Selbstverschuldete Erwerbslosigkeit

  1. Zu ausländisch. Ein nicht-deutscher Nachname, ein Akzent und/oder ein arabisch-asiatisch-afrikanisches Aussehen.
  2. Zu dick und/oder zu stark übergewichtig bzw. zu vermeintlich unattraktiv.
  3. Zu selbstbewusst, zu intelligent und/oder zu hochqualifiziert (und damit zu anspruchsvoll, was die Gehaltsvorstellungen angeht)
  4. Zu schwanger, zu sehr Mutter mit Kind oder mit Kinderwunsch.
  5. Zu ehrlich und zu anständig.
  6. Zu links und/oder zu kritisch.
  7. Zu krank und/oder zu alt.
  8. Zu wenig »Vitamin B«.

Letztendlich sind das natürlich nur haltlose Behauptungen und Übertreibungen von mir. In Deutschland herrscht ein Diskriminierungsverbot. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), oder auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, schützt effektiv vor Benachteiligungen im Arbeitsmarkt. Die wahren Gründe, warum viele Millionen Menschen in Deutschland keine Arbeit finden, sind Faulheit, Dummheit und Anpassungsverweigerung. Und die Behauptung von einer strukturell fest verankerten Massenerwerbslosigkeit, die politisch und wirtschaftlich gewollt ist, entspringt nur den fixen Ideen von linken Spinnern, die ihren Arsch nicht hoch kriegen und immer nur nörgeln wollen.

Selbstverwirklichung durch Fremdbestimmung

Wer einer Lohnarbeit nachgehe, verdiene sein eigenes Geld, sei nicht mehr vom Staat abhängig, sorge für sich selbst und seine Familie, verwirkliche sich selbst und nehme aktiv an der Gesellschaft teil. So lautet eine der üblichen, allgemein gültigen und selten in Frage gestellten Dogmen der westlichen Industriegesellschaften. Manche Menschen sind gar »selbstständig« oder gründen eine »Existenz«. Wer als ein vollwertiges Mitglied in der Gesellschaft anerkannt, ja als Mensch respektiert und nicht zu den Überflüssigen zählen will – der muss einer Lohnarbeit nachgehen. Unabhängig davon, welche Vorstellungen er oder sie vom Leben hat. Individualismus bedeutet, die eigene Lebensgestaltung, Selbstfindung und Sinnerfüllung der vorhandenen sozioökonomischen Struktur zu unterwerfen. Weiterlesen →

Smalltalk

Das kleine Sprechen, so sagt man mir oft, erleichtert den Zugang zu anderen Menschen. Ich solle mich auf der Oberfläche bewegen, keine tiefgründigen oder ernsten Themen ansprechen. Humorvoll sein, über Lohnarbeit und über mein unmittelbares Umfeld reden. Alles darüber hinaus werde als anstrengend empfunden. Diskurse aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Medien, Philosophie und Kunst würden die meisten Menschen eher abschrecken, ich solle sie daher meiden. Auch Kritik werde ungern gesehen.

Doch smalltalk wird schnell zum normaltalk. Ob bei Facebook, auf Partys, mit den Arbeitskollegen, selbst mit Freunden oder der Familie: die alltägliche Kommunikation bleibt nicht selten auf dem Niveau der Einstiegskommunikation. Wenn ich mich jedoch ständig mit meinen Mitmenschen über Dinge unterhalte, die mich nicht in die Welt werfen und in sie eintauchen, mich nicht berühren und empathisch aktiv werden lassen — so bleibt nicht nur die Beziehung zu meinen Mitmenschen oberflächlich, unverbindlich und belanglos, sondern auch das Verhältnis zu mir selbst.

Vollbeschäftigung erreicht!

Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Pressekonferenz gestern mitteilte, ist die Massenerwebslosigkeit in Deutschland überstanden: »Jeder, der arbeiten will, findet nun auch eine Arbeit«, so Merkel. Mit einer groß angelegten Joboffensive im öffentlichen Sektor, einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich sowie einer Entkoppelung der Sozialabgaben vom Faktor Arbeit, ist es der Bundesregierung gelungen, innerhalb von nur 5 Jahren die Massenerwerbslosigkeit von statistisch schöngerechneten 3 Millionen (also ca. 6 Millionen) Arbeitslosen, auf sagenhafte ca. 100.000 Arbeitslose zu reduzieren. Während die Mehrzahl der Bürger die Entwicklung begrüßt, sind die Reaktionen aus der Wirtschaft eher verhalten. Weiterlesen →

Was ist Leistung?

  1. Ist es leistungsfeindlich oder solidarisch, wenn die finanziell Starken die finanziell Schwachen unterstützen?
  2. Wie viel leistet ein unbezahlter Praktikant, der 40 Stunden in der Woche arbeitet?
  3. Wie hoch ist die Leistung eines Millionen-Erben oder eines Lotto-Millionärs?
  4. Was leisten Alkoholsüchtige für die Spirituosenindustrie?
  5. Ist die Leistung so hoch wie der Lohn oder der Lohn so hoch wie die Leistung?
  6. Die physikalische Größe für Energie pro Zeit?

Schweigen ist Volk

»Sie verstehen, qualifiziert, das heißt im rechten Moment, freiwillig zu schweigen. […] Sobald Sie etwas zu sagen haben, geht es nur noch darum, möglichst raffiniert zu verschweigen, was Sie zu sagen hätten, wenn Sie wirklich etwas zu sagen hätten.«

-Michail Krausnick, »Die Sache Mensch«, Rowohlt Verlag, Hamburg 1985. S 7

Anmerkung: Wer Karriere machen will, muss lernen, anständig zu schweigen. Zu sagen, was man denkt und fühlt, das kann doch jeder! Betriebs‑, Geschäfts- und Betrugsgeheimnisse wahren, das Unternehmen durch ein Engagement im Betriebsrat oder der Gewerkschaft nicht in Verlegenheit bringen, und den Chef nicht mit der Wahrheit konfrontieren — das macht einen qualifizierten Mitarbeiter aus.

Kinder in Deutschland; Teil 22: Umerziehung

Typische Gespräche zwischen Mutter (M), Vater (V) und Sohn (S). Über Schule, Arbeit und Leistung. Eine Tragödie in fünf Akten.

Akt eins

M: Guten Morgen, mein Sohn!
S: (brummelt)
M: Die Sommerferien sind vorbei, heute ist endlich wieder Schule! Freust Du Dich schon?
S: Nein.
M: Aber warum denn nicht? Dort lernst Du viele tolle Sachen!
S: Zum Beispiel?
M: Englisch, Mathe, Deutsch — wenn Du später eine anständige Arbeit finden willst, dann musst Du das lernen. Und jetzt raus aus den Federn! Weiterlesen →

So werden Sie authentisch!

by epikur

Wenn Sie authentisch sein wollen, dann halten Sie sich an den hier vorliegenden ultimativen Ratgeber. Wahrhaft Sie selbst sein zu können, ist keine Frage ihrer Individualität. Wir helfen Ihnen endlich Charakter zu haben und erfolgreich im Leben zu sein. Vergessen Sie all die halbgaren Be-Yourself-Coacher, ein ökonomisch begehrenswerter Mensch zu sein, ist nur eine Frage der Haltung. Wir helfen Ihnen dabei, die richtige Lebenseinstellung zu verinnerlichen. Weiterlesen →

Entschlüpft

 »Lern viel und fleißig, dann wird aus Dir auch was Ordentliches!« oder:  »Was willst Du später mal werden?«, so heißt es im Volksmund.

Wie aus dem hässlichen Entlein ein schöner Schwan wird, wie eine Raupe zum Schmetterling wird, so sind wir erst vollkommene Menschen, wenn wir einen Beruf ausüben. Man ist erst »jemand«, darf erst Anerkennung, Respekt und Achtung erfahren, wenn man lohnarbeiten geht. Man soll gesellschaftliche Anpassung vorweisen können, ein Rädchen im Systemgetriebe sein und eine Funktion aus-füllen, selbst wenn sie einen nicht er-füllen sollte. Weiterlesen →