Zehn Beziehungsmythen

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© epikur

1.) These: Kinder können eine Beziehung retten.

Anmerkung: Es gibt wohl Millionen Paare in Deutschland, die wegen den Kindern zusammen bleiben, obwohl die Beziehung längst im Eimer ist. Das Sexleben ist quasi nicht mehr vorhanden, gemeinsame Unternehmungen (ohne Kind) gibt es nicht mehr (oder nur sehr selten), Konflikte sind an der Tagesordnung und auch ansonsten beschränkt sich die Partnerschaft auf Alltagstrott und auf die Inszenierung einer vorbildlichen Familie bei Freunden, Facebook und der Familie. Und das soll eine Rettung sein?

2.) These: Geld spielt in der Liebe eine untergeordnete Rolle.

Anmerkung: Ist sicher Zufall, dass sich so viele Frauen in Ärzte, Anwälte und Gutverdiener und so wenige in Erwerbslose verlieben, nicht wahr? Alle Studien und Umfragen zum Thema Beziehungsprobleme ergeben zudem, dass Geld das Konfliktthema Nummer eins ist. Dicht gefolgt von der Eifersucht.

3.) These: Aussehen ist nicht alles. Der Charakter zählt.

Anmerkung: Die größte (Selbst-)Lüge schlechthin. In einer vom US‐Kulturimperialismus verseuchten Welt — mit Hollywood‐Schönmenschen, Germanys Next Kotzmodel, Musikvideos mit halbnackten Narzissten, einer Sex‐ und Pornoindustrie die jährlich Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet und den Massenmedien, in denen regelmäßig Dummbeutel Karriere machen, die primär vermeintliche Attraktivität statt Charakter bieten – soll das Aussehen unwichtig sein?

4.) These: Es darf keine Geheimnisse geben. Man muss über alles reden können.

Anmerkung: Ein echter Beziehungskiller‐Spruch. Wer beispielsweise ausführlich über seine vorherigen Beziehungen spricht oder seine ehrliche Meinung zu Aussehen und Kleidung formuliert, der hat nicht nur ganz schnell ein paar anstrengende Vorwurf‐ und Konfliktgespräche an der Backe, sondern darf sich seine eigenen Worte jahrelang immer wieder mal anhören. Nicht wenige sind nämlich absolut nachtragende Geister.

5.) These: Liebe ist wie Magie. Sie vermag alles.

Anmerkung: Die sozial konditionierte Hollywood‐Klischee‐Romantik ist bequem und einfach, weil man nicht konkret werden muss. Ich behaupte, dass ohne eine beidseitige, fundierte Kompromiss‐, Konflikt‐ und Kommunikationsfähigkeit sowie ohne den Willen, sich gelegentlich selbst ehrlich zu reflektieren, keine Beziehung glücklich machen kann. Erich Fromm hat in der »Kunst des Liebens« alles Wesentliche dazu schon vor über 50 Jahren festgehalten.

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6.) These: Frauen sind heute selbstbewusster als früher und starten auch mal den ersten Schritt.

Anmerkung: Wenn damit ein Augenaufschlag gemeint sein soll, dann stimmt das. Ansprechen tun in der Regel aber nach wie vor primär die Männer (Ausnahmen bestätigen die Regel). Und das wird auch so von den meisten Frauen erwartet. Daran haben auch Emanzipation und Feminismus nichts geändert.

7.) These: Eine Ehe festigt die Liebe.

Anmerkung: Eine Illusion, die sich hartnäckig hält. Die seit Jahren steigende Scheidungsrate, die millionenfachen Sorgerechtskriege in Deutschland, und die konstant hohe Seitensprung‐Quote, scheinen wenig daran zu ändern, dass viele in der Ehe immer noch eine Art Sicherheitsgarantie für die Liebe sehen. Wer sich aufrichtig liebt, braucht keinen Ehevertrag als Knebelhilfe.

8.) These: Liebe ist, wenn... (hier ein beliebiges Wunschbedürfnis eingeben)

Anmerkung: Wer wirklich an die romantische Liebe glaubt, sie dann aber versucht an Bedingungen zu knüpfen, die einem in den Kram passen, der will die Wolken einsperren.

9.) These: Eine Fernbeziehung kann genauso gut sein, wie eine gewöhnliche Lebenspartnerschaft.

Anmerkung: Richtig ist, dass eine gelegentliche räumliche Trennung und eigene Erfahrungen und Erlebnisse jeder Beziehung gut tun. Ständig nur aufeinander zu hocken und wirklich alles zu teilen, kann nicht nur unheimlich nerven, sondern auch das Miteinander ersticken. Dennoch glaube ich nicht, dass eine Beziehung die nur ein‐ oder zweimal im Monat gepflegt wird, genauso gut wachsen kann, wie eine, bei der man sich öfters sieht.

