Keine Armut. Nirgends. (4)

Armut, insbesondere Kinderarmut und Altersarmut, sind ökonomisch, strukturell und politisch bedingt. Es ist wichtig, darauf immer wieder hinzuweisen, weil die Altmedien, das Thema Armut ständig mit neuen Erzählungen verknüpfen und es zu einem individuellen Problem stilisieren, damit ja Niemand auf die Idee kommt, strukturelle Ungleichheiten zu thematisieren. Schließlich ist der Kapitalismus alternativlos und gottgegeben.

Da wäre beispielsweise »der faule Arbeitslose«, der alle paar Jahre durch die Altmedien gejagt wird. Dann gibt es die »Armutszuwanderer«, die besonders von rechten Denkern beschworen werden. Und nicht zu vergessen: die »bildungsfernen Schichten«. All diese Eigenverantwortungs-Erzählungen sollen regelmäßig davon ablenken, dass Massenarmut eine gigantische, ökonomische und schlicht gewollte, strukturelle Umverteilungsmaschine von unten nach oben ist.

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Presseblick (94)

Das nächste Streitgespräch in den freien Medien. Diesmal geht es um das Thema »Migration«. In der Diskussion prallen Welten aufeinander. Es wird sich kräftig gestritten, ohne »einzuordnen« oder zu »framen«. Meines Erachtens, hat der von mir ansonsten sehr geschätzte Paul Brandenburg mit seiner »Islam-Sippenhaft« stark überzogen und Tariq Hübsch hat hier die deutlich besseren Argumente. Aber das ist nur meine Einschätzung.

Die Altmedien können oder wollen so ein Format nicht mehr. Da gibt es bei vielen Themen nur noch eine Meinung und eine Haltung. Wer da andere Töne anschlägt, wird ganz schnell sozial und/oder ökonomisch geächtet. Bestes Beispiel sind die »Klar«-Reportagen von Julia Ruhs. Die freien Medien machen nun zunehmend das, was die etablierte Presse konstant verweigert: Demokratie, Diskurs und Meinungsfreiheit. Weiterlesen

Presseblick (93)

Flavio von Witzleben war mal gelegentlich bei Manova und Apolut zu sehen. Nun geht sein YouTube-Kanal durch die Decke. Und Warum? Weil er Journalismus der alten Schule macht. Er reist vor Ort (Sankt Petersburg / Thomas Röper) und er bringt Menschen an einen Tisch, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Er wertet nicht. Er framt nicht. Er diffamiert nicht. Er stellt kritische Fragen, bleibt aber immer fair. Er überlässt das Denken und die Wertung seinen Zuschauern. Das ist Diskurs. Das ist Vielfalt. Das ist Demokratie. Die Altmedien haben das ‑vor lauter Aktivismus gegen Rechts- vollkommen vergessen. Weiterlesen

»Das 5 Prozent Ziel«

rnd.de vom 23. Juni 2025

Im Rahmen der »Zeitenwende« (Euphemismus für »Aufrüstung« und »Militarisierung«) wird immer wieder vom »5‑Prozent-Ziel« der NATO gesprochen. Gemeint ist, dass die Mitgliedsländer der NATO 5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukt (BIP) in das Militär investieren sollen. Hier wird sprachlich getrickst und getäuscht, um zu verschleiern, wieviel Geld wirklich in die Militarisierung gesteckt und gleichzeitig dafür woanders gekürzt und gespart wird. Denn »5 Prozent« klingt ja nach wenig. Aber gehen wir das einmal exemplarisch durch. Weiterlesen

»Gefühlte Wahrheiten«

Mieten steigen
Brücken stürzen ein
Reallöhne stagnieren
Die Infrastruktur verrottet
Energiepreise explodieren
ÖPNV-Tickets werden teurer
Kinder- und Altersarmut steigen
Lebensmittel werden immer teurer
Krankenkassenbeiträge steigen stark an
Es gibt immer mehr Massenentlassungen
Im Bildungsbereich wird gekürzt und gespart
Die Deutsche Bahn kommt kaum noch pünktlich
Die Lebensmittel-Tafeln müssen Essen rationieren
Bezahlbarer Wohnraum in Städten ist kaum noch zu finden

Aber all das, ist eben nur eine »gefühlte Ungerechtigkeit«, eine »gefühlte Wahrheit«, also eigentlich faktisch-objektiv gar nicht vorhanden. Man muss es den Menschen nur »besser erklären«! Dann verstehen sie das schon. Wir leben weiterhin und für alle Zeiten im besten Deutschland aller Zeiten! Für alles Andere sind Trump, die AfD und Putin verantwortlich.

