Kaufen für die Müllhalde

Gut gemachte und interessante Dokumentation über Geschichte und Entwicklung der sog. »geplanten Obsoleszenz«. Der Verschleiß der Produkte wird gezielt entwickelt, um die Konsumgesellschaft, die den Fetisch Wachstum anbetet, ins Unendliche zu steigern. »An grenzenloses Wachstum auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen glauben nur Verrückte und Ökonomen. Leider sind wir mittlerweile alle Ökonomen.«

12 Gedanken zu “Kaufen für die Müllhalde

  1. Nicht nur dass, es scheint immer noch zu sein, dass wir für reine Luft bezahlen, d.h. das Gewicht der verkauften Ware entspricht nicht dem Inhalt.

    Ist doch beides schon seit Jahren bekannt, und keiner unternimmt wirklich dagegen — Übrigens, ich als Konsument kaufe gerne Chips einer bestimmten Sorte, die ich aber vorher immer abtaste um wenigstens etwas mehr vom Inhalt zu haben.

    Hab da vor 2 Jahren eine schlechte Erfahrung gemacht und seither taste ich die Chipstüten eben vor dem Kauf ab, ob der Inhalt auch annähernd rankommt — Noch besser wäre natürlich eine Briefwaage mitzuführen, aber das ist denn doch wirklich zu auffällig.

    Amüsierte Grüße
    Bernie

    PS: Ich kaufte damals einen Chipstüteninhalt der nach dem Auspacken glatt in eine große Kaffeetasse gepaßt hätte — eine bodenlose Frechheit, aber leider ließ ich es auf sich beruhen — jeder andere Kunde hätte sich wohl beschwert, aber ich habe andere Probleme zuhause als das ich jetzt sofort losrenne und alle im Einkaufsdiscounter verrückt mache ;) :(

  2. Es gibt verschieden Methoden der Obsoloszenz. Eine davon ist die Verkürzung der Lebensdauer eines Produkts jenseits der Garantiefrist durch techn. Veränderungen. Shimano hat nach Festsstellung des Absatzrückganges die Legierung der großen Kettenblätter (Antriebe) für Fahrräder um einen höheren Aluminium‐Anteil verändert, damit die Kette schneller das Haifischmuster in die Zähne fressen kann. Im Automobilbau geht der Trend in Richtung »Downsizing«, immer mehr PS aus immer kleineren Motoren bei höherem Fahrzeuggewicht.

    Bei Elektrogeräten, die meistens wegen Verkapselung nicht reparierbar sind, muß nur die Garantiefrist abgewartet werden, um vor der Notwendigkeit des Neukaufs zu stehen. Der GPS‐Hersteller Garmin repariert auch keine Navigationsgeräte für Sportler, sondern stattdessen einen hohen Rabatt auf den Neukauf bei Einsendung des Altgerätes.

    Einen beachtlichen Teil der Produktion von Elektroschrott haben die Konsumenten aber selbst zu verantworten. In den großen Sammelcontainern der kommunalen Umladestationen finden sich zu 90 % intakte PC‐Monitore und Fernseh‐Geräte mit Bildröhre, die einfach durch moderne und platzsparende Flachbildschirme ausgetauscht wurden. Gleiches gilt für CD/DVD, die die VHS Cassetten und Venylplatten ersetzten. Aktuell ist der USB‐Stick als Datenträger für Unterhaltungselektronik angesagt.

    Als Liebhaber des offenen Zweiventilers beobachte ich außerdem mit Bedauern, wie die seit über 20 Jahren im Handel angebotenen 26‐Zoll Mountainbikes nach und nach vom Markt verschwinden und so der Zwang zum Kauf der neuen 29er bzw. 27,5er-Räder entsteht.

  3. Wenn es nur die Obsoleszenz wäre — aber da kommt ja noch der Zwang, immer das Neueste haben zu müssen hinzu... Am bislang absurdesten fand ich, dass sogar mit der Unzulänglichkeit und modischen Kurzlebigkeit der eigenen Ware geworben wird, in dem Falle smartphones. »Mit diesem Tarif bekommst du jedes Jahr ein neues Smartphone«. Nun, der normale Mensch würde sich fragen, warum er nach einem Jahr sein »altes« wegwerfen solle... Oder warum er sich überflüssigen Schrott kauft, der in einem Jahr schon wieder Schnee von gestern ist. Als wäre die Innovation was die »Taschentelevisoren« (schönen Gruß von Orwell) betrifft derart bedeutend, dass dort jedes Jahr die Welt aus den Angeln gehoben werden würde! Aber wan fragt sich der Konsumzombie schon mal, ob etwas Sinn macht? Er torkelt weiter in die Läden — und tut wie ihm geheißen: Er kauft! Von dem wenigen, was man ihm lässt...