10.) These: Eine gemeinsame Wohnung, ein gemeinsames Haus oder ein gemeinsames Bankkonto verbinden.

Anmerkung: Sozial Status, Konsum und Geld können zwar abhängig machen und ein kurzfristiges Vergnügen sein, machen aber nicht dauerhaft glücklich. Insofern festigen ähnliche Hobbys, Interessen, Auffassungen und gemeinsame Träume weitaus mehr, als beispielsweise ein gemeinsames Auto.

9 Gedanken zu “Zehn Beziehungsmythen

  1. Ich denke der Glaube an diese Mythen sorgt dafür, dass so viele Menschen allein bleiben und keinen Partner finden. Sie erwarten zu viel von ihrem Gegenüber. Er/Sie kann die Mythen nicht erfüllen, da es sich um Menschen handelt.

  2. @chriwi – dann gehöre ich bestimmt nicht zu diesen Leuten; und bin doch zu meinem Leidwesen allein. Aus genau diesem Grund:
    »Ist sicher Zufall, dass sich so viele Frauen in Ärzte, Anwälte und Gutverdiener und so wenige in Erwerbslose verlieben, nicht wahr?« – spätestens wenn Du beim Anknüpfen einer Beziehung
    Deine Erwerbslosigkeit erwähnst, verwandelst Du Dich im Nu vom Traumprinzen in den garstigen Frosch …

  3. Wie las ich schon vor längerer Zeit mal so schön: Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern ›Beziehung‹...
    Mir ist bis heute kein überzeugendes Gegenargument eingefallen.

  4. Jüngst passierte es, dass mich die Blume meines Herzens, (aka Lebensabschnittsgefährtin, Lebenspartnerin) recht muffig auf meine nicht prozessorientierte Strategie des korrekten Aufhängens von Wäsche hinwies, woraufhin unsere Beziehung einen Negativimpuls von ziemlich exakt 5 Sekunden erhielt, um wieder in fröhlichem Lachen zu enden. Meine Bemühungen in Hinsicht einer Suche nach Studien, Lebensberatung oder entsprechendem Coaching zur sachlichen Vermeidung solch destruktiver Begebenheiten zugunsten einer perfekten Beziehung, schlug leider fehl, — ich gedenke aber trotzdem, Racheaktionen zu vermeiden, wenn’s ans Holzhacken geht. Warum, — weiß ich auch nicht.

  5. Zeitgeistige Frauen in D sind nicht emanzipiert sondern nur egoman, mechanisch rationell und autistisch selbstfixiert, für mich völlig unattraktiv. Wer emanzipierte aber feminine und attraktive Frauen mehrheitlich sucht, der muss schon in andere Länder reisen, wie etwa Japan, Skandinavien, Italien oder Frankreich.

  6. @Johannes

    So eine Frau kann aber nichts mit einem ›anfangen‹, der wiederum nichts damit anfangen kann ›nur‹ als Partner gebraucht zu werden, weil sie ›seine‹ Hausmeistertätigkeiten locker auch selbst erledigen kann. Sie wartet nicht drei Wochen, bis da endlich mal das versprochene Loch in die Wand gebohrt wird oder der PC wieder flott...
    Wie gesagt, sie braucht keinen Hausmeister, sie braucht einen Partner — ich habe noch nicht so wirklich einen Mann erlebt, der damit leben konnte, daß sich da ›ständig‹ eine in seine ›Kernkompetenzen‹ einmischt ;)

  7. @Johannes
    Toll, wenn wieder alle Frauen über einen Kamm geschoren werden. Ich glaube, man bekommt immer genau den Partner, den man verdient und wenn man davon ausgeht, dass ja eh alle Frauen »egoman, mechanisch rationell und autistisch selbstfixiert« sind, werden einem auch nur genau solche Frauen begegnen. ;)

  8. Was kann man von der Liebe erwarten? Sie ist ein Nebenprodukt des Geschlechtstriebs und im Grunde nicht mehr als eine instinktive Form der Eugenik. Egoistische Nutzenmaximierung und brutale Selektion bestimmen das Wesen der Liebe. Wer die Liebe ernsthaft für etwas »tiefes« hält, der muss sich nur fragen, ob er seinen jetzigen Partner auch genommen hätte, wenn der beim Kennenlernen eine fette Schuppenflechte im Gesicht gehabt oder wegen einer Stoffwechselkrankheit 30 kilo mehr gewogen hätte.

    Die traurige, darwinistische Realität hinter der sogenannten Liebe bekommen männliche Versager ebenso zu spüren wie Frauen über 40. Denn wenn der weibliche Teil der Beziehung allmählich unfruchtbar wird, existiert die Liebe nur noch in der Theorie. In Wirklichkeit wird der Mann längst nach jüngeren Exemplaren, mit denen der überaus banale Zweck der ganzen Übung noch möglich ist, Ausschau halten.

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