Presseblick (92)

Es bleibt leider nicht aus, sich gelegentlich den »Mainstream« anzutun. Nicht nur, um zu wissen, wie und mit welchen Argumenten aus der Tagesschau der Arbeitskollege am nächsten Tag ankommen wird, sondern auch, um sich zu erden und die innere Mitte nicht zu verlieren. Denn was uns hier teilweise »Redaktionen« und »Redakteure« als »Berichterstattung« präsentieren, um SEO zu huldigen, hat mit Journalismus kaum noch etwas zu tun.

Wir leben in wilden und verrückten Zeiten. Für halbwegs gebildete und halbwegs selbstdenkende Menschen, muss das hier die »Matrix«, die »Truman-Show« oder einfach nur bittere Realsatire sein? Ich könnte fast täglich einen »Presseblick« veröffentlichen. Nur, woher die Zeit nehmen? Im folgenden also eine lose Kommentierung von ausgewählten Pressebeiträgen. Weiterlesen

Neulich bei der GEW...

Mir ist aufgefallen, dass die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin einen großen Schwerpunkt auf Diversität- und Gender-Themen legt. Natürlich darf auch der Kampf »gegen räääächts« nicht fehlen. Auch in ihren Berliner Büro- und Seminarräumen hängen viele Plakate hierzu. Dagegen wäre erst einmal nichts einzuwenden. Es gibt viele Lohnarbeiter, die in ihrem Arbeitsleben diese Bereiche beackern müssen. Beispielsweise Lehrer beim Kultur-Clash in sog. »Willkommensklassen«.

Allerdings bewirkt der übermäßige Schwerpunkt auf Klimagerechtigkeit, Feminismus, Diversität und Gender, dass für die eigentlichen Kernthemen einer Gewerkschaft, kaum noch Raum und Zeit zur Verfügung stehen: Arbeitsbedingungen. Vergütung. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Tarifflucht. Alters- und Kinderarmut. Aber vor allem die Entwicklung und Stärkung eines proletarischen Klassenbewusstseins.

Der Blick sowie der Fokus auf ökonomische Ungleichheiten und strukturelle Ungerechtigkeiten wird immer weiter, zugunsten einer sich stets um sich selbst kreisenden sexuellen Identitätspolitik, verdrängt. Methoden und Prinzipien von Macht und Machtausübung, Soziale Gerechtigkeit, Ausbeutung, Kampf gegen (Neo-)Kolonialismus und Neoliberalismus, mehr Transparenz und weniger Korruption — das alles findet bei der GEW immer weniger statt. Ein Blick in ihre Vorträge und Seminare genügt.

Die »Selbstgerechten« denken aber weiterhin, sie seien »links« und würden für »die gute Sache« eintreten, merken aber nicht, dass sie damit vor allem den »Arbeitgebern« einen großen Gefallen tun. Denn wenn sich jeder nur noch um die eigene sexuelle Identität kümmert und sorgt, dann kann es kein solidarisches Klassenbewusstsein unter Lohnarbeitern mehr geben.


