Ziegenjournalismus (3): Kriegspropaganda

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?

Inwiefern die bürgerlichen Massen‐ und Leitmedien überhaupt ein intrinsisches Interesse an Objektivität, Sachlichkeit, Menschenrechte und der Suche nach der Wahrheit haben, erkennt man spätestens bei der Kriegsberichterstattung. Werden hier beide Seiten des Konflkts möglichst wertneutral beschrieben? Wird zur Diplomatie und zum Frieden aufgerufen oder für den Krieg getrommelt? Werden Meldungen und Informationen doppelt und dreifach geprüft oder einfach übernommen, weil sie in das eigene ideologische Narrativ passen? Wie viele Quellen, Kriegsreporter und Informanten gibt es? Werden diese dem Leser transparent gemacht, sind sie womöglich selbst in den Konflikt involviert oder eher ideologisch voreingenommen?

SPIEGEL, BILD, Sueddeutsche, FAZ, ZDF und ZEIT liefern da leider eine eher traurige Bilanz. Sie alle haben sich beim völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Serbien (1999), beim Afghanistankrieg (2001), beim völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak (2003), beim Krieg gegen Libyen (2011) und gegen Syrien (ab 2014) stets auf die Seite der NATO‐Länder und insbesondere auf die Interessen der US‐Regierung gestellt. Auch Wikipedia ist stets NATO‐Freundlich. Gleichzeitig haben alle großen deutschen Presse‐ und Medienerzeugnisse für die Kriege getrommelt, Stimmung gemacht und die mittlerweile als Lügen und Propaganda entlarvten Meldungen übernommen und vielfach verbreitet. Zu nennen wären hier insbesondere:

Einbetten. Einseifen. Einbinden.
Uwe Krüger hat 2013 wissenschaftlich untersucht, wie Journalisten mit Netzwerken und Denkfabriken verbunden und eingebettet sind. Herausgekommen ist (was übrigens vorher jahrelang als Verschwörungstheorie gebrandmarkt wurde!), dass die Top‐Journalisten ideologisch nicht nur ganz auf Linie mit den Eliten sind, sondern vor allem in zahlreichen NATO‐Denkfabriken sowie transatlantischen Organisationen eingebunden sind. Es herrscht eine klebrige und symbiotische Nähe zu den Eliten, statt eine »vierte Gewalt«, die der Macht kritisch auf die Finger schaut. Soviel wissenschaftliche Transparenz war einigen Journalisten dann wieder zuviel des Guten und sie zückten die juristische Keule:

»Die Anstalt« thematisierte 2014 in einer Folge die Verbindungen von Journalisten zu Lobbygruppen. Daraufhin klagten zwei Mitarbeiter der Wochenzeitung »Die Zeit« — ohne Erfolg.«

Spiegel Online vom 10. Januar 2017

Die Kriegspropaganda ist wohl so alt wie die Massenmedien. Immer schon haben sie gehetzt, eskaliert und verschärft. Und dennoch gab es auch immer pazifistische Stimmen, die zu Diplomatie und Entspannungspolitik aufriefen. Jedoch spätestens seit der tendenziösen (und sehr einseitigen) Berichterstattung beim Ukraine‐Konflikt im Jahr 2014, dem omnipräsenten Putin‐und‐Russland‐Bashing sowie der Offenlegung von transatlantisch eingebunden Alpha‐Journalisten, ist die Glaubwürdigkeit sowie die Meinungs‐ und Deutungshoheit unserer Massenmedien auf einem Tiefpunkt angelangt. Verantwortlich dafür sei aber nicht das Verhalten der NATO‐Medien selbst, sondern Populisten, Fake‐News, Verschwörungstheoretiker, Spinner, Esoteriker, Aluhüte und Antisemiten. So jedenfalls die »Analyse« der Leitmedien.

»Wir kamen, wir sahen, er starb.«
Hillay Clinton zum Tode Gaddafis, N‐TV am 20. Oktober 2016

»Ja, 500.000 tote irakische Kinder waren es wert.«
Madeline Albright in einem Fernsehinterview im Jahr 1996


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2 Gedanken zu “Ziegenjournalismus (3): Kriegspropaganda

  1. Gerader ist wieder ein Beispiel dessen in den Schlagzeilen: Nun sind von der niederländischen Ermittlungsgruppe Telefonmitschnitte veröffentlicht worden, die — angeblich — die Verstrickung Russlands in den Abschuss von MH‐17 belegen sollen. Je nach dem, welche Quelle (und in welcher Sprache) man liest, sind die darauf zu hörenden Leute bereits identifiziert oder man ist noch beim »soll zu hören sein«. In Sachen »News‐Wert« ein totaler Windbeutel. Weiß man es denn nun oder weiß man es nicht? Ach was, egal — schreiben wir trotzdem schon einmal einen Artikel darüber...
    Wäre es irgendein Prominenter oder eine namhafte Firma würden sie das nicht tun, weil sie wüssen, binnen kurzer Zeit hätten sie eine Armada von Anwälten am Hals, die sie auf Unterlassung und Schadensersatz verklagen wollten.

  2. Bello Gallico Julius Cäsar.

    da gab es das schon.
    Okay?
    und ist doch schön, das der Putin 124 Milliarden Dollar Vermögen hat.
    ER war schlau.
    Schlauer als Stalin oder Hitler. ( der hatte 1945 nur 65 Milliarden Dollar Vermögen...)

    the show must go on

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