirklich auskennt…! Bei uns wurde in drei Jahren „Studium“ nie inhaltlich diskutiert (da wurde eh nur fachidiotisches „Wissen“ präsentiert). Es waren immer nur kleine Gruppenarbeiten zu stark eingegrenzten (aber durchaus komplexen) Themenfeldern. Der kleine Beamte hat schließlich gefälligst keine eigene Meinung zu haben! Das „Feedback“ hinterher bestand eigentlich immer nur am oberflächlichen rumnörgeln am Stil und der Person, die vorgetragen hat. Dafür hat man unheimlich gerne Zeit vergeudet; bei manch Dozenten glich das „Feedback“ grade bei unsicheren, stillen und gehemmten Leuten (auf die wird grade im heutigen „Bildungsbetrieb“ ja gar keine Rücksicht genommen; es hat gefälligst jeder ein Dampfplauderer zu sein…) oft einer regelrechten Hinrichtung!

    Ich hab in den drei Jahren ein einziges Mal maßlos meine Redezeit überzogen – als es in einem für die Prüfung irrelevanten paar-Stunden-Alibi-Modul um Wirtschafts- und Finanzpolitik ging (u. a. zur „Schuldenbremse“). Und ich hasse es wie die Pest, vor Publikum etwas vortragen zu müssen…! ;) Inhaltlich diskutiert hätte ich schon gerne. Das hab ich aber eigentlich nur in meinem (einmalig schönen…) Fachabi-Jahr im Deutsch-Unterricht erlebt…!

  5. Wiederholung ist die Mutter der Didaktik. Tatsache. Wenn du etwas lernen willst, musst du es öfter wiederholen. Dazu sind auch die Hausaufgaben da.

    Weitere Tatsache: In der Grundschule erzeugen Hausaufgaben keinen Zusatznutzen, d.h. kein Lerneffekt. In weiterführenden Schulen hingegen schon.

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