Der Anschlag (7)

anschlagArbeitgeberpräsident Ingo Kramer hält die Rente in Zeiten der leistungsorientierten und äußerst sozialen Marktwirtschaft für gänzlich überflüssig. Er schlägt ein neues Gesetz vor, dass alle leistungsunwilligen, erwerbslosen und obdachlosen Menschen, ab 60 Jahren, mit einem sozialverträglichen Ableben über eine staatlich verordnete Spritze belohnt werden. Weniger Ballastexistenzen würden die Renten‑, Sozial- und Krankenkassen sowie Angehörige, Unternehmen und Pflegeheime stark entlasten.

Die Frauenbeauftragte für Nordrhein-Westfalen sieht in der deutschen Sprache starke Tendenzen für ein frauenfeindliches Patriarchat. Deshalb will sie im Rahmen des Gender Mainstreaming die Begriffe Mannschaftsbus und Ernährung abschaffen und durch Frauschaftsbus und Sienährung ersetzen.

Die CDU – Arbeitsgruppe mit dem Namen »Arbeit muss sich lohnen« hat gestern in Berlin neue Konzepte vorgestellt, um das Ehrenamt und das soziale Engagement in den Jobcentern besser zu fördern. »Jeder der erwerbslos sei und auch arbeiten könne, müsse auch im sozialen Sektor arbeiten«, so der Vorsitzende. Hierbei sollen zusätzliche Erwerbsanreize, wie 50 Cent/Tag, 100 Prozent Sanktionen und Lebensmittelgutscheine genutzt werden.

Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn

[Im Pausenraum]

Chef: (wütend) Das ist unglaublich! Was erlauben die sich eigentlich?

Sekretärin: Entschuldigen Sie, was ist denn passiert?

Chef: Mein Sohn hat einen Strafzettel bekommen, weil er angeblich zu schnell gefahren ist. Aber das ist unmöglich, denn ich habe ihm persönlich beigebracht, wie man sich im Straßenverkehr zu verhalten hat.

Sekretärin: Ich verstehe. Und was haben Sie nun vor? Weiterlesen →

Zehn Grenzwertige Gemeinschaften

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Rücksicht?

  1. Fahrgäste, die in Bus und Bahn demonstrativ ihre Tasche/ihren Rucksack neben sich auf den Sitz legen, um allen zu signalisieren, dass sie niemanden neben sich haben wollen. Ihr verdammten Ignoranten: die Sitzplätze sind für alle da!
  2. Raucher, die in Nichtraucher-Zonen paffen und ihre Kippen überall hinwerfen. Hundebesitzer, die ihren Hunden erlauben, Parks voll zuscheißen. Und alle, die ihren Müll auf die Strasse werfen.
  3. Eltern, die ihren Kindern erlauben (oder es zumindest unkommentiert dulden), wenn ihre Kleinen gegenüber anderen Kindern oder Erwachsenen rücksichtslos und egoistisch sind. Schließlich sind ihre Kinder unantastbare Götter! Weiterlesen →

Presseblick (25)

SpiegelOnline veröffentlicht einen Artikel mit dem Titel »Geldvermögen: Deutsche sind so reich wie nie«. Im entsprechenden Forum gibt es verständlicherweise große Kritik zu dem armutsrelativierenden Beitrag. Bei ausufernder Leiharbeit, Dumping-und sinkenden Reallöhnen, gestiegenen Lebenshaltungskosten, steigenden Miet- und Energiepreisen, Massenerwerbslosigkeit und mindestens acht Millionen ALG 2 — Empfängern, von den »Deutschen« zu sprechen ist schon krass realitätsverweigernd und dreist. Es gibt auch keine Schere zwischen arm und reich (wie man immer wieder betont), denn Scheren sind am Ende miteinander verbunden. Millionäre, Reiche und Vermögende leben jedoch schon längst in einem Parallel-Universum. Weiterlesen →

Die wahren Schuldigen

Rentner sind nicht verantwortlich für Altersarmut.
Ausländer sind nicht verantwortlich für Sozialabbau.
Steuerzahler sind nicht verantwortlich für Steuerhinterziehung.
Erwerbslose sind nicht verantwortlich für Massenarbeitslosigkeit.
Lohnarbeiter sind nicht verantwortlich für Entlassungen und prekäre Beschäftigungsformen.

Verantwortlich sind: Politiker, Manager, Rating-Agenturen, PR-Soldaten, Werbeagenturen, Unternehmensberatungen, Aktionäre, Spekulanten, Konzernbosse, Banker, Massenmedien, Milliardäre, Lobbyisten. Die ständige »Eigenverantwortungs-Rhetorik« soll die Verantwortung der Täter nicht nur verstecken, sondern komplett auf die Opfer selbst lenken.

Ja, die Welt ist oft eher grau statt schwarz/weiß. Auch sollte man in aller Regel die Dinge differenziert betrachten. Auf der anderen Seite kann man aber auch solange relativieren (Danke, liebe Wissenschaft!), bis die Schuldigen im Strudel der Alles-ist-grau-Konsenssoße komplett verschwinden.