Neulich...
GEW und Corona

Keine Armut. Nirgends. (3)

»Wer absichtlich nicht mitwirkt, zumutbare Arbeit ablehnt oder unentschuldigt zu Terminen fehlt, soll künftig am Ende keine Leistungen mehr erhalten

- focus.de vom 3. Dezember 2024 zum CDU-Vorhaben beim »Bürgergeld«

Anmerkung: Nachdem die Querdenker, die Impfgegner, die Putintrolle, die Klimaleugner und die Verschwörungstheoretiker, als Feindbilder langsam ausgelutscht sind — bedient man wieder das Narrativ vom »faulen Arbeitslosen, der das Land ruiniert.«

Es ist grotesk, das diese Spaltungsmethode in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft, weiterhin so gut zündet. Banken, Millionäre und Konzerne, die milliardenfach Steuern hinterziehen sowie Politiker, die uns in einen Krieg treiben und/oder für millionenfache Verarmung im Land sowie für den Zerfall der Infrastruktur verantwortlich sind — ruinieren das Land. Aber nicht ein paar tausend vermeintlich faule Arbeitslose, die von Sozialleistungen leben.

Davon abgesehen, ist und bleibt diese Forderung der Total-Sanktionierung verfassungswidrig. Das wurde bereits im Jahr 2019 in einem Urteil vom Bundesverfassungsgericht festgehalten:

»Sanktionen, wenn sie zu einer Lebensgefährdung oder Beeinträchtigung der Gesundheit der Sanktionierten führen, verstoßen gegen das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit

Menschen den Strom abstellen zu lassen, sie in die Obdachlosigkeit und damit staatlich verordnet in die Existenzlosigkeit zu treiben, weil keinerlei Kosten mehr übernommen werden — ist weder geeignet noch verhältnismäßig, sondern schlicht menschenverachtender Lohnarbeitsfetischismus.


Keine Armut. Nirgends.
Keine Armut. Nirgends. (2)

»Menschenjagd« von Richard Bachman

Im Jahr 1982 veröffentlichte Stephen King, unter seinem Pseudonym Richard Bachman, den dystopischen Sci-Fi-Roman »Menschenjagd«, besser bekannt als: »Running Man«. Im Gegensatz zur Verfilmung mit Arnold Schwarzennegger von 1987, ist das Buch deutlich düsterer, gesellschaftskritischer und ja, leider auch deutlich unbekannter. Außerdem gibt es nicht unerhebliche Änderungen im Film (Regie: Paul Michael Glaser). Aber worum geht es bei »Running Man« eigentlich?
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Eigenverantwortung Reloaded

Der gute Erwin kommentiert den Vortrag eines Psychologen, der analysiert haben will, warum unsere heutige Jugend so unzufrieden und unglücklich sei. Das liegt natürlich nicht an hohen Mietpreisen, schlechten Löhnen, Armutsrenten, miesen Arbeitsbedingungen, Inflation, C‑Terror, Medienlügen oder einer gezielten Atomisierung und Spaltung der Gesellschaft. Nicht doch. Nein! Jeder sei doch seines Glückes Schmied, soll mal nicht so ein »Opfer« sein, mehr Eigenverantwortung zeigen, weniger narzisstisch sein und Resilienz aufbauen, so der Psychologe.

Diese neoliberale Propaganda ‑die jedwede strukturell bedingte Ungerechtigkeit, welche die Menschen immer mehr unter Druck setzen, erbost von sich weist und alles zu einer »individuellen Entscheidung« machen will- hören und lesen wir überall. Seit Jahrzehnten. Nicht wenige Psychologen fungieren hier als Stützpfeiler dieser Erzählung. Jeder zweite Irgendwas-Coach arbeitet mit der »Eigenverantwortungsformel«, negiert gesellschaftliche Zustände sowie strukturelle Gewalten (oder degradiert sie als Randerscheinung) und zementiert damit Fatalismus und Resignation.

Natürlich ist »die Gesellschaft« auch nicht für alles verantwortlich und der Aufbau von Resilienz, Mut und Verantwortungs- sowie Selbstbewusstsein ist generell zu begrüßen. Es gibt hier kein Entweder Oder, sondern ein Sowohl als Auch. Kritisch wird es aber, wenn insbesondere Psychologen, Coacher oder Ausbilder gar keine gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und sozioökonomischen Ursachen mehr sehen, sondern alles zu einem individuellen Problem machen wollen.


»Resilienz«
»Mehr Eigenverantwortung wagen!«