    »Lebensqualität ist, dass man Dinge kauft, die man nicht braucht, mit Geld, dass man nicht hat, um Leuten zu imponieren, die man nicht leiden kann.« Dieter Hildebrandt.

  4. @altautonomer

    Gute Ergänzung zur Doku! Wer heute nicht alles sofort wegschmeißt und neu ersetzt, wird schnell als »Messie« bezeichnet. So als wäre jeder, der alle halbe Jahre ein neues smartphone kauft, gleich ein Müllsammler. Diese inflationär verwendete Diffamierung freut die Wegwerf‐Industrie natürlich sehr.

    @Dennis82

    »Lebensqualität ist, dass man Dinge kauft, die man nicht braucht, mit Geld, dass man nicht hat, um Leuten zu imponieren, die man nicht leiden kann.« Dieter Hildebrandt..«

    Schönes Zitat!

  5. @Dennis82

    Der Zwang immer etwas Neues haben zu müssen ist aber manchmal auch nicht gerade freiwillig, wie jeder Computer‐Nutzer weiß.

    Ich schreibe diese Zeilen gerade mit einem »alten PC«, der eigentlich, wenn es nach »meinem« PC‐Verkäufer geht schon vor Jahren ausgetauscht gehört hätte — Er läuft immer noch einwandfrei....nachdem ich ihn selbst — zumindest softwaremäßig — aktualisiert habe — Tja, und kaum ist die Software aktualisiert stellt der Sofwareanbieter diese wieder ein....und das Spiel geht von vorne los....der PC selbst läuft eben einwandfrei, aber die Softwarefirmen zwingen einem ja auch dazu immer wieder neu....Na ja, wie bereits erwähnt jeder PC‐ bzw. Computer‐Nutzer kennt das Problem....

    Gar nicht amüsierte Grüße
    Bernie

  6. @Bernie: Und wenn man auf dem PC spielt ist es noch schlimmer. Je neuer die Spiele, desto grafikaufwendiger und speicherfressender sind sie. Und viele kann man nicht mal mehr weiterverkaufen, wenn man sie nicht mehr spielt, sondern muss sie wegwerfen, da sie nur eine bestimmte Anzahl Anmeldungen erlauben. Das ist alles Wahnsinn. Wir verplempern Rohstoffe, die endlich sind.

  7. @PeWi

    Hast recht, aber von der PC‐Spieleindustrie habe ich mich schon vor Jahren — aus dem eben von dir genannten Grund — verabschiedet.

    Computerspiele? Was war das noch?

    Amüsierter Gruß
    Bernie

  8. @all

    Heute kommt übrigens noch dazu, wie ich auch in meinem nächsten Verwandten‐ und Bekanntenkreis manchmal sehe, dass wir regelrechte »Konsumidioten« geworden sind.

    Die Werbung macht einem doch kirre, da soll man das neueste Smart‐Phon haben, die neueste zivile Drohne, Tablets & anderen modernen Krimskrams — Bücher sind out, man soll gefälligst Kindle lesen usw. usf.

    Tja, wie regiert man ein Volk noch am besten statt dem üblichen »teile und herrsche« — eben — mein Vater, der das Ende der Nazi‐Diktatur als 12jähriger miterleben durfte — mit »Volksverdummung«.

    Es läuft eben nicht nur auf eine »Lügenpresse« hinaus sondern auf eine regelrechte Verdämlichungsstrategie, denn die modernen Gerätschaften die ich oben erwähne sind ja für jeden einfach zu bedienen, und man muss diese auch laufend auf dem neuesten Stand halten....

    ....keiner hält mehr etwas von einer alten Mönchstugend — manche, einige wenige in de. evtl. schon.

    Welche ich meine?

    !!! Die Bescheidenheit !!!

    Man muss eben nicht alles haben was man sich »leisten« kann sondern kann sich auch schon mal einschränken, das wußten schon die Altvorderen.

    Amüsierte Grüße
    Bernie

  9. Was las ich letztens für einen schönen Ausspruch? »Wir kaufen uns mit Geld, das uns nicht gehört, Dinge, die wir nicht brauchen, um damit Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.«

  10. Hallo Rainer, XP habe ich schon vor einigen Jahren durch Linux ersetzt. Läuft auf meinem älteren ALDI PC (ca. 9 Jahre alt, 32 bit) hervorragend. Ist auch nicht schwer zu installieren und die Bedienung ist hier mit XP vergleichbar. Einfach aus dem Netz herunter laden, auf DVD brennen und schon geht der Spass weiter.
    Versuch macht Klug.

    WW

  11. Das ist ja die Crux: die Welt wurde in einen gefräßigen
    Verdauungstrakt dysformiert – während wir mitverdauen
    werden wir mitverdaut. Dabei könnte alles so viel schöner
    sein, mit unseren errungenen und erlittenen Möglichkeiten …

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