Freiheit?

»Ein Arbeiter ist nicht frei wie ein Bürger, er ist nicht frei, zu denken und zu handeln wie ein Bürger, er hat nur die Freiheit, zwischen der Revolution und der Resignation zu wählen.«

- Jean-Paul Sartre. »Der Mensch und die Dinge«. Rowohlt 1978. S. 194

Anmerkung: Zu ergänzen wäre noch die Freiheit der Lohnarbeit und des Konsumierens. Laut Human Development Index 2013 (HDI), der die menschliche Entwicklung messen soll, ist Deutschland auf Platz 5 von insgesamt 186 Plätzen. Nach der aktuellen Rangliste von Reporter ohne Grenzen für die Pressefreiheit steht Deutschland auf Platz 14 von insgesamt 180 Plätzen. Wir müssten insofern doch ein Land sein, in dem die Menschen eine hohe individuelle Freiheit genießen, oder  etwa nicht?

Das überfrachtete Leben

Der individuelle Mangel an Glück und Zufriedenheit ist nicht nur das Ergebnis unserer Wirtschaftsordnung, sondern hat seinen Ursprung auch in der großen Differenz zwischen eigenen Ansprüchen und der Wirklichkeit sowie in einem stark ausgeprägten Haben-Denken.

  1. Wir wollen die perfekte Lohnarbeit haben und können nie genug Geld besitzen.
  2. Wir wollen die perfekte Wohnung, das größte Haus und/oder den schönsten Garten unser Eigen nennen.
  3. Wir wollen die perfekte Beziehung haben, die jede Hollywood-Romantik übertrifft.
  4. Wir wollen die perfekten Vorzeige-Kinder und die besten Eltern der Welt sein.
  5. Wir wollen die perfekte Familie ohne große Konflikte und die perfektesten Freunde zu unserem sozialen Umfeld zählen können.

Die oft völlig übersteigerte eigene Anspruchshaltung kann nur zu Frust und Enttäuschung führen. Sie ist mit die Ursache dafür, dass wir eine tiefe Unzufriedenheit verspüren. Etwas mehr Bescheidenheit und Demut in allen Lebenslagen, könnten dazu beitragen, dass wir etwas entspannter und gelassener werden.

Neusprech: Traumberuf

Das Reich der Freiheit beginnt da, wo Arbeit aufhört.
- Karl Marx

ZG-Artikel: Neusprech HeuteWerbekampagnen, Plakate, Jobcoacher oder Artikel sprechen häufig vom sog. »Traumberuf«. Gemeint ist hierbei, dass man die Lohnarbeit bekommen hat und ausführt, die einem am meisten Sinnerfüllung, Gehalt, Lebensfreude, Motivation und Spaß verspricht. Umso höher die gesamtgesellschaftliche Erwerbslosigkeit und umso niedriger das Stellenangebot, umso größer ist der Wunsch nach dem Traumberuf ausgeprägt. Das Nomen Traum soll hierbei als positive Aufladung fungieren, ähnlich wie bei Traumhaus, Traumauto, Traumpartner, Traumhochzeit und Traumurlaub. Weiterlesen →

Kinder in Deutschland; Teil 28: Alleinerziehend

Alleinerziehend zu sein, gilt in Deutschland, nach wie vor, als großer Makel. Immer steht die Frage im Raum, was die Gründe dafür seien, wie man das finanziell schaffe und ob man überhaupt lohnarbeiten könne, ohne das Kind zu vernachlässigen. Und sollte man nicht lohnarbeiten, was man seinem Kind denn dann vorleben würde. Schließlich bräuchten Kinder Mutter und Vater, eine intakte Familie sowie gute Vorbilder. Das Thema ist hochgradig emotional aufgeladen. Machtkämpfe beherrschen das Schlachtfeld. Sorgerechts‑, Unterhalts- und Psychokriege sind häufige Begleiterscheinungen der Alleinerziehenden. Und nicht selten sollen sich Beteiligte und Familienangehörige für eine Seite entscheiden. Bei all dem wird stets übersehen, dass vor allem eine Partei am wenigstens zu entscheiden, aber am meisten darunter zu leiden hat: die Kinder. Weiterlesen →

Neusprech: Babypause

»Bundesgesundheitsminister Bahr entdeckt die Familie. Nach Geburt seines ersten Kindes will er pausieren. Genau drei Wochen. Das Handy bleibe aber an, versichert der Mann«

- manager-magazin.de vom 17. Mai 2013

Der Begriff »Babypause« ist in den Massenmedien ein oft verwendetes Wort. Es ist ein Synonym für die Elternzeit, in der die Eltern sich intensiv um ihr neues Leben kümmern. Während »Elternzeit« jedoch wertneutraler ist, suggeriert die »Babypause« als würde Frau einen, vom Unternehmen bezahlten, Urlaub wahrnehmen. Babybilder, emotionale Reaktionen und Glückwünsche sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass der Begriff eher negativ besetzt ist, da die »Babypause« oft als »Karriereknick« gewertet wird. Weiterlesen →